Mittwoch, 29. Juli 2009

Zukunftsprojekt Almada-Nascente


London hat seine Docklands, Hamburg seine Hafencity - und nun soll auch Lissabon ein futuristisches Wohn- und Geschäftsviertel am Ufer des Tejos erhalten.
„Almada Nascente“ (Aufgehendes Almada) soll eine Musterstadt werden, mit exklusivem Blick auf Lissabon. Doch allzu viele Investoren haben noch nicht zugesagt an diesem Projekt teilzunehmen. Nicht das sie kein Interesse hätten – im Gegenteil. Lediglich die kommunistische Stadtverwaltung von Almada bremst das Vorhaben ungemein.

Lissabon, Almada und der Tejo: Das ist schon immer eine Geschichte des „Hüben und Drüben“ („esta banda e a outra banda“) gewesen.
Das sich stellenweise kilometerbreit vor Lissabon erstreckende Tejodelta (port.: „Mar da Palha“) trennt die portugiesische Hauptstadt schon rein geografisch vom gegenüberliegendem Ufer ab. Und diese Trennung gilt auch im Sozialen: Im Laufe der letzten Jahrzehnte entstanden auf der linken Tejoseite riesige Schlaf- und Trabantenstädte.

Allein die Stadt Almada verzehnfachte innerhalb der letzten 50 Jahre seine Einwohnerzahl auf heute rund 180.000 Menschen. Und erst langsam beginnt sich das ehemals verschlafene Almada von seiner großen Nachbarin Lissabon zu emanzipieren und holt nun zum großen Schlag aus: Direkt am Flussufer des Tejo, auf dem 155 Hektar großen Gelände der im Jahre 2000 stillgelegten Schiffswerft Lisnave, soll Europas größte „Hafen-City“ entstehen.

Im Jahre 2001 schrieb die Stadtverwaltung von Almada ein Internationales Architekturwettbewerb aus, aus dem als Sieger die Star-Architekten Richard Rogers und W.S. Atkins hervorgingen. Richard Rogers z.B. ist als Erbauer des Millennium Dome in London und des Centre Pompidou in Paris, weltberühmt.

Die Architekten Rogers und Atkins planen ein neues, futuristisches Stadtviertel das vollkommen dem Klima- und Umweltschutz verschrieben sein soll. So sollen die Regenwasseraufbereitung und die Solarenergie eine große Rolle spielen, genauso wie die Verwirklichung von Fahrradwegen und kulturellen Begegnungsstätten. Ebenso ist an die Errichtung einer modernen Universität und verschiedener Forschungsanlagen, sowie an ein riesiges Kreuzfahrtschiffterminal gedacht.

Um dieses riesige Projekt allerdings verwirklichen zu können, muss vorher ein vernünftiger Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel entstehen.
Lissabon und sein Großraum haben schon heute eine nicht ausreichende Verkehrsanbindung. Würde man das Projekt „Almada Nascente“ realisieren, ohne vorher ein funktionierendes Nahverkehrsystem zu schaffen, würde der ganze Verkehr in und um Lissabon völlig zum erliegen kommen. Schon heute sind Staus von mehreren Kilometer Länge normal und alltäglich.

Da die Stadtverwaltung Almadas, unter Bürgermeisterin Maria Emília de Sousa, sich nicht konsequent um die Realisierung eines funktionierenden Nahverkehrs kümmert, tun sich Investoren, mit dem Projekt „Almada Nascente“ sehr schwer. Und Investoren werden dringend gebraucht. Denn das Investitionsvolumen für die Realisierung dieses futuristischen Bauvorhabens beträgt über eine Milliarde Euro!

So bleibt die Verwirklichung von „Almada Nascente“ fürs erste einmal ein Traum. Aber jeder der Portugal kennt, weiß dass hier von heute auf morgen solche Träume, wie man bei der EXPO ´98 und beim EURO 2004 gesehen hat, schnell zu Realitäten werden.
Lassen wir uns also überraschen.

Sesimbra


Fragt man meinen Neffen nach seinem Lieblingsstrand, so antwortet er ohne zu zögern: SESIMBRA

Als Kind hatte ich wohl immer die selbe Antwort parat, wenn man mir die gleiche Frage stellte, denn auch ich war als Kind von Sesimbra und seinem Strand fasziniert.

Wo sich die Straße zum Ufer senkt, am Hügel neben der Windmühle, saß ich manchmal als Kind, während meine Eltern frisches Obst kauften, bevor wir an den Strand gingen.
Die weißen Segel der Windmühle, das maurische Kastell über der Stadt, das Grün der Hänge, das tiefblaue Meer, die schiefen Fischerhäuschen, die bunten Fischerboote, die Festung Santiago (Fortaleza de Santiago) am Meer; immer war Sesimbra ein reizender Anblick, selbst für mich als Kind.
Aber das naive und unverdorbene Sesimbra ist tot – es lebe das neue und zugebaute Sesimbra!

Das an der felsigen Steinküste der Serra da Arrábida gelegene und ca. 30 km von Lissabon entfernte Sesimbra, war einmal ein altes, pittoreskes Fischerdörfchen, bis es in die Fänge der Grundstückspekulanten geriet und sich in eine anonyme Betonwüste verwandelte. Sie haben alle Hügel aufgerissen, in den Narben wächst kein Gras mehr, die Abhänge wurden mit Appartementblocks und Hotels zubetoniert.
Aus einem Paradies wurde mit der Zeit leider ein verwunschener Ort.

An der Praia da California, unmittelbar neben der heute schmucklosen Strandpromenade und genau vor dem Hotel Sesimbra Spa, stehen nun Strandzelte, eng wie Sessel im Kino, und machen es nötig, das man hunderte von Metern laufen muss, um dann endlich in Ruhe sein Strandlaken ausbreiten zu können.
Aber trotz aller Bausünden, Sesimbra ist als Badeort auch heute noch unschlagbar.

Aber nicht nur der Tourismus macht Sesimbra in Portugal berühmt, sondern vor allem die Fischerei. Die Gewässer um Sesimbra sind äußerst Fischreich. Daher ist in Sesimbra eine Fischereifangflotte stationiert und Sardinen aus Sesimbra sind im ganzen Land begehrt und beliebt.
Teilweise kann man heute noch am Ortsende den Fischern beim Flicken der Netze zuschauen oder das Ein- und Ausladen im Fischerhafen am westlichen Ortsrand beobachten.

Bei Sesimbra, liegt der Cabo Espichel, der westlichste Punkt Festlandeuropas.
Hier geht die 35 km lange Bergkette der Serra da Arrábida mit einem Paukenschlag zu Ende.
Sie durchzieht die ganze Halbinsel von Setúbal, bis zu 600 m ansteigend, in Ost-West-Richtung und fängt die kühlen Winde aus dem Norden auf.
So hat Sesimbra, trotz seiner Lage am Atlantik, ein eher mediterranes Klima. Nur das Meer hält sich nicht an die klimatischen Gegebenheiten, es bleibt kühl, ich messe 18°C Ende Juli.

All meine Zuneigung reicht nicht aus, um die Wunden zu übersehen, die dem Ort in den letzten Jahren geschlagen wurden.
Und so wird auch mein Neffe Sesimbra niemals so kennen lernen, wie ich es konnte, als ich in seinem Alter war.
Genauso wie ich, so wird auch er eines Tages leider seine Liebe zu Sesimbra durch Mitleid ersetzen müssen!

Fregatte Dom Fernando II e Glória


Seit gut einem Jahr ankert hier in Almada, im Stadtteil Cacilhas, die portugiesische Fregatte Dom Fernando II e Glória als Museumsschiff.

Die Dom Fernando II e Glória ist ein Segelschiff der portugiesischen Kriegsmarine, die zwischen 1845 und 1878 ihren Dienst zwischen Portugal und dem damaligen Portugiesisch Indien (Goa, Damão, Diu) versah, und die heute ein Museumsschiff ist.

Diese Fregatte war das letzte Segelschiff welches die portugiesische Kriegsmarine bauen ließ.
Gebaut wurde die Dom Fernando II e Glória in den Werften der portugiesischen Marine in Damão (heutiges Indien), unter der Aufsicht des Schiffsbauers und Ingenieurs Gil José da Conceição. Sie hatte 50 Geschütze an Bord und war somit eines der gewaltigsten Kriegsapparate ihrer Zeit.

Getauft wurde die Fregatte nach dem Prinzregenten Dom Fernando II und seiner Gemahlin Königin Maria II da Glória, die zur Zeit des Stapellaufes, das Land regierten.

Die Jungfernfahrt der Dom Fernando II e Glória fand vom 02. Februar bis zum 04. Juli 1845, zwischen Goa, in Portugiesisch Indien und Lissabon statt.
Der Segler hatte 145 Mann Besatzung und konnte 300 Passagiere befördern. Auf manschen Reisen waren sogar bis zu 600 Personen an Bord.
Bis zu ihrer Ausmusterung, im Jahre 1878 legte sie über 100.000 Seemeilen zurück, was einer fünfmaligen Weltumrundung gleichkommt.

In ihrer Dienstzeit segelte die Fregatte mehrere Male kommerziell zwischen Portugal und Indien hin und her, führte Truppentransporte nach Indien, Angola und Moçambique durch, nahm an verschiedenen kriegerischen Handlungen teil, wie die Seeblockade von Benguela und rettete 1878, auf ihrer letzten Fahrt, mehrere Seeleute des amerikanischen Seglers „Laurence Boston“ vor dem sicheren Ertrinkungstod, als deren Schiff auf hoher See, vor den Azoren, in Brand geriet und unterging.

Nach ihrer Außerdienststellung 1878 wurde die Dom Fernando II e Glória als Schulschiff der portugiesischen Marine eingesetzt.
Nach einem Brand im Jahre 1963 wurde sie schwer beschädigt. Wieder seetüchtig gemacht, nahm sie 1998 an der EXPO´98 in Lissabon, als Ausstellungsobjekt teil.

Laut Katalog, den man erhält, wenn man die Dom Fernando II e Glória in Cacilhas besucht, hat das Segelschiff die folgenden Maße:

- Länge: 86,75 m
- Breite: 12,80 m
- Höhe bis zur höchsten Mastspitze: 19,42 m
- Segelvolumen: 2052 m²
- Gewicht unbeladen: 1849,16 Tonnen

Miradouro de Almada


Für mich sind Städte wie Menschen:
Es gibt welche, die sind mir sympathisch, und es gibt welche, die sind mir weniger sympathisch.

Almada, die Stadt in der ich seit gut zehn Jahren lebe, gehört eher zu der zweiten Kategorie.
Obwohl ich hier schon lange lebe und jeden Monat mehrmals über Almada nach Lissabon rein fahre, bin ich nie mit dieser Stadt „warm geworden“.
Vielleicht liegt es daran, das ich mich nie mit den Menschen dieser Stadt identifizieren konnte und ich mich deshalb nur als ein ständiger Gast Almadas fühle.

In den zehn Jahren die ich hier in Almada lebe, habe ich vielleicht fünf oder sechs Mal einen Fuß in die hiesige Altstadt gesetzt. Einerseits liegt die Altstadt von Almada etwas Abseits von den Routen die ich sonst tagtäglich benutze, und andererseits sind mir die Gassen und Wege der Almadenser Altstadt auch heute noch etwas fremd.

Aber letzte Woche war ich mit meiner Schwester Carla und meinem Schwager Egbert auf Stippvisite in der Altstadt.
Denn die Beiden, in Deutschland wohnhaft, waren bisher noch seltener in der Altstadt von Almada als ich.
Ich wollte ihnen unbedingt den Ausblick vom Miradouro, dem Aussichtspunkt der alten Burg, zeigen.
Diese Aussicht, über den Tejo nach Lissabon rüber, ist wohl eines der schönsten Dinge die diese Stadt heute seinen Gästen zu bieten hat.

Und das muss auch früher mal so gewesen sein.
Denn die Burg von Almada ist eine der ältesten Befestigungsanlagen der südlichen Iberischen Halbinsel.

Die Burg ist ein Bau aus maurischer Zeit. Die Mauren selbst nannten den Ort, an dem sie die Burg errichteten, Hisn al-Madin, was so viel wie „Burg“ oder „Festung“ heißen soll.
Sicherlich bauten sie die Burg in erster Linie aus strategischen Gründen, denn von der Stelle an der die Burg steht, hat man einen weiten Blick auf die Tejomündung, die Stadt Lissabon und das Sintragebierge.

Von 1147 bis 1212 wechselte die Festung Almada mehrmals den Besitzer. Einmal eroberten sie die christlichen Truppen, unter König Afonso Henriques, von den Mauren, dann wurde sie wieder von dem Kalifen Abu Yusuf Ya´qub al-Mansur in Besitz genommen und dann wieder von König Sancho I zurückerobert.
Erst 1212, mit dem Sieg der portugiesischen gegen die maurischen Truppen bei der Schlacht von Navas de Tolosa (Batalha de Navas de Tolosa), wurde Almada endgültig christlich und somit auch portugiesisch.

Die Burg selber ist heute leider nicht dem öffentlichen Publikum zugänglich, da sich in ihr ein Quartier der portugiesischen Republikanischen Nationalgarden (Guarda Nacional Repúblicana GNR) befindet.
Aber von den Parkanlagen, die an die Burg angrenzen, hat man, wie ich schon geschrieben habe, eine der privilegiertesten Aussichten über die Tejomündung und die Stadt Lissabon.

Ich glaube, ich sollte öfters die Altstadt von Almada besuchen. Vielleicht wird mir dann die Stadt mit der Zeit etwas sympathischer!

Die leckeren Pasteis de Al-Madan


Die arabischen Mauren haben, als sie das südliche Portugal Mitte des 12. Jahrhunderts wieder verließen, hier ein kulturelles, architektonisches, sprachliches und auch gastronomisches Erbe hinterlassen.

Zu den schmackhaftesten Hinterlassenschaften, die sie in der Stadt Almada (auf arabisch: Hisn al-Madin) zurückgelassen haben, gehören ohne Zweifel die Pasteis de Al-Madan (Al-Madan Gebäckstückchen).
Bei den Al-Madans handelt es sich um gefüllte Blätterteigstückchen, die noch heute in Almada, in der Konditorei gleichen Namens, hergestellt und verkauft werden.

Es existieren fünf Füllungen
- die traditionelle Mandelfüllung (Amêndoa), die noch auf die arabischen Mauren zurückgeht
- eine Nussfüllung (Nóz), die seit Mitte des letzten Jahrhunderts existiert
- eine Apfelmusfüllung (Maçã), die besonders fruchtig schmeckt
- eine Schokoladenfüllung (Chocolate), bestehend aus leckerer Vollmilchschokolade
- und eine süße Kürbisfüllung (Gila), die erst in den letzten Jahren ihren Weg als leckere Füllung für die Al-Madans gefunden hat.

Aus Gründen die mir unbegreiflich sind, haben die Al-Madans nie die weltweite Berühmtheit erlangt, die die Pasteis de Belém (Belém Gebäckstückchen), ihre Brüder auf der gegenüberliegenden Tejoseite, in Lissabon, erlangt haben.

Wenn sie mal in der Stadt Almada sind, fragen sie nach der Konditorei Al-Madan, in der Avenida Dom Afonso Henriques, einer Hauptstraße. Sie werden es nicht bereuen.
Aber übertreiben sie es nicht mit dem Schlemmen.
Denn zweifellos handelt es sich bei den Al-Madans, wie bei allen portugiesischen Süßspeisen, um authentische Kalorienbomben, die jede gute Figur gnadenlos zerstören.
Ich spreche aus eigener, trauriger Erfahrung…

Samstag, 25. Juli 2009

In Sachen Wasser, hängt Portugal am spanischen Tropf


Hier in Portugal gibt es eine uralte Legende, die man sich gelegentlich erzählt.
Dieser Legende nach, haben sich vor langer, langer Zeit drei Flussgeister nach Spanien begeben, um dort ein Wettrennen an den Atlantik zu beginnen. Eine Nacht, vor dem großen Start, schliefen die Flussgeister noch gemeinsam ein. Der erste, der erwachte, war der Guadiana. Er nahm den schönsten und einfachsten Weg hinunter zur Algarve. Der Tejo folgte als nächster und entschied sich für die Route nach Lissabon. Für den Langschläfer Douro blieb nur noch die lange und zerklüftete Strecke durch den Norden Spaniens und Portugals übrig. Doch alle drei fanden den Weg, über Portugal, zum Atlantik.

Wie man sieht hat Portugal, auch wenn seine großen Ströme im Nachbarland Spanien entspringen, ein sehr inniges Verhältnis zu seinen Flüssen. Weniger innig ist das Verhältnis dagegen zwischen Portugal und seinem Nachbarn Spanien, wenn es um die Wasserpolitik geht.

Obwohl Portugal ein Land der Dürre ist, nicht nur in den Sommermonaten, macht man sich hier leider erst seit kurzer Zeit Sorgen um die künftige Wasserversorgung.
Da die großen Flüsse des Landes, mit Ausnahme des Flusses Mondego, alle im Nachbarland Spanien entspringen, steht Portugal unter einem gewissen Druck Spaniens, was die Wasserpolitik angeht.

Daher muss Portugal handeln, zumal der Klimawandel der gesamten Iberischen Halbinsel sicherlich noch längere und härtere Dürreperioden einbringen wird als bisher. Und Portugal möchte auch nicht das es soweit kommt, wie jetzt schon jeden Sommer in Spanien üblich, Tankschiffe voller frischem Wasser hin und her manövrieren zu müssen, um die Dürreregionen mit Trinkwasser zu versorgen.

Die Liste der Vorfälle zwischen Portugal und Spanien, was den Wasserstreit angeht, ist lang.
So erfuhr Anfang der 90er Jahre die portugiesische Regierung erst aus der Presse, dass Spanien im Rahmen seines groß angelegten nationalen Flussbauplans eine Umleitung von Dourowasser in den Tejo plante. Diese Maßnahme hätte dem Douro mehr als ein Zehntel seines Wassers beraubt - mit spürbaren Auswirkungen für die portugiesische Landwirtschaft, Energiegewinnung und die Umwelt. Nicht die Proteste aus Lissabon, sondern ein Zank unter den spanischen Regionen selbst, brachte den Wasserplan in dieser Form letztendlich zu Fall.

Vor vier Jahren, im Dürresommer von 2005, kam es erneut zum großen Wasserstreit. Entgegen der vertraglichen Absprachen mit Portugal gönnte sich das trockene Spanien einen überaus großen Schluck aus dem Douro - vor allem zu Lasten der portugiesischen Landwirte, die daraufhin von der Regierung in Lissabon Kompensationszahlungen für ihre Produktionsausfälle erhielten. Später räumte auch die spanische Regierung widerwillig ein, den Vertrag gebrochen zu haben und überwies, schweren Herzens, eine Entschädigungszahlung an Portugal.

Der Klimawandel wird den Vertrag zur gemeinsamen Flussnutzung - dessen Wurzeln bereits auf ein Grenzabkommen von 1864 zurückgehen - auf immer neue Proben stellen. Und bislang regeln die gemeinsamen Abkommen vor allem Fragen zur Wassermenge. Doch auch Umweltaspekte, wie die Wasserqualität, gewinnen verstärkt an Bedeutung. Was, wenn das Flusswasser aus Spanien immer stärker mit Schadstoffen belastet in Portugal ankommt?

Überall auf der Welt finden heute immer mehr Kriege statt, weil sich Völker um Wasserressourcen streiten. Portugal und Spanien steht also eine schwierige Zukunft bevor, vielleicht sogar ein Krieg.

Und wenn es erst einmal soweit ist, werden den Portugiesen und Spaniern selbst die Flussgeister nicht mehr helfen können!

Donnerstag, 23. Juli 2009

„Bei rot stehen, bei grün gehen!“ – nicht hier in Portugal


Als ich heute an einer Ampel in Almada stand, wurde ich Zeuge eines skurrilen Gesprächs, zwischen einer Großmutter und ihrem kleinen Enkel.

Der Kleine, so um die 7 Jahre alt, hatte nämlich, da die Ampel für uns Fußgänger auf rot geschaltet war, den Knopf gedrückt, damit die Ampel nun auf grün wechseln könne.
Sofort bekam er eine Rüge von der energischen Großmutter, die zu ihm sagte: „Ich möchte nicht, das du noch einmal den Knopf drückst, wenn du an einer Ampel stehst. Hast Du gehört?!?“

Der deutsche Leser dieses Blogs wird sich jetzt wohl fragen, was die alte Dame wohl zu solch einer Rüge veranlasst haben könnte, da sich der Knirps ja wohl offensichtlich korrekt verhalten hat.
Nun, das ist leicht zu erklären, auch wenn am Ende leider die Antwort alles andere als akzeptabel ist.

Vor Jahren nämlich, verunglückte der damals 14jährige Ruben Cunha, mitten in der Lissabonner Innenstadt, im Campo Grande, als er beim Überqueren der Straße den Knopf an der Ampel drückte, um sicher die Straßenseite wechseln zu können.
Aber er wurde nicht etwa von einem Auto überfahren, sondern er bekam, dadurch das die Ampel einen Schaden hatte, einen so starken elektrischen Stromschlag ab, das er sofort in die Notaufnahme des Krankenhauses Hospital Santa Maria eingeliefert werden musste, wo er dann auch leider wenige Stunden später verstarb.

Seit diesem Tag, bekommen Kinder hier in Portugal, von ihren Eltern und Großeltern ständig gepredigt, sie sollen beim überqueren der Straße keinesfalls den Ampelknopf drücken.

Tatsächlich hält man hier, am Rande Europas, die Gefahr überfahren zu werden für geringer, als an einem Stromschlag zu sterben, der von einer defekten Ampel verursacht wird.

Zwar mussten die Stadt Lissabon und die Firma Eyssa Tesis, die für die Wartung der Ampeln in der Stadt Lissabon zuständig ist, den Eltern einen Schadensersatz in Höhe von 210.000 Euros ausbezahlen.
Aber einen Schuldigen, der persönlich für diesen Unfall haftbar gemacht werden konnte, konnte nicht gefunden werden.

Dieser traurige Todesfall liegt nun schon gut 10 Jahre zurück.

Aber noch heute, so scheint es, ist die öffentliche Meinung, was die Wartung und Sicherheit der Ampeln in ganz Portugal angeht, so schlecht, dass man es tatsächlich für sicherer hält sein Kind bei Rot die Straße überqueren zu lassen, als auf das Drücken eines Ampelknopfes zu vertrauen!

Das Land der glücklichen Schweine


Wer sein Glück sucht, der wird ihn vielleicht auf einer exotischen, einsamen Insel oder beim Hauptgewinn des Jackpots finden.
Aber ganz sicher wird er ihn hier, in Portugal, in der Provinz Alentejo, finden.
Jedenfalls wenn er ein Schwein ist!

Wer jetzt an einen Schinken denkt (obwohl das genau der Grund ist, weshalb diese Schweine gezüchtet werden) oder an eine Grippe, der muss eine schwierige Kindheit gehabt haben.

Hier im Alentejo leben nämlich die Porcos Pretos (Schwarzen Schweine), eine uralte portugiesische Hausschweinrasse, die in freier Wildbahn gezüchtet wird, und die etwas kleiner ist als normale Hausschweine. Der Porco Preto Iberico ist die einzige Hausschweinerasse, die in Europa noch in Freihaltung gehalten wird.

Während andere Säue in einem Stall geboren werden, und diesen auch niemals verlassen, bis an den Tag, an dem sie zum Schlachter gebracht werden, können Schweine im Alentejo in Freigehegen groß werden, sich von all dem ernähren was ihnen so vor den Rüssel kommt (vor allem Eicheln (port. „bolotas“), die dem Fleisch den charakteristischen Geschmack geben, aber auch Gräser, Pilze und allerlei Getier) und im Dreck rumsauen soviel sie wollen.

Hier kann man wohl, im positiven Sinne, von einem glücklichen Schweineleben reden.
Sie sind halt richtige Glücksschweine, die Säue, die hier im Alentejo leben.

Endlich eingeweiht


Wie in meinem post „Der grüne Leuchtturm von Cacilhas“, vom 18.06.2009, angekündigt, will ich heute hier über die Einweihung des neuen (alten) Leuchtturms von Cacilhas schreiben.

Nach seinem „Exil“ auf den Azoren, ist der alte Leuchtturm wieder nach Cacilhas zurückgekehrt und hier, in Anwesenheit der Bürgermeisterin von Almada, Maria Emília de Sousa, und dem Oberbefehlshaber der Marine, Admiral Fernando de Melo Gomes, am letzten Samstag, dem 18. Juli 2009, feierlich eingeweiht worden.

Die Einweihungszeremonie ging einigermaßen harmonisch über die Bühne, obwohl Tage zuvor, im Stadtparlament von Almada, die Sitzungen alles andere als harmonisch verliefen.
Hier, im Stadtparlament, ging es nämlich darum, das der Leuchtturm, der immer eine grüne Farbe hatte, plötzlich rot angestrichen worden war, und auch so bleiben soll.

Die Stadtabgeordneten der Opposition wollen es nicht akzeptieren, dass der Leuchtturm nun eine rote, anstatt eine grüne Farbe hat, denn, so argumentieren sie, mit dieser Farbe, ist er nicht mehr der selbe Leuchtturm.

Sie finden es äußerst Merkwürdig das der Leuchtturm nun ausgerechnet die Farbe hat, die auch gleichzeitig die politische Farbe der regierenden Partei im Stadtparlament ist, nämlich rot wie der Kommunismus.
Auf diesen Vergleich angesprochen, meinte die Bürgermeisterin nur, es handele sich um einen Zufall.

Die Stadt hätte sich dafür entschieden den Leuchtturm rot anzustreichen, weil noch eine Menge dieser Farbe in den Depots der Stadt gelagert gewesen seien und grüne Farbe allerdings, noch hätte eingekauft werden müssen.
Aus Kostengründen hätte man also den Leuchtturm rot angestrichen, und nicht aus politischen Gründen, wie die Opposition meine.

„Wer es glaubt, wird selig!“ – so konterte die!

Wie auch immer.
Der Führer der oppositionellen Sozialistischen Partei (PS), dessen politische Farbe rosa ist, hat schon versichert, das er nicht vorhat, bei einem Sieg der kommenden Kommunalwahlen im Oktober, den Leuchtturm rosa anzustreichen…

Dienstag, 21. Juli 2009

Wenn Gänseleberpastete fast zu einem Politikum wird


Fernanda Cância, die Freundin des Prämierministers José Socrates, hat Rückrat in Sachen Tierschutz bewiesen.

Eigentlich muss Fernanda Cância nichts beweisen, denn alleine schon die Tatsache, das sie sich als Freundin des Prämierministers im katholisch-konservativen Portugal öffentlich mit ihm zeigt, und Beide zu ihrer Liebe stehen, ist äußerst bemerkenswert.
Viele Politiker hier in Portugal würden nämlich ihre Freundinnen verstecken, und weiterhin ihre zerrüttete Ehe führen.

Während eines Empfangs der Botschafter der EU-Mitgliedsländer in der Residência de São Bento, dem offiziellen Amts- und Wohnsitz des Prämierministers, verschmähte Fernanda Cância, vor laufenden Kameras, vehement die Häppchen mit Foie gras (Gänseleberpastete) die ihr angeboten wurden.

Diese Speise wird von der zuweilen radikal agierenden Tierschutzorganisation PETA als verdammenswert eingestuft: Die zum Verzehr ausgewählten Gänse werden so lange zwangsgefüttert, bis sie regelrecht platzen, und das nur um eine Stopfleber zu bekommen.

Fernanda Câncio Nahrungsverweigerung, die sowohl im Kreise der Banketteilnehmer als auch vielen Fernsehzuschauern nicht unbemerkt blieb, verdiene Respekt, so PETA heute in der portugiesischen Presse.
Die Freundin des Prämierministers, deren große Tierliebe bekannt ist, will die Angelegenheit nicht zu einem Politikum gemacht wissen.
Vielleicht weil sie selber Journalistin ist, und so selber sehr gut weiß, wie manchmal diese Sachen richtig ausufern können.

Der Sekretär des Prämierministers ließ auf Anfrage wissen, dass Gänseleberpastete schlicht eine Sache sei, die Fernanda Câncio nicht esse!

Sind Politiker eine Risikogruppe?


Dürfen Homosexuelle Blut spenden?
Das Gesundheitsministerium hier in Portugal entschied heute diese Frage mit einem kategorischen NEIN!

Die Begründung: Homosexuelle sind eine Risikogruppe, und dürfen als solche dementsprechend kein Blut spenden, weil, wie der Name es schon sagt, sie angeblich ein Risiko für die restliche Menschheit darstellen, was die Gesundheit angeht.

Wer sich auch immer im Gesundheitsministerium solch eine Begründung ausgedacht hat, dem würde ich gerne folgende Frage stellen:

Wer ist risikoreicher und von wem würde er eher eine Bluttransfusion annehmen, wenn er denn die Wahl hätte?
Von einem Heterosexuellen, der ständigen Verkehr mit wechselnden Partnern hat, oder von einem Homosexuellen, der eine feste, monogame Beziehung führt?

Ich glaube die Frage beantwortet sich wohl von selber!
Egal welche sexuelle Orientierung jeder einzelne auch hat;
jeder Spender hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Leben und sein eigenes Umfeld.

Zu behaupten, Homosexuelle wären generell eine Risikogruppe, zumal das gespendete Blut von jedem Spender auf Krankheiten automatisch getestet wird, ist in meinen Augen eine Ghettoisierung, wie es sie leider schon einmal in der Geschichte gab.

Die Gesundheitsbehörden sollten „Gruppen“ und „Individuen“ unterscheiden, denn das einzelne Individuum ist das Risiko, nicht die Gruppe!

Bleibt die Frage, ob denn Politiker auch weiterhin Blut spenden dürfen und sollen.
Denn sind solche Politiker, die in einem Ministerium sitzen und sich solche Begründungen ausdenken, nicht auch eine Risikogruppe?

Schreibtischattentäter sind sie auf alle Fälle!

Santo Michael


Michael Jackson ist nun schon seit drei Wochen Tod.
Und noch immer wird in den Medien unaufhörlich über ihn berichtet. Hier in Portugal, so glaube ich, sogar etwas mehr als in Deutschland. Jedenfalls kommt es mir so vor.

Ich mochte den Sänger Michael Jackson nicht.
Als Menschen kannte ich ihn ja nicht. Ich weiß nicht, ob er wirklich der Kinderschänder war, wie so oft behauptet wird. Da steht mir ein Urteil nicht zu. Ich weiß nur, er selber hatte wohl keine Kindheit.
Ich habe mir nie eine LP von Michael Jackson gekauft oder mir eine CD von ihm gebrannt. Es gibt vielleicht überhaupt nur zwei oder drei Lieder von ihm, die mir wirklich gefallen und die ich mir gerne anhöre.

Daher verstehe ich teilweise diese weltweite Hysterie nicht und kann sie auch nicht nachvollziehen.
Hier in Lissabon wurde für Michael Jackson sogar, unweit der amerikanischen Botschaft, ein kleiner „Schrein“ aufgestellt, wo Fans sich an einer Wand der Botschaftsmauer mit Bildern und Widmungen verewigen können.
Sogar Kerzen haben sie angezündet und ihm aufgestellt.

Mir persönlich, kommt so eine „Verehrung“ den Huldigungen gleich, die manche religiöse Fanatiker im Walfahrtsort Fátima an den Tag legen, wenn sie die Jungfrau verehren.
Fehlt nur noch, dass diese Fans auf Knien rumrutschen und zu ihrem Heiligen Michael beten.

Obwohl, so weit ist das gar nicht hergeholt.
Die einen huldigen den seit Generationen heilig gesprochenen Söhnen und Töchtern der Kirche, und die anderen machen sich einfach ihre Heiligen selber.
Gestern ein Freddy Mercury, heute ein Michael Jackson.
Und wer weiß, morgen vielleicht eine Paris Hilton nebst einem Cristiano Ronaldo.

Und sagen sie hinterher nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!


Heute bin ich, nach einem Termin in Lissabon, durch die Avenida da Liberdade gelaufen und habe mich in einem Café hingesetzt um mir einen kühlen Orangensaft zu gönnen.

Wer noch nie in Lissabon war, dem sei gesagt, dass die Avenida da Liberdade oft mit der Champs-Elysées in Paris verglichen wird.
Denn genau wie diese, ist die Liberdade eine breite und viel befahrene Arterie der Stadt, mit vielen Büros (Lufthansa, Deutsch-Portugiesische Industrie- Handelskammer) und Geschäften (Chanel, Armani, Versace), überteuerten Kinos (Tivoli, Eden) und Clubs (Hard Rock Café, Hot Jazzclub).

Wenn diese Avenida schon den Ruf hat, wie die Champs-Elysées in Paris zu sein, dann sollte man meinen, dass sie auch gastronomisch diesem Vergleich Stand halten kann.
Weit gefehlt!

Wer wie ich, schon einmal an der Champs-Elysées war, weiß wie erbärmlich die Restaurants und Cafés an der Avenida da Liberdade sind.

Nichtsdestotrotz, und mit viel Durst, habe ich mich wie gesagt in ein Café gesetzt, und einen „frisch gepressten“ Orangensaft getrunken.
Oder besser: trinken wollen!

Denn seinen schon abgestandenen Orangensaft in einem mit Lippenstift verschmutzten Glas vorgesetzt zu bekommen, ist, selbst für mich, eine Überschreitung der erträglichen Schmerzgrenze.
Und da hört bei mir auch die Vaterlandsliebe auf.

Sollten sie, liebe(r) Leser(in) jemals nach Lissabon kommen, meiden sie es an der Avenida da Liberdade etwas Kulinarisches zu sich zu nehmen.
Flanieren sie die Avenida entlang, denn das ist wirklich ein Highlight.
Aber meiden sie die Restaurants und Cafés dieser Avenida!

Und sagen sie hinterher nicht, ich hätte sie nicht gewarnt!

Seepferdchen – Freischwimmer – Angsthase


Die 20jährige Diana Gomes, Portugals erfolgreichste Schwimmerin und Olympiateilnehmerin in Peking 2008, hat diese Woche ein überraschendes Geständnis abgelegt:
Sie fürchtet sich vorm Meer!

Um ihren neuen portugiesischen Rekord im 800-Meter-Freistil zu feiern, plant sie diesen Sommer, nach der Teilnahme bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Rom, eine Kreuzfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff „Funchal“, von Lissabon auf die Azoren, mit ihren Freundinnen.

Diana Gomes will aber auf keinen Fall, auch nur einen Zeh in die See halten.
Sie habe grässliche Angst, könne Fische nicht ausstehen und sei praktisch „gelähmt vor Schrecken“ bei der Vorstellung, was da so alles im offenen Meer unter ihr herumschwimmen könne.

Ich kann sie absolut gut verstehen, denn auch ich habe panische Angst, da ins Wasser zu gehen, wo ich den Grund nicht mehr sehen kann.
Man denkt immer, solche Paranoias hat man nur selber.
Da ist es unheimlich „erholsam“ zu wissen, das selbst gestandene Rekordschwimmer Angst vorm Wasser haben können.

Das macht sie ungemein sympathisch, oder?!?
et sich vorm Meer!

Ausgezeichnet


Wer, so wie ich, gerne ans Meer geht und dort badet, lebt hier in Almada, wo ich wohne, äußerst privilegiert.
Warum das so ist?

Nun, die Foundation for Environmental Education, die Institution die alljährlich die Vergabe der „Blauen Flagge“ („Bandeira Azul“) organisiert, hat dieses Jahr an die Stadt Almada, oder besser gesagt, ihren Stränden, sieben Mal die „Blaue Flagge“ vergeben.

Die „Blaue Flagge“ ist ein Ökologiescher Label, der jedes Jahr aufs Neue an Strände und Marinas, in 39 verschiedenen Ländern (unter anderem in Portugal, Deutschland, Spanien, Frankreich, Canada, der Karibik, Marokko, Tunesien, Südafrika und Neuseeland) vergeben wird.
Die Auszeichnung mit der „Blauen Flagge“ setzt voraus, dass die jeweilige Wasserqualität exzellent sein muss, die Sicherheitsmaßnahmen für die Badegäste gegeben sein müssen und dass die unterschiedlichen Serviceleistungen stimmen.

Die Strände Praia do Tarquino, Praia do Paraíso, Praia do CDS, Praia da Cabana do Pescador, Praia do Rei, Praia da Mata und Praia da Sereia, alle an der Costa de Caparica gelegen, wurden mit dieser “Blauen Flagge” ausgezeichnet.
Somit ist Almada die Gemeinde in Portugal, mit den meisten “Blauen Flaggen”. Insgesamt werden dieses Jahr in ganz Portugal 226 Strände und 15 Marinas mit der „Blauen Flagge“ ausgezeichnet. Das ist ein neuer Rekord!

Diese privilegierte Auszeichnung garantiert mir und all den anderen Strandgängern, einen sehr hohen Standart, was die Sauberkeit der Strände und die Wasserqualität angeht.
Im Generellen kann man also sagen, die Strände der Costa de Caparica, sind „ausgezeichnet“.

Der Leuchtturm von Bugio


Heute Nachmittag war ich mit meiner Familie an der Costa de Caparica, am Meer, ein wenig Strandluft schnuppern.
Wir hatten traumhaftes, sonniges Wetter, und man hatte eine klare Fernsicht, die bis weit nach Cascais und Sintra ging.
Was mir besonders auffiel, war die Klarheit, mit der der Leuchtturm von Bugio (Farol do Bugio), der in der Tejomündung, auf der Höhe des Ortes Oeiras, mitten auf einer Sandbank thront, heute zu sehen war.

Der Leuchtturm von Bugio (Farol do Bugio), auch unter dem Namen Forte de São Lourenço da Cabeça Seca bekannt, hat seinen Namen vom Wort „bougie“, was auf französisch „Kerze“ heißt, weil seine Form einem Kerzenhalter mit einer Kerze ähnelt, besonders Nachts, wenn die „Kerze“ brennt, also der Leuchtturm leuchtet.

Die Idee, eine Befestigung auf der Sandbank vor Lissabon zu bauen, stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, der Regierungszeit des jungen Königs Sebastião.
Aber erst nach dem Tod von König Sebastião, zur Zeit der spanischen Herrschaft über Portugal, wurde mit dem Bau der Festung begonnen.
Der spanische König Filipe I gab dem italienischen Baumeister Giovanni Vicenzo Casale den Auftrag eine befestigte Anlage auf der Sandbank, vor dem Hafen von Lissabon zu errichten.
Casale stellte dem König 1590 zwei Projekte vor: in dem einen warb er für eine sternförmige Befestigungsanlage. Und in dem anderen warb er für eine runde Festung, die der Engelsburg (Castel Sant'Angelo) in Rom ähnelte. Der König entschied sich für die runde Variante, da sie den Wellen des Atlantiks besser strotzen konnte.

1593 wurde endlich mit dem Bau begonnen.
Verschiedene Baumeister, wie Tibúrcio Spannochi, Anton Coll und Leonardo Torriani versuchten sich über die Jahre hinweg an dem Bauobjekt.
Doch erst unter der Herrschaft des neuen portugiesischen Königs João IV, der 1640 die spanischen Truppen in Portugal besiegen konnte, wurde die Festung des Bugio 1643, unter der Leitung des Architekten und Baumeisters João Torrianni, fertig gestellt.

Schon 1693 wurde die Festung des Bugio, zum Leuchtturm des Bugio umgebaut. Die Festung bekam einen Turm, der nachts mit Olivenöl betrieben wurde, und den Schiffen, die in den Hafen von Lissabon segeln wollten, den Weg wies.
Unter dem Marquês de Pombal wurde der Leuchtturm dann bis 1775 ausgebaut.
Über die Jahrhunderte hinweg wurden dann die verschiedensten Bauvorhaben an dem Leuchtturm vorgenommen, wie z.B. die Befestigung der Ringmauer oder die Elektrifizierung.

Noch heute ist der Leuchtturm von Bugio ein wichtiger Wegweiser der Seefahrt.
Und, glaubt man denen, die heute noch von der See her, in den Lissabonner Hafen hereingefahren kommen, so ist seine Schönheit, mitten in den Wellen des Atlantiks, einzigartig und überwältigend.

Meine persönliche Landung


Heute am 20. Juli, vor genau 40 Jahren, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.

Millionen von Menschen verfolgten damals, live im Fernsehen, wie Armstrong die Sprossen der Leiter der Eagle runterhüpfte.
Was die Welt damals sah, und was wir noch heute an Bildmaterial zu sehen bekommen, ist das der Erdtrabant durch erschreckende Eintönigkeit glänzte.
Nichtsdestotrotz sind diese bewegten und wackeligen Schwarz-Weiß-Bilder, in Kombination mit Computerpiepsen und gemurmelten Technik-Chinesisch, heute noch äußerst reizvoll.

Als er seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzte, sagte Armstrong die unvergesslichen Worte:
„Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“.

Das sind sehr bedeutende Worte, aber wie alles im Leben, so sind auch sie eine Sache des Betrachters.
Denn einige Monate später, als Alan Bean, der nicht gerade sehr hoch gewachsen war, den Mond betrat, relativierte er Armstrongs Worte mit folgender Bemerkung:
„Das mag ja ein kleiner Schritt für Neil Armstrong gewesen sein, aber für so einen kleinen Kerl wie mich ist das doch ein ganz schöner Satz“.
So hat jeder seine eigene Sicht und seine persönliche Mondlandung, sei es als Astronaut oder als Fernsehzuschauer.

Auch ich hatte heute meine „eigene (Mond)Landung“, an der ich teilnehmen durfte.
Am Lissabonner Flughafen „Aeroporto da Portela“ landeten heute meine Schwester Carla, mein Schwager Egbert, mein Neffe Nélson und meine Nichte Lorena aus Deutschland an.

Sie werden ihre Sommerferien hier bei uns verbringen, und ich habe es kaum abwarten können, sie heute am Flughafen endlich abholen zu dürfen.
Wir freuen uns alle auf gemeinsame Urlaubstage.

Für die Menschheit mag diese Landung heute kein Weltereignis gewesen sein.
Aber für mich persönlich, ging heute morgen am Flughafen, als ich die vier Menschen in die Arme nehmen konnte die ich so sehr liebe, unweigerlich die Sonne auf!

Samstag, 18. Juli 2009

Die Elektrische






Eine sehr gute Entscheidung wurde heute im Rathaus von Lissabon, von allen im Stadtparlament vertretenden Parteien, beschlossen.

Die Straßenbahnlinie, die ehemals vom Carmo-Kloster in den Stadtteil Campolide fuhr, soll nach 32 Jahren wieder in Betrieb genommen werden!

Die Straßenbahnen in Lissabon (Eléctricos de Lisboa), von meiner Mutter als Kind auch „die kleinen, gelben und fahrenden Häuser“ genannt, sind wohl das originellste Transportmittel der Hauptstadt.

Wer nach Lissabon kommt, muss auf alle Fälle mindestens einmal mit der Linie 28E den Chiado hinauf gestiegen sein oder mit der Linie 12E durch die Alfama gefahren sein.

Die alten Straßenbahnen Lissabons sind ein Relikt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Die allererste Straßenbahn wurde 1873 als Pferdebahn in Betrieb genommen.
1901 wurde dann die erste elektrische (daher auch der portugiesische Name für die Straßenbahn: „Eléctrico“) Straßenbahn in Dienst gestellt. Bereits nur ein Jahr später, also 1902, waren alle Straßenbahnen nachgerüstet, und fuhren nun alle mit Elektrizität durch die Hauptstadt.

Von den 27 Straßenbahnlinien, die noch 1959 existierten, sind heute nur noch fünf in Betrieb. Von den ehemals über 400 km Streckennetz sind nur 48 km übrig geblieben.
Mit dem Bau der U-Bahn nämlich, wurde ein Ausbau des Straßenbahnnetzes eingestellt, obwohl eine Schweizer Studie von 1960, klar feststellte dass sich ein Ausbau der Linien verkehrspolitisch lohnen würde.
Ich selbst bin als Kleinkind noch vom Rossio, über Sete Rios nach Benfica, mit der Straßenbahn gefahren.

In den letzten Jahren hat die Straßenbahn aber Dank des Tourismus steigenden Zuwachs bekommen.
Das führt dazu, dass wie gesagt jetzt, die Linie Carmo-Campolide darauf vorbereitet wird, wieder in Betrieb genommen zu werden.
Und wer weiß, vielleicht folgen noch mehr Linien, die wieder in Betrieb genommen werden.

Die fünf bestehenden Linien sind (E steht immer für Eléctrico!):

- Linie 12E, die im Kreisverkehr von der Praça da Figueira, über die Alfama fährt
- Linie 15E, die über die Praça da Figueira nach Algés fährt
- Linie 18E, führt von der Rua da Alfândega bis nach Ajuda
- Linie 25E, fährt von der Rua da Alfândega nach Campo de Ourique
- Linie 28E, fährt vom Martim Moniz ab und führt bis nach Campo de Ourique

Ich kann nur jedem Touristen, der Lissabon besucht, empfehlen mit einer alten Straßenbahn die Stadt zu entdecken.
Wer jemals rumpelnd durch die alten und engen Gassen der Alfama rauf und runter gefahren ist, wird dieses Erlebnis sein Leben lang nicht vergessen!

Freitag, 17. Juli 2009

Das politische Sommertheater ist eröffnet


Alberto João Jardim will den Kommunismus, per Verfassung, in Portugal verbieten lassen!

Wer ist Alberto João Jardim, werden sich nun viele meiner deutschen Leser fragen.
Den Portugiesen, die diesen Blog lesen, ist dieser Herr sehr wohl bekannt.
Er ist der Ministerpräsident der Autonomen Region Madeira, und als solcher, ein vehementer Befürworter und Verteidiger der Unabhängigkeit dieser Insel vom Mutterland Portugal.

Mir persönlich ist Alberto João Jardim, als Politiker und als Mensch, einfach unerträglich.
Er ist ein kleiner, geifender, alter Mann mit reaktionären Ideen, der auf einer Insel lebt, und der ab und zu alle seine stupiden Ideen über die Unabhängigkeit seines kleinen Inselreiches, in Richtung Kontinent losbrüllt. Ideen die keinen mehr hier auf dem Festland überraschen.

Wirklich nicht überraschen???

Nun, dieses Mal hat Alberto João Jardim selbst mich überrascht, als er gestern, wie schon Anfangs durch mich erwähnt, der Nation zur besten Nachrichtenzeit mitteilte, er wolle den Kommunismus, per Verfassung, in Portugal verbieten, da die portugiesische Verfassung den Faschismus per Gesetz ja auch verbieten würde.

Nun, so verrückt das auch klingen mag, zumal es ja von einem Verrückten kommt, diesmal muss ich ihm aber Recht geben, denn persönlich bin ich, was den Kommunismus angeht, voll und ganz, auf der Linie von Alberto João Jardim.
Und es amüsiert mich sogar, zu sehen, wie gestandene linke Politiker schier die Fassung verlieren, wenn sie diese Meinungsäußerung, des alten Mannes aus Madeira, kommentieren sollen.

Dieser einfache, aber zugegeben originelle, politische Denkanstoß von Alberto João Jardim hat die ganze portugiesische Linke zum plärren gebracht, und alle Abgeordneten von der Kommunistischen Partei und vom Linken Block im Portugiesischen Parlament veranlasst in einem parlamentarischen Schreiben mitzuteilen, sie würden die politische „Demokratie“ und „Freiheit“ in Portugal in Gefahr sehen.

Nun, persönlich möchte ich dazu nur zwei Dinge sagen:

Erstens finde ich es gut, dass die portugiesische Verfassung die Gründung und Organisation von rechten und faschistischen Gruppen, Gruppierungen und Parteien verbietet.
Und zweitens wäre es nicht mehr als gerecht, wenn die portugiesische Verfassung auch linke und maoistische Gruppen, Gruppierungen und Parteien verbieten würde.

Da brauchen die Abgeordneten der Kommunistischen Partei und des Linken Blocks auch gar nicht kommen, und von „Demokratie“ und „Freiheit“ sprechen, denn das sind ja wohl zwei fundamentale Werte, die sie in ihren Parteiprogrammen gar nicht haben.

Wenn Kommunisten und Maoisten von „Demokratie“ und „Freiheit“ im politischen Alltag Portugals sprechen, dann kommt mir das vor, als würden sie dem Fuchs im Hühnerstall huldigen.
Zwei politische Parteien, die in Ländern wie Nord-Korea, Cuba und Venezuela, ein gutes und exemplarisches Beispiel sehen, Ländern in denen die jeweiligen Bevölkerungen nichts als willenlose Sklaven der kommunistischen Obrigkeit sind, sollten kategorisch verboten werden!

Wer hätte wohl gedacht, dass ich einmal Alberto João Jardim zustimmen würde?
Ich selber am wenigsten!

Das politische Sommertheater ist eröffnet!

Nationen kommen und gehen, Orts- und Städtenamen aber bleiben!


Viele Orte und Städte haben sehr merkwürdige Namen, erst recht, wenn man versucht sie in eine Fremdsprache zu übersetzen. So klingt z.B. die deutsche Stadt Schweinfurt schon auf Deutsch ziemlich außergewöhnlich. Versucht man sie aber in eine fremde Sprache zu übersetzen, dann wird einem erst klar, wie Ausländer äußerst überrascht, den Stadtnamen aufnehmen.

Beobachten sie mal den Gesichtsausdruck eines Engländers oder eines Portugiesen, wenn sie im sagen, sie kommen aus „Pigford“ (englisch) oder aus „Vau dos Porcos“ (portugiesisch)!

Nicht anders verhält es sich da, wenn portugiesische Orts- und Städtenamen ins Deutsche übersetzt werden. Namen, die im portugiesischen schon sehr merkwürdig klingen, erhalten auf Deutsch regelrecht eine „künstlerische Note“.

Folgend nun, in alphabetischer Reihenfolge, einige portugiesische Ortschaften und ihre deutschen Namen, wie sie originalgetreu übersetzt heißen würden:

A-da-Gorda (Mafra) = Die Dicke
Aliviada (Marco de Canaveses) = Die Erleichterte
Às dez ( Azoren) = Um Zehn
A-Ver-O-Mar (Póvoa de Varzim) = Meeresblick
Baleia (Mafra) = Walfisch
Bexiga (Tomar) = Harnblase
Bicho (Santo Tirso) = Tier
Cama Porca (Alhandra) = Schweinsbett
Castelo Branco (C. Branco) = Weiße Burg
Cemitério (Paços de Ferreira) = Friedhof
Crucifixo (Tramagal) = Kreuz
Deserto (Estremoz) = Wüste
Faro (Algarve) = Geruch
Focinho de Cão (Aljustrel) = Hundeschnauze
Jerusalém do Romeu (Mirandela) = Romeos Jerusalem
Paixão (Vieira do Minho) = Leidenschaft
Paraíso (Ericeira) = Paradies
Pobreza (Caminha) = Armut
Ponta Delgada (Azoren) = Schmale Spitze
Vale da Porca (Ponte de Lima) = Sautal
Portalegre (Alentejo) = Glückshafen
Porto (Porto) = Hafen
Rato (Barcelos) = Maus
Vila Real (Vila Real) = Königsstadt
Violência (Paredes de Coura) = Gewalt

Und habe ich zu viel versprochen?

Am besten Gefällt mir da wirklich noch die Ortschaft Vale da Porca, im nordportugiesischen Ponte de Lima.

Porca heißt nämlich wortwörtlich übersetzt „Sau“, und würde sich als Partnerstadt vom deutschen Schweinfurt doch regelrecht anbieten, oder?
Warum allerdings im Stadtwappen von Vale da Porca kein einziges Schwein vorkommt, aber dafür ein Bienenkorb, der Sache muss ich wohl in einem anderen post nachgehen.

Wo zum Henker ist der Papagei?


Hier in Almada, der Stadt in der ich lebe, gibt es ein großes Einkaufszentrum, welches Almada-Forum heißt, und den meine Familie und ich äußerst gerne besuchen, wenn wir ein wenig abends flanieren wollen.
In diesem Einkaufszentrum gibt es ein Geschäft, das den Namen „O Papagaio sem Penas“ (Der Papagei ohne Federn) trägt.

In Portugal steht das Wort „Papagaio“ sowohl für den Vogel Papagei, als auch für das, was man in Deutschland schlechthin einen „Papierflugdrachen“ nennt.
Also ist ein „Papagaio sem Penas“ nichts weiter als ein Papagei ohne Federn, also ein Papierdrachen.

Somit wäre also geklärt, was man in diesem Fachgeschäft erwerben kann, nämlich Flugdrachen;
und zwar in allen nur erdenklichen Farben, Größen, Formen und Stoffen.
Bis hierhin ist soweit alles klar!

Was mich aber immer gewundert, ja ich möchte sogar sagen, etwas gestört hat, ist die Tatsache, das ein Geschäft, welches Flugdrachen vermarktet und verkauft, sowohl auf seinen Geschäftswagen, als auch am Geschäft selber, keinen einzigen Flugdrachen als Firmenlogo abgebildet hat, sondern nur einen komischen Hasen, der einen Zylinder trägt und mit bunten Bällen rumhantiert.
Ich meine, Marketingmäßig sollte man da bestimmt nichts ändern, denn das Geschäft läuft äußerst gut!

Da mir bis dato keiner hier in Portugal sagen konnte, auch im Geschäft nicht, warum anstatt eines bunten Flugdrachens ein bunter Hase das Logo des Geschäftes ist, hat vielleicht einer meiner deutschen Leser eine Idee, wie man zu solch einer Marketingstrategie kommen kann.

Ich wäre für jede sinnvolle Anregung äußerst dankbar!

Die Mutter aller Straßenschilder


Deutschland und Portugal haben, was das Aufstellen massenhafter und unnützer Straßenschilder angeht, etwas Gemeinsames:
viel zu viele stehen an öffentlichen Plätzen und Straßen einfach nur so sinnlos rum!
Manche Straße ist regelrecht von Verkehrs- und Ortsschilder, in allen Formen und Farben, „zugepflastert“.

Doch was sich jetzt die JAE (Junta Autónoma das Estradas), die portugiesische Straßenwacht, die verantwortlich für die Beschilderung aller portugiesischen Straßen außerhalb von Ortschaften ist, in Nordportugal geleistet hat, sprengt sogar hierzulande den Rahmen.

Im Peneda-Gerês-Nationalpark (Parque Nacional da Peneda-Gerês), im äußersten Norden Portugals, hat die JAE ein Straßenschild aufgestellt, das den Weg zu 24 (in Worten: VIERUNDZWANZIG!) verschiedenen Ortschaften hinweist!

Auf Kritik von verschiedenen Seiten, antwortete die JAE, das Schild sei kein Irrtum, und auch nicht aus Versehen so groß geraten, sondern ein Sonderwunsch der Parkverwaltung des Nationalparks. Die hatte nämlich, um eine Schilderflut zu vermeiden, extra dieses eine, dafür aber zugegeben etwas große, Schild geordert.

Vielleicht hat die Parkverwaltung tatsächlich, durch das Aufstellen lassen, dieses einen Schildes, wirklich eine Verschandlung des Nationalparks erreichen können - aber dafür hat sie den Spott einer ganzen Nation auf sich gezogen!

Bleibt die Frage, was mehr aufwiegt?!?

Encompassing the Globe


Heute, am 16. Juli 2009, wurde hier in Lissabon im Nationalmuseum für Antike Kunst (Museu de Arte Antiga) die Ausstellung „Encompassing the Globe“ (auf Deutsch: „Weltumspannung / Globalisierung“) eröffnet.

Die Ausstellung stellt eine außergewöhnliche Sammlung von Objekten aus, die die Geschichte der portugiesischen Entdeckungen im 16. und 17 Jahrhundert zu erzählen versucht. Leihgeber und Museen aus der ganzen Welt – wie aus China, Indien, Japan, Brasilien, Südafrika und Europa ─ haben über 250 Kunstwerke, Karten und Bilder für diese besondere Ausstellung beigesteuert.

In Kombination mit den bereits in Portugal vorhandenen Ausstellungsstücken, bilden diese ganzen wertvollen Objekte eine einzigartige Zusammenstellung, die auf außergewöhnliche Art und Weise verdeutlichen welche kulturellen Auswirkungen, das Zusammentreffen zwischen den portugiesischen Entdeckern und den neuen Handelspartnern aus Afrika, Asien und Amerika ehemals hatte.
Weltweit hatten die Portugiesen damals ein gut organisiertes Handelsnetz aus Seefahrtsrouten aufgebaut. Was heute Houston oder Cape Canaveral für die Raumfahrt ist, waren einst Lissabon und Sagres für die Seefahrt. Von hier aus wurde die Welt entdeckt!

Die bereits 2007 in der Arthur M. Sackler Gallery des Washingtoner Smithsonian-Instituts ausgestellten Exponate, lassen keinen Zweifel daran, dass bereits zu dieser Zeit die Grundlage für die Globalisierung von heute gelegt wurde - so meinen renommierte Wissenschaftler heute – mit all ihren negativen Seiten: brutale Landenteignungen, weltweite Ungleichheiten, kulturelle Missverständnissen. Die Phänomene und Probleme unserer heutigen Welt standen schon damals für Portugal auf der Tagesordnung.

Die berühmte New York Times nannte dieses Netzwerk, in einem Bericht über „Encompassing the Globe“, sogar einen „Vorläufer des Internets, nur etwas langsamer“. Portugal war zur Zeit der Entdeckungen, mit gerade einmal einer Million Einwohner, ein kleines Land. Und so mussten die vorhandenen Ressourcen gezielt eingesetzt werden. Was dann auch, bis ins Ende des 20. Jahrhunderts, gelang!

Die Ausstellung Encompassing the Globe legt Wert darauf, dass die Geschichte der portugiesischen Entdeckungen zum ersten Mal nicht aus europäischer Sicht der „Entdecker“ erzählt wird, sondern aus Sicht der „Eroberten“, weswegen viele Exponate auch die Perspektive der Völker aus Afrika, Asien und Amerika widerspiegeln.

Noch bis zum Oktober dieses Jahres kann die Ausstellung Encompassing the Globe hier in Lissabon besichtigt werden. Danach zieht sie weiter nach Brüssel, ihrer dritten und letzten Station.
So interessant die Ausstellung auch in Washington gewesen sein mag, und wie spannend sie auch in Brüssel sein wird, nirgends wird sie so viel Realität und Identität zeigen können, wie hier in Lissabon - hier wo die Globalisierung der Welt begann!

Donnerstag, 16. Juli 2009

Die Pasteis de Nata von Los Angeles


Was haben Nicole Kidman, Ben Stiller, Kevin Bacon, Lucy Lu, Matt Dillon, Jennifer Lopez, Leonardo di Caprio und Robert de Niro gemeinsam?
Genau, es handelt sich bei allen diesen Herrschaften um Hollywoodgrößen.
Und zwar handelt es sich um Hollywoodgrößen die alle gerne eine bestimmte Konditorei in Sherman Oaks, bei Los Angeles, besuchen.

Sie alle sind Stammkunden im „Natas Pastries“, einer Konditorei, die von der Portugiesin Fátima Marques geführt wird, und die portugiesische Konditorenleckereien im fernen Kalifornien an den Mann, bzw. an die Frau, bringt.

Fátima Marques wanderte vor 19 Jahren in die USA aus, um in Los Angeles Tanz zu studieren. Mit dem Studium wurde es nichts, und sie kam nach einigen Jahren nach Lissabon zurück.

Mit der Zeit vermisste sie aber die kalifornische Lebensart und so beschloss sie wieder in die Staaten zurückzukehren.
Vorher aber, ging sie bei dem berühmten Konditormeister Paulo Pedroza in die Lehre, und lernte bei ihm drei Jahre lang die traditionelle portugiesische Backkunst.
Vor allem lernte sie die schmackhaften „Pasteis de Nata“, das sind mit Creme gefüllte Blätterteigstückchen, zu backen.

Mit hunderten Backrezepten wanderte sie 2003 wieder in die Staaten aus, und eröffnete 2005 das „Natas Pastries“.
Diese Konditorei wurde ein Bombenerfolg. Und heute kann sich Fátima Marques vor Kunden, auch den Hollywoodstars, kaum noch retten.

Fátima Marques wurde diesen Monat von der Portugiesisch-Amerikanischen Handelskammer zur portugiesischen Unternehmerin des Jahres in Amerika, gewählt!

Eisenhower zu Besuch in Lissabon


Vor der Lissabonner Küste, auf der Höhe von Algés, liegt gerade der Flugzeugträger USS Dwight D. Eisenhower vor Anker.

Die USS Eisenhower kommt direkt aus dem Persischen Golf, wo sie, und die auf ihr stationierten 61 F-18 Flieger, für drei Monate im Kriegsgebiet um Afghanistan, eine militärische Mission absolviert haben.

Nach erledigter Mission hat der Flugzeugträger, auf dem Rückweg in die USA, nun einen Zwischenstop in Lissabon eingelegt.
Die 4500 Mann Besatzung haben bis Freitag Zeit, sich auf verschiedenen Landgängen zu erholen und sich Lissabon anzuschauen.
Außerdem wird ein Teil der Mannschaft sich an karitativen Projekten beteiligen, wie z.B. das Streichen eines Kinderheimes und das Verteilen von Nahrungsmittel und Kleidung an verschiedene Obdachlosenheime.

Leider ist ein Besuch der USS Eisenhower für den normalen Bürger nicht möglich. Aber wer von Almada oder Cacilhas aus, in Richtung Algés schaut, und in der Ferne diesen imposanten Flugzeugträger sieht, wird begeistert sein über die Schönheit und Größe dieses Schiffes.

Einige Besatzungsmitglieder der USS Dwight D. Eisenhower sind Luso-Amerikaner, d.h., sie sind Amerikaner mit portugiesischen Vorfahren. Einer von Ihnen ist Admiral Oliver Fernandes, der Kapitän der USS Eisenhower.

Der Flugzeugträger USS Eisenhower wird am kommenden Freitag wieder in See stechen.
Diesmal in Richtung Heimathafen Virginia, wo er Ende des Monats wohl ankommen wird.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Von fortschrittlichen Kommunalpolitikern und reaktionären Großvätern


Heute hat der Kommunalpolitiker und Bürgermeister von Lissabon, António Luis Santos da Costa offiziell bekannt gegeben, das er bei den nächsten Kommunalwahlen, die hier in Portugal am 11. Oktober dieses Jahres stattfinden werden, erneut um das Amt des Bürgermeisters der Hauptstadt kandidieren wird.

Ich hatte vor einem Jahr das Vergnügen António Costa persönlich, auf offener Straße, in der Rua do Arsenal, kennen zulernen.
Ich kannte António Costa natürlich schon lange vorher, sowohl von seiner Arbeit als Inneren- und Justizminister, als auch von verschiedenen Fernsehauftritten.
Ich bin, wie mit allen Politikern, nicht 100% mit seiner Politik einverstanden, muss aber zugeben, dass er als Bürgermeister von Lissabon eine gute Arbeit leistet und vieles vorangebracht hat.

António Costa ist 1961 in Lissabon geboren, mütterlicherseits indisch-goanesischer Abstammung, und er ist der Sohn des kommunistischen Schriftstellers Orlando António da Costa und der Journalistin Maria Antónia Assis Santos.

In seinem Lebenslauf führt er die Namen seiner Eltern und seine portugiesisch-indische Abstammung sehr gerne und oft an.
Wen er allerdings in keinem seiner Lebensläufe erwähnt, ist sein Großvater.

Sein Großvater war José Julio da Costa, der 1893 in Garvão im Alentejo geboren wurde.
Seit seiner frühesten Jugend war José Julio da Costa linksradikal eingestellt, was dazu führte das er 1910, als 17 jähriger, an dem Sturz der Monarchie beteiligt war.
Aber nicht die Tatsache dass er als so junger Mann an revolutionären Aktionen teilnahm sollte ihn zu trauriger Berühmtheit führen, sondern eine andere radikale Aktion.

Am 14. Dezember 1918, streckte José Julio da Costa, im Hauptbahnhof Rossio, den Präsidenten der noch jungen Portugiesischen Republik, Sidónio Pais, mit zwei Schüssen nieder.
Der Präsident war dem jungen Costa einfach zu liberal. In Wirklichkeit war Sidónio Pais beim Volk äußerst beliebt und als Politiker sehr fortschrittlich und politisch rechts eingestellt. Dies muss dem jungen, linken, Costa ein Dorn im Auge gewesen sein.

Da die Todesstrafe in Portugal schon seit Jahrzehnten abgeschafft worden war, wurde José Julio da Costa zu lebenslanger Haft verurteilt; und lebenslange Haft bedeutete damals, Anfang des 20. Jahrhunderts, tatsächlich „lebenslang“.
Am 16. März 1946 verstarb Costa, nach 28 Jahren Haft im Hospital Miguel Bombarda, einer Irrenanstalt.

Sein Enkel, der aktuelle Bürgermeister von Lissabon, lässt Fragen zu seinem Großvater in Interviews nicht zu. Als vor Jahren, ein Reporter des Fernsehsenders SIC, bei einem Fernsehinterview es trotzdem wagte António Costa wegen seines Großvaters anzusprechen, stand dieser Wortlos auf, während einer Livesendung, und verließ das Studio.

Natürlich mögen manche solch ein Verhalten als Überreaktion interpretieren.
Aber seien wir doch ehrlich:
Wer von uns würde schon gerne andauernd an seinen Großvater erinnert werden, nur weil dieser ein Mörder war?
Wäre José Julio da Costa nicht der Attentäter gewesen, der er war, würde wahrscheinlich kein Mensch sich heute an ihn erinnern.

Für mich als Lissabonner ist es eigentlich egal, wer der Großvater von António Costa war. Wichtig ist für mich ist nur, wie der Mann gedenkt, meine Heimatstadt zu führen. Und da er einige gute, fortschrittliche und moderne Ideen vorzuweisen hat (ich stelle mir jetzt die Frage, was wohl sein Großvater zu seiner Politik sagen würde?) wünsche ich ihm für seine Wiederwahl einfach nur viel Glück!

Die Möwen


Die Möwen

An einem leuchtenden Sommermorgen
wandle ich am Ufer des Tejo herum.
Es schreien und kreischen die Möwen,
Ich aber wandle stumm.

Es schreien und kreischen die Möwen,
Und schauen mitleidig mich an:
“Sei unserem Gekreische nicht böse,
Du stummer, du trauriger Mann!“

Ach wüßten´s die Möwen, die kreischenden,
Wie tief manchmal verwundet mein Herz,
Sie würden mit mir weinen,
Zu heilen meinen Schmerz.

Und wüßten´s die Möwen, die schreienden,
Wie ich so traurig und krank,
Sie ließen das nervige Schreien
Und ihr Meckern hätte einen anderen Klang.

Und wüßten´s die Möwen, die meckernden,
Wie weh es mir manchmal ist ums Herz,
Sie kämen aus ihrer Höhe,
Und brächten Trost in mein Herz.

Doch die Möwen können es nicht wissen,
Keine kennt meinen Schmerz:
Denn ich habe es mir selber zerrissen,
Zerrissen mir das Herz.

(Angelo Paulo, Juli 2009)

Nicht die Christel, sondern der Markus von der Post



Mit Schrecken habe ich heute der hiesigen Presse entnommen, das die Portugiesische Post CTT (Correios, Telégrafos e Telefones de Portugal / Post, Telegrafen und Telefone Portugals) erwägt die alten gusseisernen Briefkästen, die hier in Portugal liebevoll „Marco do Correio“ (= Markus von der Post) genannt werden, demnächst abzuschaffen.

Diese charakteristischen Briefkästen, die knallrot und ungefähr mannshoch sind, würden zum Stadtbild der aufstrebenden Städte und Gemeinden von heute nicht mehr passen und sie wären nicht mehr zeitgemäß, so argumentiert das Postministerium.

Seit der Regierungszeit von König Manuel I gibt es in Portugal die Post, genauer gesagt seit dem Jahr 1520.
Und die aus Gusseisen angefertigten, roten Briefkästen (heutzutage gibt es auch eine blaue Variante, für die Eilpost) stehen seit 1898 auf Portugals Straßen und Plätzen.
Über hundert Jahre also, haben sie wunderbar ins Stadtbild gepasst. Und nun sollen sie durch quadratische, aus Blech bestehende Kästen ersetzt werden, wie sie überall auf der Welt hässlich an den Wänden hängen?

Warum kann man denn nicht, so wie die Post die alten Briefkästen abschaffen will, stattdessen nicht einfach die Post abschaffen?
Schließlich leben wir ja im Zeitalter des Internet und des Handys. Bleibt doch da die Frage, ob die Post überhaupt noch in unser Stadtbild passt und ob sie denn noch zeitgemäß ist?

United Colors of Portugal


Heute hat das Portugiesische Amt für Statistik SEF die neuen Ausländerzahlen herausgegeben.

Demnach leben in Portugal heute 490.277 legalisierte Ausländer. Das macht bei einer Bevölkerung von 10.800.000 Menschen die in Portugal leben, einen Ausländeranteil von ca. 4,5%.
Von diesen knapp 500.000 Ausländern kommen, laut statistischem Amt,

106.961 aus Brasilien
52.494 aus der Ukraine
51.352 aus den Kapverdischen Inseln
27771 aus Rumänien
27.619 aus Angola
24.391 aus Guinea-Bissau.

Die restlichen 199.689 Ausländer teilen sich in Mitbürger aus 104 verschiedenen Nationen auf.
Darunter sind auch 4.428 Deutsche Staatsbürger.

Mit der Ukraine und Rumänien sind zwei Länder unter den Top 5, die keine geschichtlichen Verbindungen zu Portugal haben, wie z.B. Brasilien, die Kap Verden oder Guinea-Bissau.
Bürger aus Rumänien, der Ukraine oder aus Russland werden als die „echten“ Ausländer wahrgenommen.
Im Gegensatz zu Bürgern aus Ländern wie Brasilien, Kap Verde oder Timor, nämlich Ländern in denen traditionell portugiesisch gesprochen wird, und zu denen Portugal seit Jahrhunderten einen geschichtlichen Bezug hat. Diese portugiesischsprachigen Länder werden als Brudernationen angesehen, und haben einen besonderen Status in der Akzeptanz, die Portugiesen gegenüber Ausländern haben.

Nichtsdestotrotz ist Portugal generell eine ausländerfreundliche Nation. Natürlich gibt es hier in Portugal, wie überall auf der Welt, einen unterschwelligen Rassismus. Das hat aber weniger etwas mit der Hautfarbe oder der Religion des einzelnen zu tun, sondern eher mit geschichtlichen Ressentiments.

Das beste Beispiel das ich hier wohl geben kann, ist Spanien.
Die Spanier sind seit Jahrhunderten unsere einzigen direkten Nachbarn. Und eigentlich sollten wir uns schon längst an sie gewöhnt haben, genauso wie umgekehrt, sie sich an uns.
Trotzdem herrscht heute noch, selbst im geeinten Europa, so etwas wie Antipathie zwischen alles und allem was spanisch ist.

Im 15. Jahrhundert, als König Manuel I eine Spanierin zur Königin Portugals machte, die gelinde gesagt, für zwei Bürgerkriege und mehrere Staatsstreiche verantwortlich ist, wurde ein Spruch zum geflügelten Wort.
In diesem Spruch heißt es übersetzt:
„Aus Spanien kommen weder gute Winde, noch gute Ehen“ („De Espanha nem bom vento, nem bom casamento“).

Viele Jahrhunderte mögen seit der Eheschließung von König Manuel I vergangen sein.
Aber ohne groß übertreiben zu wollen, so kann man sagen, dieser Spruch ist auch heute noch, für viele meiner Landsleute, hoch aktuell.

Dienstag, 14. Juli 2009

Cembalos – Made in Portugal


Man mag es ja heute kaum glauben:
Aber es gab mal eine Zeit, da war Portugal im restlichen Europa, und somit natürlich weltweit (denn die damalige „zivilisierte Welt“ bestand ja nur aus Europa, so meinte man damals), berühmt und äußerst beliebt für seine Cembalos (port. Cravos) und seine Cembalo-Musikkomponisten.

Die Zeiten sind aber leider vorbei, denn im Portugal von heute werden, bis auf ganz wenige Ausnahmen, kaum noch eigene Marken und Selbstentwickelte Produkte hergestellt - und erst Recht keine portugiesischen Cembalos mehr gebaut.

Heute, so könnte man meinen, sind Portugiesen nur dazu in der Lage, bei VW-AutoEuropa am Fliesband zu stehen, und Autos zusammen zu basteln um sie dann dem deutschen Mutterkonzern mit der Aufschrift „Made in Germany“ zurückzusenden.

Aber wie am Anfang dieses postes schon erwähnt, so gab es mal eine Zeit in Portugal, nämlich im 18. Jahrhundert, da waren Cembalos aus Portugal äußerst beliebt und gefragt.

Jedes Könighaus in Europa, jeder angesehene Komponist und viele Kirchen die keine Orgel besaßen, nannten einen Cembalo Made in Portugal ihr Eigen.
Selbst im Vatikan wurden die portugiesischen Cembalos gespielt. Die Instrumente zeigten sich durch „technisch hervorragende Genialität“ aus, so Johann Sebastian Bach, der selber Besitzer eines solchen Instrumentes war.
Die berühmtesten Cembalo-Bauer waren Joaquim José Antunes und José Calisto. Ihre Instrumente waren so begehrt und sie selber als Instrumentenbauer so gefragt, das der portugiesische König João V, beide mit einen Ausreiseverbot versah, denn er wollte um keinen Preis das sie an einem anderen europäischen Königshof tätig wurden.

Aber wie schon Beethoven sagte: „Ein Instrument ist nur so gut, wie der der auf ihm spielen kann“.
Und so muss man hier, wenn man schon die Cembalos erwähnt, die wohl berühmtesten Cembalospieler der damaligen barocken Zeit erwähnen:

Es sind zum einen Pedro António Avandano (1714-1782) und zum anderen Carlos Seixas (1704-1742).
Carlos Seixas spielte schon als Kleinkind ganze Partituren und Konzerte. Mit 8 Jahren komponierte er sein erstes Stück. Diesem sollten noch über 150 eigene Kompositionen folgen. In Portugal wird Carlos Seixas als der portugiesische Mozart bezeichnet, weil er wie dieser, als sehr kleines Kind musikalisch Tätig war und komponierte, und weil er wie sein österreichischer Kollege sehr früh, im Alter von 38 Jahren, verstarb.

Mit diesem post ist es mir vielleicht gelungen klarzumachen, das Portugal nicht nur das Land der Seefahrer und Entdecker ist, sondern das es ebenso geniale Komponisten und Instrumentenbauer hatte, und teilweise auch heute noch hat, wie jede andere Kulturnation auch.

Mit einem gravierenden Unterschied:
in Portugal wurde früher und wird auch heute noch, im Gegensatz zu anderen Ländern Europas, leider recht wenig auf Kultur gegeben!

Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben



Meine Mutter Luisa wurde am 11. Mai 1940 in Lissabon, im Stadtteil Santa Engrácia geboren.
Dies mag zwar weltpolitisch nicht gerade sehr bewegend gewesen sein, aber für mich persönlich ist die Geburt meiner Mutter natürlich insofern wichtig, als das ich sicherlich heute nicht hier sitzen würde, und diese Zeilen schreiben würde, wenn sie damals nicht in Lissabon das Licht der Welt erblickt hätte.

Nur wenige Kilometer Fluglinie vom Geburtsort meiner Mutter, fast zur gleichen Stunde, ereignete sich an diesem selben Tag, für einen Mann und seine Familie, sehr wohl ein persönliches weltbewegendes Ereignis.

Der jüdische Maler Marc Chagall, der als Moishe Segal 1887 im weißrussischen Witebsk geboren worden war, und nun als Marc Chagall die französische Staatsbürgerschaft besaß, war auf der Flucht vor den Nazis, mit seiner Ehefrau Bella und seiner Tochter, am späten Nachmittag, aus Madrid mit dem Zug kommend, sicher in Lissabon angekommen.
Die Flucht des „entarteten Künstlers“ Chagall war endlich vorbei. Er konnte aufatmen!

Hier in Lissabon sollte er für ein ganzes Jahr verweilen. Denn die USA taten es sich schwer, ihm ein Einreisevisum auszustellen.
Dann, 1941, bekam er endlich das lang ersehnte Einreisevisum, dank einer Einladung des New Yorker Museums of Modern Art.
Er und seine Familie durften am 07. Mai 1941, per Schiff, nach Amerika ausreisen.

Das eine Jahr, welches Marc Chagall in Lissabon verbringen musste, sollte sich als einer der unproduktivsten seiner künstlerischen Laufbahn erweisen.
Nicht das Chagall es sich so gewünscht hätte.
Im Gegenteil!
Marc Chagall war der Typ von Künstler, der jeden Tag, jede Stunde ein außergewöhnliches Kunstwerk produzieren konnte und wollte.
Pablo Picasso sagte einmal über ihn:

„Wenn Chagall malt, weiß man nicht, ob er dabei schläft oder wach ist. Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben.“

Nein, es war alleine die portugiesische Emigrationspolitik, die Chagall zum Nichtstun verdammte.
Den Flüchtlingen war es nämlich generell im neutralen Portugal verboten, sich, auf welche Art und Weise auch immer, beruflich oder künstlerisch zu betätigen!

Und so kommt es, dass es von Marc Chagall, der die wunderschönsten Gemälde malte, die einzigartigsten Kirchenfenster kreierte und die traumhaftesten Bühnenbilder entwarf, heute in ganz Portugal, dem Land das ihn und seine Familie vor den sicheren Tod im Konzentrationslager rettete, kein einziges Kunstwerk gibt.

So erfolgreich die Neutralitätspolitik der portugiesischen Regierung damals für das Überleben der hunderttausenden unbekannter und bekannter Juden, Politiker, Schriftsteller und Künstler auch war;
so verheerend war sie im künstlerischen Sinne.

Damals, in den Jahren zwischen 1933 und 1945 durchliefen an die 300.000 Flüchtlinge das neutrale Portugal, um nach Amerika, Canada oder Südamerika zu fliehen.
Aber nur wenige von ihnen hinterließen ein Werk ihres künstlerischen Schaffens in Portugal zurück!

Maler wie Marc Chagall, Max Baumann und Max Ernst, Philosophen wie die deutsche Hannah Arendt, Schriftsteller wie Franz Werfel, Leon Feuchtwanger, Golo Mann, Nelly Mann, Heinrich Mann, Antoine de Saint Exupéry („Der kleine Prinz“), Alfred Döblin und Erich Maria Remarque („Eine Nacht in Lissabon“), Komponisten wie Darius Milhaud und Bela Bartok, Filmemacher wie Jean Renoir und Alexander Korda, Schauspieler wie Tyrone Power, Robert Montgommery, Josephine Baker, Charles Boyer, Simone Simon, Michèle Morgan, Maurice Chevalier, Madeleine Carrol und Jean Gabin mussten ihre Freiheit mit „Nichtstun“ bezahlen.

Für sie alle hat es sich gelohnt, denn sie überlebten das Naziregime und die Konzentrationslager.
Für die portugiesische Kunst aber, ging leider ein unermesslicher Schatz in Form von künstlerischem Schaffens verloren!

Montag, 13. Juli 2009

Purer Vandalismus


Vor noch nicht einmal einem Monat wurde hier, in Feijó, dem kleinen Ort in dem ich lebe, eine neue Bibliothek eröffnet.
Die Bibliothek, mit unser aller Steuergelder finanziert, ist im Original ein weißes Gebäude mit bunten Azulejos.
Doch als ich heute an der Bibliothek vorbeilief, musste ich feststellen, dass ein wenig mehr bunte Farbe zu den bunten Azulejos dazugekommen ist.
Über Nacht hat jemand, ich nehme mal an es waren pubertierende Jugendliche, die ganze Fassade mit bunten Graffitis beschmiert.

Als Steuerzahler und als Privatmensch macht mich solch ein respektloser Umgang mit dem Eigentum anderer unsagbar wütend.

Es ist traurig mit anzusehen, wie sich generell ein weltweiter Vandalismus ausbreitet.
Ob nun hier in Feijó, in Lissabon, Frankfurt, Paris oder New York, überall auf der Welt ist es zur Mode geworden, das zu zerstören und zu beschmieren, was anderen gehört.

Aber ich spreche hier nicht nur von dem Vandalismus, den Heranwachsende, in ihrem jugendlichen Leichtsinn verursachen, wenn sie ganze Städte oder öffentliche Verkehrsmittel (vor allem die Vorortszüge Lissabons sind hier ein gutes, aber trauriges, Beispiel) mit Graffitis beschmieren.
Nein, ich spreche auch über den Vandalismus den so genannte Stadtverwaltungen verursachen, wenn sie, wie z.B. hier in Almada ganze Alleen mit uralten Bäumen abholzen lassen um Straßen, für noch mehr Autos, zu erweitern, oder wenn Rathäuser ihre alten, einzigartigen Gebäude regelrecht vergammeln und vermodern lassen.
Auch das ist in meinen Augen Vandalismus!

Wie soll man es einem Jugendlichen klar machen, das er ein Gebäude oder ein Denkmal nicht mit Farbe besudeln soll, wenn Erwachsene, die eigentlich ein gutes Beispiel abgeben sollten, selber alte Bausubstanz und erhaltenswerte Gebäude und Plätze, verwahrlosen lassen?
Wie soll man einem Teenager klar machen, er soll die neue Bibliothek in Feijó nicht beschmieren, wenn ein paar hundert Meter weiter die Stadt Almada Villen aus der Kolonialzeit einfach vergammeln lässt?

Wie heißt es doch so schön: „Du wirst ernten, was du aussäst“.
Und hier in Feijó (wie wohl leider überall auf der Welt!) scheint dies wirklich zuzutreffen.
Wie kann ich mich über die Beschmierung einer neuen Bibliothek durch Jugendliche beschweren, wenn die Erwachsenen ihnen solch ein schlechtes Vorbild sind?

Vereint durch Sport und Sprache – Unidos pelo desporto e a lingua


Heute Abend sind in Lissabon, in Anwesenheit des Staatspräsidenten Cavaco Silva und vielen geladenen Gästen, die zweiten Spiele der Lusophonie (Jogos da Lusofonia) feierlich eröffnet worden.

Die Spiele der Lusophonie sind ein sportliches Ereignis, welche durch die Vereinigung der portugiesischsprachigen Länder oder Regionen und ihre olympischen Komitees (Associação dos Comités Olímpicos de Língua Oficial Portuguesa = ACOLOP) organisiert und alle vier Jahre ausgetragen werden sollen.
Sie sind vergleichbar mit den Commonwealth Games der anglophonen Nationen.
Wie bei den Olympischen Spielen, so soll auch bei den Spielen der Lusophonie, der Sport die Jugend der Welt verbinden;
aber auch die portugiesische Sprache soll sie verbinden!
So lautet denn dass Slogan der Spiele:
„Unidos pelo desporto e a lingua“ ( „Vereint durch Sport und Sprache“).

Die Vereinigung ACOLOP wurde im Juni 2004 gegründet. Gründungsmitglieder waren Portugal, Angola, Brasilien, Guinea-Bissau, Kap Verde, Macau (China), Moçambique, São Tomé und Principe und Ost-Timor. Mitglieder dürfen aber alle Länder und Regionen werden, in denen Portugal geschichtlich und sprachlich seine kulturellen Spuren hinterlassen hat.

Bereits im Oktober 2006, bei den ersten Spielen der Lusophonie im chinesischen Macau, nahmen nicht nur die neun Gründungsmitglieder teil, sondern auch Indien, das sich im selben Jahr der Vereinigung anschloss.
Dieses Jahr in Lissabon, bei den zweiten Spielen der Lusophonie, die vom 11. – 19. Juli 2009 stattfinden, nehmen außer den Gründungsmitgliedern und Indien, nun auch die Länder Sri Lanka und Äquatorialguinea teil, die sich dieses Jahr der ACOLOP angeschlossen haben.

Die Teilnahmen Ghanas und der indonesischen Insel Flores konnten aus organisatorischen Gründen nicht mehr berücksichtigt werden. Ihnen wurde aber eine Teilnahme bei den nächsten Spielen der Lusophonie 2013 zugesagt.
Das spanische Galizien hätte teilnehmen können, musste aber wieder ausgeladen werden, weil Spanien mit ernsthaften diplomatischen Konsequenzen gedroht hat.
Aber auch Galizien wurde für eine Teilnahme bei den nächsten Spielen eine Zusage gegeben.

Interesse an einer zukünftigen Teilnahme an den Spielen der Lusophonie haben schon Marokko, Südafrika, Tansania, Oman, Thailand, Pakistan, Japan, Malaysia, Uruguay und die Philippinen gezeigt.

In Lissabon werden sich die teilnehmenden Nationen an den Sportarten Leichtathletik, Fußball, Rollhockey, Beachvolleyball, Tischtennis, Volley- und Basketball, Futsal, Taekwondo und Handball gegeneinander messen müssen.

Hoffen wir auf friedliche, faire und spannende Spiele!

Tatü Tata – die Feuerwehr ist da


Wie wusste die Lissabonner Bevölkerung im Mittelalter wann und wo es in der Stadt brannte?
Wie wurde sie alarmiert?
Wie fand die Feuerwehr damals, ohne Telefon und Notrufsäule, den Weg zum Brandort?
Nun, die Antwort lautet:
durch Kirchengeläut!

Im Mittelalter waren es nämlich die Kirchen, die durch ein schnelles Geläut die Feuerwehrmänner und die Bevölkerung darauf hinwiesen, wo es gerade brannte.
Die einzelnen Glockenschläge wurden in einer schnellen Reihenfolge (im Gegensatz zum anschlagen der jeweiligen vollen Stunde; da wurden die Glockenschläge nämlich langsam geschlagen) abgegeben, und die jeweilige Anzahl der Glockenschläge zeigte an, in welchem Stadtteil es gerade brannte, und wohin sich also so die Feuerwehr hinbegeben musste.

Obwohl, eine Feuerwehr, so wie wir sie heute kennen, gab es damals gar nicht. Damals gab es eher so etwas wie Bürgerwehren, die im Notfall, sich mit Wassereimern bewaffneten, und versuchten dann das Feuer zu löschen.

Damals musste jeder Bürger, schon als Kind, einen Reim („Cantilena“) auswendig lernen, indem genau beschrieben wurde, wie viele Schläge, welchem Stadtteil galten.

Wenn die Kirchenglocken z.B. elf Mal schnell hintereinander läuteten, dann brannte es im Stadtteil Beato.
Wurden zwölf Glockenschläge abgegeben dann loderten in São Vicente die Flammen.
Bei 13 Schlägen brannte es im Stadtteil Graça,
bei 14 Schlägen im Stadtteil Sé.
Und so ging es weiter:
15 Schläge, und es brannte in Carmo, 16 bedeuteten Feuer in São Nicolau, 17 in Socorro, 18 in São José, 19 in Pena, 20 in Bemposta, 21 in São Sebastião und 22 in Monserrate.
Weiter ging es mit 23 Schlägen; wenn die geläutet wurden, dann brannte es in Santa Isabel, bei 24 in Convento Novo, bei 25 Necessidades und bei 26 Glockenschlägen brannte es in São Francisco de Paula.
Bei 27 Mal Glockengeläut brannte es in Santos-o-Velho, bei 28 im Stadtteil São Paulo.
Brannte es in Chagas dann läuteten die Glocken 29 Mal und wenn sie 30 Mal zu hören waren dann brannte es in São Roque.


Der Originalreim ging so:

Batem onze, Beato António,
São Vicente doze é;
Se batem treze é na Graça,
Catorze na velha Sé.

Ouvem-se quinze no Carmo,
São Nicolaiu mais um é;
Dezassete no Socorro,
E dezoito em São José.

Tem a Pena dezanove,
A Bemposta uma remate;
São Sebastião vinte e uma,
Vinte e duas Monserrate.

Vinte e três, Santa Isabel,
Mais uma o Convento Novo;
Necessidades, vinte e cinco,
Pra lá corre todo o povo.

São Francisco de Paula,
São vinte e seis, mais nenhuma;
Vinte e sete, Santos-o-Velho,
Os Paulistas têm mais uma.

Chegando depois ás Chagas,
Vinte e nove é lá o toque;
Ouvindo depois os trinta,
Dizem todos é São Roque.

Quando a bomba chega ao fogo,
Principia a trabalhar;
Vamos dar parte ao patrão
Que o pemio é para ganhar.


Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb dieses System des Glockenläutens erhalten. Erst mit der Erfindung des Telefons und einer Notrufnummer verloren die Kirchenglocken als Alarmsystem für die Feuerwehr und die Bewohner der Stadt ihre Bedeutung.

Samstag, 11. Juli 2009

Jedes Foto hat seine eigene Geschichte – Cada foto é uma história






In meinem vorherigen post, mit dem Titel „Mit den Überseekriegen kam das Ende des Imperiums“ erwähnte ich beiläufig, das drei meiner Onkel an den Überseekriegen (Guerras do Ultramar) teilnehmen mussten, um, wie es das Salazarregime damals ausdrückte, der Nation zu dienen.

Einer von ihnen, mein Onkel Raul Rodrigues Pires, ist der Bruder meiner Mutter Luisa und auch mein Patenonkel.

Ihm möchte ich nun dieses post hier widmen, und ein wenig über seine Militärzeit in Portugiesisch Guinea (Guiné Portuguesa), an der Westküste Afrikas, erzählen.
Seine Geschichte steht stellvertretend für die tausender anderer junger Soldaten, die ihren Dienst an der Waffe für Portugal in Afrika verrichten mussten.

Mein Onkel Raul wurde am 20. Mai 1942 in Lissabon geboren und besuchte dort die Schule. In der Hauptstadt verbrachte er auch seine Kindheit und seine Jugend.
Mit 19 Jahren, im Herbst 1963, begann er seinen Militärdienst in der Stadt Castelo Branco, im Norden Portugals.
Dort, in Castelo Branco erhielt er dann auch seinen Einberufungsbefehl nach Portugiesisch Guinea. Nach einer Trainingsphase in den Kasernen von Tomar und Santa Margarida im Norden Portugals, wurde er im Juli 1964 mit seinen Kameraden, auf dem Transportschiff „India“ nach Portugiesisch Guinea verschifft, wo er am 21. Juli im Hafen von Bissau ankam.

In Guinea angekommen, wurde er mit seinem Bataillon (Batalhão Caçadores 6/97 = Feldjägerbataillon 6/97) in Fá stationiert, einer Ortschaft, Mitten im afrikanischen Urwald, die zwischen den Städten Bambadinca und Bafatá, lag. In Fá blieb er dann die meiste Zeit seines Militärdienstes. Er verließ Fá nur um an militärischen Operationen gegen die marxistisch orientierten Guerillakämpfer teilzunehmen.

So nahm er unter anderem, im März 1965, an der erfolgreichen Befreiung der Halbinsel Ponta do Inglês im Westen des Landes, teil.

Im Gegensatz zu heute, wo jeder ein Handy mit Fotokamera oder eine Digitalkamera zur Hand hat, waren damals private Fotographien eine Ausnahme.
Auch achteten die Militärs, durch Zensur, darauf das nicht jedes Fotos nach Portugal geschickt werden konnte. So waren Fotos, auf denen Kriegshandlungen oder verletzte Soldaten zu sehen waren, verboten. Denn das Risiko das sich im Mutterland Portugal viele gegen die Kolonialkriege aussprechen würden, wenn sie solche gewalttätigen Bilder sehen würden, war gegeben.
So passierten nur Fotos die Zensur, auf denen die Soldaten bei gemeinsamen Aktivitäten, wie Sport, Essen und Trinken, Musizieren und Feiern zu sehen waren.
Bilder auf denen sich Soldaten mit Tieren Westafrikas zeigten, oder mit der ortsansässigen Bevölkerung ablichten ließen, wurden ohne weiteres an ihre Familien in Portugal durch die Feldpost gesendet. Fotos aber, auf denen kriegerische Aktivitäten nur andeutungsweise zu sehen waren, wurden sofort aussortiert und nicht weitergegeben.

So hatten die Familien der Soldaten daheim, den Anschein, dass die Überseekriege gar nicht so gefährlich waren, wie es die ausländischen Presseagenturen berichteten.
Viele, viele Jahre später, während der beiden Golfkriege, sollten die Amerikaner genau diese Fotozensur verwenden, um die Familien und Freunde der Soldaten die im Irak ihren Dienst versahen, hinters Licht zu führen.

Auf der Rückseite eines seiner Fotos, die mein Onkel Raul regelmäßig seiner damaligen Verlobten Albertina, meiner heutigen Tante, seiner Mutter und seinen Schwestern sendete, schrieb er folgenden Vierzeiler, welches ich hier gerne übersetzen will:

„Cada foto é uma história,
Que eu tenho para contar,
À minha querida familia
Quando eu a casa chegar.

(Raul Rodrigues Rires, 25.08.1964, Fá – Guiné Portuguesa)


Jedes Foto hat eine eigene Geschichte,
die ich Euch erzählen werde,
wenn ich, liebe Familie
zu Euch nach hause Wiederkehre.

(Übersetzung von Paulo Alves, 10.07.2009)

Mein Onkel Raul blieb zwei Jahre in Portugiesisch Guinea. Er erlebte viel, sah viel Unglück und wurde mehrmals mit dem Tod konfrontiert. Viele seiner Kameraden starben und blieben in Afrika. Guinea wurde für Portugal das, was Vietnam für die Amerikaner noch werden sollte.
Doch Gott sei Dank, kehrte er im 03. Mai 1966 gesund nach hause zurück. Im gleichen Monat, am 12. Mai, wurde ich geboren und er wurde mein Patenonkel.

Wie in seinem Vierzeiler versprochen, so kann er uns heute, Gott sei Dank, viele, viele Geschichten erzählen!