Donnerstag, 30. Juni 2011

Kaiser Wilhelm II zu Besuch in Portugal



In meinem vorhergehenden Beitrag „Deutsche Kriegserklärung an Portugal“, schreibe ich ausführlich wie es im 1. Weltkrieg zum Zerwürfnis zwischen den bis dahin eng befreundeten zwei Nationen, Deutschland und Portugal, kam.

Als in Portugal 1910 die Republik ausgerufen wurde, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den beiden Nationen zunehmend.
Ihren Höhepunkt fanden diese schlechten Beziehungen dann, in der schon erwähnten Kriegserklärung Deutschlands an Portugal, vom 09. März 1916.

Aber es war nicht immer so.
Der Deutsche Kaiser Wilhelm II verstand sich sehr gut mit Carlos I, und nach dessen Ermordung am 01. Februar 1908, auch mit seinem Sohn Manuel II, als diese noch Könige von Portugal waren.

Einer der Höhepunkte der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts war z.B., sowohl für das deutsche Kaiserreich als auch für die portugiesische Monarchie, der Besuch Kaiser Wilhelms II in Portugal, als dieser, auf dem Weg nach Marokko, im Jahre 1905 Lissabon und Sintra einen Besuch abstattete.

Vom 27. bis 30. März war Wilhelm II zu Gast bei Carlos I.
Er empfing während dieser Tage im Palast von Belém (port.: Palácio de Belém) und im Palast von Sintra (port.: Palácio de Sintra) viele Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur.
Auch mit einer Abordnung der deutschen Kolonie, die damals von Generalkonsul Daehnhardt angeführt wurde, kam der Kaiser zusammen.

Höhepunkt seines Besuchs war ein Mittagsessen im Palast von Sintra am 28. März 1905.
Bei diesem Treffen in Sintra, wurde Wilhelm II von König Carlos I, seiner Gattin Königin Maria Amélia, den zwei Infanten Luis Filipe und Manuel, sowie dem portugiesischen Hochadel, empfangen.

Bei diesem Mittagsessen in Sintra wurde dann auch ein Gruppenfoto im Palasthof gemacht, der die beiden Monarchen mit ihren Delegationen zeigt.
Dieses Foto sollte das letzte offizielle Foto sein, bei dem beide Monarchen auf einem Bild zu sehen sind.
Fast auf den Tag genau, elf Jahre später, brach ein blutiger Krieg zwischen beiden Nationen aus, der als 1. Weltkrieg in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Deutsche Kriegserklärung an Portugal






Als am 09. März 1916 das Deutsche Kaiserreich der jungen Portugiesischen Republik den Krieg erklärte, war das, sowohl für die Mehrheit der Portugiesen als auch für die Mehrheit der Deutschen keine allzu große Überraschung.
Durch zu viele Handlungen auf beiden Seiten, hatte sich ein drohender Krieg zwischen diesen, ehemals eng befreundeten Nationen, angekündigt.

Als die Portugiesen am 23. Februar 1916 insgesamt 72 Schiffe des Deutschen Reiches, davon 35 Schiffe im Hafen von Lissabon, beschlagnahmen, war dies „der Tropfen der das Fass zum überlaufen brachte“.
Die Schiffe, die meisten von ihnen Handelsschiffe, hatten seit Kriegsbeginn, im Jahr 1914, in den Häfen des neutralen Portugals Zuflucht gesucht.
Da die Schiffe also in den Hoheitsgewässern eines neutralen Landes ankern, war ihre Enteignung, rechtlich gesehen, ein Akt der Seeräuberei.

Deutschland erklärt darauf hin Portugal den Krieg - und mit dieser Kriegserklärung hat das Deutsche Kaiserreich nun den elften Feind!

Die deutsche Regierung wird sich damals sicherlich nicht gesagt haben:
„Auf einen Gegner mehr oder weniger kommt es nicht an!“
Aber um ehrlich zu sein, hat der Eintritt Portugals in den Krieg gegen das Kaiserreich die deutsche Kriegführung und ihre Abwehr, in einem kaum messbaren Grad beeinträchtigt.

Zwar hatte Portugal damals beinahe 6 Millionen Einwohner, und seine Truppen waren über drei Kontinente verteilt, aber es war militärisch, wirtschaftlich und finanziell nicht so beschaffen, dass es als neuer Feind Deutschlands ernsthaft in Betracht kam.

Die frühere portugiesische Regierung unter General Pimenta de Castro versuchte konsequent die Neutralität zu wahren.
Aber durch eine Revolte, wurde Pimenta de Castro gestürzt, und ihm folgte als Premierminister Afonso Augusto da Costa, der auf drängen Englands zu direkten feindlichen Handlungen gegen Deutschland keinen Widerstand mehr entgegensetzen wollte oder konnte.

England braucht für den Krieg dringend Transportschiffe, und Portugal gab sich leichtsinnig dazu her, den englischen Bedürfnissen durch die Beschlagnahme der 72 deutschen Schiffe nachzukommen.

Unmittelbar nach Bekannt werden der Beschlagnahme der deutschen Schiffe, erhielt der kaiserliche Gesandte in Lissabon, Dr. Friedrich Rosen, den Auftrag von Kaiser Wilhelm II, gegen diese Maßnahme zu protestieren und ihre sofortige Aufhebung zu verlangen.
Die betreffende Beschwerde wurde am 27. Februar der portugiesischen Regierung übergeben.

Doch ungeachtet dieser Tatsache, verbreitete die damalige portugiesische Regierung in Lissabon in einem offiziellen Pressenotiz, die Nachricht, dass eine deutsche Protestnote überhaupt nicht existiere; in der portugiesischen Kongresssitzung leugnete der damalige Justizminister sogar offiziell das Vorhandensein einer solchen Protestnote.
Die von Friedrich Rosen verlangte Richtigstellung der Pressenotiz unterblieb.

Erst knapp eine Woche später, am 4. März 1916, erschien der in Berlin akkreditierte portugiesische Gesandte, im Auftrage seiner Regierung, im Auswärtigen Amt in Berlin, um ebenso eine Note zu übergeben, welche die deutsche Forderung kategorisch ablehnte

Daraufhin verlor Wilhelm II die Geduld und Friedrich Rosen in Lissabon erhielt die Anweisung, der portugiesischen Regierung eine Kriegserklärung zuzustellen.
Die Übergabe dieser Erklärung erfolgte am 09. März 1916 in Lissabon.
Eine Abschrift derselben Kriegserklärung wurde dem portugiesischen Gesandten Dr. Paes in Berlin übermittelt.

Friedrich Rosen verließ am nächsten Tag Portugal und begab sich zuerst nach Madrid.
Der portugiesische Gesandte in Berlin, Dr. Paes, reiste am selben Tag von der deutschen Hauptstadt ab, in Richtung Schweiz.

Folgend nun, der Originaltext der deutschen Kriegserklärung an Portugal:


Lissabon, 09. März 1916

Sehr geehrter Herr Premierminister,

ich bin beauftragt im Namen meiner Regierung ihnen folgende Note zu überreichen:

Seit Kriegsbeginn hat die portugiesische Regierung durch neutralitätswidrige Handlungen die Feinde des Deutschen Reichs unterstützt. Englischen Truppen wurde in vier Fällen der Durchmarsch durch Moçambique gestattet. Die Versorgung deutscher Schiffe mit Kohlen wurde verboten. Ein neutralitätswidrig ausgedehnter Aufenthalt englischer Kriegsschiffe in portugiesischen Häfen wurde zugelassen, England die Benutzung Madeiras als Flottenstützpunkt gewährt. Der Entente wurden Geschütze und Kriegsmaterial der verschiedensten Art, England überdies ein Torpedobootzerstörer verkauft. Deutsche Kabeln wurden unterbrochen. Das Archiv des Kaiserlichen Vizekonsulats in Mossamedes wurde beschlagnahmt.
Expeditionen wurden nach Afrika entsandt und offen als gegen Deutschland gerichtet bezeichnet. An der Grenze von Deutsch-Südwestafrika und Angola wurde der deutsche Bezirksamtmann Dr. Schulde, Jena, sowie zwei Offiziere und Mannschaften durch eine Einladung über die Grenze nach Naulila gelockt, dort am 19. Oktober 1914 für verhaftet erklärt, und, als sie sich ihrer Festnahme zu entziehen suchten, zum Teil niedergeschossen, die Überlebenden mit Gewalt gefangen genommen. Retorsionsmaßnahmen unserer Schutztruppe folgten. Von Deutschland abgeschnitten, handelte die Schutztruppe in der durch das portugiesische Vorgehen hervorgerufenen Annahme, dass Portugal sich mit uns im Kriegszustand befinde. Die portugiesische Regierung demonstrierte wegen der letzteren Vorgänge, ohne die ersteren zu erwähnen, und beantwortete unser Verlangen, uns mit unseren Kolonialbehörden einen ungehinderten chiffrierten Telegrammverkehr zwecks Ausklärung des Sachverhalts zu verschaffen, überhaupt nicht.
Während der Kriegsdauer ergingen sich unter mehr oder weniger offenkundiger Begünstigung durch die portugiesische Regierung Presse und Parlament in gröblichen Beschimpfungen des deutschen Volkes. In der Kammersitzung vom 23. November 1914 sprach der Führer der Partei der Evolutionisten in Gegenwart fremder Diplomaten sowie der portugiesischen Minister schwere Beleidigungen gegen Deutschland aus, ohne dass ein Einspruch seitens des Kammerpräsidenten oder eines Ministers erfolgt wäre. Der Kaiserliche Gesandte erhielt auf seine Vorstellungen nur die Antwort, dass der betreffende Passus im offiziellen Sitzungsbericht nicht enthalten sei.
Wir haben gegen diese Vorgänge in jedem Einzelfalle protestiert, sowie verschiedentlich die ernstesten Vorstellungen erhoben und die portugiesische Regierung für alle Folgen verantwortlich gemacht. Eine Remedur erfolgte jedoch nicht. Die Kaiserliche Regierung hatte gleichwohl in langmütiger Würdigung der schwierigen Lage Portugals es bisher vermieden, ernstere Konsequenzen aus dem Verhalten der portugiesischen Regierung zu ziehen.
Am 23. Februar erfolgte auf Grund eines Dekrets vom gleichen Tage ohne vorherige Verhandlung die Beschlagnahme der deutschen Schiffe. Diese wurden militärisch besetzt und die Mannschaften von Bord geschickt. Die Kaiserliche Regierung hat gegen diesen flagranten Rechtsbruch protestiert und die Aufhebung der Beschlagnahme der Schiffe verlangt. Die portugiesische Regierung hat das Verlangen abgelehnt und ihre Gewaltmaßregel durch Rechtsausführungen zu begründen versucht. Sie geht davon aus, dass unsere durch den Krieg in den portugiesischen Häfen festgelegten Schiffe infolge der Festlegung nicht dem Artikel 2 des deutsch-portugiesischen Handels- und Schifffahrtsvertrages, sondern ebenso wie anderes im Lande befindliches Eigentum der unbeschränkten Gebietshoheit und damit dem unbeschränkten Zugriff Portugals unterlägen. Weiterhin aber meint sie sich innerhalb der Grenzen dieses Artikels gehalten zu haben, da die Requisition der Schiffe einem dringenden wirtschaftlichen Bedürfnis entspräche, auch in dem Beschlagnahmedekret eine später festzusetzende Entschädigung vorgesehen sei. Diese Ausführungen erscheinen als leere Ausflüchte. Der Artikel 2 bezieht sich auf jede Requisition deutschen, in portugiesischem Gebiete befindlichen Eigentums, so dass es dahingestellt bleiben kann, ob die angebliche Festlegung der deutschen Schiffe in portugiesischen Häfen ihre Rechtslage verändert hat. Den genannten Artikel hat aber die portugiesische Regierung nach doppelter Richtung verletzt. Einmal hat sie sich bei der Requisition nicht in den vertraglichen Grenzen gehalten, da Artikel 2 die Befriedigung eines staatlichen Bedürfnisses voraussetzt, während die Beschlagnahme offenbar unverhältnismäßig mehr deutsche Schiffe getroffen hat, als zur Beseitigung des Schiffsraummangels für Portugal erforderlich war. Sodann aber macht der Artikel die Beschlagnahme der Schiffe von einer vorhergehenden Vereinbarung mit den Beteiligten über die zu bewilligende Entschädigung abhängig, während die portugiesische Regierung nicht einmal versucht hat, sich mit den deutschen Reedereien unmittelbar oder durch Vermittlung der deutschen Regierung zu verständigen. Das ganze Vorgehen der portugiesischen Regierung stellt sich somit als ein schwerer Rechts- und Vertragsbruch dar.
Die portugiesische Regierung hat durch dieses Vorgehen offen zu erkennen gegeben, dass sie sich als Vasallen Englands betrachtet, der den englischen Interessen und Wünschen alle anderen Rücksichten unterordnet. Sie hat endlich die Beschlagnahme der Schiffe unter Formen vollzogen, in denen eine beabsichtigte Herausforderung Deutschlands erblickt werden muss. Die deutsche Flagge wurde auf den deutschen Schiffen niedergeholt, die portugiesische Flagge mit Kriegswimpel gesetzt. Das Admiralsschiff schoss Salut.
Die Kaiserliche Regierung sieht sich gezwungen, aus dem Verhalten der portugiesischen Regierung die notwendigen Folgerungen zu ziehen. Sie betrachtet sich von jetzt ab als mit der portugiesischen Nation im Kriegszustande befindlich.

Hochachtungsvoll

Dr. Friedrich Felix Balduin Rosen
Gesandter des Deutschen Reiches
und Vertreter
seiner kaiserlichen Majestät
Kaiser Wilhelm II


Es gibt auch eine portugiesische Version dieses Textes, der der portugiesischen Regierung in Lissabon und dem portugiesischen Gesandten in Berlin damals ausgehändigt wurde, und der auf der Internetseite des portugiesischen Außenministeriums (port.. Ministerio dos Negoçios Estrangeiros) runter geladen werden kann.

Dienstag, 28. Juni 2011

Unbekannter Soldat


Als ich meinen Beitrag „Batalha“ am 21. Juni dieses Jahres hier in diesem Blog veröffentlichte, erwähnte ich in ihm, das das Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht) nicht nur die letzte Ruhestätte einiger portugiesischer Könige aus dem Hause Avis sei, sondern auch der Ort ist, an dem hier in Portugal das Grabmal des Unbekannten Soldaten (port.: Túmulo do Soldado Desconhecido) zu besichtigen ist.

Dieses Grab, das sogar die sterblichen Überreste zweier Soldaten beherbergt, nämlich die eines in den Schützengräben vom französischen Flandern gefallenen und die eines im Kolonialkrieg in Moçambique gefallenen Soldaten, wurde am 09. April 1921, drei Jahre nach der großen Schlacht von La Lys in Flandern, feierlich eingeweiht, und soll auf eine symbolische Art und Weise, all die portugiesischen Soldaten repräsentieren, die für das portugiesische Vaterland im Krieg gefallen sind.

Als Vorbild für dieses Grab diente der damaligen portugiesischen Regierung der unbekannte französische Soldat, der im Jahr zuvor in Paris, unter dem Triumphbogen begraben wurde.
Anders als in Paris, wurden aber die Leichen der unbekannten portugiesischen Soldaten nicht im Freien beerdigt, sondern unter der imposanten Kuppel des Kapitelsaals (port.: Sala do Capítulo) des Klosters Batalha.

Die Zeremonie fing bereits einige Tage vor der feierlichen Beerdigung in Batalha, in der Hauptstadt Lissabon an, wo die Särge der zwei im Krieg gefallenen Soldaten seit dem 07. April im Nationalparlament (port.: Assembleia Nacional) aufgebart wurden, nachdem sie Tage zuvor aus Frankreich und Moçambique gekommen waren.
An diesem Tag kam eine fiktive Familie zusammen, bestehend aus einer Kriegsmutter, einer Kriegswitwe und einem Kriegsweisen, und legte einen Kranz auf den Särgen der Soldaten nieder.

Dann wurden die zwei Särge vom Parlament in die Sternbasilika (port.: Basílica da Estrela), unter Anteilnahme von tausenden Schaulustigen, gebracht, wo ein feierlicher Gottesdienst abgehalten wurde.

Danach wurden dann die Särge vom Bahnhof Rossio in Lissabon in die Stadt Leiria mit dem Zug gebracht, und von Leiria, auf einer von Pferden gezogenen Lafette, nach Batalha gezogen.
Nach einem feierlichen Gottesdienst wurden die Särge der zwei im Krieg Gefallenen in den Boden des Kapitelsaals niedergelassen.

Auf der Grabplatte wurde folgender Text eingemeißelt:

„Portugal eterno nos mares, nos continentes e nas raças, ao seu Soldado Desconhecido morto pela Pátria“
(dt.: „Portugal, ewiglich auf den Meeren, auf den Kontinenten und unter den Völkern, seinen Unbekannten Soldaten, die für das Vaterland gefallen sind“

Am 09. April 1924 kam eine so genannte Ewige Flamme (port.: Chama Eterna / Chama da Memória / Chama da Pátria) an das Grab des Unbekannten Soldaten.
Sie war ein Geschenk der 5. militärischen Division von Coimbra (port.: 5ª Divisão Militar de Coimbra) und wurde vom Künstler Lourenço Chaves de Almeida erschaffen. Die Lampe ist aus purem Eisen geschmiedet und steht an der Kopfseite des Grabes.
Seit dem Tag an dem die Ewige Flamme entzündet wurde, hat sie nicht aufgehört zu brennen.

34 Jahre später, am 09. April 1958 wurde im Kapitelsaal des Klosters Batalha, ein Holzkreuz mit einer Jesusfigur aufgehängt.
Dieses Christuskreuz hat eine lange, bewegende Geschichte.

Während des ersten Weltkrieges stand auf dem Feldlager der Portugiesen im französischen Flandern, unweit der belgieschen Grenze, zwischen den Ortschaften Lacouture und Neuve-Chapelle, bei Wind und Wetter, ein Holzkreuz vor dem die Soldaten für gewöhnlich beteten, bevor sie in die jeweiligen Schlachten gingen.
Am 09. April 1918 nahmen die portugiesischen Soldaten an der blutigen Schlacht von La Lys teil.
An diesem Tag startete das 6. Deutsche Heer die so genannte Frühjahrsoffensive des Flandernfeldzuges. Unter einem gewaltigen Artilleriefeuer und unter massivem Dauerbeschuss sollten an diesem Tag über 7.500 portugiesische Soldaten ihren Tod auf dem Schlachtfeld finden.
Die Kleinstadt Neuve-Chapelle wurde vollkommen zerstört.
Zu tausenden lagen auf dem ebenen Feld die Leichen und Verwundeten.
Zwar schwer angeschlagen, ohne Beine, ohne den rechten Arm und mit einer Gewehrkugel in der Brust, stand aber das hölzerne Christuskreuz als einziger, mehr oder weniger aufrecht, auf dem Schlachtfeld.
Nach dem Krieg wurde das Holzkreuz restauriert und blieb weiterhin auf dem Schlachtfeld, diesmal um die Gräber der abertausenden gefallenen portugiesischen Soldaten zu bewachen.

Anfang 1958 bat die portugiesische Regierung formell den französischen Staat um das Christuskreuz.
Die Franzosen kamen noch im selben Jahr dem portugiesischen Wunsch nach, und so wurde am 04. April 1958, einem Karfreitag, die als „Cristo das Trincheiras“ (dt.: Christus der Schützengräber) bekannte Figur, mit einem Flugzeug nach Lissabon gebracht.
Sie wurde dann am 09. April 1958 feierlich an der Kopfseite des Grabes des Unbekannten Soldaten im Kapitelsaal aufgehängt, wo sie bis heute noch hängt.

Das Grab, das Holzkreuz und die Ewige Flamme bilden das Grabmal des Unbekannten Soldaten.
In Kombination mit einer Wachablösung, die stündlich vollzogen wird, machen sie diesen Ort zu einem der emotionalsten in ganz Portugal.

Dem Grabmal des Unbekannten Soldaten ist im Kloster von Batalha auch ein Museum gewidmet, in dem vor allem Gaben an den Unbekannten Soldaten ausgestellt werden, und verschiedene Erinnerungsstücke aus dem 1. Weltkrieg, wie Fahnen, Orden und Trophäen.

Samstag, 25. Juni 2011

Hermínio de Palma Inácio


Es gibt Männer (und natürlich auch Frauen!) die ich einfach wegen ihres Mutes und ihrer Zielstrebigkeit schätze!

Einer von ihnen ist Hermínio da Palma Inácio.
Im Ausland kaum bekannt, wird er hier in Portugal teilweise sogar bewundert.
Abgesehen davon das er der erste Luftpirat der Welt war, der ein Flugzeug entführte, und er der Autor eines der beispiellosesten Banküberfälle hier in Portugal war, war er auch ein Mensch voller Prinzipen und Aufrichtigkeit.

Wie kommt es aber, das ein Flugzeugentführer und Bankräuber, so viel Achtung und Respekt hier in Portugal besitzt?
Nun ich werde versuchen dies hier zu erklären.

Hermínio da Palma Inácio wird am 29. Januar 1922 in dem Ort Ferragudo, bei Lagos, an der Algarve geboren.
Nach seinem Abitur wird er Flugmechaniker bei der Portugiesischen Luftwaffe (port.: Força Aérea Portuguesa).
Die Luftfahrt hat es ihm angetan, und er will nicht nur Flugzeuge reparieren, sondern sie auch gerne fliegen.
Also macht er mit 20 Jahren seinen zivilen Flugschein (port.: brevet de piloto civil).
Er macht seinen Militärdienst auf der Flugzeugbasis Nr. 1 von Sintra (port.: Base Aérea n° 1 de Sintra), und dort fängt er an, gegen das politische System von Diktator Salazar zu kämpfen.
Am 10. April 1947, im Alter von nur 25 Jahren, nimmt er an einem Militärputsch teil, den General Marques Godinho befehligt.
Seine Aufgabe ist es, die Flugzeuge die auf der Flugbasis stehen, zu sabotieren.
Er wird auch seiner Aufgabe gerecht, aber der Putsch misslingt gründlich.

Palma Inácio wird denunziert und von der Geheimpolizei PIDE (port.: Policia International e da Defesa do Estado) festgenommen.
Hätte die Geheimpolizei damals schon gewusst, das Palma Inácio einmal dem Diktator Salazar und seinem Regime so viel Kopfschmerzen bereiten würde, hätten sie ihn bestimmt erschossen oder in eine der Kolonien deportiert.

Nach seiner Festnahme in der Nähe von Loures, foltert die Geheimpolizei Palma Inácio zwölf lange Tage im Gefängnis von Aljube.
Sie wollen von ihm wissen wer sein Kontaktmann ist.
Er überlebt schwer verletzt die Folter, bleibt aber standhaft.
Er verrät keinen einzigen Namen!

Er bleibt bis Mai 1949 im Gefängnis.
In diesem Monat kann er aus einem offenen Toilettenfenster des Gefängnisses flüchten.
Mit der Hilfe von vier Bettlaken, die aneinander geknotet sind, springt er 15 Meter in die Tiefe. Als die Wärter seine Flucht bemerken, entkommt er ihnen nur dadurch, dass es ihm gelingt, sich unter die Menschen in der Lissabonner Baixa zu mischen.

Nach seiner Flucht verbringt er sieben Monate, bei guten Freunden versteckt, auf einem Bauernhof in der Nähe von Odivelas, bevor er auf einem Frachtdampfer in Richtung Casablanca, im damaligen französischen Marokko, fliehen kann.

In Marokko heuert er, mit falschem Namen, auf mehreren Handelsschiffen als Lastenträger an, die ihn nach Nordeuropa, Asien und in die USA bringen.
In den USA lebt er einige Zeit lang im Bundesstaat Massachusetts, bis die amerikanischen Behörden im Jahre 1955 dahinter kommen, das er sich illegal im Lande aufhält.
Er wird aus den USA ausgewiesen und geht nach Rio de Janeiro, in Brasilien.

Hier tritt er mit Humberto Delgado, den er noch aus seiner Zeit bei der portugiesischen Luftwaffe kennt und Henrique Galvão, den zwei größten Kritikern des Salazarregimes, in Verbindung.
In Brasilien wird er Besitzer einer kleinen Firma die Flugzeuge repariert, und mit dieser wird er dann auch etwas wohlhabend.
Das meiste Geld aber, das er verdient, steckte er in revolutionäre Aktionen die er plant.

Eine dieser ersten Aktionen, die er plant, ist die „Operation Vagô“, die erste Flugzeugentführung der Welt.
Am 10. November 1961 steigt Palma Inácio, mit fünf anderen Antifaschisten, in Casablanca, in eine viermotorige „Super Constellation“ der Fluggesellschaft TAP, in Richtung Lissabon, ein.

Knapp eine halbe Stunde vor der Ankunft in Lissabon betritt Palma Inácio, mit einer Waffe in der Hand, das Cockpit.
Er wendet sich an Flugkapitän José Marcelino und Copilot Raul Teles Grilo, und sagt zu ihnen, mit ruhiger Stimme:
„Meine Herren, dies ist eine revolutionäre Aktion. Ich möchte keinem Weh tun“.
Er verlangt von dem Flugkapitän, dass er eine Landung in Lissabon simuliert und dann besonders niedrig über der Hauptstadt fliegt.
Von Lissabon aus fliegen sie dann weiter gen Süden, über die Städte Barreiro, Setúbal, Beja und Faro.
Jede dieser Städte wird mit tausenden antifaschistischen Flugblättern „bombardiert“ – über 100.000 Stück insgesamt – auf denen für freie Wahlen geworben, das Regime von Salazar offen anprangern und dessen Sturz gefordert wird.

Hermínio de Palma Inácio befiehlt Flugkapitän José Marcelino den marokkanischen Flughafen Tanger anzufliegen.
Da die „Super Constellation“ besonders niedrig fliegt, kann sie vom Radar der Kampfjets der Flugwaffe nicht geortet werden.
Über dem Atlantik aber, werden zwei Zerstörer der portugiesischen Marine auf das Flugzeug aufmerksam.
Mit einem gekonnten Flugmanöver, den Palma Inácio selbst fliegt, kann das Flugzeug aus dem Schussfeld der Zerstörer genommen werden.

Die 13 Passagiere an Bord der „Super Constellation“ bemerken während des ganzen Fluges nichts. Erst als sie in Tanger landen, wird ihnen klar, dass sie entführt worden sind.
Palma Inácio entschuldigt sich bei jedem Fluggast und trinkt mit ihnen ein Glas Sekt, um mit ihnen den Erfolg der Mission zu feiern.
Er verabschiedet sich von ihnen und begibt sich wieder nach Brasilien, wo er die Arbeit, als einfacher Mechaniker, in seiner eigenen kleinen Firma wieder aufnimmt.

In den nächsten Jahren spart er wieder etwas Geld, um erneut eine Operation gegen das Salazarregime zu starten.
Er will wieder dem Diktator den Schlaf rauben.
Er plant die „Operation Mondego“, dessen Ziel es ist, die Zweigstelle der Bank von Portugal (port.: Banco de Portugal), in der Stadt Figueira da Foz, zu überfallen.
Er plant den Überfall auf diese Bank, weil er der Meinung ist, das es kein besseres Ziel gibt, als die Bank von Portugal, die ein Symbol des Staates ist.
Und diesem Symbol des Staates das Geld zu rauben, um damit zukünftige Aktionen gegen den selbigen zu unternehmen, ist sein großes Ziel.

Bevor Palma Inácio mit seinen drei Gefährten Camilo Mortágua, Barracosa und Luis Benvindo den Raub begeht, versprechen sie sich, das geraubte Geld niemals für sich selbst privat zu nutzen, sondern es für erneute Aktionen zu verwenden.
Außerdem machen sie aus, bei ihren Aktionen, niemals Blut vergießen zu lassen.

Am 17. Mai 1967, zehn Minuten vor Schließung der Bank um 16:00 Uhr, zielt Palma Inácio mit einem Revolver Smith & Wesson auf den Bankangestellten Adelino Cardoso und sagte zu diesem, mit ruhiger Stimme: „Dies ist ein Überfall! Keiner Bewegt sich!“
Nachdem die acht Bankangestellten und die drei Kunden überwältigt sind, rauben sie den Tresor aus und schließen ihre Geiseln in der Toilette ein.
Ohne dass sie auffallen, gehen sie mit dem Geld aus der Bank und begeben sich zum Flugplatz von Cernache, in der Nähe von Coimbra.
Der Raub bringt ihnen damals stolze 29.274.390 Escudos ein, was nach heutigem Wert ca. 5 Millionen Euro sind.

Am Flugplatz nehmen sie sich eine einmotorige „Auster“, um mit dieser zu fliehen.
Sie landen in Vila do Bispo, an der Algarveküste, wo sie der Polizei eine falsche Spur legen. Während diese nämlich glaubt, die Bankräuber wären über das Meer in das nahe Marokko geflohen, machen sie sich über Spanien auf den Weg nach Frankreich.

In Paris werden sie bei dem Versuch eine große Menge Geldscheine zu wechseln, von der Polizei festgenommen.
Palma Inácio muss wieder ins Gefängnis, bis die Regierung von Präsident Charles De Gaulle entscheidet ob sie ihn an Portugal ausliefern soll, so wie es Salazar wünscht, oder nicht.
Nach sechs Monaten kommt die französische Regierung zu dem Entschluss, das der Banküberfall politisch motiviert war, und nicht nur kriminell. Palma Inácio wird daraufhin frei gelassen.

Er hätte sich spätestens jetzt zur Ruhe setzen können.
Aber er ist weiterhin politisch aktiv und 1972 betritt er erneut sein Heimatland.
Er will diesmal irgendeinen hohen Politiker des Regimes entführen, um ein politisches Zeichen zu setzen.
Doch er gerät erneut in die Fänge der Geheimpolizei PIDE und wird bei der Vorbereitung zu diesem Coup festgenommen und später im Gefängnis von Caxias schwer gefoltert.
Erst am 26. April 1974, einen Tag nach der geglückten Nelkenrevolution, kommt er, wie viele andere politische Gefangene, frei.
Endlich sieht er sich am Ziel seiner Träume – einem freien Portugal!

Nachdem Portugal nun eine Demokratie ist, begibt er sich freiwillig in die Stadt Figueira da Foz, um dort auf einem öffentlichen Platz, Rechenschaft über das Geld abzugeben, welches er 1967 dort beim Bankraub gestohlen hat.

Am 14. Juli 2009 stirbt er, verarmt aber nicht alleingelassen, in einem Altersheim in Lissabon.
Er, der er ein Kämpfer für die Freiheit und die Demokratie war, war wohl der letzte romantische Revolutionär Portugals.

Dienstag, 21. Juni 2011

Batalha






In meinem vorhergehenden Beitrag „Grabesstätten der portugiesischen Monarchen“, erwähne ich das Kloster Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht).
Heute bin ich gefragt worden, wie dieses Kloster zu seinem durchaus ausgefallenen Namen kommt.

Nun, die Gründung des Klosters Batalha ist eng ist den schweren Kämpfen um die Unabhängigkeit des jungen Königreichs Portugal im ausgehenden Mittelalter verbunden.
Immer wieder versuchten die mächtigen Könige von Kastilien (port.: Castela) und León (port.: Leão) ihren Anspruch auf den Thron Portugals mit Gewalt durchzusetzen.

In der Entscheidungsschlacht am 14. August 1385 siegten die mit den Engländern verbundenen Portugiesen bei Aljubarrota über die von den Franzosen unterstützten, weitaus zahlenmäßig überlegenen, Kastilier.
Der portugiesische König João I hatte vor der Schlacht in Aljubarrota (port.: Batalha de Aljubarrota) gelobt der Jungfrau Maria ein Kloster zu errichten, wenn ihm der Sieg zufallen würde.

In Erfüllung des Gelübdes begann im Jahre 1387 der Bau des Klosters Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (port.: Kloster der Heiligen Maria der siegreichen Schlacht), das der Volksmund sehr bald in Batalha (dt.: Schlacht) umtaufte.
Nach dem Willen von König João I sollte das von Dominikaner geführte Kloster auch das Mausoleum des neuen Könighauses Avis werden.

Rund 100 Jahre wurden Angehörige der Dynastie hier beigesetzt.
Insgesamt liegen hier vier Könige, drei Königinnen und neun Infanten (dt.: Prinzen) und Infantinnen (dt.: Prinzessinnen) begraben.
Die im Mausoleum beigesetzten Mitglieder der königlichen Familie sind:

• König João I
• König Duarte I
• König Afonso V
• König João II
• Königin Philippa of Lancaster (Gemahlin von João I)
• Königin Leonor de Aragon (Gemahlin von König Duarte I)
• Königin Isabel de Portugal (Gemahlin von Afonso V)
• Infante João (Sohn von König Duarte)
• Infante Fernão (Sohn von König João I)
• Infantin Maria (Tochter von König Duarte)
• Infantin Filippa (Tochter von König Duarte)
• Infante João (Sohn von König João I)
• Infante João (Sohn von König Afonso V)
• Infante Pedro (Sohn von König João I)
• Infante Afonso (Sohn von König João II)
• Infante Henrique (dt.: Heinrich der Seefahrer, Sohn von João I)

Erst König Manuel I bestimmt für sich und seine Nachfolger das neu erbaute Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) in Belém bei Lissabon als letzte Ruhestätte.

Sechs Könige und in ihrem Auftrag sechs Baumeister, darunter der portugiesische Baumeister Afonso Domingues und der aus Katalonien (port.: Catalunha) stammende Baumeister Huguet, haben fast 200 Jahre an dem mächtigen Kloster gebaut.
Die Stilrichtung der Bauten und Ausstattungen reicht von der Hochgotik bis zur Renaissance.
Ursprünglich war allein der Bau der Kirche, die Stiftergrabkapelle (port.: Capela do Fundador) und das Kloster mit Kreuzgang vorgesehen, die im Jahre 1436 vollendet wurden.
Dieser Baukomplex wurde jedoch bis Mitte des 16. Jahrhunderts durch einen zweiten und dritten Kreuzgang sowie ein neues Mausoleum im Anschluss an den Ostchor der Kirche stetig erweitert. Erst 1557 wurden die Bauarbeiten eingestellt.

Das hochgotische Hauptportal der Klosterkirche ist mit rund 100 Figuren geschmückt, die Heilige, Propheten, Päpste und Könige darstellen.
Der Grundriss zeigt ein dreischiffiges Langhaus mit einem östlichen Querschiff, an das sich fünf Altarkapellen anschließen.
Das Innere der Kirche überrascht durch seine imposante Höhe von 32,50 m. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt stolze 79,20 m.

An dem südlichen Seitenschiff schließt sich die Grabkapelle des Stifters (port.: Capela do Fundador) an, mit einem sehr seltenen quadratischen gotischen Zentralbau mit einer Seitenlänge von 19,20 m, dessen figürliche Ornamente an die Phantasieformen mit Brüsseler Spitzen erinnert.
An die Chorkapellen schließt sich eine Halle an, die zu dem im 15. Jahrhundert neuen Mausoleum führt.

Um ein mächtiges Achteck von 20 m Durchmesser sind sieben Kapellen gruppiert, die reich mit Friesen geschmückt sind.
Da die Kapellen bis zum heutigen Tag unbedeckt blieben, werden sie als Unvollendete Kapellen (port.: Capelas Imperfeitas) bezeichnet.

Im Gegensatz zu anderen gotischen Kirchen auf der Welt, die stolz und unnahbar auf einem Hügel oder auf einer Anhöhe emporragen, liegt das Kloster Batalha sanft gebettet im Tal des Flusses Lena.
Bis in die Gegenwart mussten schwere Schäden behoben werden, die von den napoleonischen Truppen verursacht wurden, als diese Anfang des 19. Jahrhunderts Portugal besetzten.
Nach der französischen Besetzung wurde das Dominikaner-Kloster aufgelöst und ging in den Besitz des portugiesischen Staates über.
Man begann damals umfangreiche Restaurierungsarbeiten an dem Kloster vorzunehmen, die erst heute weitgehend abgeschlossen sind.

Aber das Kloster von Batalha ist nicht nur Grabesstätte der Königsfamilie aus dem Hause Avis.
Im Kapitelsaal (port.: Sala do Capítulo), der an der Ostseite des Kreuzganges gelegen ist, befindet sich auch die nationale Gedenkstätte mit den zwei Grabmäler für die zwei im Ersten Weltkrieg verstorbenen Unbekanten Soldaten (port.: Soldados desconhecidos).
Der eine stammt aus den französischen Schlachtfeldern von Flandern und der andere aus den Afrikakolonialkrieg im portugiesischen Moçambique.

Das Kloster, mit seiner leuchtenden Kalksteinfassade, hat durch diese auch rein äußerlich 1910 die Geltung bekommen, die ihm als erstem portugiesischem Nationaldenkmal gebührt.
1983 wurde das Kloster Batalha von der UNESCO feierlich in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, und somit auch international gewürdigt.

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen






Seit einiger Zeit gibt es Zweifel an dem Geburtsort von Afonso Henriques, dem ersten König von Portugal, der am 27. Juli 1139, als Afonso I, den Thron bestieg.
Über Jahrhunderte hinweg galt die nordportugiesische Stadt Guimarães als Wiege der Nation (port.: Berço da Nação).
Doch seit kurzem wollen Wissenschaftler mögliche Hinweise dafür gefunden haben, das wahrscheinlich in der Stadt Viseu, ebenfalls in Nordportugal gelegen, die Wiege von Afonso Henriques stand.

Wie dem auch sei:
Keinen Zweifel gibt es über die Stadt in der Afonso Henriques starb, und dem Ort an dem er bestattet wurde, nämlich im Kloster Santa Cruz, in der Stadt Coimbra.

In Portugal regierten von 1139 bis 1910 insgesamt 33 Könige und Königinnen, die drei spanischen Könige mitgerechnet.

Von diesen 33 Königen und Königinnen ist einer in der Kathedrale von Lissabon (port.: Sé de Lisboa), einer im Kloster von Odivelas (port.: Mosteiro de Odivelas) und eine regierende Königin in der Sternbasilika (port.: Basilica da Estrela) beigesetzt worden.

Zwei liegen im Kloster Santa Cruz (port.: Mosteiro de Santa Cruz) in der Stadt Coimbra beigesetzt und jeweils drei haben im Kloster von Alcobaça (port.: Mosteiro de Alcobaça) und im Hieronymuskloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) in Belém ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Vielleicht sind es auch vier die im Hieronymuskloster liegen, denn ob die Gebeine von König Sebastião I, der bei einer Schlacht im marokkanischen Alcácer Quibir gefallen ist, wirklich die sind, die damals im Kloster beigesetzt wurden, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Vier portugiesische Monarchen sind im Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha beigesetzt und insgesamt zwölf liegen im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon, der letzten Ruhestätte der Braganças.

Die drei spanischen Filipes sind im Kloster El Escorial, bei Madrid, in der Gruft der Habsburger beigesetzt und einer der portugiesischen Könige, nämlich Sancho II, liegt wahrscheinlich in der Kathedrale von Toledo. Sicher ist das aber nicht, denn nach seiner Flucht aus Portugal hat er sich zwar in dieser spanischen Stadt niedergelassen aber ob er auch dort gestorben ist und wann, ist fraglich.

Ein portugiesischer Monarch, nämlich Pedro IV, war auch als Pedro I brasilianischer Kaiser. Er wurde nach seinem Tod im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, aber in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde sein Leichnam nach Brasilien überführt, wo er im dortigen Freiheitsdenkmal Ipiranga, in der Stadt São Paulo, beigesetzt wurde. Sein Herz aber, wird in der Lapa-Kirche (port.: Igreja da Lapa) in der portugiesischen Stadt Porto aufbewahrt.

Die letzten Ruhestätten der portugiesischen Monarchen befinden sich an folgenden Orten:

Dynastie derer von Burgund (port.: Dinastia de Borgonha)

• Afonso Henriques ( +06.12.1185) – Mosteiro de Santa Cruz de Coimbra (dt.: Kloster Santa Cruz in Coimbra)
• Sancho I (+27.03.1211) – Mosteiro de Santa Cruz
• Afonso II (+25.03.1223) – Mosteiro de Alcobaça (dt.: Kloster von Alcobaça)
• Sancho II (+1247) – Wahrscheinlich in der spanischen Stadt Toledo?
• Afonso III (+16.02.1279) – Mosteiro de Alcobaça
• Dinis I (+07.01.1325) – Mosteiro de Odivelas (dt.: Kloster von Odivelas)
• Afonso IV (+28.05.1357) – Sé Catedral de Lisboa (dt.: Kathedrale von Lissabon
• Pedro I (+18.01. 1367) – Mosteiro de Alcobaça

Dynastie derer von Avis (port.: Dinastia de Avis)

• João I (+14.08.1433) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha (dt.: Kloster von Batalha)
• Duarte I (+09.09.1438) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Afonso V (+28.08.1481) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• João II (+25.10.1495) – Mosteiro de Santa Maria da Vitória da Batalha
• Manuel I (+13.12.1521) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa (dt.: Hieronymuskloster in Lissabon)
• João III (+11.06.1557)– Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa
• Sebastião I (+27.08.1578) Eventuell im Hieronymuskloster?
• Henrique I (+31.01.1580) – Mosteiro dos Jerónimos em Lisboa

Dynastie der Habsburger (port.: Dinastia de Habsburgo)

• Filipe I (+13.09.1598) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe II (+31.03.1621) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien
• Filipe III (+01.12.1640) – Kloster El Escorial, bei Madrid in Spanien

Dynastie derer von Bragança (port.: Dinastia dos Bragança)

• João IV (+06.11.1656) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon (dt.: Kloster São Vicente de Fora)
• Afonso VI (+12.09.1283) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro II (+09.12.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• João V (+31.07.1706) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• José I (+24.02.1777) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Maria I (+20.03.1816) – Basilica da Estrela em Lisboa (dt.: Sternbasilika in Lissabon)
• Pedro III (+05.03.1786) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro IV, Pedro I (+02.05.1826) von Brasilien – Wurde zuerst im Kloster São Vicente de Fora in Lissabon beigesetzt, und dann wurde sein Körper nach São Paulo in Brasilien überführt und sein Herz in die Lapa- Kirche in Porto gebracht
• Maria II (+15.11.1853) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Fernando II (+15.11.1853– Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Pedro V (+11.11.1861 – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Luis I (+19.10.1889) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Carlos I (+01.02.1908) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon
• Manuel II (+02.07.1932) – Mosteiro de São Vicente de Fora in Lissabon

Pig Parade






In der Stadt Évora, im Alentejo, findet vom heutigen 21. Juni bis zum 24. Juni 2011 der „2. Iberoamerikanische Kongress für Schweinezüchter“ (port.: „2º Congresso Iberoamericano de Suinicultura“) statt.

Aus diesem Anlass wurden 50 bemalte Schweine aus Fiberglas (port.: fibra de vidro) ursprünglich über die ganze Altstadt von Évora verteilt.
Verantwortlich für die künstlerische Bemalung der Schweine waren verschiedene Schulen und Institutionen der Stadt.
Nach dem Züchterkongress sollen die Fiberglasschweine für einen guten Zweck versteigert werden.

Die Schweine scheinen durchaus beliebt zu sein.
Schon 12 von ihnen wurden nämlich, seit ihrem Erscheinen vor einer Woche in der Stadt, gestohlen.
Der letzte verschwand in der Nähe vom berühmten Dianatempel (port.: Templo de Diana) spurlos in einer Nacht- und Nebelaktion.

Damit überhaupt noch eine Versteigerung dieser „Pig Parade“ stattfinden kann, wurden die Schweine jetzt auf dem zentralen Platz der Stadt, der Praça do Giraldo, unter permanenten Polizeischutz gestellt.

Das Land feiert ein Fest in der Stadt






Am vergangenen Samstag, dem 18. Juni 2011, fand mitten im Zentrum von Lissabon, in der Avenida da Liberdade, der Hauptarterie der Stadt, ein Mega-Event statt, bei dem die nationale Landwirtschaft ihre landwirtschaftlichen Produkte vorstellte.

Unter dem Titel „O campo faz festa na cidade (port.: „Das Land feiert ein Fest in der Stadt”), organisierte eine große Supermarktkette, in Zusammenarbeit mit dem Rathaus von Lissabon (port.: Câmara Municipal de Lisboa), einen besonderen Bauernhof, inmitten der Stadt, mit viel Vieh und riesigen Feldern.
Die sonst stark befahrene Avenida da Liberdade wurde zu einem grünen Korridor mit viel Farbe, außergewöhnlichen Düften und Tönen, in denen angebaute Früchte (port.: frutas) und Gemüse (port.: legumes / hortaliças) genauso vorhanden waren, wie auch Tiere vom Bauernhof.

Insgesamt 32 Vieh-, Obst- und Gemüsebauern aus dem ganzen Land stellten ihre nationalen landwirtschaftlichen Produkte einer breiten Öffentlichkeit von über 500.000 Besuchern vor.
Vor allem die Stadtkinder hatten so endlich mal die Gelegenheit echte Kühe, Schafe, Schweine, Ziegen, Hühner, Enten und Truthähne zu sehen und ebenso echte Gurkenpflanzen, Sonnenblumenfelder, Orangenbäume, Möhren, Melonen, Kartoffeln, Kohlköpfe und Erdbeerpflanzen.
Über 20 t angebautes Obst und Gemüse und ca. 260 Bauernhoftiere bedeckten den Asphalt der Straße.

Bei diesem Event hatte man auch die Gelegenheit an einem großen Pick Nick (port.: piquenique) teilzunehmen. Man musste nur eine Decke von zuhause mitbringen und etwas zu essen, und schon konnte man sich mitten auf der Avenida, auf dem Rasen ausbreiten und das mitgebrachte Essen zu sich nehmen.

Doch die Kirsche auf der Torte war für viele um 20:00 h der Auftritt des portugiesischen Schlagersängers Tony Carreira, der dann seine Schnulzen zur Begeisterung vieler anwesenden weiblicher Fans, zum Besten gab.

Überhaupt nicht einverstanden mit dieser Veranstaltung war der portugiesische Automobilclub (port.: Automobil Club de Portugal = ACP).
Der ACP meinte, dass keinem Autofahrer zu vermitteln sei, dass eine der wichtigsten Straßen der Hauptstadt, einer Supermarktkette zur Verfügung gestellt wird, während der Verkehr im Chaos versinkt.
Sie argumentierten damit, dass per Gesetz, Lissabons Straßen nur bei sportlichen und politischen Veranstaltungen für den Autoverkehr gesperrt werden dürfen und nicht etwa für die Werbezwecke einer Supermarktkette, den bei diesen, so die Meinung des Automobilclubs, handelte es sich bei diesem Event zweifellos.
Vor allem die Taxifahrer drohten im Vorfeld der Veranstaltung damit, zu streiken, falls das Rathaus an seinem Vorhaben festhalten sollte.

Natürlich haben die Taxifahrer nicht gestreikt und ebenso gab es auch kein Verkehrschaos, wie vom ACP befürchtet.
Sicherlich, die Veranstaltung hätte an einem anderen Platz stattfinden können, denn ehrlich gesagt, waren zu viele Besucher in der Avenida zugegen, was einem das flanieren auf dem Boulevard fast unmöglich machte.
Aber nach vielen Jahren wurde die Avenida da Liberdade endlich wieder zu dem, was sie einmal ursprünglich war, nämlich ein „Passeio Público“ (dt.: „Bürgersteig für das Volk“).
Und alleine das, war die ganze Veranstaltung wert!

Die neue Regierung steht


Heute morgen wurde im Ajuda-Palast (port.: Palácio da Ajuda), dem ehemaligen Wohnsitz der portugiesischen Monarchen, die neue portugiesische Regierung vereidigt.

Staatspräsident Anibal Cavaco Silva ernannte Pedro Passos Coelho von der sozialdemokratischen Partei PSD, (mit der deutschen CDU vergleichbar), zum neuen Premierminister des Landes.
Zusammen mit der Volkspartei CDS-PP, seinem Koalitionspartner, bildet Passos Coelho, nach der gewonnenen Parlamentswahl vom 05. Juni 2011, die 19. frei gewählte Regierung nach der Revolution von 1974.

Vereidigt wurden in Belém heute auch die 13 neuen Minister.
Die neue Regierung besteht aus 12 Männern und 2 Frauen.
Diese sind:

• Pedro Passos Coelho (Premierminister)
• Paulo Portas (Außenminister)
• Vitor Gaspar (Finanzminister)
• Álvaro Santos Pereira (Wirtschafts- und Arbeitsminister)
• Paulo Macedo (Gesundheitsminister)
• Paula Teixeira da Cruz (Justizministerin)
• José Pedro Aguiar-Branco (Verteidigungsminister)
• Miguel Macedo (Innenminister)
• Assunção Cristas (Ministerin für Landwirtschaft und Umwelt)
• Pedro Mota Soares (Minister für Soziales)
• Nuno Crato (Minister für Bildung)
• Miguel Relvas (Minister für parlamentarische Angelegenheiten, Kommunen und Sport)
• Carlos Moedas (Staatssäkreter und Assistent des Premierministers)
• Luis Marques Guedes (Staatsäkreter für präsidiale und ministrable Angelegenheiten)


Die erste Niederlage hat die neue Regierung bereits hinter sich.
Als gestern in der Nationalversammlung (port.: Assembleia Nacional) ein neuer Parlamentspräsident gewählt werden sollte, konnte die Regierung den unabhängigen Kandidaten Fernando Nobre nicht durchsetzen.
Fernando Nobre brauchte insgesamt 112 Stimmen für die Wahl zum Präsidenten des hohen Hauses.
Er erhielt aber im ersten Wahlgang nur 106 Stimmen und im zweiten Wahlgang sogar nur 105 Stimmen d.h., selbst von der Regierungskoalition erhielt er nicht die notwendige Mehrheit.
Ein schlechtes Omen für eine neue Regierung, wenn sie schon bei der Vergabe von solch einem Posten keine Einigkeit erzielen kann.

Freitag, 17. Juni 2011

Kissing Alley


Gestern war ich in der Lissabonner Altstadt Alfama (bitte lesen sie auch meinen Beitrag „Das Badehaus in der Al-khama, vom 04.06.2009).
Die Alfama ist in diesen Tagen des Antoniusfestes, voller bunter Ballons, Girlanden und Lampions.
Nirgendwo ist die Seele der Hauptstadt so zu spüren, wie hier!
Ich liebe es, durch die Gassen der Altstadt zu laufen.
In diesem Straßenlabyrinth, das sich nur zu Fuß erforschen lässt, habe ich jedes Mal das Gefühl an einem Ort aus 1001 Nacht zu sein.
Obwohl kein einziges Gebäude aus der Zeit der Mauren mehr steht, habe ich dieses Gefühl immer wieder.
Die maurische Herrschaft hinterließ hier nämlich deutlich ihre Spuren. Die Straßen, Gassen, Treppen und kleine Plätze verraten noch heute ihr arabisches Gepräge.

Eines meiner Lieblingsecken in der Alfama sind die Treppen von Santo Estevão (port.: Escadinhas de Santo Estevão), die von der Kirche gleichen Namens bis fast hinunter zum Tejo reichen.
Jedes Mal, wenn ich diese Treppen hoch steige, oder so wie gestern runter laufe, muss ich schmunzelnd daran denken, das vor einiger Zeit irgendeiner angefangen hat diese Treppen „Kissing Alley“ (dt.: „Küsschengässchen“) zu nennen, so das heute viele in Lissabon, vor allem Jugendliche, von der „Kissing Alley“ sprechen, wenn sie die Escadinhas de Santo Estevão meinen.

Zu diesem originellen Namen kamen die Treppen dank eines Ereignisses, welches sich vor Jahren dort zugetragen haben soll.

Eine Reiseführerin brachte eines schönen Tages eine französische Reisegruppe durch die Gassen der Altstadt.
An den Treppen angekommen, die zu jedem Reiseführertrip gehören, weil man von hier eine wunderschöne Aussicht auf die Dächer der Altstadt und den Tejo am Horizont hat, sah die Reiseführerin den damaligen Stadtverordneten (port.: Presidente da Junta de Fréguesia) vom nahen Stadtteil São Vicente de Fora an der Treppe, wie er eine Frau innig küsste, die nicht die seinige war.

Woher die Reiseführerin wusste das der Stadtverordnete eine fremde Frau küsste???
Nun, dummerweise war die Reiseführerin die Ehefrau des Stadtverordneten…

Die Ehe der beiden wurde kurz darauf geschieden.
Der Stadtverordnete aber, verlor nicht nur die Ehefrau, sondern auch seinen schönen Posten bei der Stadt und wurde für lange Zeit zur Witzblattfigur.

Wie das deutsche Sprichwort so schön sagt:
„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen…“

Keine Metroerweiterung in den nächsten Jahren


Wie die Wirtschaftszeitung „Diário Económico“ heute in ihrer Ausgabe berichtet, hat die Lissabonner U-Bahngesellschaft (port.: Metro de Lisboa) mitgeteilt, das sie die geplante Erweiterung des Liniennetzes der U-Bahn, aus finanziellen Gründen, nicht wie geplant realisieren wird können.
In Zeiten der Krise, wäre ein Ausbau der Linie ein zu großes Risiko, so die Gesellschaft.
Die bereits im Bau befindlichen U-Bahnstationen aber werden zu Ende gebaut!

So wird die Strecke von der U-Bahnstation „Cais do Sodré“ bis nach „Santos“ (Grüne Linie) zu Ende gebaut, die Verbindung weiter bis nach „Alcântara“ wird aber verworfen.
Ebenso verworfen wurde, in der entgegen gesetzten Richtung, die Verbindung der U-Bahnstation „Telheiras“ über „Horta Nova“ bis nach „Pontinha“.
Die noch nicht begonnene Erweiterung, aber geplante, Linie von „São Sebastião“ nach „Campolide“ (Gelbe Linie) wird ebenfalls erstmal zu den Akten gelegt.

Die Bauarbeiten zur Erweiterung der Linie bis zum Flughafen (Rote Linie), sind schon fast zu Ende.
Hier werden Anfang nächsten Jahres die drei neuen U-Bahnstationen „Aeroporto“, „Encarnação“ und „Moscavide“ an die Station „Gare do Oriente“ angeschlossen.


Die Weiterführung der Linie, über den Flughafen hinaus, zum Stadtteil „Lumiar“ fällt ebenso dem Rotstift zum Opfer.
Ebenso nächstes Jahr wird die Verbindung der zukünftigen U-Bahnstation „Reboleira“ zur jetzt schon bestehenden U-Bahnstation „Amadora-Este“ (Blaue Linie) stehen.

Wie wichtig die U-Bahn in Lissabon ist, sehen wir, die wir in dieser Stadt leben und arbeiten, jeden Tag.
Eine Nichtrealisierung der Erweiterung des Metroschienennetzes, ist zu bedauern, aber in Zeiten der Krise, verständlich.
Es kommen schwere Zeiten auf uns zu…

Mittwoch, 15. Juni 2011

Prémio Valmor






Ich bin heute gefragt worden, was denn der Valmor-Preis (port.: Prémio Valmor) für ein Preis sei.

Um es vereinfacht zu sagen:
der Valmor-Preis ist wohl der wichtigste Architekturpreis, der in unregelmäßigen Abständen an das originellste neu gebaute Gebäude oder Bauwerk in der Hauptstadt Lissabon, vergeben wird.
Man kann behaupten, dass der Valmor-Preis wohl der bedeutendste Architekturpreis des ganzen Landes ist.

Nach dem testamentarischen Wunsch seines Stifters und Namensgebers Fausto Queiroz Guedes, dem Vicomte von Valmor (port.: Visconde de Valmor), der 1837 geboren wurde und als Diplomat und Politiker seiner Zeit eine wichtige Rolle spielte, wird der Preis zu gleichen Teilen zwischen dem jeweiligen Architekten des neu errichteten Bauwerkes und dessen Bauherrn aufgeteilt.
Das Rathaus von Lissabon (port.: Câmara Municipal de Lisboa) finanziert diesen Preis, der im Jahre 1902 zum ersten Mal verliehen wurde, aus den Rücklagen der 50 Contos de Reis, die der Gründer damals für diesen Zweck testamentarisch hinterlassen hat.

Eine dreiköpfige Juri, bestehend aus drei ausgesuchten Architekten, die von der Stadt Lissabon nominiert werden, ernennen einen oder mehrere Siegerkollegen, die ihrer Meinung nach ein preiswürdiges Gebäude in Lissabon neu errichtet haben.

Ursprünglich wurde der Valmor-Preis nur an Wohngebäude verliehen. Doch ab 1938 fing man an, auch andere neu gebaute und originelle Gebäude, Bauwerke, Baukomplexe und Parks der Hauptstadt zu prämieren.
Seit 1982 heißt der Valmor-Preis offiziell „Prémio Valmor e Municipal de Arquitectura“ (dt.: „Städtisches Architektur und Valmor-Preis“).

Der Visconde de Valmor starb 1878, aber durch die Vergabe seines Preises an die originellsten Gebäude der Stadt, ist er heute noch lebendig in der Hauptstadt.

Die Sieger des Valmor-Preises sind, chronologisch aufgeführt:

• 1902 – Der Palast Lima Mayer (port.: Palácio Lima Mayer)
• 1903 – Casa Ventura Terra (Wohnhaus)
• 1904 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1905 – Casa de Malhoa (Museum Dr. Anastácio Gonçalves)
• 1906 – Casa Viscondes de Valmor (Wohnhaus)
• 1907 – Casa Empis (leider schon abgerissen!)
• 1908 – Gebäude mit der Hausnr. 2, in der Av. Almirante Reis
• 1909 – Palacete Mendonça (dt.: Mendonça Palast)
• 1910 – Gebäude mit der Hausnr. 30, in der Av. Fontes Pereira de Melo (leider schon abgerissen!)
• 1911 – Gebäude mit der Hausnr. 25, Rua Alexandre Herculano
• 1912 – Villa Sousa (Villa)
• 1913 – Gebäude mit der Hausnr.23, Avenida da República
• 1914 – Wohnhaus mit der Hausnr. 28 Av. Fontes Pereira de Melo
• 1915 – Gebäude mit den Hausnrn. 206-218, Avenida da Liberdade
• 1916 – Gebäude mit den Hausnrn. 58-60, Rua Tomás Ribeiro
• 1917 – Gebäude mit der Hausnummer 5, in der Rua Viriato
• 1918 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1919 – Wohnhaus mit der Hausnr. 47, Avenida Duque de Loulé
• 1920 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1921 – Palast in der Rua Cova da Moura Nr. 1
• 1922 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1923 – Gebäude mit der Hausnr. 49, Avenida da República
• 1924 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1925 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1926 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1927 – Pensão Tivoli (dt.: Pension Tivoli)
• 1928 – Palacete Vale Flor (dt.: Vale Flor Palast)
• 1929 – Gebäude mit den Hausnrn. 207-215, Avenida 5 de Outubro
• 1930 – Gebäude mit den Hausnrn. 64 und 66, in der Rua Casilho (leider schon abgerissen!)
• 1931 – Gebäude mit den Hausnrn. 92-94, Rua de Infantaria 16
• 1932 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1933 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1934 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1935 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1936 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1937 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1938 – Igreja de Nossa Senhora do Rosário de Fátima (dt.: Kirche Unserer Jungfrau vom Rosenkranz von Fátima)
• 1039 – Wohnhaus mit der Hausnummer 52, in der Avenida Columbano Bordalo Pinheiro
• 1940 – Verlagsgebäude von Diário de Notícias
• 1941 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1942 – Gebäude mit der Hausnummer 25, in der Rua da Imprensa
• 1943 – Gebäude mit der Hausnr. 9, Av. António Augusto Aguiar
• 1944 – Wohnhaus mit der Hausnr. 67, Avenida Pedro Álvares Cabral
• 1945 – Gebäude mit der Hausnr. 14, Avenida Sidónio Pais
• 1946 – Gebäude mit der Hausnr. 12, Avenida Casal Ribeiro, n.º 12
• 1947 – Wohnhaus mit der Hausnr. 8, Rua São Francisco Xavier
• 1948 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1949 – Gebäude mit der Hausnr. 105, Rua da Artilharia Um
• 1950 – Wohnhaus mit der Hausnr. 37, in der Rua Duarte Pacheco Pereira im Stadtteil Restelo
• 1951 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1952 – Gebäude mit der Hausnummer 23, in der Avenida do Restelo
• 1953 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1954 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1955 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1956 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1957 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1958 – Gebäude des Pasteur-Instituts Unabhängigen Universität (port.: Laboratórios Pasteur na Universidade Independente)
• 1959 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1960 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1961 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1962 – Gebäude mit der Hausnr. 44, in der Rua Almirante António Saldanha, im Stadtteil Restelo
• 1963 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1964 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1965 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1966 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1967 – Gebäude mit der Hausnr. 55, in der Rua General Silva Freire im Stadtteil Olivais Norte
• 1968 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1969 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1970 – Gebäude mit der Hausnummer 53, in der Avenida dos Estados Unidos da América
• 1971 – Gebäude mit der Hausnummer 9 in der Rua Braancamp
• 1972 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1973 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1974 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1975 – Hauptgebäude, Museum und Park der Gulbenkian Stiftung
• 1975 – Herzjesu Kirche (port.: Igreja do Sagrado Coração de Jesus)
• 1976 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1977 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1978 – Gebäude mit den Hausnrn. 2-4, Rua Maria Veleda
• 1979 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1980 – Gebäude mit den Hausnrn. 223–233, Rua Castilho
• 1981 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1982 – Wohnkomplex im Stadtteil Olaias(port.: Encosta das Olaias).
• 1983 – Gebäude des Ehrensitzes der Architekten (port.: Menção Honrosa dos Arquitectos)
• 1984 – Bankgebäude des Banco Fonsecas & Burnay
• 1985 – Bankgebäude des Banco Credit Franco Portugais
• 1985 – Wohnkomplex im Stadtteil Lumiar
• 1986 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1987 – Institut Jacob Rodrigues Pereira (port.: Instituto Jacobo Rodrigues Pereira) in der Rua D. Francisco de Almeida
• 1988 – Bankgebäude der Lloyds Bank, Av. da Liberdade, 222
• 1989 – Wohnkomplex in der Rua Prof. Queiroz Veloso, Hausnrn. 2-3
• 1990 – Gebäude mit den Hausnrn. 107-109, Rua do Século
• 1990 – Gebäude mit der Hausnr. 2, Rua da Academia das Ciências
• 1990 – Gebäude mit den Hausnrn. 2-6, Travessa da Horta
• 1991 – Fakultät für Psychologie und Naturwissenschaften der Lissabonner Universität (port.: Faculdades de Psicologia e Ciências da Universidade de Lisboa)
• 1992 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1993 – Amoreiraskomplex (port.: Complexo das Amoreiras)
• 1994 – Gebäude mit der Hausnummer 4, in der Rua Professor Cavaleiro Ferreira
• 1995 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1996 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 1997 – Bagatelagebäude
• 1998 – Portugalpavillon auf derEXPO98 (port.: Pavilhão de Portugal)
• 1998 – Meerespavillon auf der EXPO98 (port.: Pavilhão Conhecimento dos Mares)
• 1999 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2000 – Gebäude der Fakultät für Physik und Chemie der Lissabonner Universität (port.: Edifício da Faculdade de Física e Química da Universidade de Lisboa)
• 2001 – Atrium Saldanha
• 2002 – Rektorgebäude der Neuen Universität von Lissabon (port.: Edifício da Reitoria da Universidade Nova de Lisboa
• 2002 – Gebäude II des Institutes I.S.C.T.E. (port.: Edifício II do I.S.C.T.E.)
• 2003 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2004 – Terraços de Bragança (dt.: Bragança-Terrasssen
• 2005 – Stadtpark Quinta das Conchas (port.: Parque Urbano da Quinta das Conchas)
• 2006 – Gebäude mit der Hausnr. 21, Rua Rodrigo da Fonseca
• 2007 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2008 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2009 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben
• 2010 – in diesem Jahr wurde der Preis nicht vergeben

Dienstag, 14. Juni 2011

Wo sind die Datenschützer bei Starbucks?


Überall und immer öfters wird uns in der heutigen Zeit eingetrichtert keine persönliche Daten an Fremde weiter zu geben.
Auch der Datenschutz warnt uns immer wieder vor Datenmissbrauch und weist uns mehrmals darauf hin nicht leichtsinnig mit persönlichen Daten umzugehen.

Umso mehr verwundert es mich immer wieder, wenn ich in ein Starbucks Café gehe, das ich, bevor ich überhaupt eine Bestellung aufgeben kann, man mich, vor allen Kunden, laut nach meinem Namen fragt.

Nun es gibt weiß Gott schlimmeres.
Man könnte mich z.B. nicht nur nach meinem Namen fragen, sondern auch nach meinem Gewicht, meinem Alter, ob ich ein Haarwuchsmittel benutze oder welche sexuelle Orientierung ich habe.

Kommt denn keiner bei Starbucks auf die Idee, das wir Kunden es vielleicht nicht wollen dass die Angestellten unseren Namen vor versammelter Kundschaft rausbrüllen?
Ich meine, würde das an der Qualität des Kaffees irgendetwas ändern?
In anderen Cafés und Restaurants, außer es handelt sich um mein Stammcafé, weiß doch auch niemand wie ich mit Namen heiße und trotzdem werde ich bedient und bekomme etwas zu trinken und zu essen!

Sicherlich, ich verstehe schon, dass es sich hierbei um eine Verkaufsstrategie von Starbucks handelt, um dem Kunden ein gewisses „persönliches“ Gefühl zu geben.
Aber den Marketingleuten bei Starbucks sollte klar sein, das es auch Kunden gibt, die z.B. ihren Vornamen gar nicht mögen!

Ich meine, wenn ich bei Starbucks an der Schlange stehe (daran sollten die Marketingstrategen mal etwas ändern, das man nicht genötigt ist an einer Schlange 10 Minuten zu warten um sein Kaffee zu bekommen…), und die Kunden vor mir werden aufgefordert ihren Namen zu nennen und ihre Bestellung aufzugeben, so weiß im Laden sofort jeder, das sich z.B. die etwas rundliche Filomena einen „Großen fettreduzierten Frappuccino“ bestellt hat und in der Schlange neben dran der geschniegelte Ambrosio sich einen „Mittelgroßen Vanilla Macchiato“ zum Mitnehmen bestellt hat.
Und natürlich schaut sich jeder im Laden, auch ich, die Filomena und den Ambrosio genauer an, weil das nun einmal in der Natur von uns Menschen lieg.

Ich weiß aber genau, das wenn ich dann an der Reihe bin, ein jeder im Laden genau wissen wird, das der Ângelo Paulo sich heute einen „Mittelgroßen entkoffeinierten Caramel Macchiato“ bestellen und trinken wird.

Außer das es Filomena und Ambrosio vielleicht nach Aufmerksamkeit giert, kann ich mir keinen vernünftigen Grund vorstellen, warum ihre Namen von dem Angestellten öffentlich rausgebrüllt werden.
Ich bin sogar der Meinung, dass ein junger Mann von etwa 25 Jahren, der den Namen Ambrosio trägt, eher unser Mitgefühl und eine Entschuldigung verdient, als das man seinen Namen publik macht…

Ich habe mir nun für meinen nächsten Besuch bei Starbucks fest vorgenommen mir selber ein Pseudonym zu geben.
Ich weiß noch nicht genau welchen, aber ich freue mich jetzt schon auf das verdutzte Gesicht des Angestellten, wenn ich mich als Albert Einstein, Dschingis Khan oder Papst Benedikt XVI bei ihm vorstelle…

Montag, 13. Juni 2011

Eselsohren: „Império à deriva“


Leider komme ich in letzter Zeit noch kaum zum lesen eines guten Buches.
Umso mehr habe ich mich gefreut, die letzten Tage genug Zeit gehabt zu haben, um wieder einmal etwas zu schmökern.

Ich bin heute mit dem Lesen des Buches „Império à deriva“ (dt.: „Verjagtes Imperium“ / engl.: „Empire Adrift“) zu Ende.
Ich hatte dieses Buch von Patrick Wilcken schon einmal, vor gut zwei oder drei Jahren, gelesen, aber jetzt gerne wieder zur Hand genommen.
In seinem Werk beschreibt Wilcken das Leben des Portugiesischen Königshauses im brasilianischen Rio de Janeiro zwischen den Jahren 1808 und 1821.

In diesen Jahren lebte die portugiesische Königsfamilie mit dem gesamten Hofstaat in Brasilien im Exil, nachdem sie vor den vandalisierenden und mordenden Truppen Napoleons aus Lissabon geflohen waren.
In dem Buch wird ausführlich erzählt, wie die königliche Familie die Jahre in Rio de Janeiro verbrachte und wie ihr Alltag, wenn man es so nennen darf, dort verbrachten.

Es war im Jahre 1807, die napoleonischen Truppen hatten bereits Spanien überrannt und machten sich nun daran Portugal zu erobern, als der Thronregent João, der seine geistig umnachtete Mutter Königin Maria I in den Amtsgeschäften vertrat, beschloss mit seiner ganzen Familie, seinem Hofstaat und der Regierung in die größte Kolonie Portugals, nämlich Brasilien, ins Exil zu gehen.

Zwar hatte er, der er mit der Seefahrt nichts am Hut hatte sondern eher große Banketts liebte, eine panische Angst vor einer Monate langen dauernden Schiffsreise auf dem Atlantik und vor dem was ihn in Lateinamerika erwartete, aber er sah in der Flucht nach Brasilien den einzigen Weg, nicht in die Fänge Napoleon Bonapartes zu geraten.

So stechen am 29. November 1807 schätzungsweise 10.000 Aristokraten, Minister, Kirchenmänner und Bedienstete in Richtung Rio de Janeiro in See.
An einem einzigen Tag wird der ganze Regierungsapparat einer Weltmacht „evakuiert“.
Am gleichen Tag erobern der verhasste französische General Jean-Andoche Junot und seine Männer, mit Hilfe spanischer Truppen, die portugiesische Stadt Lissabon, die ab diesem Tag, auf Befehl des Königs und seiner Regierung, offiziell nicht mehr die Hauptstadt des Landes ist.
Die Hauptstadt Portugals wird für die nächsten 13 Jahre, so lange dauert die französische Invasion in Portugal und das Exil des Königs in Brasilien, Rio de Janeiro sein.

Als die Königliche Flotte am 21. Januar 1808 in Rio de Janeiro anlandet, sehen die verdutzten Einwohner der Stadt wie der hohe Besuch aus Europa total verlaust, stinkend und zerlumpt von Bord geht.
So hatten sich die Untertanen ihrer Majestät Maria I ihre Königin und ihre Familie wahrlich nicht vorgestellt…
Sie sollten sich die nächsten 13 Jahre noch mehr wundern.

Aber die Flucht der königlichen Familie nach Brasilien war wohl auch der wichtigste Meilenstein in der Geschichte des jungen Brasiliens.
Von einem Tag auf den anderen bekam Brasilien, vor allem aber die Hauptstadt Rio de Janeiro, eine Infrastruktur und noch vieles mehr, wovon andere kolonialen Städte und Länder der damaligen Zeit nur Träumten.

Die Moderne, die Sprache, die Kultur und die Einheit Brasiliens nahmen damals, mit dem Aufenthalt des portugiesischen Hofes, ihren Anfang.

Dies erklärt auf beeindruckende und lesenswerte Art und Weise der junge Schriftsteller Patrick Wilcken in seinem hier erwähnten Buch.
Patrick Wilcken ist im australischen Sydney aufgewachsen, hat am renommierten Goldsmith College Anthropologie und am Institute of Latin American Studies in London studiert, bevor er bei Amnesty International arbeitete.
Im Jahre 2004 schreibt er sein Buch „Empire Adrift“, das dann im Jahre 2005 in der portugiesischen Übersetzung „Império à deriva“ in dem Verlag „Civilização Editora“ erscheint.

Leider ist mir nicht bekannt ob es dieses Buch auch in einer deutschen Übersetzung gibt.
Sollte dem so sein, so kann ich jedem die Lektüre des selbigen nur empfehlen, denn er wird ein Buch voller lesenswerten, interessanten, historischen und faktenreichen Geschichten lesen.

Casa do Voo dos Pássaros




Ich war noch nie ein großer Fan von moderner Architektur.
Vielleicht weil moderne Architektur mir für gewöhnlich fehlende Kreativität, Kälte und Einfachheit vermittelt, während ich in der alten Architektur, sei es in der Gotik, der Romantik, der Renaissance, dem Barock und erst recht in der Manuelinik ein riesiges Potential an Kunstfertigkeit und Wärme sehe.

Die moderne Architektur hat in Portugal, vor allem hier in Lissabon, meiner Meinung nach, in den letzten Jahrzehnten mehr Schäden und Zerstörungen angerichtet, als wenn eine ganze Kompanie Abrissbagger mit ihren respektiven Abrissbirnen durch Lissabon durchgefahren wäre!

Alt und geschichtsträchtig abreißen und neu und modern klotzen, das war bis vor kurzem die gängige Praxis in der Baubranche und in der Architektur hier in Portugal.
Doch die neue Generation von Architekten, die jetzt in Portugal anfängt tätig zu werden, macht dem Land Hoffnung.
Die meisten von ihnen versuchen jetzt nämlich die alten Baustile mit neuem Design zu kombinieren und wenn sie moderne Gebäude bauen, versuchen sie jedem Objekt das gewisse Etwas zu geben.

Einer dieser jungen und außergewöhnlichen portugiesischen Architekten ist der 1972 in Ponta Delgada, auf der Azoreninsel São Miguel, geborene Bernardo Rodrigues.
Auf den Inseln, mitten im Atlantik, lebte Rodrigues bis zu seinem 18. Lebensjahr. Kaum volljährig geworden zog er nach Porto, wo er an der dortigen Hochschule anfing Architektur zu studieren.
Dann zog es ihn in die USA, an die berühmte Columbia-Universität in New York und später nach London, wo er sein Studium erfolgreich beendete.

Seine erste Anstellung, nämlich als Praktikant, fand er 2001 im „Atelier 15“, dem renommierten Büro der Architekten Alves da Costa und Sérgio Fernandez.
Hier wurde er, dank seines Charismas und seiner Energie, die vitale Figur des architektonisch-kulturellen Lebens in Portugal, die er heute ist.

2003 wird er Gastprofessor an der Universität von Palermo in Italien.
Seit 2006 leitet er sein eigenes Architekturbüro in Porto.
In Zusammenarbeit mit der Harvard-Universität begann er später ein Projekt für umweltfreundliches und innovatives Bauen und er verwirklicht heute, dank dieses Projektes, vor allem in China und in den USA, seine kreativen Ideen.

Jetzt hat er solch ein innovatives Bauprojekt auch auf seiner Heimatinsel São Miguel realisiert.
Im Norden der Insel, nahe der Ortschaft Rabo de Peixe, hat er ein modernes Wohnhaus gebaut, welches, so die Meinung des Architekten selbst, „vollkommen mit der Natur im Einklang ist“.
Das Haus, ist auf einem Hügel unweit des Ortes erbaut, und trägt den originellen Namen „Casa do Voo dos Pássaros“ (dt.: „Haus des Fluges der Vögel“ / engl.: „Flight of Birds House“).
Schon von weitem soll das Haus sichtbar sein.
Es soll regelrecht über der Ortschaft „schweben“ mit seinem gewellten Dach und seinen geometrischen Formen.

Aber das einzigartige an diesem Haus ist nicht nur die ausgefallene Architektur, sondern vor allem die Tatsache, dass dieses Haus vollkommen autonom von den üblichen Energiequellen der Insel ist.
Mit der Hilfe der Sonne, dem Wind und sogar dem Regenwasser produziert dieses Haus seinen eigenen Strom!
Es produziert sogar mehr Strom, als es eigentlich verbraucht.
Somit hat Bernardo Rodrigues nicht nur ein, zugegeben, schönes und modernes Gebäude gebaut, sondern ein sehr umfeldfreundliches und nützliches dazu.
Man kann ruhigen Gewissens behaupten, das das Haus ein gelungener Wegweiser für die architektonische Zukunft hier in Portugal ist - wenn nicht sogar weltweit!

Andere nationale und internationale Auftragsarbeiten des jungen Architekten sind, unter anderem, das „The Bow and Orchid Hotel“ (port.: „Hotel O Arco e a Orquídea“ / dt.: „Bogen und Orchideen Hotel“) im chinesischen Xian, das „Jade Hotel“ (port.: „Hotel de Jade“ / dt.: „Hotel Jade“) in Shanghai, die „Capela da Luz Eterna“ (dt.: „Kapelle des Ewigen Lichtes“) auf den Azoren und die „Casa da Explicação do Universo“ (dt.: „Das Haus der Erklärung des Universums“) im portugiesischen Constância.

Alles außergewöhnliche und originelle Bauwerke; so außergewöhnlich und originell das der Künstler uns Betrachtern zugestehen muss, das wir diese für alles Mögliche halten, nur nicht für „unauffällig“…

Begehrte Staatsbürgerschaft


Wie jetzt durch einen Bericht von Eurostat, dem offiziellen Statistikamt der Europäischen Union (port.: União Europeia) bekannt wurde, war Portugal im Jahre 2009, das Jahr aus dem die letzten Zahlen stammen, das Mitgliedsland der EU, das prozentual die meisten Ausländer eingebürgert hat.

Laut Eurostat bekamen von den 776.000 Nicht-EU-Bürgern, denen ein Mitgliedstaat der Union eine Staatsbürgerschaft angeboten hat, 25.600 die portugiesische Staatsangehörigkeit.

Die Daten des Statistikamtes der EU, die dieses Wochenende in Brüssel (port.: Bruxelas) bekannt gegeben wurden, besagen das die portugiesische Nationalität vor allen an Bürger aus den Kapverdischen Inseln (4.966), Brasilien (3.712), Moldawien (2.739) und Guinea-Bissau (2.150) vergeben wurden.
Im Jahr zuvor waren lediglich 22.400 portugiesische Staatsbürgerschaften ausgegeben worden.
Die restlichen 12.033 Staatsbürgerschaften vergab der portugiesische Staat an die Bürger von insgesamt 67 anderen Nationen.

Dagegen war Luxemburg das Land in der EU, welches die meisten nationalen Staatsbürgerschaften an Portugiesen vergab.
An die 4.000 Portugiesen erhielten die Nationalität des kleinen Großherzogtums im Herzen Europas.

Samstag, 11. Juni 2011

Quadras Populares


In meinem vorhergehenden Text „Manjerico“ habe ich über die Topfpflanze Manjerico geschrieben und hierbei die vierzeiligen Reime (port.: quadras populares) erwähnt, die zumeist im Blumentopf auf einem kleinem Zettel Papier eingesteckt werden, und mit dem Manjerico verschenkt werden.

Diese Vierzeiler handeln fast immer von der Liebe, den Volksheiligen Santo António, São João, São Pedro und von der Stadt Lissabon und ihren Eigenarten.
Leider ist eine Übersetzung dieser Reime nur schwer möglich, da sie sich auf Deutsch leider nicht reimen.

Im Original heißt es in einem z.B.:

No mês dos santos populares
Vou p´rá rua, vou cantar
Não quero estar em casa
Quero é ir pular.

Ins Deutsche übersetzt heißt es in diesem Reim so viel wie:

Im Monat der Volksheiligen (Juni)
Gehe ich auf die Straße und singe
Ich will nicht zuhause bleiben
Sondern hüpfen und tanzen.

In diesem Stil etwa, sind diese Vierzeiler geschrieben: humorvoll, kurz und knapp.

Ich habe hier ein paar Reime zusammengetragen und hoffe sie sind auch für die, die wenig Portugiesisch sprechen können, verständlich.
Da sie sehr volksnah geschrieben sind, sind sie auch in einem sehr einfachen Portugiesisch geschrieben und sehr unterhaltsam:


No Santo António
E no São João
Como as sardinhas
E deixo o pão.

Nas noites de Santo António
Vou saltar uma latada
E vou cantar, divertir-me
Com a minha namorada.

Ó meu rico Santo António
És um santo popular
Na tua festa não falta
Sardinha para assar.

Santo António, Santo António
Que bonito que tu és
Vou-te comprar um manjerico
E vou pô-lo a teus pés.

Lisboa, és meu amor,
Quero contigo dançar
Cantar cheia de fulgor
A tradição popular.

Alegrias como estas
É difícil encontrar
Vestida toda de festas
Lisboa vai a cantar.

Há festa em Portugal
São os santos populares
Da sardinha ao manjerico
Os cheiros andam pelos ares.

Em Junho todos bailam
Assim é a tradição
As ruas estão enfeitadas
Lá de cima até ao chão

Santo António sem ricos
E toda a gente a saltar
Enfeitado de manjericos
Que eu vou comprar

De manjerico na mão
Uma quadra a namorar
E com arquinho e balão
Vamos todos a bailar.

Santo António e São João
Vão ao desafio cantar
Nas barracas das sardinhas
Espero poder passar.

Ó meu rico Santo António
Tu estás muito calado
Quando estás à minha beira
Fico todo envergonhado.

Santo António, Santo António
Que tens tu de especial?
Só sei que na tua festa
Há alegria no arraial.

Santo António enfeitado
Dá cá um balão!
Pois quero um encarnado
Para dar ao meu irmão.

São Pedro com as chaves do céu
Com o cordeiro São João
E Santo António
Com o menino na mão.

No dia de São Pedro
Vamos todos à sardinha
Neste ano vou escolher
A que for mais pequenina.

A treze temos Santo António
A vinte e quatro São João
A vinte e nove São Pedro
E recebemo-los com uma grande emoção.

No dia de São João
Vamos todos cantar
Brincar com um balão
Até ele rebentar

No dia de São João
Vamos p´rá rua festejar
Lançar balões para o céu
Sempre, sempre a pular.

A noite de São João
É uma noite de folia
Vejo o fogo de artifício
Sempre com muita alegria.

Manjerico


Der Monat Juni ist gekommen!
In vielen portugiesischen Städten und Gemeinden, wie in Lissabon, Porto, Almada und vielen mehr, werden in diesem Monat die drei Volksheiligen gefeiert.
Die drei Volksheiligen sind der Heilige Antonius (port.: Santo António), der Heilige Johannes (port.: São João) und der Heilige Petrus (port.: São Pedro).

Wenn man dieser Tage durch Lissabon läuft, wird man vor allem in der Altstadt, eine Stadt in Feierlaune erleben.
Der 13. Juni naht, der Tag an dem die Hauptstadt ihren Heiligen Sankt Antonius (port.: Santo António) feiert (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Santo António de Lisboa“ vom 12.06.2009).
Mehr als ein religiöses Fest, ist das Sankt Antoniusfest ein Fest der Stadt und ihren Bewohnern.

Lissabonner zu sein und das Antoniusfest nicht zu feiern, wäre so, als wenn man als Brasilianer den Karneval nicht feiert würde.
Es würde einfach keinen Sinn machen!
Lissabon ist eine der wenigen Städte auf der Welt, in der das Stadtfest heute noch mit so viel Bürgerbeteiligung und populären Traditionen gefeiert wird.
Die Traditionen und die Rivalität der einzelnen Stadtteile unter sich, auch diese Rivalität ist eine Tradition, macht das Flair dieses Volksfestes aus.

Eine der schönsten Traditionen in dieser Zeit ist es, einem geliebten Menschen einen Manjerico (dt.: Kleinblättriger Basilikum / lat.: Ocimum minimum) zu schenken.
Manjerico ist die wilde Form des Basilikums und eng mit dem Manjericão (dt.: Echter Basilikum / lat.: Ocimum basilicum) verwandt.
Es handelt sich beim Manjerico um eine grüne, kleinblättrige Topfkräuterpflanze, die sehr intensiv und charakteristisch riecht.

Wenn man einen Manjerico kauft, so ist in dem Blumentopf in dem er gepflanzt ist, meistens zusätzlich zu der Pflanze, auch eine bunte Papiernelke (port.: cravo de papel) und ein kleines Spruchband mit einem vierzeiligen Reim ( port.: quadra popular) eingesteckt.
Der Reim handelt fast immer über die Liebe, über Lissabon und über den Stadtheiligen Antonius.

Der Manjerico, der kleine Herzförmige Blätter hat, soll Glück bringen, vor allem in der Liebe.
Deshalb verschenken vor allem Männer ihren Freundinnen oder Frauen noch heute in der Sankt Antoniusnacht einen Manjerico.
Schenkte in frühen Jahren ein Mann seiner Liebsten ein Manjerico, so war das sogar gleichzustellen mit einem Heiratantrag an die Geliebte.

Die Legende besagt, dass der Manjerico nach dem Antoniusfest vertrocknet und abstirbt, so dass es erst im nächsten Jahr wieder einen duftenden Manjerico gibt.

Wie bei jeder Legende, steckt auch in dieser nur die halbe Wahrheit.
Es ist wahr, dass nach dem Stadtfest viele Manjericos absterben, aber auch nur, weil ihre Besitzer sie einfach nicht richtig pflegen.
Der Kleinblättrige Basilikum braucht nämlich eine Menge Wasser und einen windstillen, sonnigen Platz auf der Fensterbank.
Da viele ihn aber in den Schatten stellen und oftmals auch einfach das gießen vergessen, geht er leider meistens auch ein.

Wahr ist aber, dass früher vor allem Schuster in ihren Werkstätten einen Manjerico hatten.
Nicht das diese Berufsklasse besonders oft verliebt war, jedenfalls nicht mehr oder weniger als andere.
Nein, sie hatten einen Manjerico in ihren Werkstätten, um den penetranten Ledergeruch zu übertünchen, der an ihrem Arbeitsplatz oftmals herrschte.

Leider sind die schon erwähnten Vierzeiler ins Deutsche nicht originalgetreu übersetzbar.
Sie würden sich einfach nicht reimen.
Nichtsdestotrotz möchte ich hier einige Reime aufführen, die mir noch vom letzten Sankt Antoniusfest im Gedächtnis geblieben sind.
Wer minimal die portugiesische Sprache beherrscht, wird sie sofort verstehen:

Manjerico, manjerico,
Manjerico que te dei,
A tristeza com que fico
Inda amanhã a terei.

O manjerico comprado
Não é melhor que o que dão.
Põe o manjerico ao lado
E dá-me o teu coração.

Manjerico que te deram,
Amor que te querem dar...
Recebeste o manjerico.
O amor fica a esperar.

No Santo António enfeitado
Há cravos e manjericos
Sardinhas de cheiros encantados
Para os pobres e para os ricos.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Coca Cola is it


Im „Museu da Farmácia“ (dt.: Apotheker-Museum), in Lissabon, kann man zur Zeit die interessante Ausstellung „125 Jahre Coca Cola“ (port.: „125 anos Coca Cola“) besichtigen.

Warum ausgerechnet in einem Apotheker-Museum werden sich viele Fragen?
Doch wer ein wenig über die Geschichte von Coca Cola bescheit weiß, weiß dass dieses koffeinhaltige Brausegetränk einmal als Medizin „geboren“ wurde.

Es war im Jahre 1884, um genauer zu sein am 08. Mai 1884, als der amerikanische Apotheker John Stith Pemberton in seiner kleinen Apotheke „Jacob´s Pharmacy“ in Atlanta, im Bundesstaat Georgia, ein Glas dieses von ihm erfundenen und selbstgebrauten Getränks, an den Mann brachte.

Pimberton verkaufte damals, im ersten Jahr, nur etwa neun Gläser dieses Brausegetränks pro Tag.
Wenn man bedenkt wie viel Coca Cola heute pro Tag verkauft und getrunken wird, eine lächerliche Zahl.

Die chronologische Geschichte von Coca Cola wird im Foyer des Lissabonner Apotheker-Museums anhand von Grafiken, Postern, Fotografien und seltenen Einzelstücken, die extra aus den USA ausgeliehen wurden, erzählt.
Auch wie die Coca Cola nach Portugal kam, wird in dieser Ausstellung ausführlich beschrieben.

So erfährt der Museumsbesucher, dass es Coca Cola bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, in Portugal zu kaufen gab.
Damals erfand der berühmte portugiesische Schriftsteller Fernando Pessoa den bis heute in Portugal legendären Werbeslogan „primeiro estranha-se, depois estranha-se“ (dt.: „Zu erst verwundert es einen, dann verwundert es einen“).
Allerdings wurde die Marke im Jahre 1929 vom portugiesischen Markt genommen, denn der Militärdiktatur war sie, wegen ihrer schon damals sehr freiheitsliebenden Slogans und Werbungen, ein Dorn im Auge.
Erst 1974, nach dem Ende der Militärdiktatur, war die Einfuhr von Coca Cola wieder in Portugal erlaubt.

Am 04. Juli 1977, ironischer Weise dem Amerikanischen Unabhängigkeitstag, kam Coca Cola in Portugal offiziell wieder in den Handel und ist seitdem, wie überall auf der Welt, von den Ladentheken nicht wegzudenken.

Die Ausstellung „125 anos Coca Cola“ kann noch bis zum 30. Juli 2011 besucht werden.
Sie ist von Montags bis Freitags, von 10 Uhr bis 18 Uhr, geöffnet und der Eintritt ist frei!