Samstag, 29. August 2009

Von Hunden die nur deutsch verstehen


Diese Woche hat die portugiesische Flughafenpolizei fünf Hunde aus Deutschland erhalten.
Bei diesen fünf Vierbeinern handelt es sich um Hunde der Rassen deutscher Schäferhund, Rottweiler und Labrador.
Sie sollen als so genannte Drogenhunde im „Aeroporto da Portela de Sacavém“, dem Internationalen Flughafen von Lissabon, eingesetzt werden.

Das besondere an diesen Hunden ist, dass sie in einer deutschen Polizeiwachhundeschule ausgebildet wurden, und deshalb nur deutsche Kommandos verstehen.
Deshalb wird auch für kurze Zeit, mit den Hunden, gleichzeitig ein „Dolmetscher“ eingestellt, der den Beamten der Lissabonner Flughafenpolizei die richtigen Kommandos beibringt, so dass sie diese an die Hunde weitergeben können.

Warum man sich hier in Portugal Drogensuchhunde ausgerechnet aus Deutschland holen muss, und warum die Hunde in Deutschland, wenn schon bei der Ausbildung fest stand, das sie nach Portugal geschickt werden, ausschließlich mit deutschen Kommandos trainiert worden sind, entzieht sich meiner Kenntnis.

Aber diese Geschichte erinnerte mich sofort an eine andere geschichtliche Begebenheit, welches sich vor gut 500 Jahren, im nahen Madrid, ereignet haben soll.

Damals empfing der deutsche Kaiser Karl V, der als Carlos II auch spanischer König war, den portugiesischen Botschafter António Carneiro am Madrider Hof.
Carneiro kam 1525 als Botschafter des portugiesischen Königs João III nach Spanien.

König Carlos II war dafür bekannt, das er mehrere Sprachen fließend sprach, unter anderem deutsch und spanisch, seine „Muttersprachen“ und englisch, französisch, italienisch und portugiesisch.

Bei einer Audienz, die Carlos II dem portugiesischen Botschafter gewährte, unterhielt sich der König mit seinen Jagdhunden auf Deutsch, während er sich gleichzeitig mit dem Botschafter auf Portugiesisch unterhielt.
António Carneiro bewunderte den König und Kaiser für seine Sprachbegabung, woraufhin Carlos II, fast wie beiläufig, meinte:

„Ach Carneiro, mit Euch rede ich Portugiesisch, mit Gott rede ich Spanisch, mit meiner Frau Italienisch, Französisch mit dem Personal und Deutsch mit meinem Pferd und meinen Hunden. Was ist schon dabei?!?“

Damals wie heute sollte man sich hier im Süden Europas wohl mal endlich angewöhnen portugiesisch mit den Hunden zu sprechen.
Sie würden es verstehen!

Donnerstag, 27. August 2009

Wie wär's mal mit Lissabon?


Torreros, Musik und Kastanien,
Gitarren und Gesang im Mondenschein.
Und Spanien und immer nur Spanien!
Ja, Kinder, fällt Euch denn nichts Bess'res ein?

Torreros und olé -
Das ist doch längst passé.

Wie wär's mal mit Lissabon?
Das ist grad' so schön wie Spanien:
Wein, Oliven und Geranien
Blühn an Fenstern und Balkon.

Also, auf nach Lissabon,
In die Stadt der Portugiesen!
Du wirst sicher Freund mit diesen
Und Du hast sehr viel davon.

Zwar sprichst Du noch nicht fließend Portugiesisch
Doch das Land ist paradiesisch.
Voller Pracht umsäumen Palmen jeden Platz.
So manche Portugiesin hat für deine Sympathie Sinn
Und zum Abend unter Palmenbäumen sicher einen Schatz.

Zauberhaft ist dieser Ort,
Und du willst nie wieder fort.
Bist du fern von Lissabon,
Träumst Du immer noch davon,
Von der Stadt der Portugiesen.

Olé

(COMEDIAN HARMONISTS, 1928)

Bei diesem, zugegeben etwas gewöhnungsbedürftigen und künstlerisch nicht gerade sehr wertvollem Beispiel deutscher Dichtkunst, handelt es sich nicht um ein Werk von Goethe oder Schiller, sondern um ein Liedtext der Comedian Harmonists, die in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ihre größten musikalischen Erfolge feierten.

Die Comedian Harmonists, mit Ari Leschnikoff, Erich Collin, Harald Frommermann, Roman Cycowski, Robert Biberti und Erwin Bootz wohl die erste deutsche Boygroup, waren eine Berliner Vokal-Gesangsgruppe die weltberühmte Titel, wie „Ein Freund, ein guter Freund“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Veronika der Lenz ist da“ hervorbrachten.

Wie schon geschrieben, hatten sie auch das Lied „Wie wär´s mal mit Lissabon“ in ihrem Repertoire.
Der Liedtext zeigt, welche naive Vorstellung die Menschen in Deutschland vor fast 100 Jahren, von Portugal und seiner Hauptstadt hatten.
Obwohl, meiner Meinung nach, der Text bei aller Naivität doch etwas gewitztes hat.

Denn allein die Unterscheidung Lissabons von dem folkloristisch besetzten Spanienbild (Torreros, Kastanien, Gitarren) als etwas „Bess'res“ überzeugt in ihrer Pfiffigkeit, spielt sie doch gleichzeitig auf die alte iberische Spannung zwischen uns Portugiesen und unseren Nachbarn, den Spaniern, an.

Auch die wenigen weiteren Details zeugen von etwas Einblick: der Hinweis auf die Freundlichkeit der Portugiesen, die Schwierigkeiten des Spracherwerbs, die Schönheit der Blumen- und Pflanzenwelt, schließlich auch noch das grundsätzliche und ewige Heimweh der Portugiesen, all das ist im Text vorhanden.
Ein paar Wissenssplitter immerhin;
jedoch - das macht uns der Text deutlich - sie überlebten nicht.

Wer allerdings überlebte, das waren die Comedian Harmonists.
Nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland, wurde die Gruppe zwar verboten, da drei ihrer Mitglieder (Erich Collin, Harald Frommermann, Roman Cycowski) Juden waren, hatten aber außerhalb Deutschlands, vor allem in Amerika, weiterhin großen Erfolg.

Collin, Frommermann und Cycowski flohen 1930, kurioser Weise über Lissabon, nach Amerika. In Lissabon angekommen mussten sie feststellen, wie „kindisch-naiv“ ihr Jahre zuvor komponierter Text „Wie wär´s mal mit Lissabon“, eigentlich war.

Und heute?

Es findet sich wohl kaum eine zweite europäische Großstadt, die in der Unterhaltungs- und Werbeindustrie so sehr ignoriert wird wie Lissabon.
Ob Wien, Paris, Rom oder München, all diese und viele andere Städte lassen sich ohne weiteres mit standardisierten Bildern zu Filmen, Schlagern und Werbespots verarbeiten. Wien z.B. durch seine Küß-die-Hand-Gesten, Fiaker und Walzer, Paris durch den Eifelturm, die Liebe und den Chanson, Rom durch seine vielen Brunnen, la dolce vitta und viel amore und München durch sein Hofbräuhaus, die Biergeselligkeit und den Viktualienmarkt, usw.

Und Lissabon?

Lissabon ist heute, wie vor 100 Jahren, nichts weiter als ein weißer Fleck auf der internationalen folkloristischen Landkarte.

Es wird Zeit, dass sich ein gewisser Dieter Bohlen dieser Sache annimmt!

Dienstag, 25. August 2009

Rossio



Der Rossio ist der Hauptplatz der Stadt Lissabon. Er ist das „Herz“ der Hauptstadt, wo man sich zum Kaffeetrinken, Zeitungslesen und auf ein kleines Schwätzchen trifft.
Eigentlich heißt der Rossio offiziell seit über 125 Jahren „Praça Dom Pedro IV“.

Aber wie ich schon einmal, in einem früheren post, geschrieben habe, gewöhnen sich die Lissabonner nur sehr schwer an die Namensänderungen ihrer Straßen, Plätze und Parks.

Wortwörtlich übersetzt heißt Rossio „großer Platz“. Und das ist er dann auch, einer der größten und majestätischsten Plätze der Stadt. Schon auf den ältesten Stadtkarten Lissabons taucht er als der zentrale Platz auf. Er hat schon vieles gesehen und erlebt, der Rossio: öffentliche Hinrichtungen, Zirkusleute und Gaukler die ihre Kunststücke vollführten, Turniere, Hexenverbrennungen, Stierkämpfe, königliche Hochzeiten, Revolutionen und Jubelfeiern.

Alles begann Mitte des 13. Jahrhunderts. Da war hier, wo heute das Herz Lissabons schlägt, ein großer Olivenhain. Unter den Olivenbäumen begann man damals einen Wochenmarkt abzuhalten. Mit der Zeit dann, begann man um den Olivenhain Häuser, Werkstätte und Lager zu bauen. Sogar ein Krankenhaus, das Allerheiligenkrankenhaus (Hospital de Todos os Santos) stand bis 1750 hier.

Andere historischen Gebäude, die hier am Platz standen und die es heute leider nicht mehr gibt, waren das Dominikanerkloster (Convento de São Domingo) und der Estauspalast (Paço dos Estaus), aus dem 15. Jahrhundert, der über 300 Jahre hinweg Botschaftern, Hofangestellten und im 16. Jahrhundert für einige Zeit sogar der königlichen Familie, als Wohnsitz diente.

Das Gericht der Inquisition, stand dort, wo sich heute das Nationaltheater D. Maria II steht. In seinen Mauern fanden die Tribunale der Heiligen Inquisition statt. Dort herrschten Engstirnigkeit, Grausamkeit, Fanatismus, Verblendung und Intoleranz.
Gleich vor dem Inquisitionsgebäude, dort wo heute die Brunnen stehen, wurden über die Jahrzehnte hinweg tausende von Menschen wegen ihres Glaubens und ihrer politischen Einstellung gefoltert und hingerichtet. Juden, Mauren, Glaubensabtrünnige und so genannte Hexen wurden wegen ihrer Überzeugungen getötet.

Die Gebäude, die heute den Rossio umrahmen, stammen alle aus dem 19. Jahrhundert, und wurden nach dem großen Erdbeben von 1755 errichtet. Nur ein Bauwerk ist aus früherer Zeit übrig geblieben, nämlich der Bandeirabogen (Arco da Bandeira), der an der Südseite des heutigen Rossios lokalisiert ist, und sich zwischen dem Rossio und der Rua dos Sapateiros spannt.

Zwei Brunnen stehen auf dem Rossio. Zwischen diesen beiden Brunnen, steht auf einer 28 Meter hohen Marmorsäule, die Statue für König D. Pedro IV, die 1870 eingeweiht wurde, und die dem Platz den heutigen Namen gab.

Dieses Denkmal, für einen der wichtigsten Monarchen der portugiesischen Geschichte erbaut, stellt aber nicht König Pedro IV dar, sondern den mexikanischen Kaiser Maximilian I.

Wie kommt es aber dazu, dass ein mexikanischer Kaiser da steht, wo eigentlich ein portugiesischer König stehen sollte?

Nun, Kaiser Maximilian regierte zur selben Zeit wie König Pedro IV. Als Maximilian, im fernen Mexiko, bei einer Revolution erschossen wurde, weigerte sich der mexikanische Staat dem französischen Bildhauer Elias Robert, der ein Denkmal für Maximilan fertiggebaut hatte, auszubezahlen. Dieser hatte nun eine Statue zu viel in seinem Atelier. Als nun König Pedro IV ein Denkmal von sich in Auftrag gab, bot ihm der französische Künstler an, das Denkmal Kaiser Maximilians, natürlich nach einigen kleinen Veränderungen, zu einem sehr günstigen Preis zu überlassen.
König Pedro IV nahm diese Offerte, nach kurzem Zögern, aus zwei unschlagbaren Gründen an:

Zum ersten, waren er und Kaiser Maximilian sich äußerlich sehr ähnlich, und in 28 Metern Höhe würde sowieso keiner mehr den Unterschied merken, so meinte er selbstironisch.

Und zum zweiten befand sich Portugal damals, nach den Kriegen mit Napoleon, in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Situation. Der Staatsbankrott war ausgerufen worden, und so konnte der König das Angebot von Elias Robert nicht ausschlagen (in einem zukünftigen post werde ich ausführlicher über die Statue von Pedro IV berichten) und nahm dieses Denkmal im Ausverkauf an.

Heute beherrschen die Cafés und Restaurants, sowie ein paar alte Geschäfte den Rossio. Losverkäufer schreien die Nummer ihrer Lotterielose und Schuhputzer warten auf ihre Kunden, während Blumenverkäuferinnen ihre Ware an den Mann, bzw. an die Frau bringen.

Der Rossio ist wahrhaft eine Theaterbühne, auf der tagtäglich eine Aufführung des Lebens der Stadt dargeboten wird. Und wir, die Bürger dieser Stadt, haben den Luxus auf dem Rossio wie auf einem Logenplatz zu sitzen, während wir unsere Bica genießen.

Die Hölle auf Erden


Voller Entsetzen sieht man dieser Tage, auch im deutschen Fernsehen, die entsetzlichen Bilder der verheerenden Waldbrände die Griechenland heimsuchen.
Diese Brände, meistens durch Brandstiftung verursacht und durch starke Winde unkontrollierbar, legen alles in Schutt und Asche, was ihnen in den Weg kommt.

Auch wir hier in Portugal werden wieder einmal, eigentlich wie jedes Jahr, von entsetzlichen Waldbränden heimgesucht.
In dem Moment, in dem ich diese Zeilen hier schreibe, lodern im ganzen Land acht Großfeuer, die noch nicht unter Kontrolle gebracht worden sind.
Ohne Erbarmen fressen sich die Flammen Kilometer für Kilometer durch die Hügel und die Senken, die teilweise schon seit Monaten keinen Regentropfen abbekommen haben.

Unglaubliche 24.000 Hektar sind schon alleine dieses Jahr hier in Portugal ein Opfer der Flammen geworden.
Landesweit sind im Augenblick über 1000 Feuerwehrmänner in voller Ausrüstung und mit Hilfe von verschiedenen Löschfahrzeugen, Flugzeugen und Hubschraubern im Einsatz.

Bis dato sind dieses Jahr noch keine Todesopfer zu beklagen.
Aber in den Distrikten Guarda und Porto, wo im Augenblick die schwersten Brände wüten, sind schon verschiedene Wohnhäuser und Bauernhöfe bis auf die Grundmauern abgebrannt.

Auch in den Distrikten Bragança, Coimbra, Viseu und Vila Real bedrohen die unkontrollierbaren Brände ganze Dörfer und Ortschaften.

Viele Menschen verlieren bei diesen Bränden nicht nur ihre Wohnhäuser und ihr ganzes Hab und Gut, sondern viele, wie z.B. Landwirte oder Weinbauern, verlieren auch ihre ganzen Existenzen.
Von Heute auf Morgen verlieren diese Menschen somit nicht nur ihre Bleibe, sondern auch ihren Broterwerb, ihre Tiere, ihre Familienangehörigen und manchmal sogar ihren Lebensmut.

Gestern wurde ein Winzer aus dem Großraum Porto gefragt, wie er sich fühle, nachdem er sein Winzerbetrieb, sein Haus und seine ganzen Weinberge durch das Feuer verloren hatte.

Noch unter Schock antwortete er kurz und knapp:
„Ich durchlebe gerade die Hölle auf Erden!“

Das Unglück von Maria Luisa


Bei einem Erdrutsch (derrocada) am beliebten Badestrand Praia Maria Luisa in Albufeira, an der Algarve, unweit des weltberühmten Badestrandes Praia da Rocha sind am letzten Freitag, den 21.08.2009, fünf Menschen getötet und vier weitere schwer verletzt worden. Das Unglück ereignete sich zur Mittagszeit, als der Strand voller Badegäste war.

Um genau 11:52 Uhr brach ein riesiger Felsbrocken (rochedo) von einer Felswand (rocha) am Strand ab, und stürzte in Richtung Meer, auf einige Badegäste, die im Schatten der Felswand Schutz vor der sengenden Mittagssonne gesucht hatten. Der Strand war, eigentlich wie alle Strände im Hochsommer an der Algarve, voller Badeurlauber.

Ausgelöst wurde dieser Erdrutsch höchst wahrscheinlich von einem Seebeben der Stärke 4,2 auf der Richterskala, der sich tags zuvor 110 Kilometer vor der Algarveküste ereignet hatte, und der, so vermutet man, das Gestein locker und brüchig gemacht hat.

Bei den Toten handelt es sich um drei Frauen und zwei Männer, darunter vier Mitglieder einer einzigen Familie aus dem Großraum Porto, die ihren Jahresurlaub an der Algarve verbrachten.

Dutzende Feuerwehrmänner, Rettungshelfer und Polizisten waren mit Baggern, Hacken, Schaufeln und mit ihren bloßen Händen im Einsatz. Die Rettungsarbeiten wurden durch die Gezeiten erschwert, denn im Laufe des Nachmittags kam die Flut.
Nach Angaben der Polizei war der Erdrutsch „absehbar“. Die Behörden kannten das Einsturzrisiko und hatten sogar Warnschilder angebracht.

In den kommenden Tagen und Wochen werden nun die Behörden sicherlich jede Schuld von sich weisen, und behaupten die Badegäste wären durch eigenes Verschulden zu Tode gekommen, da sie die Warnschilder missachtet hätten.
Und die Familien der Toten und Verletzten werden wiederum von den Behörden wissen wollen, warum der Strand, da ja die Gefahr eines Erdrutsches bekannt war, nicht abgesperrt war.

Wie es auch sei, die Toten werden dadurch nicht wieder lebend gemacht.
Aber vielleicht ist dieser tragische Unfall der Auslöser dafür, dass die Behörden hier in Portugal zukünftig mehr ihrer Aufsichtspflicht an den hiesigen Badestränden nachgehen.

Denn eines hat uns dieses Unglück leider gezeigt: die Gefahr kommt nicht immer vom Wasser…

Samstag, 22. August 2009

Außerirdisch und Übermenschlich?


Aus Berlin, von der Leichtathletik-WM, kommen für viele von uns Portugiesen einige Zweifel.

An einem Tag fragen wir uns, wie Nélson Évora sich, die schon fast sicher geglaubte Goldmedaille, hat nehmen lassen?
Am Tag drauf stellt sich die Frage ob die Läuferin Caster Semenya, die für Südafrika gestartet ist, Männlein oder Weiblein ist?
Und noch einen Tag später fragen wir uns, und die ganze Welt, ob der Jamaikaner Usain Bolt außerirdisch und übermenschlich ist?

Für die erste Frage habe ich gleich eine Antwort parat: Nélson Évora ist nur ein Mensch, und als solcher steht es ihm zu, eine Niederlage zu erleiden, so schmerzlich diese auch für ihn und die ganze portugiesische Nation auch sei.
Ein zweiter Platz und eine Silbermedaille bei einer Weltmeisterschaft sind schließlich auch nicht zu verachten!

Man wird mehrere Psychologen, Ärzte, medizinische Tests, gynäkologische Untersuchungen und gut zwei Wochen brauchen, um eine konkrete Antwort auf die zweite Frage zu finden.
Obwohl die Südafrikaner keinen Zweifel daran lassen, das ihre 800-Meter-Läuferin eine ganze Frau ist.

Um allerdings die dritte Frage zu beantworten, habe ich persönlich nur 19,19 Sekunden gebraucht (was eine Menge Zeit ist, wenn man bedenkt das ich ein paar Tage zuvor nur 9,58 Sekunden gebraucht habe), um diese mit einem JA zu beantworten.
JA, natürlich ist Usain Bolt außerirdisch und übermenschlich!

Wie sonst ist es zu erklären, das ein 21-jähriger junger Mann einen Rekord nach dem anderen bricht (sogar seine eigenen!), und das immer in Fabelzeiten.

Am 16. August des letzten Jahres habe ich hier zuhause, von meinem Schreibtisch aus, im Fernsehen gesehen, wie Usain Bolt den 100-Meter-Weltrekord in Peking, bei den Olympischen Spielen, geknackt hat.
Am 20. August des letzten Jahres habe ich hier zuhause, von meinem Schreibtisch aus, im Fernsehen gesehen, wie er den 200-Meter-Weltrekord, ebenfalls in Peking, überragend einstellte.

Dieses Jahr, am 16. August, sah ich hier im Fernsehen, von meinem Schreibtisch aus, wie Usain Bolt in Berlin seinen eigenen 100-Meter-Weltrekord brach.
Und am 20. August dieses Jahres, sah ich, natürlich von meinem Schreibtisch aus, wie der Jamaikaner in Berlin seinen eigenen 200-Meter-Weltrekord von Peking einstellte.

Ich weiß nicht, wo ich jeweils am 16. und 20. August des nächsten Jahres sein werde.
Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Usain Bolt irgendwo auf der Welt wieder einmal seine eigenen Weltrekorde brechen wird, ist sehr wohl gegeben.

Natürlich brodelt die Gerüchteküche, auch hier in Portugal.
Ist Usain Bolt sauber?
Nimmt er irgendwelche Substanzen?
Stand sein Arzt nicht einmal unter Dopingverdacht?
Ist es nicht so, dass die Anti-Doping-Kommission in Jamaika angeblich sehr lasch sein soll?

Fragen über Fragen. Aber eines ist wohl klar:
Solange ihm nichts Negatives nachgewiesen werden kann, hat Usain Bolt den sportlichen Triumph zu recht auf seiner Seite!
Er hat das recht sich zu freuen und zu feiern!

Gönnen wir also alle diesem Ausnahmesportler seine Siege und seine Freude am feiern der selbigen.

Freitag, 21. August 2009

So betrachtet sind also sie es, die uns entdeckt haben…


Als Vasco da Gama im September 1499 von seiner einjährigen Seereise nach Indien, nach Lissabon zurückkehrte, fragte ihn sein persönlicher Freund und Staatsmann Francisco de Portugal, der Graf von Vimioso (Conde de Vimioso), welche Waren er denn aus dem fernen Indien mitgebracht hätte und gegen welche Waren er diese „Mitbringsel“ umgetauscht hätte.

Vasco da Gama berichtete daraufhin seinem Freund, er hätte Pfeffer, Zimt, Ingwer, Bernstein und Moschus (pimenta, canela, gengibre, âmbar e almiscar) aus Indien mitgebracht, und diese Waren gegen Gold, Silber und Samt (ouro, prata e veludo) umgetauscht.

Trocken meinte daraufhin der Graf von Vimioso zu seinem Freund, dem Weltumsegler:

„So betrachtet sind also sie es, die uns entdeckt haben…“

Donnerstag, 20. August 2009

Fahr zurück! Da kommt die Hure!


D. Carlota Joaquina, die 1775 in Aranjuez als Infantin von Spanien geboren wurde, heiratete mit bereits zehn Jahren den damaligen portugiesischen Thronfolger D. João.

Nach der Thronbesteigung ihres Mannes als João VI im Jahre 1816, wurde Carlota Joaquina zur Königin gekrönt. Sie ist ohne Zweifel eine der rätselhaftesten Königinnen Portugals und auch ohne Zweifel eine der Unbeliebtesten Personen des portugiesischen Königshauses.

Die Gründe dafür sind heute jedoch nicht ganz eindeutig.
War sie wirklich die verabscheuungswürdige, intrigante Hexe, wie sie oft dargestellt wird?
Oder war sie lediglich eine trotzige Frau die ihrer Zeit sehr voraus war?

Die Historiker beschreiben sie als eine launige Intrigantin, Verräterin, Ehebrecherin und als eine Frau, die eine entscheidende Rolle in der Politik spielen wollte, aber kläglich scheiterte, weil sie gegen ihren Mann den König und ihre Schwiegermutter die Königin, anging.

Ihre größte „Sünde“ bestand darin, dass sie sich in die damals von Männern dominierte Politik einmischte und sich mit der so genannten „Verschwörung der Edelmänner“ („Conspiração dos fidalgos“) zur Regentin aufschwingen wollte, um ihre konservativen Ideen durchzusetzen. Denn sie hielt nichts von einer Wandlung Portugals von der absoluten zu einer konstitutionellen Monarchie, so wie sie von ihrem Mann, dem König, vertreten wurde.
Den König nannte sie öffentlich einen „Schwächling“ und „zu toleranten Hund“.

Während ihres 14 Jahre dauernden Exils in Rio de Janeiro, wohin der gesamte königliche Hof 1807 vor den Truppen Napoleons geflüchtet war, scheiterte auch ihr Plan, nach der Abdankung ihres Vaters und ihres Bruders in Madrid, Königin der spanischen Kolonien vom "Rio de la Plata", dem heutigen Argentinien und Uruguay, zu werden.

Zugleich ist Carlota Joaquina in die Geschichte Portugals als Beispiel für skandalöse sexuelle Liederlichkeit eingegangen.

Ihre unersättliche Triebhaftigkeit in Verbindung mit einem Körper, der eher abschreckend war als schön, brachte Zeitgenossen und Historiker dazu, sie als ein Monster zu schildern. Der Schriftsteller Oliveira Martins beschreibt sie als eine „grausige, zahnlose Furie, eine liederliche und verabscheuungswürdige Kreatur, in deren Venen die ganze Fäulnis des spanischen Bourbonenblutes fließt, verdorben durch drei Jahrhunderte von Heiraten gegen die Natur.“

Auch König João VI selbst verachtete seine Frau und verlor das Vertrauen in sie, weshalb sie schon bald nach ihrer Eheschließung getrennte Wege gingen, was sie jedoch nicht daran hinderte, insgesamt neun Kinder in die Welt zu setzen. Aber man geht heute davon aus, dass wahrscheinlich nur der Erstgeborene, der spätere König D. Pedro IV, von König D. João stammt.

Der Hass zwischen den Eheleuten ging so weit, dass, D. João seinem Kutscher einmal zurief: „Recua! Vem aí a puta!“ („Fahr zurück! Da kommt die Hure!“), als ihre Kutschen sich einmal in den Straßen Rio de Janeiros entgegenkamen.

Der König machte sich keine Illusionen über den Lebenswandel seiner Frau. Er war stets durch seine Geheimpolizei über ihre Liebesabenteuer informiert. Einmal, so berichtete der damalige britische Botschafter Lord Strangford in einem seiner Geheimberichte nach London, soll der König in einer Herrenrunde gesagt haben: "Im Leben von Carlota ist die Moral schon lange gestorben..."

Carlota Joaquina selbst starb 1830, einsam und verlassen, im Palast von Queluz, wo sie seit 1822 unter Hausarrest gefangen gehalten wurde.
Sie hatte sich damals geweigert den Eid auf die neue liberale Verfassung ihres Mannes zu leisten, und wurde deshalb von diesem regelrecht aus dem Verkehr gezogen.

Zelten verboten!


Genauso wie ich in Deutschland ein vehementer Verfechter der portugiesischen Sprache, Kultur und Lebensart war, als ich noch in Darmstadt lebte, so bin ich heute, hier in Portugal, ein vehementer Verfechter der deutschen Sprache, Kultur und Lebensart.

Aber manchmal Zweifele ich schon ein wenig an besagter Kultur und Lebensart, wenn mir mitten in Lissabon die Sorte von Germanen begegnet, die z.B. noch nicht Begriffen hat, das Sportsocken und Sandalen nicht besonders gut miteinander kombinieren, oder die die auch noch nicht verstanden haben, weshalb man am Vormittag grölend mit einer Bierflasche auf offener Straße nicht so gut bei der hiesigen Bevölkerung ankommt.

Und wenn ich dann sehe, das deutsche Rucksacktouristen mitten auf dem „Miradouro de Santa Catarina“, einem der zentralen Aussichtspunkte der Hauptstadt, ihr Zelt aufschlagen, um dort die Nacht zu verbringen, dann dreht sich mir regelrecht der Magen um.

Ist es bis zu diesen Leuten noch nicht durchgesickert, dass es so etwas wie Campingplätze gibt?
Ich meine, was würde den ein Berliner sagen, wenn ich am Brandenburger Tor mein Zelt aufschlagen würde?
Was würde geschehen, wenn ich in München, mitten auf dem Marienplatz gegen die Mariensäule urinieren würde?
Oder was würde ein Frankfurter sagen, wenn ich im Brunnen auf dem Opernplatz ein Bad nehmen würde?
In allen Fällen würde man mich wohl für verrückt erklären, das Ordnungsamt rufen und mich dann von der Polizei abführen lassen.

Mitten in der Lissabonner Innenstadt, in einem öffentlichen Park zu Zelten, kann und darf nicht eine deutsche Lebensart sein!

Oder hat sich da kulturell etwas geändert, und ich habe nichts davon mitbekommen?

Pastelaria Lorena


Lissabon kann trotz aller Moderne wunderbar altmodisch sein!

Und nirgendwo ist Lissabon altmodischer als in seinen alten, geschichtsträchtigen Stadtteilen.
Alfama, Santa Catarina, Sé und Ajuda sind solche historischen Stadtteile.

Auch Alcantâra ist solch ein altes Stadtteil, mit einem alten Bevölkerungsstamm, einer alten Polizeistation, einem Postamt, mit konservativen Damen- und Herrenausstattern, bröselnden, morbiden Gassen und Straßen durch die die alte Straßenbahn der Linie 28 rattert und vielen alten Metzgerläden, Bäckereien, Tante-Emma-Läden und Cafés.

Einer der traditionellsten Cafés Alcantâras ist die „Pastelaria Lorena“.
Ab und zu, wenn ich mal in Alcantâra bin, gehe ich dort gerne meine Bica trinken.

In der Rua de Alcantâra n° 54, unweit des Largo do Calvário, dem Hauptplatz Alcantâras, liegt in einem unscheinbaren Haus die „Pastelaria Lorena“, ein Café ohne vergoldeten Stuck, prächtigen Säulen und riesigen Spiegeln, wie die Cafés im Herzen der Stadt, aber dafür mit einer riesigen Auswahl an Kaffee, Kuchen und kleinen Gerichten.

Es gibt in Lissabon weitaus schönere Cafés.
Aber nur wenige von ihnen haben so eine besondere Atmosphäre und Charme wie das „Lorena“.

Dieses post widme ich meiner kleinen Prinzessin!

Mittwoch, 19. August 2009

Straßenplanetarium




Die Rua Aurea, oder Rua do Ouro (Goldstraße) wie sie heute für gewöhnlich genannt wird, ist eine der beliebtesten Flaniermeilen der portugiesischen Hauptstadt.
Diese Arterie der Lissabonner Unterstadt (Baixa Pombalina), ist zusammen mit der Rua da Prata (Silberstraße) und der Rua Augusta eine von acht Parallelstraßen die die Baixa von Süden nach Norden durchziehen.

Die Rua Aurea (lat.: aurea, port.: ouro, deutsch: Gold) erhielt ihren Namen, weil sich ursprünglich, nach dem großen Erdbeben von 1755, auf ihr die Goldschmiede (ourives) ansiedelten.
Heute befinden sich auf ihr nur noch drei Goldgeschäfte (ourivesarias), die die Goldschmiedekunst beherrschen. Die Goldschmiede haben mit der Zeit den Boutiquen, Schuhgeschäften, Buchhandlungen und Banken platz gemacht.

Obwohl die Rua Aurea mit den Jahren sehr viel von ihrem alten Charme verloren hat, tummeln sich auf ihr heute immer noch viele Fußgänger und Touristen.
Wahrscheinlich auch deshalb, weil sich in der Rua Aurea / Ecke Rua de Santa Justa, wohl das kurioseste Bauwerk der Stadt befindet, der Elevador do Carmo (Carmo-Aufzug) oder Elevador de Santa Justa wie er auch genannt wird.
Wie ein filigranes Kunstwerk aus Eisen steht hier plötzlich ein Aufzug im Freien. Eine Attraktion, die jeden Tag tausende von Touristen in diese Straße lockt.

Aber die Rua Aurea hat diesen Monat noch eine weitere Sehenswürdigkeit bekommen.
Wer jetzt, vor allem abends, durch diese Straße läuft und gen Himmel schaut, dem werden die vielen tausend Lichter auffallen, die strahlend und blinkend die Straße erhellen.
Man könnte glauben es handelt sich hierbei um eine vorzeitige Weihnachtsbeleuchtung; aber weit gefehlt.

Bei diesem Lichterschauspiel, der einem mitten auf der Straße geboten wird, handelt es sich um das „Straßenplanetarium“ des italienischen Künstlers Carmello Giammello, der anlässlich des Internationalen Jahres der Astronomie und in Zusammenarbeit mit der Stadt Turin in Italien, den Bürgern von Lissabon sein leuchtendes Kunstwerk zeigt, das aus 11.500 kleinen und großen Lampen besteht und die verschiedenen Sternbilder darstellen soll.

Ich selber war schon mit meiner Familie dort und konnte mich von der Originalität dieser Lichterketten überzeugen.

Aventureiros






„Aventureiros“ ist portugiesisch und bedeutet ins deutsche übersetzt „Abenteurer“.

Abenteurer, so lautet der Name eines neuen brasilianischen Strategiebrettspieles, der dem bekannten Spielklassiker „Risiko“ im Ablauf ähnelt, und welches vor wenigen Wochen erschienen ist.

Auf einer vereinfachten Weltkarte mit 12 „Ländern“ versuchen zwei bis sechs Spieler, wechselseitig Länder (die die Größe von Kontinenten haben) in ihren Besitz zu bringen. Ziel des Spiels ist es, je nach Auftrag einen oder mehrere Länder oder die ganze Welt zu erobern und seine Gegner finanziell zu ruinieren.
Die Spieler entscheiden mit Würfelglück und durch strategische Gesichtspunkte über die Platzierung und den Einsatz ihrer Spielfigur.

Aber während bei Risiko das primäre Thema der Krieg ist, ist „Aventureiros“ kein typisches Konfliktsimulationsspiel, das seinen Schwerpunkt auf Realitätsnähe oder anspruchsvolle taktische Herausforderungen legt.
Stattdessen ähnelt „Aventureiros“ den heutigen Autorenspielen, wie Narnia oder Herr der Ringe, in denen zwar das Ziel das erlangen der „Weltherrschaft“ ist, aber nicht durch kriegerische Auseinandersetzungen, sondern durch einfache strategische Entscheidungen, diplomatisches Handeln und Glück.

Bis hierhin, soweit alles gut!

Aber nun zu den Spielfiguren.
Jedem „Land“ (Brasilien, Portugal, Großbritannien, USA, Argentinien, Ägypten, Südafrika, Indien, China, Russland, Japan, Australien) wird eine Spielfigur zugeordnet.

Und diese Spielfiguren haben es wirklich in sich.
Denn der brasilianische Spielhersteller hat nicht an Klischees gespart, als er die einzelnen Spielfiguren kreierte.

So ist z.B. die amerikanische Figur Emily eine kurvenreiche Blondine mit einer Menge sexappeal, die brasilianische Figur Edson hat natürlich ein Fußballtrikot an und die südafrikanische Figur Patrick ist mit einem Leopardenfell bekleidet, so wie halt jeder Südafrikaner im 21. Jahrhundert angezogen ist.
Das der Brite Joshua eine Fellmütze aufhat und der Australier William Kriegsbemalung trägt, ist da schon fast sympathisch.

Aber die Figur, die den Portugiesen Manoel darstellt, steht ohne Zweifel, für alle Vorurteile die Brasilianer uns Portugiesen gegenüber haben!

So ist Manoel (wohlgemerkt nicht „Manuel“ wie portugiesisch eigentlich geschrieben, sondern „Manoel“, wie der Brasilianer den Vornamen ausspricht) mit einem Kostüm aus der Zeit der portugiesischen Entdeckungen angezogen!
Außerdem trägt er Bart (die Brasilianer denken nämlich wir laufen hier in Südeuropa alle mit Vollbärten rum), hat eine bunte Baskenmütze auf und hat natürlich Galoschen an!

Ich weiß nicht, welchen Stellenwert das Spiel „Aventureiros“ zukünftig weltweit haben wird.
Aber ich wage es einmal zu behaupten, das dieses Brettspiel hier in Portugal nicht überragenden Erfolg haben wird.

Dienstag, 18. August 2009

Wer waren die Märtyrer des Vaterlandes?


Einer meiner Lieblingsorte in Lissabon ist der „Campo dos Mártires da Pátria“, dessen Name auf deutsch „Platz der Märtyrer des Vaterlandes“ lautet.

Er liegt ziemlich zentral, im Stadtteil Pena, hat einen wunderschönen Park mit Freilaufenden Enten, Hühnern, Pfauen und Gänsen und heute befindet sich an ihm die Medizinischen Fakultät der Neuen Universität Lissabon (port.: Faculdade de Ciências Médicas da Universidade Nova de Lisboa), das Denkmal für den Arzt Dr. Sousa Martins und das Gebäude der Deutschen Botschaft (port.: Embaixada da República Federal da Alemanha), welches auch das Goetheinstitut beherbergt und indem einst Kaiser Wilhelm II residierte, als er Anfang des 20. Jahrhunderts Portugal einen Staatsbesuch machte.

Als Kind habe ich mich oft gefragt, wer denn die Märtyrer des Vaterlandes waren.
Später, als ich dann wusste wer die Märtyrer waren, hatte dieser drei Hektar große Platz für mich etwas sehr Mystisches an sich.
Und diese Mystik ist bis heute geblieben!

Schlägt man im Duden nach dem Wort „Märtyerer“ nach, dann kann man dort lesen, dass ein Märtyrer „ein Mensch ist, der wegen seiner religiösen, persönlichen oder politischen Meinung sehr große Opfer bringen musste, und aufgrund seiner Überzeugung dann oftmals auch sein Leben lassen musste“.
Die Märtyrer, denen dieser Platz mitten in Lissabon seinen Namen verdankt, mussten tatsächlich viel erleiden, bevor sie an einem kalten Oktobertag hier erhängt wurden.
Kein Denkmal, keine Gedenktafel erinnert heute an die Namen dieser Männer.

Bevor dieser Platz seinen heutigen Namen erhielt, kannten ihn die Lissabonner unter dem Namen „Campo de Santana“.
Überhaupt, nennen viele Lissabonner auch heute den „Campo dos Mártires da Pátria“ einfach „Campo de Santana“ (darunter auch meine eigene Mutter, die in der Nähe dieses Platzes vor 67 Jahren das Licht der Welt erblickte), obwohl er seit über 125 Jahren diesen Namen gar nicht mehr trägt.

Das liegt wohl daran, dass der Lissabonner an sich, nur äußerst ungern Namensänderungen in seiner Stadt akzeptiert. Aber dazu mehr in einem folgenden post.

Dieser geschichtsträchtige Platz hat schon vieles gesehen.
Er war, als er noch der Campo de Santana war, ein ländliches Fleckchen, mitten in der Stadt, umrahmt von Olivenbäumen.
An seiner Ostseite befand sich hier im 16. Jahrhundert der Schlachthof der Stadt. Später dann stand in seiner Mitte eine Stierkampfarena, die man 1891 abriss, um ein Jahr später die heute noch existierende Arena am Campo Pequeno einzuweihen.
Und im 19. Jahrhunderts fand hier immer der Lissabonner Flohmarkt „Feira da Ladra“ statt, bevor dieser in den heutigen „Campo de Santa Clara“ umzog.

Campo dos Mártires da Pátria heißt der Campo de Santana erst seit 1879, zum Gedenken an General Andrade und seine elf Anhänger, die sich gegen die Willkür des englischen Generals Beresford zur Wehr setzten, und hier am 18. Oktober 1817, nach langer Folter, den Tod durch den Strick fanden.

General Beresford herrschte, seit der Flucht der königlichen Familie Portugals vor den Truppen Napoleons nach Brasilien im Jahre 1807, brutal und diktatorisch über Portugal.
Portugal konnte damals nur mit englischer Hilfe weitere französische Invasionen abwehren, was sich die Briten teuer bezahlen ließen.
Dieser Diktatur wollten sich der portugiesische General Gomes Freire de Andrade (1757-1817) und seine elf Mitverschwörer widersetzen.
Sie hatten sich das Gedankengut der französischen Revolution zu Eigen gemacht, und versuchten den in absolutistischer Manier regierenden General Beresford weg zu putschen.

Ihre Revolte gegen die Briten wurde aber verraten und aufgedeckt, und alle zwölf Verschwörer wurden dann zum Tode verurteilt.
Zehn von ihnen wurden auf dem besagten Campo dos Mártires da Pátria hingerichtet.
Gomes Freire de Andrade selbst fand in der Festung „Forte de São Julião da Barra“, im Lissabonner Vorort Oeiras, den Tod durch den Strang.

Es wird berichtet, dass in den Morgenstunden des 18. Oktobers 1817, als diese Männer zum Hinrichtungsplatz am Campo Santana geführt wurden, die Anwohner des Platzes demonstrativ ihre Fensterläden und Türen verschlossen, um der Hinrichtung nicht beiwohnen zu müssen.
An der Hinrichtung selbst nahmen außer einigen britischen Schaulustigen keine Bürger der Stadt teil.

Einer der Verschwörer, der preußische Offizier Friedrich Christian Freiherr von Eben und Brunnen wurde damals, wohl aus Mangel an Beweisen, begnadigt und dann des Landes verwiesen.
Nichtsdestotrotz gilt Barão de Eben, wie er hierzulande genannt wird, heute noch als einer der zwölf Märtyrer der liberalen Bewegung in Portugal.

Die zwölf Märtyrer des Vaterlandes waren:

- General Gomes Freire de Andrade e Castro
- Oberst Coronel Veríssimo Ferreira da Costa
- Hauptmann Capitão José Dionísio Serra
- António Furtado Lemos
- Hauptmann Capitão Pedro Figueiró
- Hauptmann Capitão Cipriano Lopes Andrade
- José Campelo de Miranda
- Manuel Inácio Figueiredo
- der Abt von Carrazedo
- der Architekt Francisco Sousa
- Oberst Coronel Manuel Monteiro e Carvalho
- Friedrich Christian Freiherr von Eben und Brunnen


Mit diesem post, hier in meinem Blog, möchte ich nun diesen zwölf Männern ein virtuelles Denkmal, eine virtuelle Gedenktafel, setzen!
Ich hoffe dies ist mir gelungen.

Gelungene Kopie


Hier in Almada, der Stadt in der ich lebe, steht auf einem 75 Meter hohen Sockel die 28 Meter hohe Statue des „Cristo Rei“ (Christkönig-Statue).
Sie befindet sich auf einem über 100 Meter hohen Hügel im Stadtteil Pragal, am Tejoufer, genau gegenüber der Stadt Lissabon.

Obwohl in Almada gelegen, so denken viele im Ausland der „Cristo Rei“ wäre ein Lissabonner Denkmal. Aber dem ist nicht so! Zwar hat man vom „Cristo Rei“ wohl den spektakulärsten Blick auf die Stadt Lissabon, aber geografisch gesehen, gehört er zu der Stadt Almada.

Die Gründung dieses imposanten Denkmals, im Jahre 1959, geht auf den damaligen Erzbischof von Lissabon und Kardinal Manuel G. Cerejeira, einem Studienfreund des Diktators António de Oliveira Salazar, zurück.

Kardinal Cerejeira hatte bei einem Besuch in Rio de Janeiro im Jahre 1934 die dort kurz zuvor eingeweihte Christusstatue auf dem Corcovado bewundert.
In Lissabon wieder angekommen, beschloss er eine Nachbildung der weltberühmten Christusstatue von Rio de Janeiro in Lissabon nachbauen zu lassen.
Jahrelang versuchte Kardinal Cerejeira seine Bischofskollegen und den Diktator vom Bau der Statue zu überzeugen.

Dann endlich, bei einer Versammlung der portugiesischen Bischofskonferenz im Walfahrtort Fátima, im Jahre 1940 gelobten die Bischöfe die Christusstatue zu errichten, sollte Gott das neutrale Portugal vor dem Zweiten Weltkrieg verschonen.

Portugal wurde verschont, und 1949, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, begannen die Bauarbeiten, die sich über 10 Jahr hinweg ziehen sollten. Die Statue wurde von dem Bildhauer Francisco Franco de Sousa errichtet. Für den Sockel war der Architekt António Lino verantwortlich.

Wer vor dem Denkmal steht, und sich Statue und Sockel anschaut, der wird merken, dass die Proportionen nicht so ganz zu einander passen.
Der Sockel ist wesentlich größer und globiger als die, im Verhältnis, zierliche Statue. Das liegt daran, dass die Kirchenmänner eigentlich vorhatten eine wesentlich größere Statue bauen zu lassen. Doch dann ging der Kirche das Geld aus, und man musste sich mit der heutigen Statue zufrieden geben.

Angeblich soll aber der Diktator Salazar von so viel Protz und Verschwendung kirchlicher Gelder so erzürnt gewesen sein, das die Kardinäle eine kleinere Statue bauen ließen. Der Sockel aber, war bereits aufgestellt und konnte nicht mehr verkürzt werden.

Am 17. Mai 1959, einem Pfingstsonntag, wurde der „Cristo Rei“, in Anwesenheit von über 300.000 Menschen, darunter vielen Würdenträgern der katholischen Kirche und des portugiesischen Staates, feierlich eingeweiht.

Dieses Jahr, am 17. Mai 2009, feierte der „Cristo Rei“ seinen fünfzigsten Geburtstag.

Friedhof der Freuden


Wohl kein anderes Gräberfeld in Portugal setzt Empfindungen und den Tod so intensiv in Szene wie der Lissabonner Friedhof Prazeres (Cemitério dos Prazeres), im Westen der Stadt.

Eine Heilige, „Nossa Senhora dos Prazeres“ (Unsere Jungfrau der Freuden), lieh dem Ort, der alten Quinta dos Prazeres, den Namen schon bevor es hier einen Friedhof gab.

Im Gegensatz zu Portugals sonst so vegetationsarmen und recht trockenen Friedhöfen hat hier das Grün ewiges Leben in Sträuchern, Blumen und Pinienalleen und Laubbäumen erlangt.

Als der Friedhof im Jahre 1833 angelegt wurde, herrschte in der Hauptstadt große Not und das blanke Entsetzen: Eine Cholera-Epidemie (Cólera morbus) forderte damals Tausende Opfer.
Die Überlebenden wollten die Toten aus sanitären Gründen weit weg vom bewohnten Raum wissen, und so entstand der Friedhof vor den Mauern der Stadt, auf dem Territorium der schon erwähnten Quinta dos Prazeres.
Die Cholera-Epidemie von 1833 hatte auch zur Folge das grundsätzlich neue Beerdigungsvorschriften festgelegt wurden: Seither dürfen z.B. Tote nicht mehr „in Kirchen, Klöstern, Kapellen oder anderen religiösen Räumen beerdigt werden“.

Im Umland des Friedhofes residierten bald der Adel, der Geldadel und die Künstler. Alle begruben sie ihre Toten auf Prazeres und begründeten die einzigartige Friedhofsarchitektur mit prunkvollen, trutzigen oder verspielten Grüften.
Genau 7.121 gibt es, fast so viele, wie das gleichnamige Stadtviertel Einwohner hat.

Die Nekropole Prazeres ist ein verkleinertes Abbild der Metropole Lissabon, mit Häusern, Straßen, Kirchen, Palästen und Armenquartieren, denen auf dem Friedhof die Urnenwände entsprechen.
Wer genug Geld besaß, baute nicht nur in der Stadt eine extravagante „vivenda“ (Villa): Die Lebens- und Wohnkultur der Lissabonner Oberschicht begleitet die Toten bis in ihr letztes Haus, das auch auf dem Friedhof Fenster und Gardinen haben kann.

Das ausgefallenste Zeugnis von Friedhofsarchitektur ist wohl die Familiengruft (jazigo) der Herzöge von Palmela, die 1849 Herzog Pedro de Sousa Holstein, Duque de Palmela, erbauen ließ.
Diese Familiengruft ist das größte private Grab Europas! Zweihundert Mitglieder der Adelsfamilie Palmela ruhen hier im Schatten immergrüner Bäume in einer gigantischen, von Bildhauern geschaffenen Pyramide mit eigener Kapelle und einem Säulenportal aus Elvasmarmor.

An einer anderer Stelle des Friedhofs liegt Aniceto Rocha, Professor an der Militär-Akademie. Er entwarf seinen steinernen Würfel selbst, der – oben Grabstein, unten Sarg – vertikal tief in die Erde reicht.
Getreu seinem Motto „Ein General stirbt im Stehen“ ist er auch so begraben.

Sebastião de Magalhães Lima, der Begründer der Zeitung “O Século”, nutzte sein populäres Blatt für ein ganz persönliches Anliegen: Papst Leo III. hatte 1886 die Feuerbestattung als „barbarische Sitte und Verletzung der natürlichen Pietät“ untersagt und Lima wollte seine katholischen Landsleute vom Gegenteil überzeugen – mit wenig Erfolg!
Als er 1928 verstarb, ignorierten seine Angehörigen seinen letzten Wunsch nach Kremierung und beerdigten ihn auf dem Friedhof Prazeres in einen normalen Sarg.

Prazeres ist nicht nur ein Friedhof für Normalsterbliche, sondern er ist auch Lissabons Prominentenfriedhof.
Hier finden sich Gräber von Adeligen, Schauspielern, Musiker, Priester, Sänger, Maler, Dichter, Politiker und Handwerker und sogar eine Abteilung der städtischen Feuerwehr.
Hier spiegelt sich die Lissabonner Sozialgeschichte:
Familienwappen illustrieren die portugiesische Heraldik, Grabsteinarchitektur zeugt von Moden und Vorlieben mit neo-manuelinischem und gotischem Einschlag, Rückgriffe auf
Obelisken und römische Säulen.
Hier gibt es Miniaturen von Kirchen und Kapellen oder gar des eigenen Hauses.
Statuen repräsentieren das Werk berühmter portugiesischer Bildhauer.
Symbole der Berufe schmücken Grüfte, deren Tote für ihre Profession bekannt waren.
Der Herausgeber der Tageszeitung Diário de Notícias z.B. ruht unter einer steinernen Druckpresse.

Bei einem Gang über den Friedhof kann man Dutzende steinerner Symbole von Tod und Unsterblichkeit ausmachen: Artischockenblüten und Bienen als Zeichen der Auferstehung, Hunde als Hüter der Unterwelt oder Sinnbild der Treue und Engel in allen Größen und Formen, Anker für die Stabilität des Seins, Sanduhren, durch die die Zeit rinnt, Flügel für die Freiheit des Geistes, das Schaf für alle Opfer, das Buch des Lebens und die Zeichen des Alpha und Omega – der Anfang und das Ende.

Heutzutage ist Prazeres nicht nur einfach ein Friedhof. Nein, er ist viel mehr. Er ist so etwas wie ein Museum unter freiem Himmel, welches Jahr für Jahr von Tausenden Touristen aus aller Welt besucht wird.

Ins deutsche übersetzt, heißt der Friedhof Prazeres übrigens „Friedhof der Freuden“.

Kann es einen originelleren Namen für einen Friedhof geben?

Ein Vertrag und zwei die sich nicht vertragen


Wie überall in Europa, so markierten auch hier auf der Iberischen Halbinsel seit Alters her Grenzsteine königliche Herrschaftsbereiche.
Das Überschreiten dieser Herrschaftsbereiche war gleichzusetzen mit einer Kriegserklärung, konnte der Reisende nicht glaubhaft machen, dass er in friedlicher Absicht durch die Felder zog.
Die Grenzsteine, einfache Steinquader, trugen häufig die Insignien von König und Nation und waren nummeriert.

Die Grenze zwischen Portugal und Kastilien (dem heutigen Spanien) entstand nach dem 12. September 1297.
An jenem Tag unterzeichneten Dom Dinis, König von Portugal und der Algarve, und Fernando IV, Herrscher über Kastilien, Leon und Toledo, den „Tratado de Alcanizes“ (Vertrag von Alcanizes).
Dieser Vertrag, benannt nach dem Ort in Kastilien in dem es unterschrieben wurde, legte die Grenze zwischen beiden Ländern fest. Sie gilt bis heute, immerhin seit 712 Jahren – und ist somit die älteste und stabilste Grenze in Europa.
Jedenfalls fast!

Portugal hat diese vertraglich festgelegte Grenze zwischen den zwei Nationen nie überschritten. Spanien dagegen mehrere Male!

Würde sich heute jemand die Mühe machen, die Inschriften auf den verwitterten Grenzsteinen zwischen Portugal und Spanien zu entziffern, stellte er fest, dass zwischen dem Stein mit der Nummer 804 und dem mit der Nummer 912, mitten im Alentejo östlich von Alandroal und Elvas eine kilometerlange Lücke klafft – Folge des Grenzstreits um die Stadt Olivença (spanisch: Olivenza).
Spanien hält die Stadt Olivença und acht Dörfer des Kreises, ein Gebiet mit 750 Quadratkilometern immerhin gut viereinhalb Mal so groß wie Liechtenstein, seit über 200 Jahren besetzt.

Die Besetzung von Olivença ist zwar kein Dauerthema bei gesamt-iberischen Politikertreffen.
Doch wer schweigt, stimmt noch lange nicht zu!
Zuletzt schickten portugiesische Diplomaten 1995, bei der Planung der Alqueva-Talsperre, die an spanisches Territorium grenzt, dreizehn Bände historisch-juristischer Studien nach Madrid die unmissverständlich betitelt waren mit: „Über die Territorien von Spanien und Olivença“.
Spanien schickte daraufhin diese Studie kommentarlos an Portugal zurück.

Vielen in Portugal gilt der Vertrag von Alcanizes als wichtigstes Kapitel der Landesgeschichte und Identifikationsbasis.
Portugal überließ damals den Spaniern die Städte Arouche, Aracena und Ayamonte (alle in der heutigen spanischen Provinz Huelva).
Einige bis dahin spanische Landstriche wurden portugiesisch. Dazu gehören Sabugal, Bom Castelo und Vilar Maior, aber auch die Orte Campo Maior, Serpa und Moura und das umstrittene Olivença selbst, das portugiesische Ritter des Templerordens einstmals von den arabischen Mauren befreit hatten.

Wie ein Dorn, in der Form und auch sprichwörtlich, ragte der Landstrich in spanisches Territorium hinein.
Im Orangenkrieg von 1801, in dem Spanien und Frankreich auf der einen und Portugal auf der anderen Seite stand und dort verlor, eroberte die Kriegskoalition Olivença.
Die Sieger pflückten damals in Elvas Orangen und schickten sie per Boten ans Königshaus in Lissabon als Wink, wo die Frontlinie verlaufen würde, sollte Portugal seine Häfen nicht für britische Handelsschiffe sperren, Olivença an Spanien und Teile der Kolonie Brasilien an Frankreich abtreten.

Natürlich ließ sich das portugiesische Königshaus nicht erpressen, und die Spanier verkündeten daraufhin den „Frieden von Badajoz“.
In diesem „Frieden von Badajoz“ beschlossen die Spanier, dass Olivença fortan zur spanischen Extremadura und nicht mehr zum portugiesischen Alentejo gehöre.
1815, in der Folge des Wiener Kongresses, wurde die Rückgabe von Olivença an Portugal vereinbart.
Aber bis heute weigert sich Spanien dieses Territorium an Portugal zurückzugeben.

Beseelt von Nationalgefühl und Tradition, fechten deshalb im Grenzland immer wieder Bürgervereine jeden Kulturkampf für ein portugiesisches Olivença aus.
Anhänger des „Grupo de Amigos de Olivença“ (Gruppe der Freunde von Olivença) und der Bewegung „31 da Armada“ fahren gerne mal rüber nach Spanien und entrollen in der Stadt ein paar portugiesische Flaggen und Transparente.
Von „Erniedrigung“ ist dann dort die Rede.
Jeder 20. Mai ist dann ein Trauertag: Der „Beginn der Besatzung“.

Die Monarchen Dom Dinis und Fernando IV waren weitsichtig und schätzten das Temperament ihrer Untertanen richtig ein. Sie schrieben in ihren Vertrag, dass er für „immer und alle Zeit den Grenzverlauf bestimmt und von allen nachfolgenden Herrschern respektiert werden muss“. Sie verfügten weiter, wer „diesen Vertrag nicht achtet, ist ein Verräter und muss ernsthaft bestraft werden“.
Leider hielten sich spätere Generationen nicht an diese markanten Vertragssätze.

Mittlerweile haben Portugal und Spanien genug damit zu tun, sich in der Europäischen Gemeinschaft durchzusetzen.
Gegen die Wirkung vieler EU-Verträge ist der „Tratado de Alcanizes“ eine „reine Folklore“.

In memoriam: Eddy Resende


Heute Morgen wurden auf dem Friedhof von Oliveira de Azeméis, in Nordportugal, die sterblichen Überreste von Eddy Resende (39) beigesetzt.

Wer war Eddy Resende?

Nun, vor 14 Tagen kannte ich Eddy Resende auch noch nicht.
Ehrlich gesagt habe ich ihn auch nicht so richtig kennen gelernt, aber wenigstens weiß ich heute, wer er war.

Denn hätte ich meinen Schwager vor zwei Wochen nicht in den Alentejo begleitet, als er einen Tandem-Fallschirmsprung in Évora gemacht hat, dann wären Eddy Resende und sein tragischer Tod für mich nichts weiter als eine Nachricht unter den hunderten gewesen, von denen man jeden Tag hört, liest und sieht.

Eddy Resende war Eigentümer und einer der Piloten der Fallschirmspringer- und Flugschule „Skydive“, die am Flugplatz von Évora (Aeródromo de Évora) ihren Sitz hat.

Vor zwei Wochen löste mein Schwager Egbert, in besagter Flugschule, sein Weihnachtsgeschenk ein, nämlich ein Tandem-Fallschirmsprung.
Der Sprung verlief vollkommen komplikationslos ab, und mein Schwager und wir, die wir ihn nach Évora begleitet hatten, hatten einen wunderschönen und unvergesslichen Tag im Alentejo.

Wir lernten mehrere Mitarbeiter der Firma „Skydive“ kennen, die sich ausnahmslos als freundliche, kompetente und vertrauenswürdige Personen zeigten.
Bei dieser Gelegenheit lernten wir auch Eddy Resende kennen, ohne zu wissen dass er der Eigentümer von „Skydive“ war.
Er machte auf mich den Eindruck, als wäre er ein ganz normaler Mitarbeiter von „Skydive“ gewesen;
so ganz ohne Starallüren oder Überheblichkeit war er.

Ich wechselte mit ihm einige Worte, und ich kann mich noch genauestens daran erinnern, dass ich ihn fragte, wie viele Flüge er denn so am Tage absolviere.
Er antwortete mir damals darauf:

„Wissen sie, für mich ist fliegen wie für sie wahrscheinlich Bus fahren.
Genauso wie sie nicht mehr ihre Fahrten mit dem Bus zählen, so zähle ich nicht mehr die Flüge die ich mache“, sagte er zu mir.

Nun, am letzten Freitag, den 14. August 2009, endete einer dieser Flüge für Eddy Resende und João Silva, einem seiner Fallschirminstrukteure, mit dem tragischen Tod.

Ihr Flugzeug, eine Bi-Motor Beech 99, stürzte in ein Wohngebiet der Stadt Évora ab, und riss sie beide in den Tod. Am Boden kamen keine Menschen zu schaden, da die Häuser, auf den das Flugzeug fiel, zum Zeitpunkt des Unfalls, nicht bewohnt waren.

Natürlich berühren mich solche Unfälle. Erst recht, wenn es dabei zu Todesfällen kommt.
Aber solange solche Unfälle weder einen Namen oder ein Gesicht haben, nehme ich solche Nachrichten für gewöhnlich ohne viel Gefühlsregung auf.

Aber in diesem Fall, hat der Unfall ein Gesicht und auch einen Namen: Eddy Resende.
Ich muss gestehen, dass mir seit drei Tagen dieser Unfall nicht mehr aus dem Kopf geht.

Eddy Resende hinterlässt Frau und zwei Kinder.
Mein tiefstes Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und seinen Kollegen, sowie João Silva und seinen Angehörigen.

Viva El-Rei! Viva a Monarquia! Viva Portugal!


In meinem post „31 da Armada – Die Monarchie in Portugal lebt“, vom 13.08.2009, berichtete ich über vier vermummte junge Männer, die letzte Woche die Lissabonner Stadtflagge vom Balkon des Rathauses entwendet, und sich dabei selbst gefilmt hatten.

In diesem post merkte ich an, das dieser „Dummer-Jungen-Streich“ wohl ernsthafte Konsequenzen haben würde.
Nicht so sehr für die „Aktivisten“ von der monarchistischen Bewegung „31 da Armada“, aber sehr wohl für die Lissabonner Stadtpolizei, die ihre Polizeiwache noch nicht einmal 50 Meter vom Rathaus entfernt hat, und vom „Überfall“ auf das Rathaus nichts mitbekommen hat; was nicht gerade für die allgemeine Sicherheit in der Hauptstadt spricht.

Seit dem Vorfall hat sich die Stadtpolizei, um weiteren Kritiken zu entgehen, verstärkt um die Identifizierung der vier jungen Männer bemüht, aber kein Erfolg gehabt.

Gestern Abend, gegen 18 Uhr, betraten nun Henrique Burnay, Spross einer alten Lissabonner Bankiersfamilie, und Rodrigo Moita de Deus, Abkömmling einer alten portugiesischen Adelsfamilie, das Rathaus und teilten einer verdutzten Sekretärin mit, sie wären gekommen um Bürgermeister António Costa persönlich die „ausgeliehene“ Stadtflagge zurück zu geben.

Nach einer kurzen Wartezeit wurden sie nicht vom Bürgermeister empfangen, aber von zwei Polizeibeamten, die sie in Gewahrsam nahmen und sie dann in die nahe Polizeiwache brachten.
Dort wurden sie dann drei Stunden lang verhört und wegen Hausfriedensbruch, Diebstahl und Öffentlichen Ärgernis angezeigt.

Sie gaben zu, am frühen Morgen des 10. August 2009 auf dem Rathausbalkon die Lissabonner Stadtflagge durch die blau-weiße Flagge des Königreiches ausgewechselt zu haben.
Wohlgemerkt, sie gaben zu die Fahne ausgewechselt, nicht aber gestohlen zu haben!

Nach Übergabe der unversehrten Stadtflagge und Feststellung ihrer Personalien wurden sie dann aber wieder freigelassen, mit der Auflage sich einmal wöchentlich bei der jeweiligen Polizeiwache ihres Wohnortes zu melden.

Henrique Burnay und Rodrigo Moita de Deus weigerten sich, die Namen ihrer zwei „Komplizen“ zu nennen (mindestens einer von ihnen muss aber ganz in der Nähe gewesen sein, denn in der Zwischenzeit ist ein neues Video im Internet aufgetaucht, welches die „Übergabe“ der Stadtflagge im Rathaus, und die Abführung der zwei „Aktivisten“ durch die Polizei zeigt) und sie weigerten sich auch sich schuldig zu bekennen, denn, so ihr Standpunkt, sie hätten weder Hausfriedensbruch begangen (sie waren auf dem Rathausbalkon, nicht im Rathaus selbst), noch hätten sie ein Diebstahl begangen (schließlich haben sie ja die Fahne gewaschen und gebügelt wieder zurückgebracht) noch seien sie ein öffentliches Ärgernis (im Gegenteil, sie meinen sie seien sogar eine öffentliche Bereicherung).

Die Aktivisten der „31 da Armada“ überlegen nun, wie sie am besten gegen das Lissabonner Rathaus angehen sollen.
Denn, das Rathaus weigert sich, die blau-weiße Flagge der Monarchisten, die die Jungs in der Nacht- und Nebelaktion an Stelle der Lissabonner Stadtflagge gehisst hatten, wieder rauszurücken.

Meiner persönlichen Meinung nach, versucht das Lissabonner Rathaus, überhaupt die gesamte nationale politische Klasse, sich diesen „Dummen-Jungen-Streich“ zu Eigen zu machen, um von ihrer mittelmäßigen Kommunal- und Landespolitik abzulenken.

Politiker aller Parteien predigen immer, junge Leute sollen sich politisch mehr Engagieren und aktiv an der Kommunalpolitik teilnehmen.
Wenn sich dann aber ein paar junge Männer, weder fanatisch, militant oder aggressiv, sondern eher außergewöhnlich, aktiv und originell politisch einsetzen, dann bricht, so könnte man meinen, das ganze demokratische System zusammen.

Es sollten mehr so junge, politisch engagierte Menschen geben, wie die Jungs von der Bewegung „31 de Armada“.
Dann wären vielleicht der politische Alltag und die daraus resultierenden Diskussionen nicht so trocken und langweilig.

Ich werde mich demnächst um eine Mitgliedschaft bei den „31 da Armada“ bemühen!

Viva El-Rei!
Viva a Monarquia!
Viva Portugal!

Freitag, 14. August 2009

Caretta caretta


Fünf Meeresschildkröten, der vom aussterben bedrohten Art „Caretta caretta“, die auch unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens stehen, wurden gestern ca. 15 Seemeilen westlich von Sagres von Bord der Fregatte "João Coutinho" der portugiesischen Kriegsmarine in ihren natürlichen Lebensraum entlassen, nachdem sie mehrere Monate in der Aufzuchtsstation des Freizeitparks Zoomarine in der Algarve verbracht hatten.

Drei der geschwächten und unterernährt aufgefundenen Tiere waren Anfang des Jahres Fischern ins Netz gegangen.
Eine Meeresschildkröte wurde von Tauchern verletzt aufgefunden. Und eine „Caretta caretta“ war mit einem Gewicht von 0,5 kg im Aquarium eines Restaurants in Albufeira entdeckt worden und konnte jetzt mit 5,9 kg in die Freiheit entlassen werden.

Dies ist nicht das erste mal, dass sich die portugiesische Marine an solchen Auswilderungsmaßnahmen teilnimmt.
Letztes Jahr z.B., war die Korvette „General Pereira D´Eça“ in einem ähnlichen Einsatz tätig.
Damals wurden sechs Meeresschildkröten, die in Portugal auch unter dem Namen „Tartaruga-comum“ und in Deutschland unter dem Namen „Unechte Karettschildkröte“ bekannt sind, in die Freiheit entlassen.

Bei Organspenden weltweit vorne


Hier am Rande Europas, wo wir Portugiesen für viele nichts weiter als ein Anhängsel Spaniens sind, sind wir es gewohnt nicht immer die erste Geige zu spielen oder beachtet zu werden.

Was internationale sportliche, musikalische, medizinische oder technische Veranstaltungen angeht, spielt Portugal weltweit meistens eine Nebenrolle.
Das wissen wir, das kennen wir nicht anders und es raubt uns auch nicht gerade den Schlaf.

Aber, wenn wir mal in Europa oder weltweit positiv auffallen und in den ersten Rängen auftauchen, dann ist dies natürlich eine Nachricht wert und wir sind dann stolz wie Oscar.

So berichtet die Tageszeitung „Público“ in ihrer heutigen Ausgabe, das Portugal bei der Zahl der Organspenden weltweit den zweiten Platz einnimmt.
Im letzten Jahr kamen auf 1 Millionen Einwohner, laut Statistik, 26,7 Organspenden.
Auf Platz 1 liegt unser Nachbarland Spanien (natürlich; musste ja so sein!).
Bei der Zahl der Lebertransplantationen ist Portugal in Europa sogar führend.
Die Warteliste bei Nierentransplantationen konnte im letzten Jahr erstmals nach 10 Jahren verringert werden. Insgesamt wurden 2008 in Portugal 524 Nieren verpflanzt.

Aber diese positiven Zahlen kommen nicht von ungefähr.
Sie sind ein Ergebnis der neuen Gesetzgebung für Organspenden in Portugal. Nach diesem neuen Gesetz gilt die Widerspruchsregelung, d. h. die Zustimmung zur Organentnahme wird grundsätzlich unterstellt.

Nur wer sich im „RENNDA“, dem „Registo Nacional de Não Dadadores“ (Nationales Register für Nichtspender), das beim Centro de Saúde (Gesundheitsamt) geführt wird, eintragen lässt, verhindert das ihm die Organe entnommen werden.
Alle anderen gelten, nach eindeutiger Feststellung ihres Gehirntodes, als potentielle Organspender.

Ozeanarium – Oceanário






Mein letzter Besuch im Lissabonner Ozeanarium (Oceanário de Lisboa) liegt gerade mal eine Woche zurück.
Ich war dort mit meinen vier Neu-Wixhäusern und anderen lieben Freunden, die jetzt in Großbritannien leben.

Ich weiß nicht wie oft ich schon im Ozeanarium war. Aber ich entdecke jedes Mal etwas neues, wenn ich ihn besuche.

Beim Ozeanarium handelt es sich um ein imposantes Aquarium, das weltweit zweitgrößte überhaupt, mit einem riesigen Haupttank, vier regionalen Zonenaquarien und einigen separaten Aquarien.

Im riesigen Haupttank werden unter Anderem folgende Fischarten gehalten:

- Weißer Thunfisch (port. Atum-rabilho, lat.Thunnus thynnus)
- Riesen-Barracuda (port. Barracuda-gigante, lat. Sphyraena barracuda)
- Stichling (port. Carapau, lat. Trachurus trachurus)
- Makrele (port. Cavala, lat. Scomber scombrus)
- Rabenfisch (port. Corvina, lat. Argyrosomus regius)
- Barsche (port. Garoupas, lat. Sub-família Epinephelinae)
- Teufelsmanta (port. Manta-diabo, lat. Mobula mobular)
- Getupfelte Muräne (port. Moreia-pintada, lat. Gymnothorax favagineus)
- Grüne Muräne (port. Moreia-verde, lat. Gymnothorax funebris)
- Engelsfisch (port. Peixes-anjo, lat. Chaetodon spp.)
- Mondfisch (port. Peixe-lua, lat. Mola mola)
- Sardinen (port. Sardinhas)
- Rotauge (port. Sargo, lat. Diplodus vulgaris)
- Weißspitzen-Riffhai (port. Tubarão-de-pontas-brancas-de-recife, lat. Triaenodon obesus)
- Stierkopfhai (port. Tubarão-touro, lat. Carcharias taurus)
- Zebrahai (port. Tubarão-zebra, lat. Stegostoma fasciatum)

Die Thunfische, Makrelen und Sardinen werden in Schwärmen gehalten.

Die vier Zonenaquarien unterteilen sich in eine antarktische Zone (hier leben Pinguine und Fische aus den antarktischen Gewässern), eine tropische Korallenzone des Indischen Ozeans (mit hunderten tropischen Fischen und Korallen und einem kleinen Mangrovenwald), eine pazifische Tiefseezone (mit unterschiedlichen Tiefseefischen und anderen Tiefseebewohnern) und eine atlantische Zone (hier leben Fische, die in den Gewässern rund um die Azoren vorkommen, sowie ein Seeotterpärchen).

In separaten Aquarien können unter anderem auch Seepferdchen, Clownsfische, Quallen, Tintenfische, Seeanemonen, Kugelfische und Schollen bestaunt werden.

Das vom US-Amerikaner Peter Chermayeff konzipierte Ozeanarium, das sich im Parque das Nações, auf dem Gelände der ehemaligen Weltausstellung EXPO 98 befindet, war das Wahrzeichen der damaligen Weltausstellung.
Heute ist es Lissabons meist besuchteste Attraktion.

Donnerstag, 13. August 2009

Von Feiglingen, Heulsusen und einer Massenprügelei


Wer mich kennt, weiß dass ich ein Liebhaber der portugiesischen „tourada“ (Stierkampf) bin.
Solche Liebhaber der „tauromaquia“ (Sztierkampfkunst) , wie ich einer bin, nennt man hier in Portugal „aficionado“ (Liebhaber des Stierkampfes).

So wie andere gerne an den Wochenenden Fußballligaspiele im Fernsehen sehen, so schaue ich mir gerne die wöchentlichen Übertragungen aus den einzelnen „Praça de touros“ (Stierkampfarenen) des Landes an.

Gestern wurde aus der Stierkampfarena in Alcochete der Stierkampf übertragen, der alljährlich zu den Feierlichkeiten der "Festas do Barrete Verde e das Salinas", des Stadtfestes, stattfindet.
Es war ein schöner Stierkampfabend, und auch die „pegas“ (bei einer pega packt eine Gruppe junger Männer, „forcados“ genannt, sprichwörtlich den Stier bei den Hörnern) waren sehr schön anzusehen.
Wer jemals einen portugiesischen Stierkampf gesehen hat, und somit auch eine pega, wird diesen imposanten „Kampf“ zwischen Mensch und Tier niemals vergessen (bitte lesen sie hierzu auch mein post „Donnerstag nachts im Campo Pequeno“ vom 01.07.2009).

Aber wie beim Fußball, so unterscheidet sich auch beim Stierkampf, jede einzelne Begegnung.
Keine gleicht der anderen an Emotionen, Verlauf, Ergebnis und Spannung.
Und der Stierkampfabend in Alcochete ist natürlich keine Ausnahme gewesen.

Denn während die „toureiros“ (Stierkämpfer) im sportlichen Kampf mit den „touros“ (Stieren) ihre Kunstfertigkeit zeigten, spielten sich auf einigen Sitzplätzen weniger kunstfertige Kämpfe ab.
Die ganze Fernsehnation konnte mit ansehen, wie sich 80 bis 100 Zuschauer mit den „forcados“ und ihren Anhängern prügelten.

Erst im laufe des Fernsehabends wurde berichtet wie es zu dieser Massenprügelei gekommen war.
Nun, nachdem die forcados von Alcochete zwei der sechs pegas regelrecht in den Sand gesetzt hatten, fingen einige Zuschauer von auswärts an, die forcados mit Schimpfwörtern zu titulieren, unter anderem mit dem weniger schönen Wort „maricas“.
„Maricas“ ist das portugiesische Wort für Feigling oder Heulsuse, kann aber auch für Schwul stehen.

Und wer nun in der Stierkampfarena von Alcochete, den forcados von Alcochete zuruft, sie wären „maricas“, der muss wirklich sehr mutig sein oder doch etwas lebensmüde, und er muss natürlich dann auch damit rechnen, windelweich geprügelt und geschlagen zu werden, was dann ja auch einigen Zuschauern passiert ist.

Zuerst dachte ich, als ich die Keilerei sah, ich hätte aus Versehen zum Sonderparteitag der Sozialisten rübergeschaltet.
Aber dann sah ich doch wieder einmal bestätigt, dass der eigentliche Stierkampf nicht immer im Rund stattfindet.

Als am Schluss des Stierkampfes, wie immer die Nationalhymne gespielt wurde, lagen sich alle, wie es sich gehört, wieder in den Armen.

So viel Patriotismus muss dann doch schon sein!

Den alten Opa kenne ich nicht


Der Ausschluss aus dem Familienclan ist, seit alters her, die härteste Strafe für nichtsoziales Verhalten.
Eltern, damals wie heute, drohen gelegentlich mit dieser Sanktion, z.B. wenn der Spross zu laut ist, oder er mit der Zubettgehzeit nicht einverstanden ist.
Dann heißt es meistens:
„Wenn du nicht still bist und gleich ins Bett gehst, werden wir sagen dieser freche Junge (oder Mädchen) ist nicht unser Kind.“

Frühreife Kinder aber sind im Stande, von diesem pädagogischen Knebel selbst Gebrauch zu machen.

Hier in Lissabon stritt sich vorgestern, im Einkaufscenter Colombo, ein sechsjähriger Junge mit seinem Großvater über den Erwerb eines Spielzeugdinosauriers.
Als eine Passantin schlichten wollte, leugnete der Dreikäsehoch jede verwandtschaftliche Beziehung zu dem alten Mann.
Auch gegenüber der Polizei, die vorsichtshalber von der Passantin gerufen wurde, beteuerte der Junge, mit den Worten: „Não conheço este velhote“ („Den alten Opa kenne ich nicht“), der alte Mann sei ihm fremd.

Also wurden alle drei, der alte Opa als mutmaßlicher Täter, der Dreikäsehoch als vermeintliches Opfer und die Passantin als aufmerksame Zeugin auf die nächste Polizeiwache genommen.
Erst dort, nach einem Anruf bei der Mutter des Knaben, konnte die Sache aufgeklärt werden.
Der alte Mann war wirklich der Opa des Jungen, und die ganze Situation war wirklich nichts weiter als ein Missverständnis.

Die aufmerksame Zeugin wurde, nach dem Zwischenfall, öffentlich von der Polizei gelobt.
Denn, so der zuständige Polizeidirektor, sie habe „aufmerksam, resolut und beispielhaft“ gehandelt.

Ob der Knirps den Spielzeugdinosaurier später doch noch bekommen hat, ist allerdings nicht bekannt.

31 da Armada - Die Monarchie in Portugal lebt



In einer Nacht- und Nebelaktion haben vor drei Tagen, vier als „Darth Vader“ aus der „Star Wars Saga“ verkleidete junge Männer, das Lissabonner Rathaus regelrecht „geentert“.

Sie entfernten, in der Nacht zum Montag, die dort am Rathausbalkon hängende Stadtflagge und ersetzten diese durch die blau-weiße Königsflagge der Monarchisten.

Dort wehte sie dann bis zum Morgengrauen, bis Mitarbeiter der Stadtverwaltung sie wieder abhängten, und erneut eine Stadtflagge am Fahnenmast anbrachten.

Zu der Aktion bekannte sich die Bewegung „31 da Armada“, eine Gruppe monarchistischer, königstreuer junger Männer, die schon einige Male mit außergewöhnlichen Aktionen für Aufmerksamkeit gesorgt haben.
So hat diese Gruppe vor zwei Jahren, nach dem alten portugiesischen Motto „Português que é português chateia um espanhol pelo menos uma vez“ (= Was ein echter Portugiese ist, der ärgert gerne ab und zu mal einen Spanier“) die spanische Grenzstadt Olivenza (port.: Olivença), die von Portugal beansprucht wird, „in Besitz genommen“, indem sie die dortige Burg überfielen und die spanische Fahne durch die portugiesische ersetzten.

Die vier jungen Männer filmten sich bei der jetzigen Fahnen-Aktion selbst, und stellten ihre Aufnahmen ins Internet (unter

http://31daarmada.blogs.sapo.pt/2923148.html

kann man sich die Videoaufnahme anschauen).
Die Gruppe erklärte, sie wolle mit dieser außergewöhnlichen Aktion ihren Beitrag zu den für 2010 geplanten Feierlichkeiten anlässlich der 100-Jahrfeier zur Einführung der Republik leisten.

Die Lissabonner Stadtverwaltung hat nun Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Diebstahl gestellt.
Dies können die Jungs (moços =Jungs, so nennen sie sich wirklich selber!) des „31 da Armada“ nicht nachvollziehen, denn so ihre, in ihrem Blog vertretende, Meinung:

„Wir sind weder in das Gebäude des Rathauses eingebrochen, noch haben wir die Stadtflagge gestohlen.
Wir haben sie lediglich abgehängt, um sie reinigen und bügeln zu lassen.
Die Flagge war nämlich in einem kümmerlichen Zustand. Schließlich wissen wir ja alle wie erbärmlich Republikaner mit nationalem Eigentum umgehen“.

Was nichts weiter als ein Dummer-Jungen-Streich sein sollte, wird nun wohl ernsthafte Konsequenzen für die Polizei haben.
Denn, da sich noch nicht einmal 50 Meter vom Rathaus entfernt eine große Polizeistation befindet, fragen sich nun viele, wie Sicher es eigentlich in der Hauptstadt ist.

Wenn vier, als „Darth Vader“ verkleidete Männer, das Rathaus ohne Probleme einnehmen können, obwohl die Polizei genau nebenan präsent ist, wie ist es dann um die Sicherheit anderer öffentlicher und nicht öffentlicher Gebäude in Lissabon bestellt?

Mittwoch, 12. August 2009

Seefahrer, Entdecker und Abenteurer







Portugal ist auch als das "Land der Seefahrer und Entdecker" („Terra dos Navegadores e dos Descobridores“) bekannt.
Als solches hatte Portugal einmal, nebst seinem Nachbar Spanien, eine Weltmachtstellung unter den Nationen der Welt.

Als Seefahrernation erlebte Portugal, durch den weltweiten Handel, einen bis dahin nie gesehenen wirtschaftlichen Aufschwung.
Die Krone, der Adel, der Klerus und die Kaufleute gewannen unerhöhte Reichtümer durch die Entdeckungsfahrten.
Aber diesen Reichtum verdankten sie nur einer Anzahl wagemutiger Männer.
Diese mutigen Männer waren Pioniere und Abenteurer zugleich.
Als Seefahrer und Entdecker sollten sie einen ewigen Platz in der Geschichte erlangen.

Portugiesische Seefahrer waren im 15. und 16. Jahrhundert das, was amerikanische Astronauten für die heutige Menschheit sind.
Ihre Entdeckungen auf hoher See waren so abenteuerlich, wie eine Raumfahrt zum Mond heute, und ihre Karavellen waren so futuristisch wie die heutigen Raumfähren.

Aber wer waren diese Männer?

Natürlich wissen viele, dass es Vasco da Gama war, der den Seeweg nach Indien entdeckte.
Die meisten wissen auch das Magellan (Fernão de Magalhães) als erster Mensch die Welt umrundete.

Aber wer entdeckte z.B. Brasilien?
Wer war als erster Europäer am siamesischen Hof?
Wer betrat als erster die Japanischen Inseln?
Wer umsegelte als erster das Kap der Guten Hoffnung?
Wer segelte bis nach China?

Viele, außerhalb Portugals, wissen auf diese simplen Fragen keine Antwort.

Um diese Männer aus ihrer Anonymität zu holen, führe ich hier nun die Namen einiger Seefahrer und Entdecker auf, die nicht nur in der portugiesischen Geschichte, sondern auch in der Geschichte anderer Nationen, ihren Platz gefunden haben.

- Gil Eanes: Der aus dem südportugiesischen Lagos stammende Gil Eanes umsegelte 1434 als erster, nach 15 erfolglosen Versuchen, das Kap Bojador an der westafrikanischen Küste. 1446 entdeckt er Gambia, ebenfalls an der afrikanischen Westküste.

- João Gonçalves Zarco: Zarco, ein Edelmann aus dem Umfeld von Heinrich dem Seefahrer (Henrique o Navegador) entdeckte mit Tristão Váz Teixeira 1419 die Atlantikinsel Porto Santo. Im Jahr darauf, 1420, entdeckten diese beiden Seemänner, mit Bartolomeu Perestrelo die Insel Madeira.

- Bartolomeu Dias: Dias umsegelte als erster die Südspitze Afrikas. Er nannte diesen stürmischen Punkt Kap der Guten Hoffnung. 1487 erreichte er als erster Europäer den Indischen Ozean und die Ostküste Afrikas. Im Jahre 1500 fand er an dem von ihm entdeckten Kap der Guten Hoffnung, in einem heftigen Sturm, den Tod.

- Vasco da Gama: Im Auftrag von König Manuel I entdeckte Vasco da Gama 1498 den maritimen Weg nach Indien. Der König beförderte ihn daraufhin, aus Dank, zum Admiral und erhob ihn in den Adelstand. 1502, auf dem Rückweg von Indien nach Portugal, entdeckte er die Inseln der Seychellen. Als Vizekönig von Indien starb er 1524 im indischen Cochim.

- Pedro Álvares Cabral: Der in Belmonte, bei Santarém, geborene Pedro Álvares Cabral machte sich im Jahre 1500 auf den Weg nach Indien. Vom Kurs abgekommen, erreichte er am 22. April 1500 die Küste Brasiliens. Als Entdecker Brasiliens und Südamerikas ist er in die Geschichte eingegangen.

- Fernão de Magalhães: Er ist wohl das „schwarze Schaf“ unter allen portugiesischen Seefahrern. Er ist zwar Portugiese, umrundete als erster Mensch überhaupt die Erdkugel, und bewies somit auch dass die Erde wirklich Rund war. Aber er machte diese Weltreise im Auftrage Spaniens, und das nahm ihm über viele Jahrhunderte hinweg das Vaterland übel.

- Diogo Cão: Er entdeckte die Mündung des Flusses Kongo und segelte hinunter, bis zu den heutigen Küsten Angolas und Namibias.

- Diogo de Silves: Der Entdeckter der Azoreninseln São Miguel und Santa Maria im Jahre 1427. Im Jahr darauf, 1428, entdeckte er die Inseln Terceira, Graciosa, São Jorge, Pico und Faial.

- João de Teive: 1452 entdeckte dieser Seefahrer die westlichen Azoreninseln Flores und Corvo.

- Dinis Dias: Im Jahr 1444 entdeckt Dinis Dias die Kanareninsel La Palma.

- Álvaro Fernandes: 1446 setzt Álvaro Fernandes seinen Fuß auf dem Gebiet des heutigen Guinea-Bissau, in Westafrika.

- Diogo Gomes: Von 1456 bis 1461 entdeckt Diogo Gomes, zusammen mit Alvise Cadamosto, Antonio da Noli und Diogo Afonso die Kapverdischen Inseln.

- João de Santarém: João de Santarém entdeckt mit Pêro Escobar die Inseln São Tomé und Principe. 1471 überqueren sie als erste Europäer den Äquator und segeln bis zum heutigen Niger.

- João Vaz Corte-Real: 1472 entdeckt Corte-Real ein Land, welches er „Terra Nova“ (Neufundland) nennt. Leider konnte bis heute nicht bewiesen werden, ob es sich hierbei um das heutige kanadische Neufundland handelt. Wenn dem so ist, dann ist João Vaz Corte-Real der eigentliche Entdecker Amerikas, und nicht etwa Christoph Columbus 20 Jahre später!

- Afonso de Paiva: Afonso de Paiva und Pêro da Covilhã reisen 1487, auf dem Landweg, nach Äthiopien.

- João Fernandes Lavrador: 1495 segelt João Fernandes Lavrador über Grönland bis nach Amerika. Dem Land, welches er entdeckt, gibt er seinen Namen „Lavrador“. Hierbei handelt es sich um das heutige kanadische Labrador.

- Duarte Pacheco Pereira: Duarte Pacheco Pereira durchfuhr als erster Europäer den Amazonas stromaufwärts.

- Diogo Dias: Am 10. August 1500 entdeckt der Seefahrer Diogo Dias eine Insel, die er Ilha de São Lourenço nennt. Heute ist diese Insel unter dem Namen Madagaskar bekannt.

- Estevão da Gama: Entdeckt 1503 die Insel Sankt Helena.

- Lourenço de Almeida: Entdeckt 1505 die Insel Ceylon, das heutige Sri Lanka.

- Tristão da Cunha: Entdeckt die Insel der er auch seinen Namen gibt.

- Diogo Lopes de Sequeira: Überquert als erster Europäer den Bengalischen Golf und segelt bis zum heutigen Malaysia.

- Duarte Fernandes: Besucht als erster Europäer 1511 den königlichen Hof von Siam, dem heutigen Thailand.

- António Abreu: Entdeckt die Inseln Timor, Banda, Ambon und Seram, im heutigen Indonesien.

- Pedro Mascarenhas: Entdeckt die Insel Mauritius.

- Fernão Pires de Andrade: Als erster Portugiese segelte er bis nach Kanton, in China.

- Diogo Pacheco: 1525 entdeckt Diogo Pacheco ein Land südlich der Insel Sumatra. Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um Australien. Leider gibt es heute keine Hieb- und Stichfeste Beweise dafür, ob es sich bei dem entdeckten Land wirklich um Australien handelt.

- Jorge de Meneses: Entdeckt das heutige Papua-Neuguinea.

- Fernão Mendes Pinto: Mit Diogo Zeimoto und Cristovão Borralho besucht Fernão Mendes Pinto als erste Europäer das japanische Kaiserreich.

Diese Männer die ich hier aufgeführt habe sind nur einige der vielen, vielen Portugiesen, die sich um die weltweite Entdeckungsgeschichte verdient gemacht haben.
Leider gab es keine Frauen unter den vielen Seefahrern und Entdeckern. Vielleicht traute man ihnen entbehrungsreiche, monatelange Fahrten auf hoher und sehr oft auch stürmischer See einfach nicht zu, was zu bedauern ist.
Denn sicherlich sähe die Welt heute etwas anders aus, wenn Frauen schon damals mehr Einfluss in der Expansionspolitik gehabt hätten.

Dienstag, 11. August 2009

Wie isst man Lupinenkerne?


Viele in Deutschland werden keine Antwort auf diese Frage wissen.
Zumal die meisten ja noch nicht einmal wissen, was Lupinenkerne (tremoço) oder Lupinen (tremoceiro) eigentlich sind.
Wie sollen sie also da auch wissen, wie man diese isst?
Für die, die es nicht wissen, Lupinen sind Hülsenfrüchte und gehören zur Familie der Erbsen, Erdnüsse und Kichererbsen.

Für die deutschen Nachkriegskinder, die in den Jahren 1948 bis 1958 zur Erholung nach Portugal geschickt wurden, stellte sich der Verzehr der gelben Kerne, die als Snacks angeboten wurden und werden, aber durchaus als zunächst schwierige Aufgabe dar.

Der Zweite Weltkrieg hatte über ganz Europa Tod, Verwüstung und Vernichtung gebracht.
Abermillionen von Menschen waren in Konzentrationslager, auf dem Schlachtfeld oder auf der Flucht gestorben.
Die Überlebenden kämpften um ein Heim und um etwas Essen.
Da war vielen Familien das Angebot der Caritas in Deutschland mehr als willkommen, ihre Kinder in Länder zu verschicken, die es nicht ganz so schlimm getroffen hatte und wo die Versorgungslage besser war.

Die unterernährten Jungen und Mädchen wurden auf Antrag registriert und dann auf Portugal, auf die Schweiz, auf Schweden und Spanien verteilt.
Für insgesamt 6000 Kinder fanden sich in Portugal Familien, die bereit waren, ein Kind für Monate, manche sogar für Jahre, aufzunehmen.
Aber was hieß das konkret, eine neue Familie in einer neuen Heimat zu finden?

Nun, die Kinder, die meisten von ihnen waren zwischen vier und zwölf Jahren, mussten sich von ihren Eltern und Geschwistern, von ihren Freunden und von ihrer Heimat trennen.

Eine beschwerliche Reise im Nachkriegseuropa, unter teilweise erschreckenden hygienischen Bedingungen lag vor ihnen.
Was würde sie in dem fremden Land erwarten, von dem sie nicht einmal wussten, wo es lag?

Würde man sie gut behandeln?
Den meisten Jungen und Mädchen war noch nicht einmal bewusst, dass man in ihrer neuen Heimat eine andere Sprache sprach.
Später, als Erwachsene, wussten sie von sprachlichen Missverständnissen zu erzählen, die oftmals viel Anlass zum Lachen gaben.

Aber auch Trauriges gibt es zu berichten:
Von Kindern, die sich in ihrer portugiesischen Gastfamilie so wohl fühlten, dass sie nicht mehr in ihre Ursprungsfamilie zurückkehren wollten.
Von Kindern die ihre Muttersprache verlernt hatten, so dass eine Kommunikation mit den richtigen Eltern nur noch sehr schwer möglich war.
Von „Saudade“, dem Heimweh nach Portugal, Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit der zweiten Familie.

Viele sind über die Jahre in Kontakt geblieben, wenngleich die Elterngeneration auch nicht mehr lebt. Aber die portugiesischen Geschwister, Cousins und Cousinen laden nach wie vor zu Besuchen ein.
Familienfeiern werden gemeinsam begangen, ob in Portugal oder in Deutschland.

Und alle diese Kinder haben mit der Zeit dann auch gelernt, wie man am besten Lupinenkerne isst.

Natürlich kann man die Lupinenkerne ganz essen.
Aber am besten schmecken sie, wenn man sich die Mühe macht, die zarte Schale von dem Fruchtfleisch, dem eigentlichen Kern, abzupulen.
Die Kerne werden hierbei mit der Öffnung voraus in den Mund gesteckt und mit den Zähnen holt man den Kern aus der Schale und lässt ihn dabei in den Mund flutschen.
Das klingt zwar unheimlich kompliziert, ist aber sehr leicht!

Probieren sie es, bei ihrem nächsten Portugalurlaub, einfach mal aus.

Wenn Adebar frei Haus liefert





Letzte Woche besuchte ich mit meiner Familie die Stadt Évora, in der Provinz Alentejo.
Mein Schwager hatte im dortigen Flugplatz einen Tandem-Fallschirmsprung zu absolvieren.
Auf dem Weg nach Évora und in Évora selber konnten wir die vielen Storchennester bewundern.

Hier im Süden Portugals ist der Storch (port.: cegonha, lat.: Ciconia ciconia), im Gegensatz zum übrigen Europa, alles andere als eine Rarität.

Fast jedes Dorf und jede Stadt hat seine eigene, kleine Storchenkolonie.
Diese sympathischen weiß-schwarzen Vögel, mit ihren roten Schnäbeln und langen Beinen finden ihr Futter auf Feldern, Wiesen, Weihern und Seen, leben aber bevorzugt in den Ortschaften, und bauen mit Vorliebe ihre großen, stattlichen Nester auf den Kirchturmspitzen oder auf hohen Dächern.

Die Störche die hier in Portugal nisten, überwintern, im Gegensatz zu den Störchen die in Deutschland brüten, auch meistens hier in Portugal.
Sie ersparen sich einfach den langen Flug nach Afrika.

Überhaupt scheinen die Störche, die in Deutschland und anderswo in Europa brüten, Portugal für Afrika zu halten. Denn viele von ihnen verlassen Europa in Richtung Afrika, überwintern aber dann hier in Portugal und Südspanien.

Hier in Portugal, wie überall auf der Welt, haben Störche den Ruf die Überbringer der neugeborenen Babys zu sein.
Diese Legende stammt, was die meisten nicht wissen, hier aus dem Süden Portugals, und zwar noch aus einer Zeit, als die Babys alle Hausgeburten waren.
Um den anderen Kindern das plötzliche Erscheinen eines neuen Erdenbürger zu erklären, sagte man ihnen, der Storch hätte das neue Baby in seinem Schnabel gebracht.
Die Legende besagt auch, das der Storch beim bringen der Babys, die Mütter ins Bein zwickt, weshalb diese dann auch für einige Zeit das Bett hüten müssen.

Diese Legende hat der dänische Schriftsteller und Dichter Hans Christian Andersen bei seinem Besuch in Portugal im Jahre 1866 gehört, und sie dann in die Welt hinausgetragen.

Andersen haben wir es also zu verdanken, das heute jedes Kind auf der Welt glaubt, die Babys werden vom Storch frei Haus geliefert.