Samstag, 31. Dezember 2011

Einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2012


Als ich mir heute Morgen meine Monatskarte gekauft habe, hat mich, gelinde gesagt, fast der Schlag getroffen!
Die Monatskarte, für die ich noch vor einem Monat immerhin 55,40 Euro berappen musste, hat mich heute stolze 63,25 Euro gekostet.
Das ist eine Teuerung von 15% in nur einem Monat!

Mir ist klar, dass dies nur der Anfang war, denn in den nächsten Monaten wird hier in Portugal so einiges teurer werden.
Für viele Produkte, wie Kaffee, Brot, Mineralwasser und Kartoffelchips werden wir schon ab dem morgigen Neujahrstag tiefer in die Tasche greifen müssen.

Hier eine kleine Liste einiger Produkte und Dienstleistungen, für die wir ab dem morgigen 01. Januar 2012 eine erhöhte Mehrwertsteuer entrichten müssen:

Lebensmittel bei denen die Mehrwertsteuer von 6% auf 23% erhöht wurde
• Joghurt und Joghurtgetränke
• Sojaprodukte und Tofu
• Kartoffel und Kartoffelprodukte, wie Chips, Kartoffelpüree, Pommes frites usw.
• Dosengetränke, mit oder ohne Kohlensäure
• Fruchtsäfte und Fruchtsaftkonzentrate
• Brot und Backwaren

Lebensmittel bei denen die Mehrwertsteuer von 6% auf 13% erhöht wurde
• Mineralwasser, mit oder ohne Kohlensäure
• Babynahrung

Lebensmittel bei denen die Mehrwertsteuer von 13% auf 23% erhöht wurde
• Frucht- und Gemüsekonserven
• Trockenobst
• Speiseöle und Margarine
• Kaffee und Kaffeeprodukte

Für Sportevents, Kino-, Theater-, Museumsbesuche und andere sportlichen und kulturellen Veranstaltungen muss man ab jetzt ebenso tiefer in die Tasche greifen.
Auch das Fahren im öffentlichen Nah- und Fernverkehr wird zwischen 12% und 16% teurer.

Für einen Restaurantbesuch, sei es in einem Fünf-Sterne-Lokal oder in einem Fastfood-Restaurant, muss man ab Morgen anstatt 13% nun 23% Mehrwertsteuer bezahlen.
Auch wenn man sich eine Pizza nach Hause bringen lässt oder sich beim Chinesen ein paar Frühlingsrollen bestellt, muss man jetzt den höheren Steuersatz berappen.

Gas, Heizöl und Petroleum sind ebenfalls von dieser Steuererhöhung betroffen, genauso wie ein Besuch beim Hausarzt oder eine Einlieferung ins Krankenhaus – am besten man wird erst gar nicht krank...

Auch die Tabak- und die Spirituosensteuer sollen nächstes Jahr erhöht werden, allerdings nicht gleich am 01. Januar.
Genießen sie deshalb heute Abend, trotz allem, ihren Sekt.
Wer weiß wie lange sie dies noch tun können.
In diesem Sinne, und trotz allem:

Einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2012!

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Wort des Jahres in Portugal


Genauso wie in Deutschland schon seit Jahren üblich, so wird auch hier in Portugal seit zwei Jahren das „Wort des Jahres“ (port.: „Palavra do ano“) gewählt.
Jeder kann im Internet eines oder mehrere Wörter zum „Wort des Jahres“ vorschlagen.
Aber nur ausgesuchte Sprachanalysten und Sprachgelehrte einerseits und Lektoren und Redakteure des berühmten Verlages „Porto Editora“ andererseits, der auch der Initiator des Wettbewerbes ist, wählen dann das „Wort des Jahres“ aus.
Wie in Deutschland soll auch hier das ausgewählte Wort des Jahres charakteristisch, repräsentativ und prägend für die aktuelle soziale, politische und wirtschaftliche Gesellschaftslage sein.

Mehrere Wörter stehen zur Auswahl.
Zurzeit ganz vorne ist das Wort „austeridade“, das im „Langenscheidt´s Wörterbuch Portugiesisch-Deutsch“ mit „Stränge, Sparsamkeit, Genügsamkeit, Zurückhaltung“ übersetzt wird, und so mit einem Wort die aktuelle finanzielle Situation des Landes ausdrückt.

An zweiter Stelle wird das Wort „charter“ angegeben und danach kommen die Wörter „troika“, „fado“, „desemprego“ (dt.: Arbeitslosigkeit), „subsídio“ (dt.: Beihilfe, Sozialhilfe, Arbeitslosenunterstützung) und „emigração“ (dt.: Auswanderung).

Das genaue Siegerwort steht aber noch nicht fest, da dies vor allem von der Inhaltsbewertung der aktuellen Nachrichtenlage abhängt.
Da aber „austeridade“ seit Beginn der Wahl bei den Sprachanalysten und Sprachforschern weit vorne liegt, ist es im Moment nur schwer vorstellbar das dieses (Un)Wort jetzt noch seine Spitzenposition verliert.

Am kommenden Samstag, pünktlich zum Jahreswechsel, wird hier in Portugal dann das „Wort des Jahres“ bekannt gegeben.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

In memoriam: Benjamin Breedlove


In Gedenken an Benjamin Breedlove aus Austin / Texas, der uns eine bewegende Videobotschaft hinterlassen hat, und in Gedenken an all die anderen, die dieses Jahr mit ihm gegangen sind.

Das Video von Benjamin ist auf youtube, mit dem Namen „This is my story“ zu sehen, unter

www.youtube.com/watch?v=35O3E3T3GKQ



Em memória de Benjamin Breedlove de Austin / Texas, que nos deixou uma menságem de video emocionante, e em memória de todos aqueles que tiveram que partir com ele este ano.

O Video de Benjamin, com o nome „This is my story“, pode ser visto no youtube, em

www.youtube.com/watch?v=35O3E3T3GKQ

Dienstag, 27. Dezember 2011

Eselsohren: „A vida privada dos Bragança“


Im Verlag „A Esfera dos Livros“ ist in diesem November ein Buch erschienen, das viele kleine Geschichten aus dem Privatleben der Mitglieder der portugiesischen Königsfamilie Bragança erzählt.

Unter dem Titel „A vida privada dos Bragança“ (dt.: „Aus dem privaten Leben der Braganças“) erzählen die zwei Schriftstellerinnen Ana Cristina Pereira und Joana Troni viele persönliche Begebenheiten dieser Familie, die über 270 Jahre lang, von der Regierungszeit König João IV bis König Manuel II, die Geschichte Portugals geprägt haben.

In diesem wunderbar geschriebenen Buch von Pereira und Troni erfahren die Leser wie z.B. Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen und andere Feiern in dieser Familie vonstatten gingen.
Man kann hier nachlesen, wie sich Könige und Königinnen nach einem schweren Arbeitstag ausspannten, mit ihren Kindern spielten, wie und wo sie ihren Urlaub verbrachten und welchen Umgang sie zu ihrem Personal hatten.

Viele der Geschichten in diesem Buch zeigen einem wie „menschlich“ doch die gekrönten Häupter der Dynastie Bragança auf dem portugiesischen Thron gewesen sind.
Man muss nicht ein eingefleischter Monarchist sein, um Gefallen an dieser Lektüre zu finden.

Ich kann jedem das Buch „A vida privada dos Bragança“ nur empfehlen!

Samstag, 24. Dezember 2011

Friedliches und besinnliches Weihnachten 2011


Mit der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium möchte ich allen ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest 2011 wünschen.
Fröhliche Weihnachten!


Es begab sich aber zur der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser
Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zurzeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen:
„Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“
Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander:
„Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

(Weihnachtsevangelium nach Lukas 2, 1-20)



Com o Evangelho de Natal Segundo Lucas quero desejar a todos um Natal 2011 cheio de páz e prosperidade.
Feliz Natal!


Por aqueles dias, saiu um édito da parte de César Augusto, para ser recenseada toda a terra. Este recenseamento foi o primeiro que se fez, sendo Quirino governador da Síria. E iam todos recensear-se, cada qual à sua própria cidade.
Também José, deixando a cidade de Nazaré, na Galileia, subiu até à Judéia, à cidade de David, chamada Belém, por ser da casa e da linhagem de David, a fim de recensear-se com Maria, sua mulher, que se encontrava grávida.
E quando eles ali se encontravam, completaram-se os dias de ela dar à luz e teve o seu filho primogénito, que envolveu em panos e recostou numa manjedoura, por não haver lugar para eles na hospedaria. Na mesma região encontravam-se pastores, que pernoitavam nos campos guardando os seus rebanhos durante a noite. O anjo do Senhor apareceu-lhes e a glória do Senhor refulgiu em volta deles, e tiveram muito medo. Disse-lhes o anjo:
„Não temais, pois vos anuncio uma grande alegria, que o será para todo o povo: Hoje, na cidade de David, nasceu-vos um Salvador, que é o Messias, Senhor. Isto vos servirá de sinal para o identificardes: encontrareis um Menino envolto em panos e deitado numa manjedoura.“
De repente, juntou-se ao anjo uma multidão de exército celeste, louvando a Deus e dizendo:
„Glória a Deus nas alturas e paz na terra aos homens de Seu agrado.“
Quando os anjos se afastaram em direcção ao Céu, os pastores disseram uns aos outros:
„Vamos então até Belém e vejamos o que aconteceu e que o Senhor nos deu a conhecer.“
Foram apressadamente e encontraram Maria, José e o Menino, deitado na manjedoura. E quando os viram, começaram a espalhar o que lhes tinham dito a respeito daquele Menino. Todos os que os ouviram se admiraram do que lhes disseram os pastores. Quanto a Maria, conservava todos essas coisas ponderando-as no seu coração. E os pastores voltaram glorificando e louvando a Deus por tudo o que tinham visto e ouvido, segundo lhes fora anunciado.

(Evangelho de Natal Segundo Lucas 2, 1-20)

Freitag, 23. Dezember 2011

Schlagt Brücken


1. Schlagt Brücken von Nord nach Süd,
schlagt Brücken über Land und Meer,
es wäre dieses das Ziel,
dass wirklich einmal Frieden wär.

2. Schlagt Brücken zwischen allen Völkern,
die Menschheit wartet sehr darauf,
es wird versucht schon mal des öfteren,
sonst ist es eines Tages aus.

3. Schlagt Brücken zwischen den Nationen,
auch wenn der Glaube anders ist,
helft allen Menschen, die dort wohnen,
nehmt ihnen diesen Lichtstrahl nicht.

4. Schlagt Brücken zwischen Alt und Jung,
dass diese miteinander gehen,
lasst schweigen alle Lästerzungen,
wie wäre die Welt auf einmal schön.

5. Schlagt Brücken zwischen Menschenherzen,
die in der Blüte ihres Lebens sind,
lasst brennen für sie helle Kerzen,
dass immer Herz zu Herzen find.

6. Schlagt Brücken immer, immer wieder,
die Feindschaft klammert völlig aus,
lasst Frieden sein in den Familien,
dann sieht die Zukunft besser aus.


(Ângelo Paulo, Weihnachten 2011)

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Es ist ein Ros' entsprungen


Am vergangenen Sonntag fand in der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon das alljährliche Adventskonzert statt (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Adventskonzert - Das ist schön...“
vom 16. Dezember 2011).
Unter anderem sang an diesem Abend der Kirchenchor, dem ich angehöre, das hier folgende Weihnachtslied:


1. Es ist ein Ros' entsprungen
Aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen,
Von Jesse kam die Art
Und hat ein Blümlein bracht,
Mitten im kalten Winter,
Wohl zu der halben Nacht.

2. Das Röslein das ich meine,
Davon Jesaias sagt:
Ist Maria, die Reine,
Die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ew'gen Rat
Hat sie ein Kind geboren
Und blieb ein' reine Magd.

3. Das Blümelein so kleine,
Das duftet uns so süß,
Mit seinem hellen Scheine
Vertreibt's die Finsternis.
Wahr' Mensch und wahrer Gott,
Hilf uns aus allem Leide,
Rettet von Sünd' und Tod.

„Es ist ein Ros' entsprungen“ ist ursprünglich ein altes zweistrophiges und katholisches Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert.
In abgewandelter Textform hat dieses Weihnachtslied mit den Jahren auch seinen Weg in die evangelischen Gesangbücher gefunden.

Im so genannten Speyerer Gesangsbuch, aus dem Jahre 1599, wird das Lied zum ersten Mal erwähnt.
Zehn Jahre später, im Jahre 1609, textet der evangelische Komponist Michael Praetorius die zweite Strophe etwas um.
Er ersetzt die Schlusszeile „und blieb ein reine Magd“ durch die weniger katholischeren Worte „welches uns selig macht“.

Im Jahre 1844 fügt der Komponist Friedrich Layriz dem Weihnachtslied eine dritte Strophe bei, die heute sowohl in der katholischen als auch evangelischen Kirche gesungen wird.

Der Geschichte nach, soll dieses berühmte Weihnachtslied auf einen alten Trierer Mönch zurückgehen.
Dieser soll nämlich, Anfang des 16. Jahrhunderts, in einer kalten Weihnachtsnacht eine blühende Rose im erschneiten Wald entdeckt haben.
Er soll die Rose in sein Kloster mitgenommen haben und die selbige dort in einen Blumentopf gepflanzt haben.
Den Blumentopf soll er dann vor einem Altar der Klosterkirche aufgestellt haben.
Und eben diese Rose im Blumentopf ist, historisch gesehen, der Ursprung des Weihnachtsliedes „Es ist ein Ros' entsprungen“.

Was an dieser Geschichte wahr und erfunden ist, ist sicherlich eine Sache des Glaubens.
Wahr ist aber auf alle Fälle, dass „Es ist ein Ros' entsprungen“ wohl eines der berühmtesten Weihnachtslieder weltweit ist – auch hier in Portugal.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Ich würde mich schämen!


Ich hatte mir fest vorgenommen, jetzt zu Weihnachten, keinen politischen und ärgerlichen Beitrag hier in meinem Blog zu veröffentlichen.
Schließlich haben wir ja die Vorweihnachtszeit, also die Zeit des Friedens, der Harmonie und der Besinnung.
Doch heute, beim Aufschlagen der Tageszeitung „Publico“, wurde mir klar, dass ich dieses Vorhaben nicht würde einhalten können!

Gestern hat Premierminister Pedro Passos Coelho arbeitslose Lehrer, von denen es hier in Portugal leider mehr als genug gibt, dazu ermuntert, doch ihr berufliches Glück in portugiesischsprachigen Ländern, wie Brasilien und Angola, wo es einen regelrechten Lehrermangel gibt, zu versuchen.

Nun, wenn Pedro Passos Coelho meint, so den momentanen landesweiten Lehrerüberschuss in den Griff zu bekommen, habe ich nichts dagegen einzuwenden – schließlich ist ja jeder seines Glückes Schmied…

Wogegen ich allerdings etwas einzuwenden habe, sind die Äußerungen des Europaabgeordneten Paulo Rangel, einem Parteifreund von Pedro Passos Coehlo, der heute doch tatsächlich meinte, demnächst sollten hier in Portugal nationale Auswanderungsagenturen gegründet werden, die ausreisewillige und arbeitslose Jugendliche unterstützen sollen, außerhalb Portugals Arbeit zu finden.

Mit anderen Worten:
Wer jung und arbeitslos ist, der soll ruhig das Land verlassen und sehen, wie er auf Kosten anderer zu Recht kommt.
Und der portugiesische Staat unterstützt ihn dabei mit so genannten Auswanderungsagenturen tatkräftig!

Sollte und kann ein Politiker, mit ruhigem Gewissen, seinen Bürgern so etwas vorschlagen?
Sollte ein Politiker nicht versuchen die Jugend im Land zu behalten, anstatt sie dazu aufzumuntern auszuwandern?
Sollte ein Politiker nicht dafür sorgen, genug Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen, damit Jugendliche es erst gar nicht nötig haben zu emigrieren?
Sollte ein Politiker nicht in erster Linie an sein Volk und dessen Glück und Zufriedenheit denken?
Sollte ein Politiker nicht die Emigration als letzten, wirklich allerletzten, Ausweg sehen?
Und sollte ein Politiker Jugendlichen nicht Perspektiven und gute Zukunftsaussichten schenken, anstatt ihn außer Landes zu locken?

Wenn ich den gestrigen Vorschlag von Premierminister Pedro Passos Coelho unverschämt fand, so muss ich ehrlich sagen, das ich den heutigen Vorschlag von Paulo Rangel skandalös finde.

Ich würde mich schämen, oder wie der Portugiese so schön sagt „Tingia a minha cara de merda…“, mit solchen Äußerungen, wie sie Pedro Passos Coelho und Paulo Rangel in den letzten zwei Tagen geäußert haben, zu versuchen meine Unfähigkeit in der Arbeits- und Sozialpolitik zu rechtfertigen.
Ich würde mich wirklich schämen!

Dienstag, 20. Dezember 2011

Das Turnier von Arcos de Valdevez


Arcos de Valdevez ist ein kleiner verträumter Ort mit noch nicht einmal 2.500 Einwohnern.
Es liegt im romantischen Tal des Rio Vez im Norden Portugals, im heutigen Distrikt Viana do Castelo.
Hier soll sich einstmals im Mittelalter, Anfang des Jahres 1140, ein mystisches Turnier zugetragen haben, von dem heute noch berichtet wird.

Der Geschichte nach sollen sich am Ufer des Rio Vez, einem Zufluss des Rio Lima, an einer Stelle die von der Bevölkerung heute „Veiga da Matança“ genannt wird, einstmals die Ritter von Afonso Henriques von Portucale und die Ritter von König Alfonso VII von Leon und Kastilien (port.: Afonso VII de Leão e Castela) in einem Turnier gegenüber gestanden haben.

Zu diesem Turnier kam es, der Geschichte nach, wie folgt:

In der Schlacht von Ourique, die sich im Jahre 1139 ereignete, standen sich die Truppen und Anhänger des jungen Afonso Henriques und die Truppen seiner eigenen Mutter, der Gräfin Teresa von Portucale, feindlich gegenüber.
Teresa konnte in diesem Konflikt mit der Unterstützung ihrer Verbündeten Galizien und Leon-Kastilien rechnen.
Nichtsdestotrotz verlor Gräfin Teresa die Schlacht von Ourique gegen ihren Sohn Afonso Henriques.

Dieser fällt in den nächsten Monaten, aus Rache, mehrere Male mit seinen Soldaten über Galizien her, das seine Mutter in diesem Konflikt vehement unterstützt hatte.
Als Antwort auf diese ständigen Angriffe von Afonso Henriques fielen die Truppen Alfons VII von Leon und Kastilien daraufhin Anfang 1140 in Nordportugal ein und vernichten erbarmungslos alles und jeden der sich ihnen in den Weg stellt.

Die Truppen stehen sich alsbald in der Nähe von Arcos de Valdevez, an der Stelle die heute Veiga da Matança genannt wird, drohend gegenüber.
Beide Konfliktparteien beschließen, wie damals im Mittelalter (port.: Idade Média) möglich, nicht mit ihren Soldaten in einen blutigen Krieg zu ziehen, sondern sie beschließen das ihre besten Ritter in einem Turnier darüber entscheiden sollen, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgehen soll.

Das Glück scheint damals auf der Seite Portugals gestanden zu haben, denn die Portugiesen gehen als Sieger aus diesem mittelalterlichen Ritterturnier (port.: torneio medieval) hervor.

Drei Jahre später, am 05. Oktober 1143, unterzeichnen Afonso Henriques und Alfonso VII von Leon und Kastilien den Vertrag von Zamora (port.: Tratado de Zamora), und zementierten so die Unabhängigkeit Portugals.

Leider sind solche Konfliktbewältigungsmaßnahmen wie sie damals möglich waren, in unserer heutigen Zeit nicht mehr vorstellbar.
Es wäre aber wünschenswert das sich heute führende Staatsmänner in einem Konflikt miteinander, wie auch immer, messen könnten.
So würden viele blutige und grausame Kriege auf der Welt verhindert werden können.

Sollen die Herren Politiker doch ihre Konflikte alleine unter sich austragen und die Männer, die heute dazu gezwungen werden als Soldaten in den Krieg zu ziehen, mit ihren Frauen, Müttern und Kindern in Frieden leben dürfen!

Das Leben im Mittelalter war bestimmt nicht leicht und aus unserer heutigen Sicht sicherlich manchmal auch ungerecht und sogar grausam.
Aber ein Turnier anstelle eines Krieges als Konfliktbewältigungsmaßnahme auszufechten, erscheint mir in höchstem Maße human und fortschrittlich!

Montag, 19. Dezember 2011

Der Vertrag von Windsor


Monarchien und Republiken, Diktaturen und Demokratien, sie alle kommen und gehen.
Und genauso wie all diese politischen Systeme nicht für die Ewigkeit sind, so sind erst recht die Abmachungen, Verträge, Vereinbarungen, Pakte und Deklarationen die die Nationen unter sich vereinbaren, abschließen und ratifizieren oft nichts weiter als unterschriebene, wertlose Papiere, an die sich oftmals leider keiner hält.

Doch es gibt einen Vertrag, an dem sich schon seit über 625 Jahren zwei Nationen eisern halten.
Dieser Vertrag ist der „Vertrag von Windsor“ (port.: „Tratado de Windsor“), der zwischen den zwei Königreichen Portugal und England im Jahre 1386 abgeschlossen wurde.

Der Keim dieses bilateralen Vertrages wurde bereits im Jahre 1373 gelegt, als Portugal und England damals einen Allianzvertrag abschlossen, der vereinfacht besagte, das sich beide Länder verpflichteten niemals Krieg gegeneinander zu führen und das der eine dem anderen im Kriegsfall mit einer dritten Nation beistehen würde.

Zwischen 1383 und 1385 stürzte Portugal in eine tiefe dynastische Krise und der 1373 geschlossene Allianzvertrag kann zum ersten Mal zum tragen.
Bei der Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) standen sich am 15. August 1385 die Truppen Portugals, unter João I de Avis, und die Truppen Kastiliens, unter Juan I, auf einem Feld nördlich von Lissabon feindlich gegenüber.
Die Portugiesen gewannen die Schlacht von Aljubarrota, auch weil sie mit der unverzichtbaren Hilfe Englands bei diesem Konflikt rechnen konnten.
Erst im Jahre 1411 wird Kastilien Portugal als unabhängige Nation im Vertrag von Ayton-Segovia anerkennen.

Als Konsequenz der Schlacht von Aljubarrota und der erfolgreichen gemeinsamen Kriegsführung vereinbaren beide Nationen die Erneuerung der anglo-lusitanischen Allianz.
Am 09. Mai 1386 versichern sich beide Länder auf Schloss Windsor vertraglich ihre „ewigliche unzerbrüchliche Treue und Freundschaft“.

Als letzte Bekräftigung dieses Vertrages, heiratet João I am 02. Februar 1387 die englische Prinzessin Philippa of Lencaster (port.: Filipa de Lencastre).
Philippa war die Tochter von John of Gaunt, dem Duke of Lencaster und Enkelin von Henry III, König von England.
Sie war die Schwester des zukünftigen englisches Königs Henry IV.

Der „Vertrag von Windsor“ ist seit 625 Jahren gültig und kam in vielen Phasen der Geschichte beider Länder zum tragen, so z.B. als England verschiedene anglo-französische Kriege führen musste, als Portugal in mehreren Kriegen mit Spanien verwickelt war, als sowohl Portugal als auch England von napoleonischen Truppen bedroht und besetzt wurden oder als beide Länder im I. und II. Weltkrieg mehr oder weniger involviert waren.

Einige Male wurde der Vertrag aber auch aus politischen Gründen von beiden Seiten auf Eis gelegt.
So wurde z.B. zwischen 1580 und 1640, als Portugal von Spanien in Personalunion regiert wurde, der Vertrag von England ausgesetzt, und diese vertragslose Zeit animierte die Engländer zu mehreren Kriegshandlungen gegen portugiesische Überseegebiete.
1640, nach der erfolgreichen Unabhängigkeitsrevolte von König João VI gegen Spanien, wurde der Vertrag von den Portugiesen wieder eingesetzt.

Der Vertrag von Windsor ist heute das älteste noch existierende diplomatische Bündnis auf der Welt!

Sonntag, 18. Dezember 2011

Die Invasion Goas


Heute vor genau 50 Jahren hörte Goa auf Portugiesisch zu sein.
Am 18. Dezember 1961 besetzten Soldaten der Indischen Union gewaltsam die drei portugiesischen Überseeterritorien Goa, Damão und Diu, und beendeten damals in wenigen Stunden die über 450 Jahre dauernde portugiesische Präsenz in Indien.

Die Geschichte Portugals in Goa begann im Jahre 1510.
Nachdem Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, nutzten die Portugiesen von Anfang an die Rivalitäten der einzelnen indischen Landesfürsten zu ihren Gunsten aus.
Das ging soweit, das im Jahre 1510 der zukünftige portugiesische Vize-König von Indien (port.. Vice-Rei da India), Afonso de Albuquerque, mit dem Maharadscha von Vijayanagar eine Allianz einging, und mit diesem das heutige Gebiet um Goa, vom Sultan von Bijapur, eroberte.

Von diesem Augenblick der Eroberung an, wurde Goa für viele Jahrhunderte die wichtigste portugiesische Kolonie in Asien.
Alle Überseegebiete in Asien und Ostafrika, vom Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) bis nach Japan, unterstanden damals dem jeweiligen Gouverneur von Goa, der gleichzeitig auch meistens den Titel eines portugiesischen Vize-Königs trug.
Im 16. Jahrhundert, als Goa am mächtigsten und reichsten war, sprach man sogar vom „Goldenen Goa“ (port.: „Goa dourada“).

Als Indien im Jahre 1947 vom britischen Empire unabhängig wurde, erhöhte sich der Druck auf Portugal, ebenfalls seine Kolonien an Indien abzutreten.
Doch die damalige portugiesische Regierung, unter Diktator Antonio de Oliveira Salazar, dachte nicht daran Goa, Damão und Diu an Indien abzutreten.

Am 18. Dezember 1961 marschierten indische Soldaten in Goa ein und besetzten es.
Die portugiesischen Soldaten die sich damals in Goa aufhielten hatten der großen Übermacht Indiens, die das Territorium von Land, von der See und von der Luft aus angriffen, nichts entgegenzusetzen.
Ganze 36 Stunden dauerten die Kriegshandlungen zwischen Indien und Portugal in Goa.
3.500 schlecht ausgerüstete portugiesische Soldaten standen damals über 60.000 indischen Soldaten gegenüber. Bei den Kämpfen kamen 26 portugiesische Soldaten, ca. 300 Zivilisten und an die 500 indische Soldaten ums Leben.

Da Ägypten der portugiesischen Marine damals das Passieren des Suezkanals verweigerte, und somit mit einer militärischen Verstärkung aus Portugal nicht zu rechnen war, sah der portugiesische Gouverneur Manuel Antonio Vassalo e Silva keinen Ausweg mehr, und kapitulierte am 19. Dezember 1961 mit seinen Soldaten.
Er wollte mit seiner Kapitulation ein weiteres Blutvergießen verhindern und so tausende Menschenleben retten.

Doch die Salazarregierung verurteilte dieses eigenmächtige Handeln aufs schärfste und brachte Gouverneur Vassalo e Silva, der gleichzeitig auch General war, nach dessen Rückkehr nach Portugal, vor ein Militärgericht.
Von diesem wurde er wegen „Feigheit, Eigenmächtigkeit und Befehlsverweigerung“ zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Mit dem Verlust Goas im Jahre 1961 begann der Zerfall des portugiesischen Kolonialreiches.
Von der indischen Invasion bestärkt, revoltierten in den nächsten Jahren auch die afrikanischen Kolonien gegen Portugal.
Portugal wurde in blutige Kolonialkriege (port.: Guerras do Ultramar) mit Angola, Moçambique, Guinea-Bissau, Cabo Verde und São Tomé e Principe verwickelt.
Erst 1974, nach der Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos), nahmen Portugal und Indien diplomatische Beziehungen auf.

Die portugiesische Kolonialzeit in Indien ist nun Geschichte.
Aber auch wenn Portugal damals über Nacht Portugiesisch-Indien (port.: Estado da India Portuguesa) verlassen musste, so erinnert heute noch vieles in Goa an die alte Kolonialmacht.
Sei es der alte Kolonialstil, die katholischen Kirchen oder die örtliche Gastronomie – überall merkt man heute noch den portugiesischen Einfluss.
Kein anderer Teil Indiens ist kulturell so von einer europäischen Kolonialmacht beeinflusst worden wie Goa.
Und keiner weiß das mehr zu schätzen, als die Bewohner Goas selbst!

Wir sagen euch an den lieben Advent


Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die erste Kerze brennt!
Wir sagen euch an eine heilige Zeit.
Machet dem Herrn den Weg bereit.
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die zweite Kerze brennt!
So nehmet euch eins um das andere an,
wie auch der Herr an uns getan.
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die dritte Kerze brennt!
Nun tragt eurer Güte hellen Schein
weit in die dunkle Welt hinein.
Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Wir sagen euch an den lieben Advent.
Sehet, die vierte Kerze brennt!
Gott selber wird kommen, er zögert nicht.
Auf, auf, ihr Herzen, werdet licht.
Freut euch, ihr Christen, Freuet euch sehr!
Schon ist nahe der Herr.

Mit diesem Adventslied aus dem Jahre 1954, dessen Text von der Dichterin Maria Ferschl ist und das zu einer Melodie von Heinrich Rohr gesungen wird, möchte ich allein einen schönen Adventssonntag wünschen.

Samstag, 17. Dezember 2011

Die für mich 20 wichtigsten historische Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte


Ich habe hier in meinem Blog schon mehrmals versucht meinen Lesern die verschiedensten historischen Daten und Ereignisse der portugiesischen Nation zu erklären und näher zu bringen.

Von meiner deutschen Freundin Sabine wurde ich jetzt gefragt, welches denn für mich persönlich das wichtigste Datum und Ereignis der portugiesischen Geschichte sei.

Da ich diese Frage nicht so einfach mit einem oder zwei Sätzen beantworten kann und will und ich mich auch nicht für ein einziges geschichtliches Datum und Ereignis entscheiden kann, habe ich hier einmal die für mich 20 markantesten Daten und Ereignisse der Geschichte Portugals zusammengestellt.
Ich habe mit Absicht nur 20 geschichtliche Ereignisse ausgesucht, da ich sonst den Rahmen dieses Eintrages sprengen würde.

Die für mich 20 wichtigsten historische Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte sind:

• 1128 – Die Schlacht von São Mamede (port.: Batalha de São Mamede). Diese Schlacht fand am 24. Juni 1128 statt, und in ihr standen sich die Truppen von Portugals zukünftigen König Afonso Henriques und die Truppen seiner Mutter Teresa, die die Unterstützung der galizischen Adeligen hatte und die eigentliche Herrscherin über die Grafschaft Portucale (port.: Condado Portucalense) war, gegenüber. Afonso Henriques ging als Sieger dieser Schlacht hervor und am 06. April 1129 erklärte er sich selber zum Herrscher über die Grafschaft Portucale.

• 1143 – Am 05. Oktober 1143 wird der Vertrag von Zamora (port.: Tratado de Zamora) unterschrieben. In ihm wird die Unabhängigkeit Portugals, zwischen dem Grafen Afonso Henriques und seinem Cousin König Alfonso VII von Leon und Kastilien, besiegelt. Von diesem Tag an, durfte sich Afonso Henriques nun offiziell König von Portugal nennen.

• 1385 – Am 14. August des Jahres 1385 ereignete sich die Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota), in der sich die Könige João I von Portugal und Juan I von Kastilien gegenüber standen. Juan I von Kastilien hatte zuvor versucht Portugal mit seinen Truppen zu erobern. König João I von Portugal konnte diese Schlacht, vor allem dank seines mutigen Feldherren Nuno Álvares Pereira, letztendlich für sich gewinnen und so damals die Unabhängigkeit Portugals garantieren.

• 1415 – Die Eroberung der nordmarokkanischen Stadt Ceuta, die damals als der wichtigste Handelsplatz Afrikas galt und die der bedeutendste Karawanenknotenpunkt seiner Zeit war, ereignete sich am 22. August 1415. Die Eroberung Ceutas (port.: Conquista de Ceuta) gilt schlechthin als Beginn der weltweiten portugiesischen Eroberungs- und Expansionspolitik.

• 1434 – In diesem Jahr umsegelte der Seefahrer Gil Eanes, im Auftrag von Prinz Heinrich dem Seefahrer (port.: Infante D. Henrique o Navegador) das Kap Bojador (port.: Cabo Bojador) in Westafrika. Dieses Kap war, auf Grund der ständigen dichten Nebelbänke, der starken Winde und der unberechenbaren Strömungen die dort oftmals herrschen, zuvor niemals von Europäern umsegelt worden. Mit der Umseglung des Kap Bojador nahmen die Portugiesen die erste große Hürde zur Realisierung eines Seeweges nach Indien in Angriff.

• 1488 – 54 Jahre nach der Umsegelung des Kap Bojador durch Gil Eanes, umrundete der Seefahrer Bartolomeu Dias, nach einem schweren Sturm, im Jahre 1488 das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) in Südafrika. Mit dieser Umrundung war eine Verbindung des Atlantischen mit dem Indischen Ozeans bewiesen und somit eine weitere Hürde der portugiesischen Expansionspolitik genommen. Man war nun „guter Hoffnung“ alsbald den Seeweg nach Indien zu entdecken.

• 1494 – Am 07. Juni 1498 unterzeichneten der portugiesische König João II und die Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Fernando von Aragon in der spanischen Kleinstadt Tordesillas (port.: Tordesilhas) einen Vertrag, der die damalige Welt in eine portugiesische und eine spanische Interessenssphäre aufteilte. Im Vertrag von Tordesillas (port.: Contrato de Tordesilhas) setzten beide Parteien fest, das die in Zukunft zu entdeckenden Länder und Territorien in der Neuen Welt (port.: Novo Mundo) zwischen ihnen „gerecht aufzuteilen“ seien. Dieser Vertrag war nötig geworden, da sowohl Portugal als auch Spanien danach strebten den Seeweg nach Indien zu entdecken, um so im Vorhinein Meinungsverschiedenheiten und sogar Kriege zwischen den zwei Nationen verhindern zu können.

• 1498 – Am 08. Juni 1497 stachen von Lissabon aus drei Karavellen im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel I in See. Das Oberkommando über diese drei Karavellen hatte der Kapitän zu See, Vasco da Gama. Nach 346 Tagen kam seine Flotte, am 20. Mai 1498, im indischen Calecute an. Somit war Vasco da Gama, und nicht Kolumbus (port.: Colombo / span.: Colon), der erste Europäer der den Seeweg nach Indien entdeckte.

• 1500 – Anfang März des Jahres 1500 verlässt eine 1.300 Mann starke Armada unter Kapitän Pedro Álvares Cabral Lissabon. Cabral ist auf dem Weg nach Indien, als seine Schiffe in einen heftigen Sturm geraten und von der ursprünglich vorgesehenen Route abkommen. Am 22. April 1500 sichtet er Land und nennt dieses, im Glauben eine Insel entdeckt zu haben, Ilha de Vera Cruz (dt.: Insel von Vera Cruz). Ohne es zu wollen, entdeckt Pedro Álvares Cabral an diesem Tag Brasilien (port.: Descoberta do Brasil).

• 1536 – Auf Wunsch von König João III führt die Römisch-Katholische Kirche am 23. Mai 1536 in Portugal die Inquisition (port.: Inquisição) ein. Mit der Einführung der Inquisition bricht eine der dunkelsten Kapitel der Geschichte über Portugal herein.

• 1578 – Am 24. Juni 1578 begann die Schlacht von Alcacer-Quibir (port.: Batalha de Alcácer-Quibir), im heutigen Marokko, zwischen den portugiesischen Truppen unter dem Kommando König Sebastião I und den maurischen Truppen unter dem Befehl Sultans Abu Marwan Abd al-Malik. Die Schlacht von Alcacer-Quibir sollte sich bis in den Monat August hinziehen und mit einer vernichtenden Niederlage Portugals, dem Tod von König Sebastião am 04. August 1578 und dem daraus resultierenden Verlust der portugiesischen Souveränität an Spanien, zwei Jahre später, enden.

• 1640 – Nach dem Verlust der portugiesischen Souveränität im Jahre 1580 geriet das Land für die kommenden 60 Jahre unter spanischer Herrschaft. Am 01. Dezember 1640 konnte, durch eine erfolgreiche Konspiration portugiesischer Adliger gegen das spanische Königshaus, die Unabhängigkeit Portugals wiedererlangt (port.: Restauração da Independência) werden, und der damalige Herzog von Bragança wurde als João IV König von Portugal.

• 1755 – Am 01. November 1755 erschütterte ein verheerendes Erdbeben die Stadt Lissabon. Dem Erdbeben von Lissabon (port.: Terramoto de Lisboa), der bis heute zu den stärksten und verlustreichsten der Weltgeschichte gehört, folgten mehrere vernichtende Tsunamis und Großbrände, die zehntausenden Menschen das Leben kosteten. Als Folge dieser unbeschreiblichen Tragödie wurde die Stadt Lissabon vom damaligen Prämierminister Marques de Pombal noch schöner und noch prachtvoller wiederaufgebaut.

• 1807 – Am 29. November 1807 floh die portugiesische Königsfamilie vor den Truppen Napoleon Bonapartes, die unter dem General Junot bereits am 18. Oktober in Portugal einmarschiert waren, nach Brasilien. Die Hauptstadt des Königreiches wurde von Lissabon nach Rio de Janeiro verlegt, und João VI und seine Familie sollten bis 1820 in Brasilien bleiben. Die Flucht der portugiesischen Königsfamilie nach Südamerika war die Geburtsstunde des modernen Brasiliens.

• 1820 – Die französischen Soldaten brachten viel Elend und Leid über Portugal, als sie das Land im Jahre 1807 besetzten. Doch die Truppen Napoleon Bonapartes brachten auch das revolutionäre Gedankengut mit nach Portugal, das besonders in der schlecht bezahlten und gedemütigten portugiesischen Armee auf fruchtbaren Boden fiel. Am 24. August 1820 beginnt in der Stadt Porto eine liberale Revolution (port.: Revolução Liberal) die 1821 ihren Höhepunkt erreicht, als König João VI einen Eid auf die erste konstitutionelle Verfassung des Landes ablegt und damit die absolute Monarchie in Portugal abschafft.

• 1908 – Am 01. Februar 1908 kommen König Carlos I und sein Sohn und Thronfolger Luis Filipe auf dem Terreiro do Paço in Lissabon bei einem feigen republikanischen Attentat ums Leben. Der zweitälteste Sohn von König Carlos I wird als Manuel II letzter König von Portugal.

• 1910 – Nur zwei Jahre nach dem Attentat auf König Carlos I und seinen Sohn Luis Filipe wird am 05. Oktober 1910 die Monarchie in Portugal abgeschafft und die Republik ausgerufen. König Manuel II geht nach England ins Exil.

• 1926 – Am 28. Mai 1926 kommt General Gomes da Costa durch einen Putsch an die Macht und setzt daraufhin eine Militärdiktatur (port.: Ditadura Militar) ein. Diese Diktatur wird von 1930 bis 1974 den „Estado Novo“ (dt.: „Neuen Staat“) hervorbringen. Lediglich zwei Männer, nämlich António de Oliveira Salazar von 1930 bis 1969 und Marcelo Caetano von 1969 bis 1974, werden in diesen Jahren der faschistischen Diktatur über Portugal herrschen.

• 1974 – Mit einer praktisch unblutigen Revolution setzt am 25. April 1974 eine Gruppe junger Offiziere, bekannt als „Movimento das Forças Armadas“ = MFA (dt.: Bewegung der Streitkräfte) der Diktatur, die 48 lange Jahre gedauert hatte, ein Ende. Als Nelkenrevolution (port.: Revolução dos Cravos) ging diese gewaltlose Erhebung gegen den Faschismus in die Geschichtsbücher ein.

• 1985 – Mit der Unterzeichnung der Beitrittserklärung Portugals am 12. Juni 1985, im altehrwürdigen Hieronymuskloster (port.: Convento dos Jerónimos) von Belém, wurde Portugal ab dem 01. Januar 1986 Vollmitglied der Europäischen Union (port.: União Europeia). Auch wenn viele Portugiesen es heute nicht so recht wahr haben wollen, so ist der 12. Juni 1985 doch ohne Zweifel der wichtigste Meilenstein in der jüngsten Geschichte Portugals.


Sicherlich hat der Eine oder Andere eine andere Priorität, was die geschichtlichen Ereignisse unserer Nation angeht.
Aber im Großen und Ganzen sind die wichtigsten Ereignisse der portugiesischen Geschichte, wie z.B. der Unabhängigkeitstag, die Schlacht von Aljubarrota, das große Erdbeben von Lissabon, das Ende der Monarchie, die Salazardiktatur oder die Nelkenrevolution, für die meisten Portugiesen gleich wichtig.

Die von mir hier oben aufgeführten Daten und Ereignisse der portugiesischen Geschichte sind, wohlgemerkt, meine rein persönlichen Highlights!
Aber anstatt hier nur ein Datum oder nur ein geschichtliches Ereignis zu nennen, habe ich, wie oben gesehen, 20 von ihnen hier aufgeführt.

So gesehen, habe ich die Frage meiner Freundin Sabine, welches denn für mich persönlich das wichtigste Datum und Ereignis der portugiesischen Geschichte sei, hier sicherlich mehr als zufrieden stellend beantwortet.

Freitag, 16. Dezember 2011

Adventskonzert - Das ist schön…


Ich komme gerade aus Lissabon zurück.
Ich hatte dort eine Chorprobe in der Deutschen Evangelischen Kirche.
Am kommenden Adventssonntag wird es in dieser Kirche einen besonderen Gottesdienst geben.

Er wird deshalb besonders sein, weil er nicht wie üblich um 11 Uhr morgens, sondern erst um 17 Uhr nachmittags stattfinden wird.
Um 18 Uhr wird ihm dann ein gemeinsames Abendessen im Gemeindehaus folgen und im Anschluss an dieses Abendessen findet ein Adventskonzert statt.
Aus Anlass dieses Konzertes, hatte ich heute eben besagte Chorprobe.

Auf dem Programm dieses weihnachtlichen Konzerts stehen verschiedene Weihnachtslieder und Werke berühmter Komponisten, wie z.B. Gustav Gunsenheimer, Georg Friedrich Händel, Henry Purcell und anderen mehr.
Der DEKL-Chor wird Lieder wie „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ von Nikolaus Hermann, „Ich steh an deiner Krippen hier“ von Johann Sebastian Bach und „Hark, the herald angels sing“ von Felix Mendelssohn Bartholdy singen.

Die Leitung an diesem Abend hat unsere Organistin und Chorleiterin Carina Lasch Lind.
Musikalische Unterstützung wird sie bei Rute Martins, ebenfalls Organistin, sowie Andreas Häusler, Benjamin Richter, Anke Stalling und Stefan Stalling, die gemeinsam den Posaunenchor der DEKL bilden, finden.
Bärbel Grießhaber an der Querflöte und Pedro Lind an der Geige werden den Abend musikalisch vervollständigen.

Die heutige Generalprobe war ganz passabel.
Unsere Chorleiterin Carina, die sonst mit Lob eher zurückhaltend ist, hat sich sogar zu einem „das war schön…“ hinreißen lassen.
Alle freuen wir uns auf dieses Konzert!

Das Konzert, zu dem jedermann eingeladen ist, findet, wie schon erwähnt, am kommenden Adventssonntag, den 18. Dezember 2011 um 19 Uhr, in der Deutschen Evangelischen Kirche zu Lissabon, statt.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Die Verschwörer


In meinem Eintrag „Bye-bye 01. Dezember“, vom 01. Dezember 2011, schreibe ich über den portugiesischen Feiertag „Dia da Restauração da Independência“ (dt.: Tag der Wiederherstellung der Unabhängigkeit).
In ihm berichte ich, dass es wohl das letzte Mal gewesen ist, das wir hier in Portugal diesen Feiertag gefeiert haben.
Wenn es nach der Regierung von Premierminister Pedro Passos Coelho geht, wird er nämlich schon im kommenden Jahr abgeschafft sein.

Ich erwähne in dem Text, das wir diesen symbolträchtigen Feiertag dem Mut von 40 Verschwörern (port.: conjurados) zu verdanken haben.
Ich bin vor Tagen gefragt worden, wer denn diese 40 Verschwörer waren.

Nun, diese Verschwörer, die eigentlich 54 an der Zahl waren, gehörten vor allem dem portugiesischen Adel an. Aber es waren auch Kirchenmänner und einfache Männer aus dem Volk unter ihnen.
Als „Os 40 conjuradores“ (dt.: „Die 40 Verschwörer“) ging diese Gruppe von Männern in die Geschichte ein, weil 40 von ihnen damals dem portugiesischen Hochadel angehörten – was aber keinesfalls den Beitrag der anderen 14 bürgerlichen Aufrührer schmälern sollte!
Es ist einfach nur so, das der Adel zur damaligen Zeit einfach einen höheren Stellenwert hatte, als der einfache Mann vom Volk.

Im Jahre 1640 waren alle sozialen Schichten in Portugal der spanischen Herrschaft, die 60 Jahre lang gedauert hatte, überdrüssig geworden.
Das spanische Königshaus hatte in all den Jahren, in denen Portugal mit Spanien offiziell gleichwertig in einer Personalunion verbunden war, Portugal wie eine der vielen spanischen Provinzen behandelt.

Als am 07. Juni 1640 im spanischen Katalonien eine Revolte losbrach und König Philipp IV von Spanien, der auch gleichzeitig als Philipp III, König von Portugal war, den größten Teil seiner Truppen in diese spanische Provinz schickte um dort die Revolte zu unterdrücken, sah der portugiesische Adel seine Chance auf eine eigene Revolte gekommen.

Am 12. Oktober 1640 kamen im Hause von Antão de Almada, dem Grafen von Avranches, zum ersten Mal sechs Adelige zusammen um einen Aufstand gegen das spanische Königshaus zu planen.
Bei diesem Treffen waren zugegen der Hausherr, die Brüder Francisco und Jorge de Melo, sowie Pedro de Mendonça Furtado, António de Saldanha und João Pinto Ribeiro.
Die sechs Adeligen beschlossen dem Herzog von Bragança, einem Nachfahren von König João I, die Krone Portugals anzubieten.
Sollte der Herzog von Bragança die angebotene Krone aber ablehnen, so wollten die Verschwörer eine Republik ausrufen.
Die Spanier wollten sie aber auf alle Fälle loswerden!

Doch der Herzog von Bragança nahm dieses Angebot an, und mit der Zeit schlossen sich immer mehr Adelige den ursprünglichen Verschwörern an.
Bald war man sich nicht nur der Unterstützung des Adels sicher, sondern auch des Klerus und vor allem des Volkes.

Die meisten spanischen Militärs befanden sich im Herbst 1640 in Katalonien, um die dortige Revolte zu unterdrücken.
Die Adventszeit war gekommen und fast alle spanischen Beamten und Würdenträger hatten sich auf den Weg in ihre Heimat gemacht, um dort Weihnachten zu verbringen.
Die Zeit für den Aufstand war gekommen.
Die Verschwörer einigten sich auf den 01. Dezember 1640.

Die einzigen hohen Würdenträger die sich an diesem Tag in Lissabon aufhielten, waren die spanische Vizekönigin und Herzogin von Mantua, Margarida de Saboia (dt.: Margarete von Savoyen), und ihr portugiesischer Staatssekretär Miguel de Vasconcelos e Brito.

Früh am Morgen dieses Tages drangen die Verschwörer in die königliche Residenz „Palacio da Ribeira“ ein.
Sie setzten die Vizekönigin unter Arrest und zwangen diese den wenigen spanischen Soldaten, die sich damals in Lissabon aufhielten, den Befehl zu geben sich nicht gegen die Portugiesen zu widersetzen.
Ihr Staatssekretär Miguel de Vasconcelos e Brito, der wegen seiner Kollaboration mit Spanien regelrecht vom Volk gehasst wurde, wurde aus dem Palastfenster geworfen und getötet.

Zwei Wochen später, am 15. Dezember 1640, also heute vor genau 371 Jahren, wurde der Herzog von Bragança von den Verschwörern als João IV, zum König gewählt und ernannt.

Diese Verschwörer, die damals Portugal in die Unabhängigkeit von Spanien führten waren:


• Afonso de Menezes – zukünftiger Hofmeister Königs João IV

• Álvaro de Abranches da Câmara – General der Provinz Minho und Mitglied des Kriegsrates

• Antão de Almada – 7. Graf von Avranches, 10. Herr von Lagares d´El-Rei, 5. Herr von Pombalinho und Governeur der Stadt Lissabon

• António de Alcáçovas Carneiro – Herr von Alcáçovas, Generalhauptmann von Campo Maior und Ouguela

• António Álvares da Cunha – Herr von Tabua

• António da Costa – Kommandant des Christusordens und Herr von Mustela

• António Luís de Menezes – 3. Graf von Cantanhede, 1. Marques von Marialva

• António Mascarenhas – Kommandant von Castelo Novo und des Christusordens

• António de Melo e Castro – Kapitän von Sofala und Governeur von Indien

• António de Saldanha – Hauptmann von Vila Real

• António Teles de Meneses – 1. Graf von Vila Pouca de Aguiar

• António Telo – Admiral der portugiesischen Indien-Flotte

• Ayres de Saldanha – Kommandant und Generalhauptmann von Soure

• Carlos de Noronha – Kommandant von Marvão

• Estevão da Cunha – Prior von São Jorge in Lissabon, Kanon der Kathedrale von Faro an der Algarve und Bischof von Miranda

• Fernão Teles da Silva – 1. Graf von Vilar Mayor und Waffengoverneur der Provinz Beira

• Francisco Coutinho de Ataide – Bruder von Jerónimo Coutinho de Ataide

• Jerónimo Coutinho de Ataide – 6. Graf von Atouguia, Bruder von Francisco Coutinho de Ataide

• Fernando Telles de Faro – Herr von Damião de Azere und Santa Maria de Nide de Carvalho

• Francisco de Melo – königlicher Jagdmeister

• Francisco de Melo e Torres – 1. Graf von Ponte, Marques von Sande und General der Artillerie

• Francisco de Noronha – Bruder des 3. Grafen von Arcos

• Francisco de São Payo

• Francisco de Sousa – 1. Marques von Minas, 3. Graf von Prado

• Gastão Coutinho – Gouverneur der Provinz Minho

• Gaspar de Brito Freire – Herr von Santo Estevão und Herr von Nossa Senhora de Jesus im brasilianischen Bahia

• Gomes Freire de Andrade – Hofrittmeister

• Gonçalo Tavares de Távora – Hofrittmeister

• João da Costa – 1. Graf von Soure

• João Rodrigues de Sá e Menezes – 3. Graf von Penaguião

• João de Saldanha da Gama – Hofrittmeister

• João de Saldanha e Sousa

• João Pereira – Prior von São Nicolau und Stellvertreter des Papstes für die Inquisition

• João Pinto Ribeiro – Bachelor für kanonisches Recht und Richter von Fora de Pinhel und Ponte de Lima

• João Sanches de Baena – königlicher Berater und Richter am königlichen Hof sowie Doktor für Kirchenrecht

• Jorge de Melo – Admiral und Mitglied des Kriegsrates

• Luis de Almada – Sohn von Antão de Almada, dem 7. Graf von Avranches, 10. Herr von Lagares d´El-Rei, 5. Herr von Pombalinho und Governeur der Stadt Lissabon

• Luis Álvares da Cunha – Herr von Olivais

• Luis da Cunha de Ataíde

• Luis de Mello - königlicher Empfangschef

• Manuel Child Rolim

• Martim Afonso de Melo – 2. Graf von São Lourenço und Generalhauptmann von Elvas

• Miguel Maldonado – Schreiber im königlichen Außenministerium

• Miguel de Almeida – 4. Graf von Abrantes

• Nuno da Cunha de Ataíde – 1. Graf von Pontével

• Paulo da Gama – Herr von Boavista

• Pedro de Mendonça Furtado - Generalhauptmann von Mourão

• Rodrigo da Cunha – Erzbischof von Lissabon

• Rodrigo de Figueiredo de Alarcão – Herr von Ota

• Sancho Dias de Saldanha – Hofrittmeister

• Tomas de Noronha – 3. Graf von Arcos

• Tomé de Sousa – Aufseher des königlichen Haushaltes

• Tristão da Cunha de Ataíde – Herr von Povolide und Kommandant von São Cosme de Gondomar

• Tristão de Mendonça – zukünftiger Botschafter am niederländischen Hof


Doch mit der Ernennung von João IV zum König durch diese 54 Männer, am 15. Dezember 1640, war Portugals Unabhängigkeit gegen Spanien noch lange nicht gewonnen.
Ganze 28 Jahre sollten die ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den zwei Nationen dauern.

Erst am 13. Februar 1668 erkannte Spanien, im „Frieden von Lissabon“ (port.: „Páz de Lisboa“), die Unabhängigkeit Portugals „für immer und ewig“, wie es so schön im Friedensvertrag heißt, an!

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Ursprüngliche Namen portugiesischer Kolonialstädte in Afrika


Vor einiger Zeit hatte ich ein „Streitgespräch“ mit meinen Kollegen Vania und Miguel.
Beide behaupteten sie eisern, das die heutige angolanische Hauptstadt Luanda früher Nova Lisboa (dt.: Neu-Lissabon) hieß.
Ich verneinte dies, und meinte, dass das frühere Nova Lisboa heute Huambo heißt.
Nach einem kurzen Blick ins Internet mussten Vania und Miguel sich schweren Herzens eingestehen, das ich Recht hatte.

Bei der Gelegenheit haben wir dann versucht, den einen oder anderen alten Städtenamen, den wir noch aus dem portugiesischen Geographieunterricht kennen, seine heutige nachkoloniale Bezeichnung zu geben.

So hieß das heutige Luanda z.B., zur Kolonialzeit, São Paulo da Assunção.
Die Hauptstadt von Moçambique, das frühere Lourenço Marques, heißt heute Maputo und die Stadt Vila Salazar, ebenfalls in Moçambique gelegen und wo ein Teil meiner Familie früher lebte, heißt heute Matola.
Das war, im Großen und Ganzen, unser aktueller Wissensstand über die Namen der ehemaligen Kolonialstädte.

Tatsache ist, dass heute nur noch ganz wenige Portugiesen die früheren Namen der Städte in den ehemaligen Überseegebieten in Afrika kennen – außer sie haben in den ehemaligen portugiesischen Kolonialgebieten gelebt.

Anbei nun eine Liste früherer Namen portugiesischer Kolonialstädte in Angola, Moçambique und Guinea-Bissau und wie sie heute nachkolonial heißen:


Angola

• São Paulo da Assunção – Luanda
• Nova Lisboa – Huambo
• São Filipe de Benguela – Benguela
• São Salvador do Congo – M'Banza Kongo
• Serpa Pinto – Menongue
• Silva Porto – Kuito
• Moçâmedes – Namibe
• Sá da Bandeira – Lubango
• Forte República – Massango
• Forte Roçadas – Xangongo
• Vila de Aljustrel – Cangamba
• Ambrisete – N'Zeto
• Andrada – Nzagi
• Arriaga – Bibala
• Asseiceira – Catumbela
• Vila do Buçaco – Camanongue
• Duque de Bragança – Calandula
• Gabela – Amboim
• Gago Coutinho – Lumbala Nguimbo
• General Machado – Camacupa
• Henrique de Carvalho – Saurimo
• João de Almeida – Chibia
• Luso – Luena
• Carmona – Uíje Negage
• Mariano Machado – Ganda
• Neves Ferreira – Cuemba
• Nova Chaves – Muconda
• Nova Gaia – Cambundi-Catembo
• Novo Redondo – Sumbe
• Nova Sintra – Catabola
• Vila da Ponte – Kuvango
• Porto Alexandre – Tômbua
• Pereira d'Eça – N´Giva
• Quilombo dos Dembos – Gonguembo
• Vila Robert Williams – Caála
• Salazar – N'Dalatando
• Vila de Santa Clara – Ombadja
• Vila de Santa Comba Dão – Waku Kungo
• Santo António do Zaire – Soyo
• Vila Teixeira da Silva – Bailundo
• Vila Teixeira de Sousa – Luau
• Veríssimo Sarmento – Camissombo
• Vila Flor – Ekunha
• Vila Nova do Seles – Uku


Guinea-Bissau

• Nova Lamego – Gabú
• Teixeira Pinto – Canchungo


Moçambique

• Lourenço Marques – Maputo
• Cidade de João Belo – Xai-Xai
• Fernão Veloso – Nacala
• Nova Coimbra - Niassa
• António Enes – Angoche
• Cabral – Lichinga
• Coutinho – Ulongué
• Vila de Gouveia – Catandica
• Novo Freixo – Cuamba
• Vila Pery – Chimoio
• Porto Amélia – Pemba
• Vila Salazar – Matola
• Santiago Maior – Tete
• Trigo de Morais – Chókwè

Montag, 12. Dezember 2011

Wer von uns hat nicht solch einen Freund oder Bekannten?


Heute habe ich von meinem guten Freund Carlos Correia erfahren, dass er ab kommenden Januar 2012 arbeitslos sein wird.
Leider ist das, in der wirtschaftlichen Lage in der wir uns hier in Portugal gerade befinden, keine Nachricht die mich besonders überrascht, aber dennoch doch sehr bewegt.

Aber, Hand aufs Herz, wie viele von uns, die wir hier in Portugal leben, haben nicht solch einen Freund oder Bekannten, der gerade mit der Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat?

Wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, dessen Frau in den letzten Monaten arbeitslos geworden ist?

Wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, dessen Kinder dieses Jahr von einer Privatschule in eine öffentliche Schule wechseln mussten, obwohl er sich darüber im Klaren ist, das das leider eine falsche Entscheidung war?

Wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, dessen Sohn oder Tochter nächstes Jahr, nach einem erfolgreichen Schul- oder Universitätsabschluss, keinerlei Chance haben werden auf dem hiesigen Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden?

Wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, dessen Vater oder Mutter mit einer erbärmlichen und entwürdigenden Rente von 200 Euro monatlich auskommen muss?

Und wie viele von uns haben nicht einen Freund oder Bekannten, der in den letzten Monaten nach England, Frankreich oder in die Schweiz emigriert ist, um seine Familie hier Portugal ernähren zu können?

Die traurige Antwort auf all diese Fragen ist:

Jeder von uns hat solch einen Freund oder Bekannten, der Arbeitslos, Hoffnungslos und Zukunftslos ist.
Das ist traurig – sehr traurig und alarmierend!

Durch alle Bevölkerungsschichten hinweg, leben hier in Portugal Menschen die keine Hoffnung mehr haben und keine Zukunft mehr sehen…

…und einer von ihnen ist Carlos!

Sonntag, 11. Dezember 2011

Cliff Richard und sein Weingut „Adega do Cantor“


Gestern lief im portugiesischen Fernsehen der Film „The Young Ones“, ein alter englischer Streifen.
Diesen schwarz-weiß Film, in dem der junge Cliff Richard die Hauptrolle spielt, und der darüber handelt wie ein Musiker mit seinen Freunden in einer Garage die Musikband „The Shadows“ gründet, habe ich schon mehrere Male gesehen und kann ihm leider nichts mehr neues abgewinnen.

Wem ich aber, ohne Zweifel, etwas abgewinnen kann, das sind die Weine die Cliff Richards hier in Portugal produziert.
Der Sänger hat an der Algarve, genauer gesagt in der Nähe von Albufeira, ein Weingut das den Namen „Adega do Cantor“ (dt.: Weingut des Sängers) trägt, und inmitten von Weinbergen liegt.

Das Weingut besteht aus drei Quintas.
Eine Quinta ist hier in Portugal für gewöhnlich ein landwirtschaftlich betriebener Hof; hier in diesem Fall ein Weinberg.
Die drei Quintas sind zum einen die über 300 Jahre alte „Quinta do Moinho“, die das persönliche Eigentum des berühmten Sängers ist und zum anderen die „Quinta do Vale do Sobreiro“ und die „Quinta do Miradouro“ die der Familie Birch gehören, die Geschäftspartner und enge Freunde von Cliff Richard sind.

Cliff Richard lebt seit über 40 Jahren an der Algarve.
Es war immer sein Traum, seinen eigenen Wein zu produzieren. Diesen Traum realisierte er sich ab 1997 mit seinen Freunden Nigel und Lesley Birch, Max und Michelle Birch, Luisa Braziel und Rebecca Birch, Geni Barros und Liz Briggs.

Die „Adega do Cantor“ erhebt für sich den Anspruch, den qualitativ besten Wein seiner Region zu produzieren.
Auf den drei Weinbergen werden, auf einer Fläche von 26 Hektar, nur ausgewählte Rebsorten wie der Alicante Bouschet, der Shyrah, der Trincadeira und seit kurzem auch der Verdelho, eine portugiesische Rebsorte aus der man frische Weißweine gewinnt, angebaut.
Das Weingut produziert zwei berühmte Weine.
Es sind dies der „Vida Nova“ (dt.: Neues Leben) und der „Onda Nova“ (dt.: Neue Welle).

Empfehlen mag ich hier zum einen den roten „Adega do Cantor Onda Nova Syrah 2009“ und den Rosewein „Adega do Cantor Vida Nova Rosé 2010“.
Und auch wenn ich für gewöhnlich keine Weißweine trinke, so kann ich den „Adega do Cantor Onda Nova Verdelho 2010“ nur wärmstens empfehlen.

Zu Cliff Richard und den „The Shadows“ sei noch anzumerken, dass sie heute vor genau 46 Jahren, am 11. Dezember 1965, hier in Lissabon, im damaligen „Cinema Império“, das erste Rockkonzert in der Geschichte Portugals gaben.
Angeblich soll die Band mit der Crew damals, nach dem Konzert, mehrere dutzend Flaschen guten portugiesischen Weins geköpft haben.

So gesehen, schließt heutzutage Cliff Richard mit seiner Weinproduktion, den Kreis!

Samstag, 10. Dezember 2011

Guimarães 2012 – Programm einer Kulturhauptstadt


In gut einem Monat wird die nordportugiesische Stadt Guimarães, die einstmals die erste historische Hauptstadt des Landes war, Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2012 sein.
Das Programm startet zwar offiziell erst am 21. Januar 2012, doch ist jetzt schon der eine oder andere Programmpunkt bekannt.

Die zentrale Idee der Veranstalter von „Guimarães 2012“ ist es, die Menschen als Akteure in den Mittelpunkt des Geschehens der Kulturhauptstadt zu stellen.
Unter dem Dach der vier Programmfelder Stadt (port.: Cidade), Denken (port.: Pensamento), Kunst (port.: Arte) und Community (port.: Comunidade) sollen die Einwohner und die Gäste von Guimarães mit nationalen und international renommierten Künstlern und Kreativen zusammenwirken.
So soll sich in erster Linie ein Netzwerk kreativen Schaffens gebildet und ein urbaner, ökonomischer und sozialer Wandel in der Stadt gefördert werden.

Die vier Programmfelder im Einzelnen sind:

• Programmfeld Stadt – Dieses Themenfeld steht unter der Schirmherrschaft von Tom Fleming und umfasst bisher zehn Projekte. Diese sind, unter anderem, die Entwicklung eines neuen Navigationssystems, eine digitale Werkstatt, ein kreatives Unternehmerförderungsprogramm sowie die Installation eines Minilabors

• Programmfeld Denken – In diesem Programmfeld geht es um die Innovation sozialer und politischer Systeme. Eines der vorhergesehenen Projekte dreht sich um die Frage „Was will Europa heute?“. Schirmherr des Programmfeldes Denken ist der berühmte Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, der sich hier nicht nur literarisch einbringen wird, sondern auch als Mentor und Führer fungieren wird

• Programmfeld Kunst – Die Schirmherrschaft über das Programmfeld Kunst wird von einem mehrköpfigen Team geleitet. Die Mitglieder dieses Teams sind João Lopes, der für den Schwerpunkt Film und Audiovision zuständig ist, Marcos Barbosa, verantwortlich für die darstellende Kunst, Rui Massena, zuständig für die Musik und Gabriela Vaz-Pinheiro, die für die bildende Kunst und die Architektur verantwortlich ist. So unterschiedlich die personelle Zusammensetzung hier auch sein mag, so divers sind auch die vielen Stilrichtungen die hier angeboten werden. Alleine im Projekt Musik wird der Besucher von Guimarães 2012, unter anderem, zwischen Rock, Pop, Jazz, Underground, alternativer und portugiesischer Musik wählen können

• Programmfeld Community – Suzana Ralha übernimmt die Schirmherrschaft für das Programmfeld Community und wird ein Jahr land die Öffentlichkeitsarbeit des Events leiten. Sie wird dafür verantwortlich sein, das alle, denen die Zukunft Europas, die Kultur und die Kunst am Herzen liegt, sich in Guimarães wohl fühlen werden.

Nach Lissabon im Jahre 1994 und Porto im Jahre 2001 wird Guimarães die dritte portugiesische Kulturhauptstadt Europas sein.
Wer sich schon jetzt, vorab über das kulturelle Event informieren will, sollte die aufschlussreiche Internetseite www.guimaraes2012.pt besuchen.

Freitag, 9. Dezember 2011

Ceylon


Die Bezeichnung „Ceylon“ (port.: Ceilão / engl.: Ceylon), für die heutige Inselrepublik Sri Lanka im Indischen Ozean, soll endgültig als Name staatlicher Institutionen eliminiert werden, so die srilankische Regierung.

Ceylon, im Jahre 1518 von den Portugiesen entdeckt und als strategisch wichtiger Knotenpunkt für die portugiesische Seefahrt zwischen West- und Südostasien in Besitz genommen, wurde nach Portugal, von den Niederlanden und schließlich von England kolonialisiert.
Als Ceylon im Jahre 1948 vom Britischen Empire unabhängig wurde, behielt es zuerst seinen Namen bei.
Erst 1972 änderte Ceylon seinen Namen in Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka um.

Die meisten staatlichen Institutionen, wie z.B. die Bank of Ceylon, die Ceylon Electricity Board, die Ceylon Petroleum Corporation und die Ceylon Fisheries Corporation, behielten trotz der Staatsnamenänderung 1972 weiterhin „Ceylon“ in ihren Namen bei.

Bis zu diesem Jahr!

Die aktuelle srilankische Mehrheitsregierung hat nämlich Anfang dieses Jahres angeordnet, dass alle staatlichen Firmen und Betriebe bis zum Jahr 2012 das „Ceylon“ in ihren Namen durch „Sri Lanka“ ersetzen müssen.
Nun, im Dezember 2011, scheinen die meisten staatlichen Institutionen Sri Lankas dieser Forderung der Regierung gefolgt zu sein.

Trotz dieser, in meinen Augen, absurden Anordnung, hat Sri Lanka der Weltöffentlichkeit versichert, das der weltberühmte Ceylon Tee (engl.: Ceylon Tea / port.: Chá de Ceilão) weiterhin seinen Namen beibehalten wird.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

„O Fado“


In meinem gestrigen Eintrag „Fado-Museum in Lissabon“, berichte ich von alldem, was man in diesem wunderbaren und einzigartigen Museum in der Lissabonner Alfama zu sehen bekommt.

Erst heute habe ich gemerkt, dass ich eines der wichtigsten und bedeutendsten Elemente des Museums ungewollt unterschlagen habe.
Ich habe nämlich vergessen das Gemälde, das den Namen „O Fado“ (dt.: „Der Fado“) trägt, zu erwähnen.

„O Fado“ ist ein 150 cm x 183 cm großes Ölgemälde, das der portugiesische Maler José Malhoa im Jahre 1910 malte.

Der Künstler hat damals zwei fast identische Versionen dieses Gemäldes gemalt.
Das eine malte er schon im Jahre 1909 und befindet sich heute im Privatbesitz der Familie des Unternehmers Vasco Pereira Coutinho.
Das andere ist, wie schon erwähnt, im Jahre 1910 gemalt worden und befindet sich heute als dauerhafte Leihgabe des Lissabonner Stadtmuseums im Fado-Museum.

Beide Ölgemälde wurden bisher nur einmal zusammen ausgestellt, nämlich im Jahre 2010, bei der Ausstellung „Der Fado“, die in der Nationalen Galerie der Schönen Künste stattfand.

Das Gemälde stellt den stadtbekannten Raufbold und Außenseiter Amâncio und seine Freundin, die Dirne, Adelaide dar.
Sowohl Amâncio als auch Adelaide haben tatsächlich existiert und lebten im Lissabonner Stadtteil Mouraria.

Amâncio, der den Spitznamen „Pintor“ (dt.: „Maler“) trug, wird im Gemälde dargestellt, wie er seiner Freundin, die wiederum „Facada“ (dt.: „Messerstich“) genannt wurde, einen Fado vorspielt und singt.
Warum Amâncio „Maler“ genannt wurde ist nicht überliefert.
Warum aber Adelaide „Messerstich“ gerufen wurde, hatte wohl mit der großen Narbe zu tun, die sie damals im Gesicht trug.

Da Amâncio sich wegen seiner ständigen Gewalttätigkeiten oft im Gefängnis befand, musste José Malhoa, während er das Bild malte, mehrere Male ein gutes Wort bei der Stadtpolizei einlegen, damit Amâncio freikam, und er das Bild fertig malen konnte.

Die Zeit die der Raufbold aber hinter Gitter verbrachte, nutzte Malhoa dann um Adelaide ohne Druck zu malen.
Einmal, als Amâncio wieder einmal in Haft war, nahm sich José Malhoa die Freiheit Adelaide mit einer entblößten Brust darzustellen.
Erst ein Wutausbruch von Amâncio, der wieder freigekommen war, zwang den Künstler diese Brust auf dem Gemälde wieder zu bedecken.

Wie viele andere Maler, so wurde auch José Malhoa anfangs heftig für seine Kunst, und vor allem für dieses Bild, kritisiert.
Obwohl sein Bild eine realistische Szene der damaligen Zeit zeigte, wurde es von den nationalen Kritikern regelrecht verrissen.
Anerkennung und Ruhm fanden Maler und Bild erst im Ausland.

Das Bild wurde das erste Mal im Jahre 1910, kurz nach seiner Fertigstellung, in Buenos Aires, bei der Internationalen Kunstausstellung anlässlich der Hundertjahrfeiern der argentinischen Republik, unter dem Namen „Bajo el Encanto“, ausgestellt.

Zwei Jahre später, im Januar 1912, wurde das Gemälde dann zum ersten Mal, bei einer Ausstellung in Porto, dem portugiesischen Publikum vorgestellt.

Danach wurde es in Paris, unter dem Namen „Sous le Charme“ und in der englischen Stadt Liverpool mit dem Titel „The Native Song“, ausgestellt.

1915, bei der Panamá-Pacific International Exposition, die anlässlich der Eröffnung des Panamakanals in San Francisco stattfand, gewann das Gemälde seinen ersten Preis.

Im Jahre 1917 wurde dann das Gemälde zum ersten Mal in Lissabon ausgestellt.
Anlass war die 14. Ausstellung der Nationalen Gesellschaft der Schönen Künste (port.: 14ª Exposição da Sociedade Nacional de Belas Artes) die in diesem Jahr in der portugiesischen Hauptstadt stattfand.

Bei dieser Ausstellung wurde dann „O Fado“ an die Stadt Lissabon verkauft.
Im Rathaus (port.: Câmara Municipal de Lisboa) hing das Gemälde dann auch einige Jahre, bis es dann schließlich in den Besitz des Stadtmuseums (port.: Museu da Cidade) kam.
Vom Stadtmuseum kam es dann 1998, als Leihgabe, in das Fado-Museum (port.: Museu do Fado), wo es heute noch hängt und von allen bewundert werden kann.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Fado-Museum in Lissabon





In meinem am vergangenen Sonntag, dem 04.12.2011, hier in diesem Blog veröffentlichten Beitrag „Die Geschichte des Fado“, rate ich den Lesern am Ende meines Eintrages, einen Besuch im interessanten Fado-Museum (port.: Museu do Fado) von Lissabon.

Dieser befindet sich im Stadtteil Alfama, im alten Wasserwerk „Estação Elevatória do Recinto da Praia“.
Es handelt sich hierbei um das einzige Fado-Museum der Welt.
Dieses dem Fado und der Portugiesischen Gitarre gewidmete Museum ist am 28. September 1998 eingeweiht worden.

Seit dem Tag seiner Eröffnung ist dieses Museum ein kultureller und sozialer Treffpunkt der Lissabonner und ihrer Gäste.
In den letzten Tagen allerdings, seitdem der Fado von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen wurde, ist das Fado-Museum mehr als ein Treffpunkt – er ist regelrecht ein „Must“ für die Liebhaber dieser portugiesischsten aller portugiesischen Musikrichtungen geworden.

Es gibt aber auch viel zu sehen in diesem Museum.
Eine ständige Ausstellung zeigt die verschiedensten Exponate, wie Gitarren aller Art und andere Instrumente, Bilder, Fotographien, Poster, alte Schallplatten und viele Zeitungsausschnitte und Bücher, die die Geschichte des Fados und die Geschichte der Menschen die ihn einstmals sangen und heute noch singen, erzählt.
In einem reichhaltigen und informativen Multimediabereich kann man sich die Schallplatten hunderter bekannter Fadistas und ihre jeweiligen Biographien anhören, bzw. ansehen.

Während dezente Fadomusik im Hintergrund läuft, kann man hier eindrucksvoll die soziale Herkunft des Fados im Lissabon des 18. Jahrhunderts, seine spätere politische Vereinnahmung durch die Diktatur und seinen heutigen Stellenwert in der portugiesischen Gesellschaft erfahren.
In einem Extraraum wird auch die Geschichte der Portugiesischen Gitarre ganz genau erläutert.

Das Fado-Museum beherbergt eine Fado-Schule, in der man das Singen des Fados und das spielen der Portugiesischen Gitarre erlernen kann.
Ebenso beherbergt es ein sehr gutes Restaurant, in dem man nicht nur gut essen, sondern auch noch an manchen Abenden den Fado live hören kann.

Ich kann jedem nur einen Besuch, in diesem eindrucksvollen und einzigartigen Museum in der Lissabonner Altstadt, empfehlen!

Montag, 5. Dezember 2011

Max Raabe & Palast Orchester


Wenn man Max Raabe auf der Bühne sieht, meint man, man wäre in einem Film von Fred Astaire.
Aber Max Raabe lebt eindeutig im hier und heute, obwohl er musikalisch ohne Zweifel in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zuhause ist.

Vor Tagen rief mich mein Freund Stefan Stalling an, und fragte mich, ob ich denn nicht Lust hätte, auf ein Konzert von Max Raabe zu gehen, da er eine Karte übrig hatte.
Begeistert sagte ich sofort zu und so gingen wir gestern in die Gulbenkianstiftung (port.: Fundação Calouste Gulbenkian) um uns dort ein Konzert des talentierten Sängers anzuhören.

Begleitet wurde Max Raabe von seinem Palast Orchester, welches aus den Künstlern Cecilia Crisafulli, Rainer Fox, Sven Bährens, Johannes Ernst, Bernd Frank, Thomas Huder, Michael Enders, Jörn Ranke, Bernd Hugo Dieterich, Ulrich Hoffmeier, Vincent Riewe und Ian Wekwerth besteht.

Max Raabe wurde im Jahre 1962, im nordrhein-westfälischen Lünen, geboren.
Er ist zwar ausgebildeter Opernsänger, aber sein ganzes Herz gehört der Musik der 20er, 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts.
1986 gründete er mit einigen Studienkollegen das schon erwähnte Palast Orchester.
Gemeinsam gingen sie daran mit Hilfe alter Schallplatten, die sie zumeist auf den verschiedensten Flohmärkten erstanden, die Lieder besagter Zeit zum Besten zu geben.

Mit Erfolg!
Bis heute sind Max Raabe & Palast Orchester eine feste Größe der klassischen Musik in Deutschland!
Raabe ist ein begnadeter Sänger, spielte in mehreren Filmen mit und viele der Lieder die er singt, schreibt er auch selber.
Er ist wohl das, was man ein musikalisches Allroundtalent nennt.

Sein letztes Projekt hob er mit Annette Humpe aus der Taufe. Gemeinsam produzierten sie das Album „Küssen kann man nicht alleine“ (port.: „São preciso dois para haver um beijo“), mit dessen Lieder er nun auf Tournee ist.
Dieses Album war es nun auch, der ihn hier nach Portugal brachte, wo er im Großen Auditorium der besagten Gulbenkianstiftung gestern aufgetreten ist.

Das Konzert fand praktisch vor ausverkauftem Haus statt.
Wir, das Publikum, waren durchweg begeistert.
Und diese Begeisterung dankten uns Max Raabe & Palast Orchester zum Schluss mit drei originellen Zugaben.

Es war, ohne Übertreibung, ein kulturell und musikalisch äußerst wertvoller Abend, für das ich Stefan nur danken kann!

Sonntag, 4. Dezember 2011

Die Geschichte des Fado


Heute vor einer Woche wurde der Fado von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes (port.: Lista do Património Imaterial da Humanidade da UNESCO) aufgenommen (lesen sie bitte hierzu auch meinen Eintrag „Weltkulturerbe Fado“ vom 27. November 2011).

Von einigen Lesern meines Blogs bin ich nun angeschrieben worden, welches denn die Geschichte des Fado sei.
Fast allen habe zurück geschrieben, sie sollen sich doch einmal bitte meinen Eintrag „Was ist der Fado?“, vom 22. März 2010, durchlesen.
In diesem Eintrag hatte ich nämlich schon einmal versucht zu erklären, was denn der Fado so sei, vor allem für uns Portugiesen.

Da ich aber heute wieder gefragt worden bin, was denn für eine Geschichte der Fado hat oder was für Geschichten sich hinter dem Fado verbergen, will ich hier noch einmal versuchen die Geschichte des Fados, so weit es mir möglich ist, zu erzählen.

Also, der Fado ist, ganz banal gesagt, eine spezifische Gattung der portugiesischen Volksmusik.
Fado kommt von dem lateinischen Wort „fatum“ und bedeutet wörtlich Übersetzt soviel wie „Schicksal“ oder „göttlicher Wille“.
Als Portugiesen verbinden wir mit dem Fado immer die Vorstellung gewisser Negativgefühle, wie etwa Leid, Unglück, Unheil, Verderben und Untergang.

In vielen Fadotexten taucht oftmals der Ausdruck „saudade“ auf.
Saudade stammt ebenfalls aus dem lateinischen Wortschatz und geht auf das Wort „solitudo“ zurück, das wörtlich mit „Einsamkeit“ zu übersetzen ist.
Darüber hinaus beinhaltet die Saudade, welches wohl ohne Zweifel als das charakteristischste Wort Portugals gelten darf, aber noch Gefühle wie Verlassenheit, Heim- und Fernweh, Nostalgie, Wehmut und so etwas wie die Sehnsucht nach einem unerfüllbar scheinenden Glück.

Der Fado strahlt somit immer eine gewisse Melancholie aus wenn er gesungen wird.
So erklingen in aller Regel Fadomelodien in Moll-Tonarten und behalten manchmal auch in Dur ihren traurigen Klang.
Eine gute Fadosängerin oder ein guter Fadosänger wird immer entweder eine ehrliche Hingabe beim singen seiner Musik zeigen oder aber theatralisches und dramatisches Selbstmitleid zur Schau stellen.
Gleichgültig wird er oder sie den Fado niemals vortragen!

Wenn es mir auch schwer fällt den sehr eigentümlichen Charakter des Fado mit Worten zu beschreiben so kann ich doch sagen, dass er in jedem Falle eine gemütsbetonte und leidenschaftliche Ausstrahlung besitzt.
Die Fadotexte erzählen in ihrer ungekünstelten Balladenform meistens über Nöte, Sehnsüchte und Schicksale der Menschen, vor allem der einfachen Leute.

Der Fado, den man heute zu später Stunde vor allem in den Lissabonner Stadtteilen Alfama oder Bairro Alto hören kann, wird stets von einer weiblichen oder männlichen Solostimme vorgetragen.
Die oder den „Fadista“ begleiten für gewöhnlich mindestens zwei Gitarristen, von denen einer immer eine portugiesische Gitarre und der anderer eine normale Melodiegitarre spielt.

Die Begriffe „Fado“ und „fadista“ bringt man historisch in Verbindung mit den düsteren Gestalten der Lissabonner Unterwelt vergangener Zeiten, die ursprünglich eine Art Monopol auf diese Gesänge gehabt haben sollen.
Erst ab 1870 erreicht der Fado breitere Bevölkerungsschichten und sogar den Adel.

Die Frage nach der Herkunft des Fado ist nicht eindeutig geklärt. Manche meinen er sei auf die arabischen Mauren zurückzuführen, andere vermuten das der Fado aus dem Seemannsmilieu stamme und wiederum andere vermuten seinen Ursprung in den Tavernen und Freudenhäuser der Lissabonner Altstadt.

Fakt ist, das Gesänge und Tänze mit Gitarrenbegleitung in Lissabon nachweislich schon sehr lange existieren.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts tanzte und sang man in den Straßen Lissabons zum Klang der Gitarren den „Lundum“ und etwas später den „Modinha“.
Aus diesen beiden und Tanz- und Gesangsformen hat sich dann wohl im 19. Jahrhundert der Fado entwickelt.

Die berühmteste Fadista des 19. Jahrhunderts ist die legendäre Maria Severa, eine Prostituierte die das erste bekannte Gesicht des Fados war.
Mit dem Aufkommen des Rundfunks und der Schallplatten ist der Fado dann über die Stadtgrenzen Lissabons bekannt geworden.

Bekannte Fadosänger und –sängerinnen des letzten Jahrhunderts und der jüngeren Zeit sind Carlos do Carmo, Simone de Oliveira, Alfredo Maceneiro, Maria da Fé, Vasco Rafael, Ada de Castro, Dulce Pontes, Camané und Mariza.
Aber die bekannteste und außerhalb Portugals berühmteste Stimme des Fado ist wohl Amália Rodrigues, die anlässlich ihres Todes im Jahre 1999 von der Internationalen Presse mit so begnadeten Interpretinnen wie Ella Fitzgerald und Edith Piaf verglichen wurde.

Amalia Rodrigues hatte ihren letzten öffentlichen Auftritt bei der Lissabonner Weltausstellung EXPO1998 in Lissabon.
Ich durfte damals an diesem besonderen Konzert teilnehmen und ich werde niemals in meinem Leben vergessen, wie damals hunderttausende Menschen bei Liedern wie „Malmequer“ und „Cheira a Lisboa“ enthusiastisch mitsangen.

Dies hier war mein bescheidener Versuch die Geschichte des Fados und die musikalische Seele meiner Heimatstadt Lissabon und meines Heimatlandes Portugal zu erklären und zu erzählen.
Wer aber wirklich den Fado kennen lernen will, dem rate ich ein paar CD´s mit Fadomusik zu kaufen oder dann dem interessanten Fado-Museum in Lissabon unbedingt einen Besuch abzustatten.

Sie werden beides nicht bereuen!

Samstag, 3. Dezember 2011

Tickende Zeitbombe Iran


Vorgestern hat das portugiesische Außenministerium den iranischen Botschafter, Dr. Hossein Gharibi, zu sich bestellt, um ihm mitzuteilen, das Portugal den Überfall auf die britische Botschaft in Teheran von dieser Woche, für unakzeptabel hält.

Am Mittwoch hatten so genannte „islamische Studenten“ die britische Botschaft okkupiert und vandalisiert und dort demonstrativ die britische Flagge durch die iranische ersetzt.
Dem Botschafter seiner Majestät und sechs anderen Botschaftsmitgliedern gelang, nur in letzter Sekunde und mit viel Glück, die Flucht durch eine Hintertür des Botschaftsgebäudes.

Laut dem Außenministerium in Lissabon, wurde dem iranischen Botschafter nun mitgeteilt, das die portugiesische Regierung Überfälle auf Botschaften und das attackieren ausländischer Botschaftsangehöriger für absolut inakzeptabel hält.

Wie ich in meinem Eintrag „Von fehlender Sensibilität und nicht vorhandenem Weitblick“, vom 26.11.2011, berichte, will das portugiesische Außenministerium im kommenden Jahr weltweit mehrere Botschaften und Konsulate Portugals in befreundeten Nationen, unter anderem auch in Deutschland, aus sparmaßnahmlichen Gründen schließen.

Ich hatte da heute, als ich an der iranischen Botschaft hier in Lissabon vorbeigegangen bin, eine Idee:

Wäre es denn nicht besser, nach diesem gravierenden Vorfall im Iran, nun auch die portugiesische Botschaft in Teheran, aus Solidarität mit Großbritannien, zu schließen und die diplomatischen Beziehungen mit dem menschenverachtenden und kriegslüsternen Ajatollahregime ein für alle Mal zu beenden?
Das wäre doch ein vernünftiger Sparmaßnahmenvorschlag, oder?!?
Laut dem portugiesischen Außenministerium ist ja jede Schließung einer diplomatischen Vertretung Portugals im Ausland ernsthaft in Erwägung zu ziehen!

Und eines sollten und können wir wirklich nicht vergessen:
Der Iran ist eine tickende Zeitbombe.
Gestern war es die amerikanische Botschaft die in Teheran besetzt wurde, heute ist es die britische gewesen und morgen, ja morgen kann es die portugiesische, die deutsche, die französische, die italienische usw. sein…

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Bye-bye 01. Dezember


Ständige Finanzkrise, einschneidender Staatshaushalt, krankes Gesundheitswesen, ein wenig Fußball, fehlende Sicherheit, mangelnde Justiz, drohende Streiks, noch ein bisschen Fußball, mieses Weihnachtsgeschäft, wachsende Armut, unzufriedene Bürger, schlechte Wettervorhersagen und noch mehr Fußball – dies sind die nationalen Themen, die die Nachrichtensendungen hier in Portugal heute während des ganzen Tages zum besten gaben.

Über den 01. Dezember, der an die Wiederherstellung der Unabhängigkeit (port.: Restauração da Independência) Portugals von Spanien erinnert und der hierzulande schon Anfang des 19. Jahrhunderts ein gesetzlicher Nationalfeiertag war, fallen in den Medien nur ein paar Worte.

Und diese paar Worte fallen auch nur, weil wir dieses Jahr hier in Portugal wohl zum letzten Mal den „Dia da Restauração“ feiern werden.
Er gehört nämlich, nebst Fronleichnam (port.: Corpo de Deus), Mariä Himmelfahrt (port.: Assunção de Maria) und dem 05. Oktober, dem Tag der Republik (port.: Dia da República), zu den vier Feiertagen, die bald abgeschafft werden sollen.

Dabei wäre dieser symbolträchtige Feiertag, der auf das mutige Handeln von 40 Verschwörern (port.: conjurados) im Jahre 1640 zurückgeht und der wie kaum ein anderer für Unabhängigkeit, Freiheit und Widerstand steht, für uns Portugiesen auch zukünftig so wichtig gewesen.

Aber es ist wohl ganz im Sinne der heutigen Politik, dass wir hier in Portugal nicht mehr all diesen, ehemals so wichtigen, nationalen Werten und Zielen nachstreben!

Bye-bye 01. Dezember!

Mittwoch, 30. November 2011

Die zweite Belagerung von Lissabon


In meinem post-Eintrag „Die Erste Belagerung und Eroberung von Lissabon“, vom 15. Oktober 2011, berichte ich, wie es der Titel deutlich macht, von der ersten Belagerung der Stadt Lissabon im Jahre 1147 durch die Portugiesen.

Wann immer die Bezeichnung „Erstes“ vor einem Geschehnis oder Ereignis steht, gibt es für gewöhnlich dann auch immer mindestens ein „Zweites“, wenn nicht gar ein „Drittes“, „Viertes“ usw. das folgt.
Im Falle der portugiesischen Hauptstadt gab es nach der ersten leider noch eine zweite Okkupation der Stadt, die dann auch als die „Zweite Belagerung von Lissabon“ (port.: „Segundo Cerco de Lisboa“) in die Geschichte einging.

Genau 237 Jahren nach der ersten Belagerung und Eroberung Lissabons durch die Truppen Afonso Henriques, bei der sie den moslemischen Mauren die Stadt entrissen haben, versuchten diesmal im Jahre 1384 die Truppen König Juan I von Kastilien, den Portugiesen die Herrschaft über die Stadt und das Land zu nehmen, in dem sie sie knapp fünf Monate lang belagerten.

Die Kastilier wollten damals die portugiesische Hauptstadt einnehmen, weil durch den Tod König Fernandos I im Jahre 1383, Portugal in eine schwere dynastische Krise gestürzt war.

König Fernando I war am 22. Oktober 1383 ohne direkten Thronfolger gestorben.
Seine einzige legitime Tochter Beatriz war, durch ihre Hochzeit mit Juan I, Königin von Kastilien geworden und lebte, als ihr Vater starb, schon außerhalb Portugals.

Ihr Ehemann Juan I erklärte seine Frau als legitime Herrscherin von Portugal um wohl selber später den portugiesischen Thron zu besteigen.
Zwar garantierte er dem portugiesischem Adel gegenüber, dies sei niemals seine Absicht, dennoch fügte er noch während der Krise, seinem kastilischen Wappen die Wappen von Portugal und der Algarve hinzu und ließ sogar Münzen mit dem Wappen beider Länder herausbringen.

Portugal wollte aber keinesfalls unter der Herrschaft Kastiliens stehen, und rebellierte daraufhin offen mit einem Volksaufstand gegen Juan I und seine Truppen.
Diese dynastische Krise sollte sich noch bis in den Dezember 1385 hinziehen, bis sich nämlich João de Avis, ein illegitimer Sohn von König Pedro I, dem Vater von König Fernando I, mit dem Namen João I feierlich krönen ließ.

Am 08. April 1384 fingen die Kastilier an, Lissabon einzukreisen und zu belagern.
Die 38 Tore der Lissabonner Stadtmauer wurden ab diesem Tag von den Portugiesen hermetisch abgeriegelt und die 77 Wachtürme wurden alle mit kriegbereiten Truppen besetzt.
Die Kastilier versuchten vom 08. April bis Anfang August fast täglich die Stadtmauer zu überwinden, doch diese erwies sich als ziemlich wehrhaft.

Der größte Feind der Lissabonner wurde mit der Zeit der Belagerung nicht Kastilien, sondern der Hunger, der sich langsam innerhalb der Stadtmauern breit machte
Eine aus Porto kommende portugiesische Armada, bestehend aus sieben Kriegsschiffen, konnte am 18. August für kurze Zeit die Umzingelung Lissabons durchbrechen und so die Stadt mit ein paar wenigen Lebensmitteln versorgen.
Doch die Kastilier konnten die Belagerung Lissabons wieder aufnehmen und sogar drei portugiesische Kriegsschiffe kapern.

Ab dem 22. August wurden die Eroberungsangriffe der Kastilier schlagartig weniger.
Der Grund war der Schwarze Tod (port.: peste negra), der sich unter den kastilischen Soldaten heftig ausgebreitete.
Durch die Epidemie und durch eine heldenhafte Intervention des Feldherren Nuno Álvares Pereira, der mit frischen Truppen aus dem Alentejo kam, konnte eine weitere Belagerung der Hauptstadt Anfang September verhindert werden.
Am 03. September 1384 konnte die zweite Belagerung Lissabons aufgehoben werden.

Die kastilischen Belagerungstruppen, oder das was von ihnen übrig geblieben war, flohen gen Norden.
Auf ihrem Weg in Richtung Kastilien plünderten und brandschatzten die feindlichen Soldaten, wohl aus Frust die Eroberung Lissabons nicht gemeistert zu haben, noch etliche Dörfer und Kleinstädte die auf ihrem Weg lagen.

Knapp ein Jahr nach der fehlgeschlagenen Belagerung und Eroberung Lissabons standen sich die Trupppen João I von Portugal und Juan I von Kastilien am 14. August 1385, auf einem Feld in der Nähe des kleinen Ortes Aljubarrota, gegenüber.
Die Portugiesen konnten damals, mit der Hilfe Englands, die Schlacht von Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) für sich gewinnen.
Die Verluste auf kastilischer Seite waren so groß, das Kastilien es sich die nächsten Jahre nicht leisten konnte erneut Portugal zu überfallen.

Somit hatten die Portugiesen an diesem 15. August 1385 nicht nur eine Schlacht gewonnen, sondern einen ganzen Krieg.
Juan I zog sich für lange Zeit nach Kastilien zurück und João I konnte als „Regent und Verteidiger des Königreiches“ ( port.: „Regedor e Defensor do Reino“) fortan über Portugal regieren.