Mittwoch, 31. August 2011

Lusitanien


Ich habe schon oft hier in meinem Blog die Wörter „Luso“ oder „Luso-Alemão“ und „Lusitanien“ benutzt.
Heute wurde ich von einer meiner deutschen Arbeitskolleginnen, die in meinem Blog gesurft hat, gefragt, was denn diese Wörter bedeuten würden.

Nun, um es vereinfacht darzustellen, würde ich sagen, dass die Bezeichnungen „Luso“ und „Lusitanien“ heutzutage von uns Portugiesen als Synonym für alles Portugiesische verwendet wird.
So ist ein „Luso“ ein Portugiese, ein „Luso-Alemão“ ist ein Deutsch-Portugiese und „Lusitânia“ (dt.: Lusitanien) ist ein ehemaliges geographisches Gebiet, das seinerzeit von den Römern erobert wurde und in dessen Grenzen heute teilweise in Portugal liegen.
Um ein verständliches Beispiel zu geben, würde ich sagen, das Lusitanien sich zu Portugal so verhält, wie Germanien zu Deutschland.

Lusitanien (port.: Lusitânia / lat.: Lusitania) wurde ursprünglich von dem Volk der Lusitaner bevölkert. Ursprünglich lebten die Lusitaner im heutigen Zentralportugal, zwischen dem Fluss Douro im Norden und dem Fluss Tejo im Süden.
Etwa um 700 v. Chr. dehnen die Lusitaner ihr Machtbereich bis an die heutige Algarve aus.
Um etwa 200 v. Chr. erobern die Römer die Iberische Halbinsel, und machen das westliche Gebiet der Halbinsel zu ihrer Provinz Hispania Ulterior, die in etwa das heutige Staatsgebiet Portugals und die heutigen spanischen Provinzen Extremadura und Salamanca umfasste.

Die Eroberung Lusitaniens war für die Römer alles andere als leicht. Sie mussten schwere Verluste über die Jahrzehnte hinnehmen.
Vor allem der lusitanische Anführer Viriato machte den Römern oftmals das Leben schwer. Erst als Viriato, der heute als Urvater aller Portugiesen gilt, von drei seiner eigenen Leuten verraten wurde, konnten die Römer im Jahre 139 v. Chr. Lusitanien endgültig erobern.

Die große römische Provinz Hispania Ulterior wurde nach der endgültigen Eroberung in zwei kleinere Provinzen unterteilt, im Südosten in die Provinz Hispania Baetica und im Nordwesten in die Provinz Lusitania.
Die Hauptstadt Lusitaniens wurde Emerita Augusta, das heutige Mérida in Spanien.
Andere wichtige Städte der römischen Provinz Lusitania waren Olissipo (port.: Lissabon), Ebora (port.: Évora), Myrtilis (port.: Mértola), Salacia (port.: Alcácer do Sal), Aeminium (port.: Coimbra), Balsa (port.: Tavira) und Pax Julia (port.: Beja).

Lusitanien war für die Römer eines ihrer wichtigsten Provinzen. Große Metallvorkommen, die leicht durch den Tagebau gewonnen werden konnten, waren das hauptsächliche Gut dieses Territoriums.
Vor allem Gold, Kupfer und Silber kamen in Lusitania, verhältnismäßig, in großen Mengen vor.

Um das Jahr 410 n. Chr. verlieren die Römer Lusitanien an die Sueben. Aber auch nach den Römern behält das Gebiet weiterhin den Namen Lusitania.
Nach den Sueben kamen die Mauren.
Erst mit der Vertreibung der Mauren, der Gründung der Grafschaft „Portucale“ und der christlichen Reconquista im 11. und 12. Jahrhundert, setzte sich der Name Portugal durch.

Aber auch wenn heute Lusitanien offiziell Portugal genannt wird, so gehen viele, heute noch von uns Portugiesen benutzte Bezeichnungen, auf das ursprüngliche „Luso“ zurück.

Hier ein paar Beispiele, wobei ich das portugiesische Wort „Lusitanien“ im Verhältnis zum deutschen Wort „Germanien“ als Beispiel verwende:

• lusitantismo – Lusitantismus = Portugalismus, vergleichbar mit „Germanismus“
• lusitânico – lusitanisch = portugiesisch, vergleichbar mit „germanisch“
• lusitanidade – lusitanisch = portugiesisch, vergleichbar mit „germanisch“
• lusitanizar – lusitanisieren = portugiesisieren, vergleichbar mit „germanisieren“
• lusitano – Lusitaner = Portugiese, vergleichbar mit „Germane“
• lusofonie – Lusophonie, vergleichbar mit „Germanistik“ (Sprache!)
• lusófilo – Lusofon = Portugiesenfreundlich, vergleichbar mit „Germanenfreundlich“
• lusofobo – Lusitanierfeindlich = Portugiesenfeindlich, vergleichbar mit „Germanenfeindlich“
• lusofóbia – Lusophobie = Portugiesenfeindlichkeit, vergleichbar mit „Germanenfeinlichkeit“
• luso – vergleichbar mit „Germane“ oder wenn die Sprache betreffend „germanisch“
• luso-africano – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Afrikaner
• luso-árabe – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Araber
• luso-alemão – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Deutschen
• luso-brasiliero – so nennt man eine Mischung zwischen einem Portugiesen und einem Brasilianer

usw. usw.

Von Lusitanien und den Lusitaner ist, außer dem Wissen das es dieses Reich und dieses Volk einmal gab, heute nicht mehr viel vorhanden.
Ein paar Höhlen, die zu rauen Zeiten mal bewohnt waren, und ein paar eingravierte Steine, die man heute noch auf offenem Feld bestaunen kann, ist alles was von diesem sagenumwobenen Volk der Lusitaner und ihrem Reich Lusitanien übrig geblieben ist.

Dienstag, 30. August 2011

Ponte 25 de Abril


In meinem Beitrag „Mautgebühren“, welches ich am 11. Juli 2011 gepostet habe, schreibe ich über die Mautgebühren der imposanten „Ponte 25 de Abril“ (dt.: Brücke des 25. April), die majestätisch die beiden Ufer des Tejo, und somit Lissabon und Almada, miteinander verbindet.

Als die United States Steel Export Company, aus New York, zusammen mit 16 anderen Firmen am 06. August 1966, nach vierjähriger Bauzeit und somit ein halbes Jahr vor dem geplanten Bauende, die große Brücke über den Tejo fertig gestellt hatte, war sie die längste Hängebrücke (port.: Ponte Suspensa) Europas.
Noch heute ist sie, nach der Tsing-Ma-Brücke in China, die zweitlängste Hängebrücke der Welt, die Straßen- und Eisenbahnverkehr miteinander kombiniert.

Mit dem Bau der Brücke erfüllten sich die Lissabonner einen Jahrhundertalten Traum. Die Warterei auf die Auto- und Personenfähren, die bei Nebel, starkem Wind und schwerem Seegang oft den Dienst einstellten, hatte ein Ende.
Auch war man nicht mehr auf die 30 km weiter im Norden liegende Brücke Ponte Marchal Carmona in Vila Franca de Xira angewiesen, um in den Süden des Landes zu gelangen.

Zuerst taufte man die Brücke auf den Namen „Ponte Salazar“, nach dem Mann, der sie bauen ließ, nämlich den Diktator António de Oliveira Salazar.
Diesen Namen verlor sie aber am 25. April 1974, als die Diktatur durch die Nelkenrevolution beendet wurde. Einige Zeit lang nannte man sie nur noch die „Ponte sobre o Tejo“ (dt.: Brücke über den Tejo). Ich selber nenne sie heute noch so.
Aber die neuen revolutionären Machthaber hatten alsbald die Anonymität des technischen Wunderwerkes leid, und gaben ihr den weniger originellen Namen „Ponte 25 de Abril“ (dt.: Brücke des 25. April).

Sie ist aus purem Stahlbeton, überspannt freitragend eine Distanz von 1013 Metern, ihre gesamte Länge beträgt stolze 2278 Meter.
Zwei 190 Meter hohe Pylone, deren Fundamente 82 Meter unter dem Meeresspiegel verankert sind, tragen die Fahrbahnen, die den Tejo in einer Höhe von 70 Metern überqueren. Insgesamt waren 3.022 Arbeiter an ihrem Bau beteiligt. Vier Arbeiter starben während der vierjährigen Bauzeit.
Die Baukosten betrugen damals 2,2 Milliarden Escudos, was umgerechnet auf heute, an die 160 Millionen Euro wären.

Die Brücke ist formschön, überhaupt nicht monströs und durch ihre rötliche Pastellfarbe wirkt sie für den Betrachter fast schwerelos, so als ob sie über Lissabon schweben würde.
Unter den Fahrbahnen liegt ein Eisenbahndeck mit zwei Schienensträngen, die zwar schon beim Bau der Brücke berücksichtigt, aber erst im August 1999 fertig gestellt wurden.

Die Ortschaften am Südufer des Tejo, wie Almada, Seixal, Montijo und Setúbal, die bis dahin ein regelrechtes Dornröschenschlaf durchlebten, begannen nach dem Bau der Brücke, am 05. November 1962, sprunghaft an zu wachsen.
Noch heute sind ein großer Prozentsatz der rund 23 Millionen Fahrzeuge die jährlich die Brücke überqueren, Pendler aus dem Süden, die in Lissabon ihrer Arbeit nachgehen.
Zu Spitzenzeiten überqueren ca. 7.500 Fahrzeuge pro Stunde die Tejobrücke, pro Tag sind das an die 180.000 Fahrzeuge. Außerdem verbinden ca. 160 Zugverbindungen jeden Tag die zwei Ufer des Tejo.

Wenn man von Almada mit dem Auto in Richtung Hauptstadt fährt, hat man eine wunderschöne Aussicht.
Lissabon liegt einem fast zu Füßen, wie ein aufgeblättertes Buch, riesengroß und glänzend weiß.
Im Osten kann man die Alfama sehen, mit der Burg Castelo de São Jorge.
Etwas weiter westlich erkennt man die Baixa und in Fahrtrichtung erkennt man die Amoreirastürme.
Im Westen liegt Belém, ausschwingend bis zur Torre de Belém und dem Denkmal der Entdeckungen.

Der Ausblick den man von der Brücke hat, soweit man nicht nur Augen für den Verkehr hat, lässt einen alle Beschädigungen und hausgemachten Infernos die es jeden Tag in Lissabon und Almada gibt, vergessen.
Von den Fahrbahnen der „Ponte 25 de Abril“ hat man einen der schönsten Fernblicke, die ich kenne.

Montag, 29. August 2011

Egas Moniz


Egas Moniz, der den Beinamen „o Aio“ trug und Herr von Ribadouro war, erblickte im Jahre 1080 das Licht der Welt.
Er war der Sohn von Monio Hermígues und dessen Gattin Ouroana.
Egas Moniz entstammte einer der edelsten, reichsten und mächtigsten Familien der Grafschaft Portucale, die ursprünglich aus der Provinz Entre-Douro-e-Minho herstammte.
Die Familie war so angesehen, das der Graf von Portucale, Henrique de Borgonha, seinen ältesten Sohn Afonso Henriques in die Obhut von Egas Moniz gab, damit dieser ihn erziehen und ritterlich ausbilden möge.
Mit seinen zwei Brüdern Ermígio und Mendo gehörte er ab 1106 zum engsten Kreis am Hofe des Grafen von Portucale.
Der Erziehung des zukünftigen Königs von Portugal verdankt Egas Moniz auch seinen Beinamen „o Aio“ (dt.: „der Hauslehrer“).
Von frühester Zeit an sollte Egas Moniz zum wichtigsten persönlichen Freund und militärischen Berater des jungen Afonso Henriques werden.

Aus der Kindheit und der frühesten Jugend von Egas Moniz ist so gut wie nichts bekannt.
Man weiß heute, dass er im Jahre 1109, im Alter von 29 Jahren, zum ersten Mal heiratete.
Mit seiner Gattin Dórdia Pais de Azevedo hatte er fünf Söhne – Lourenço, Afonso, Mem, Rodrigo und Hermígio.

Als im Jahre 1127 Afonso VII König von Kastilien und Léon (port.: Castela e Leão) wird, erklärt er sich eigenmächtig zum König der gesamten Iberischen Halbinsel (port.: imperador de toda a Hispânia).
Er forderte von allen Edelleuten des Königreiches die Lehnsherrschaft und den absoluten Gehorsam.
Aber Afonso Henriques, der zukünftige Graf von Portucale (port.: Condado Portucale), weigerte sich als einziger Edelmann Afonso VII, seinen eigenen Vetter, als König anzuerkennen.

Im Alter von nur 20 Jahren besiegt Afonso Henriques am 24.06.1128, in der Schlacht von São Mamede, in der Nähe von Guimarães, seine eigene Mutter Teresa, die eigentliche Herrscherin der Grafschaft und treue Anhängerin des kastilischen Königs, und erklärt sich selbst zuerst zum Grafen von Portucale und später zum König von Portugal.

Es kam, wie es kommen musste – alsbald führten Afonso Henriques und Afonso VII Krieg gegeneinander.
Die Schlacht von Valdevez brachte aber für beide Seiten kein eindeutiges Ergebnis.

Afonso Henriques zog sich mit Egas Moniz und seinem Clan und den Oberhäuptern der sieben anderen einflussreichsten Familien der Grafschaft Portucale nach Guimarães, der Hauptstadt, zurück.
Neben der Familie Moniz gehörten damals zu den mächtigsten Adelsfamilien des portugiesischen Reiches die Familien da Maia, de Sousa, de Baião, de Lanhoso, da Silva, Guedeão und de Bragança.

Nach der Schlacht von Valdevez belagerte der kastilische König die Burg von Guimarães und setzte Afonso Henriques unter Druck.
Dieser ließ Afonso VII ausrichten, das er lieber sterben würde, als sich diesem zu ergeben und ihm Treue zu schwören.

Darauf hin wurde Egas Moniz zu König Afonso VII gesandt, um mit diesem ein Friedensvertrag, bei dem jede Partei ihr Gesicht wahren sollte, auszuhandeln.

In diesem Friedensvertrag erkennt Afonso Henriques den kastilischen König als Lehnsherren an und verpflichtet sich, auch im Namen seiner Männer, Afonso VII treu ergeben zu sein.
Als Gegenleistung verpflichtet sich Afonso VII die Belagerung zu beenden.
Afonso VII akzeptiert die Lehnsbereitschaft seines Vetters, und nachdem Egas Moniz mit seinem Wort für die Einhaltung dieses Vertrages im Namen Afonso Henriques bürgt, beendet der kastilische König die Belagerung von Guimarães.

Aber noch nicht einmal ein Jahr später, als Afonso Henriques die weiter südlich gelegene Stadt Coimbra zur neuen Hauptstadt des Königreiches ernennt, vergisst er sein zuvor gegebenes Versprechen und fällt über Galizien her.
Bei der Schlacht von Cerneja, in Jahre 1137, geht er als Sieger hervor.

Als Egas Moniz sieht, das sein König und Herr Afonso Henriques gegenüber dem kastilischen König sein Wort bricht, begibt er sich mit seiner gesamten Familie, alle barfuss und in Büßergewänder gehüllt, nach Toledo, an den Hof von Afonso VII.
Dort gibt er sein Leben, das seiner zweiten Gattin Teresa und das seiner vier jüngsten Kinder Dórdia, Soeiro, Elvira und Urraca in die Hände König Afonso VII.

Der kastilische König ist von dem Mut und von der Demut Egas Monizes so beeindruckt, das er diesen begnadigt und wieder nach Portugal ziehen lässt.
Aber auch der portugiesische König ist von dem Verhalten Egas Moniz so angetan, das er diesen mit Ländereien hoch belohnt.
Bis an sein Lebensende wird Egas Moniz an der Seite des portugiesischen Königs stehen.

Als er im Jahre 1146 stirbt, wird er im Kloster Paço de Sousa (port.: Mosteiro de Paço de Sousa), in einem reich verzierten Grabmal, der noch heute besichtigt werden kann, beigesetzt.

Sonntag, 28. August 2011

Ein wahrer Zaubergarten






An der Nordwestecke des Stadtparks Parque Eduardo VII, der 1903 anlässlich eines Staatsbesuches des englischen Königs Edward VII angelegt wurde, liegt die „Estufa Fria“.

Zwischen der Alameda Engenheiro Edgar Cardoso und der Alameda Cardeal Cerejeira liegt diese 1,5 Hektar große grüne Oase.
Die Anlage wird in drei Bereiche unterteilt: in die Namengebende Estufa Fria (dt.: Kaltes Gewächshaus), in die so genannte Estufa Quente (dt.: Warmes Gewächshaus) und in die Estufa Doce (dt.: Süßes Gewächshaus).

Die Estufa Fria, die mit ca. 8.100 m² der größte Bereich der Anlage ist, wird deshalb Kaltes Gewächshaus genannt, weil hier, im Gegensatz zu den anderen Gewächshäusern, kein Wärmesystem benötigt wird, um die vielen exotischen Pflanzen, wie Azaleen (port.: azáleas / lat.: Rhododendron spp.) und Kamelien (port.: cameleiras / lat.: Camellia japonica), artgerecht zu halten.
Die Estufa Quente allerdings braucht das schon erwähnte Wärmesystem, denn hier muss tropische Wärme herrschen, damit Pflanzen wie der Kaffeestrauch (port.: cafeeiro / lat.: Coffea sp.) und der Mangobaum (port.: mangueira / lat.: Mangifera indica) richtig gedeihen können.
In der Estufa Doce, dem kleinsten Gewächshaus, herrscht ein sehr trockenes Klima. Hier können Kakteen und kaktusähnliche Pflanzen, wie Aloes, prächtig wachsen.

Das es diesen wunderbaren Platz heute mitten in Lissabon gibt, haben wir einzig und allein einem einzelnen Mann zu verdanken.
Als nämlich Ende des 19. Jahrhunderts die Stadtverwaltung von Lissabon in einem alten Basaltsteinbruch ein Depot errichtete, dessen Aufgabe es war, die Bäume und Pflanzen die für die Bepflanzung der neu gebauten Avenida da Liberdade bestimmt waren,zu beherbergen, nahm sich der Stadtgärtner Manuel de Braga der liebevollen Pflege der Pflanzen in diesem Depot an.
Mit den Jahren wurde die Avenida bepflanzt und alsbald blieben einige Pflanzen im Depot zurück, als die Avenida da Liberdade bereits voller exotischer Bäume und Pflanzen war.
Da Manuel de Braga es nicht übers Herz brachte die übrig gebliebenen Pflanzen zu vernichten, richtete er mit der Zeit den alten Steinbruch her und mit den Jahren wuchsen diese zu stattlichen, prächtigen Exemplaren heran.

Um etwa 1920 bekam das alte Depot, welches bis dahin unter freien Himmel stand, ein Dach aus Holzbrettern.
Erst 1930 beschloss die Stadtverwaltung aus dem Depot ein Gewächshaus zu machen. Und so wurde Raul Carapinha, seines Zeichen eigentlich malender Künstler, damit beauftragt Zug um Zug aus dem alten Steinbruch ein gärtnerisches Paradies zu machen. Zuerst malte er eine phantastische, blühende Tropenlandschaft an die Wände, dann setzte er seine Träume mit Manuel de Brage in die Wirklichkeit um.
1933 wurde die Estufa Fria dann feierlich eingeweiht.

Nach einer zweijährigen Umbauzeit wurde die Estufa Fria im April 2011 wieder eröffnet. Im Gegensatz zu früher ist sie jetzt wesentlich heller, da sie eine neue Dachkonstruktion erhalten hat. Das alte Dach drohte nämlich einzustürzen.
Dank eines ausgeklügelten Gittersystems, das die Anlage seitlich und nach oben abschließt, bekommt das ganz große Treibhaus wie früher eine gleichmäßige Temperatur.
Alles wächst und blüht hier, alles riecht sinnverwirrend, fremd und tropisch.
Naturbelassene Wege, kleine Treppchen führen an Grotten und Wasserfällen vorüber, und rote Goldfische schwimmen in weiß blühenden Lotusteichen.

Von einem Aussichtsgang fast unter der Decke, der wie ein Wehrgang in einer alten Burg aussieht, blickt man auf brasilianischen Regenwald, auf riesige Baumfarne, mit Palmen dazwischen, reifenden Bananen, und immer auf blühende Sträucher und seltsame Blumen. Die fremden Pflanzen, mit den schwierigen Namen die man kaum aussprechen kann, kommen unter anderem aus China und Japan, aus Korea und Australien, aus Südamerika, von den Antillen und aus Mexiko.
Etwa insgesamt 180 verschiedene Pflanzen und Bäume aus aller Welt haben hier ein neues Zuhause gefunden.

Angenehm kühl ist es in der Estufa Fria alle mal.
Deshalb finden hier hin und wieder auch Theateraufführungen, Ausstellungen und Antiquitätensammlungen statt.

Es ist kaum zu glauben, dass dieser Zaubergarten den wir heute vor uns haben, durch die Liebe und Hingabe eines einzelnen Mannes entstanden ist, der wohl nicht einen, sondern eher zwei grüne Daumen hatte.

Samstag, 27. August 2011

Feira da Ladra


Heute Morgen habe ich die Feira da Ladra (dt.: Markt der Diebin), den Lissabonner Flohmarkt, besucht.
Erstanden habe ich dieses Mal zwar nichts, aber ich gehe auch nicht in erster Linie auf den Lissabonner Flohmarkt um dort unbedingt etwas zu kaufen, sondern um in die typische und pittoreske Atmosphäre zu tauchen, die es dort gibt.
An Markttagen ist die Feira da Ladra nämlich eine Insel der Farben, überfüllt, laut, malerisch und liebenswert.

Wer glaubt dieser Trödelmarkt wäre eine Erfindung aus jüngster Zeit, etwa aus Hippietagen, der irrt sich gewaltig.
Im Gegenteil, die „Feira da Ladra“ ist der älteste noch heute existierende Markt im Lissabonner Raum.
Seinen Ursprung hat der Markt im Mittelalter, so um das Jahr 1185 herum, etwa zu einer Zeit also, als Portugal als Nation geboren wurde.
Damals hieß er zwar noch nicht „Feira da Ladra“, sondern „Mercado Franco de Lisboa“ („Freier Markt von Lissabon“) und war ein ganz normaler Wochenmarkt, aber genauso wie heute, konnte man dort schon feilschen und so manches Schnäppchen preiswert erstehen.

Seinen ersten Standort hatte der Markt an der Südmauer der Lissabonner Burg, an einem Platz der heute noch „Chão da Feira“ (dt.: „Marktgelände“) genannt wird.
Abgehalten wurde der Markt damals ein Mal pro Woche, nämlich immer Dienstags. Dieser Wochentag hat sich bis heute erhalten!
Doch König João I wurde das wöchentliche Getriebe vor seiner Haustür wohl zu laut, und damit begannen die Umzüge der Feira.

Der Markt zog um 1430 zuerst zum Hauptplatz Rossio, und dort blieb er auch bis zum verheerenden Erdbeben von 1755.
Nach dem großen Erdbeben, als man daran ging die Stadt und somit auch den Rossio, wiederaufzubauen, zog der Markt im Jahre 1809 zur Praça da Alegria.

Aber auch hier an diesem Platz blieb der Markt nicht für lange Zeit. Als sich der Marques de Castelo Melhor in seinem nahen Palácio do Cadaval von dem lauten Marktgeschrei belästigt fühlte, musste der Markt am 02. Februar 1823 erneut umziehen, diesmal zum Campo de Sant´Ana, genau dahin, wo sich heute die Deutsche Botschaft befindet.

Nach starken Protesten der Marktleute, die sich über die unmöglichen Bedingungen und den Platzmangel auf dem Campo de Sant´Ana beschwerten, zog der Markt, nach noch nicht einmal einem halben Jahr, wieder zur Praça da Alegria zurück.
1835 zog der Markt erneut in den Campo de Sant´Ana um, wo er, jetzt da der Platz erweitert worden war, 47 Jahre blieb.

Im Jahre 1882 zog der Markt in den Campo de Santa Clara um, an den Ort, an dem er heute noch jede Woche abgehalten wird.
Hier, zwischen dem nüchternen Kloster São Vicente de Fora und der schneeweißen Kirche Santa Engracia, dem heutigen Pantheon, entwickelt sich der Markt auch von einem gewöhnlichen Wochenmarkt zu dem Trödelmarkt der er heute ist.
Und erst hier erhält er dann auch den Namen unter dem er noch heute bekannt ist, „Feira da Ladra“.

„Feira da Ladra“ heißt ins deutsche übersetzt so viel wie „Markt der Diebin“. Der Name dieses Flohmarktes spielt auf die Tatsache hin, dass hier oftmals Diebesgut zum Verkauf angeboten wurde und leider noch heute angeboten wird.
Übrigens verdankt der deutsche Begriff „Flohmarkt“ seinen Namen den spätmittelalterlichen Kleidergaben der Fürsten an das einfache Volk. Einmal dem Volk überlassen, wurde mit diesen Kleidungsstücken auch gehandelt. Dabei wechselte der eine oder andere „Floh“ den Besitzer.

1903 genehmigt die Lissabonner Stadtverwaltung den Markthändlern einen zusätzlichen Verkaufstag auf dem Markt.
Zu dem traditionellen Dienstag, der schon seit dem 12. Jahrhundert existiert, kommt nun auch der Samstag dazu.

Ein Besuch der Feira da Ladra an einem dieser zwei Wochentagen ist allemal ein Erlebnis.
Alles Aussortierte, Weggeworfene und leider auch oftmals Gestohlene, wird hier feilgeboten.
Ich habe heute z.B., unter anderem zusammengeklebte Vasen, Sturmlampen für Fischerboote, abgelegte Heilige, alte Ölschinken, kitschig bemalte Teller, Bruchstücke von Azulejos, verbogene Briefbeschwerer, originelle Hüte und selbst verrostete Betten gesehen, die zum Verkauf standen.

Wenn man viel Zeit hat und sehr viel Glück hat, findet man zwischen all diesem Trödel noch die eine oder andere kleine Kostbarkeit.
Sammler origineller Dinge werden zweifellos ihre Freude an der „Feira da Ladra“ haben.

Freitag, 26. August 2011

Eselsohren: „A vida louca dos Reis e Rainhas de Portugal”


Als meine Familie diesen Sommer hier in Portugal Urlaub gemacht hat, habe ich von meiner lieben Schwester Carla das Buch „A vida louca dos Reis e Rainhas de Portugal“ (dt.: „Das verrückte Leben der Könige und Königinnen Portugals“) geschenkt bekommen.

Da ich von Hause aus Monarchist bin, hat mich der Titel dieses Buches von Anfang an sehr neugierig gemacht.
Die Autoren Raquel Oliveira, Sónia Trigueirão und Orlando Leite geben einem, durch ihre originelle und lockere Schreibweise, einen etwas anderen Blickwinkel der portugiesischen Monarchen in ihrer jeweiligen Zeit.

Da wird von liebestollen Königen und Königinnen geschrieben, die eine Affäre nach der andren hatten, genauso wie von Königen und Königinnen die ihrem Ehepartner bis an ihr Lebensende treu waren.
Wir lernen gekrönte Häupter kennen, die korrupt, verschlagen, fanatisch, tyrannisch, rachesüchtig und ohne Skrupel waren, genauso wie welche die treu, aufopfernd, ehrlich, friedliebend und ihrem Volk ergeben waren.

Selten hat man die Gelegenheit ein Buch zu lesen, in dem nicht nur geschichtliche Fakten wiedergegeben werden, sondern auch über das Menschliche - mit all seinen Facetten – so ausführlich und humorvoll berichtet wird.

Die drei Buchautoren Raquel Oliveira, Sónia Trigeirão und Orlando Leite, die alle eigentlich Journalisten sind, haben mit viel Hingabe und mit einer detailtreuen Schreibweise ein wunderbares Buch geschrieben, das sich leicht und zügig lesen läst und einem die kleinen versteckten Geheimnisse der Geschichte offenbart.

Man muss keinesfalls Monarchist sein, um Gefallen an diesem Buch zu finden!
Im Gegenteil: dieses Buch erweitert einem den literarischen Horizont ungemein, wenn man an portugiesischer Geschichte interessiert ist!

Erschienen ist „A vida louca dos Reis e Rainhas de Portugal“ diesen Sommer im Marcador-Verlag.

Donnerstag, 25. August 2011

Auf sieben Hügel erbaut


Wer Lissabon zum ersten Mal einen Besuch abstattet, ist überrascht wie Hügelig die Stadt in Wirklichkeit ist.
Man hat im Allgemeinen keine Vorstellung über die erheblichen Höhenunterschiede Lissabons, bis man zum ersten Mal die Straßen der Hauptstadt durchläuft.
Viele Besucher schauen auf einen Stadtplan und meinen Lissabon wäre wohl ebenso platt wie das Blatt Papier das sie vor sich haben.
Aber Lissabon ist alles andere als eben und platt!

Lissabon ist ursprünglich, genauso wie Rom, auf sieben Hügeln (port.: sete colinas) erbaut worden.
Natürlich sind, mit den Jahrhunderten, aus den ehemals sieben Hügeln viele, viele mehr geworden, denn die Stadt breitete sich mit ihrem weißen Häusermeer unaufhörlich aus, und viele vormals nicht bewohnte Erhebungen wurden mit der Zeit besiedelt.

Die ursprünglichen sieben Hügel Lissabons sind:

• Colina de São Jorge (auch als Colina do Castelo bekannt)

• Colina de São Vicente

• Colina de Sant´Ana

• Colina de Santo André (auch als Colina da Graça bekannte)

• Colina das Chagas

• Colina de Santa Catarina

• Colina de São Roque

Auch wenn es etwas anstrengend ist Lissabon, dank seiner Hügel, zu Fuß zu entdecken, sollte man sich dennoch den Genuss durch die Stadt zu laufen, doch nicht nehmen.
Außerdem haben die Hügel auch etwas ganz Besonderes an sich: ein jeder hat einen oder mehrere schöne Miradouros (dt.: Aussichtspunkte), von denen man einen atemberaubenden Blick über die Stadt genießen kann.

Genießen sie in vollen Zügen!

Mittwoch, 24. August 2011

Brás Cubas


Im Dezember 1507, das genauere Datum ist nicht bekannt, wurde in der portugiesischen Stadt Porto den Edelleuten João Pires Cubas und Isabel Nunes ein Sohn geboren, welches sie auf den alten portugiesischen Namen Brás tauften.

Nachdem er die seinerzeit übliche Erziehung eines jungen Mannes aus gutem Hause genossen hatte, heuerte er 1531, im Alter von 24 Jahren, beim Seefahrer Martim Afonso de Sousa an, und begleitete diesen auf seiner damaligen Expedition nach Brasilien, in die heutige Region der Stadt Santos im Bundesstaat São Paulo.

Er erhielt von Martim Afonso de Sousa, dem Begründer der Stadt São Vicente, Ländereien (port.: sesmarias) auf der Insel gleichen Namens, um diese landwirtschaftlich zu bearbeiten.
Brás Cubas ließ Zuckerrohr auf riesigen Plantagen anbauen, und widmete sich fortan der Zuckerproduktion. Man kann sagen, dass er der erste Landwirt der neuen Welt war.
Mit der Zeit wurde er der größte Grundbesitzer der „Baixa Santista“, einer Region die heute einen großen Teil des Gebietes um die Stadt Santos ausmacht, von São Paulo bis nach Guarujá.

Er gründete, unweit der Stadt São Vicente, einen Hafen, eine Kapelle und 1543 ein Krankenhaus, das den Namen Santa Casa de Miséricordia de Todos-os-Santos erhielt und das heute das älteste Krankenhaus Amerikas ist.
All diese Bauten waren die Keimzelle der heutigen Stadt Santos und Brás Cubas gilt somit als Begründer der Stadt.

1545 wurde er zum Capitão-mor (dt.: Hauptkapitän) von São Vicente ernannt, was dem heutigen Posten eines Bürgermeisters gleichkommt.
Sechs Jahre später, 1551, machte ihn König João III zum Vorsteher und Zahlmeister der Region.
Auf seine Anweisung hin wurde im Jahre 1552 mit dem Bau der Festung Forte de São Filipe auf der benachbarten Insel Santo Amaro begonnen.
Brás Cubas wurde mit den Jahren einer der einflussreichsten, wenn nicht gar der einflussreichste Bürger, von Santos.

Im Jahre 1580 annektierte Spanien das portugiesische Königreich. König Filipe I tauschte im ganzen Reich die Verwaltungsangestellten und Beamten durch Leute seines Vertrauens aus.
Auch in der Region São Vicente musste Brás Cubas von seiner Rolle als Capitão-mor (dt.: Hauptkapitän) zurücktreten und sich auf seine Plantage zurückziehen.
Der Posten des Capitão-mor blieb aber in der Familie.
Sein Sohn Pedro Cubas wurde sein Nachfolger.

Brás Cubas starb im Jahre 1592 in Santos, der Stadt die er gründete und die er so sehr liebte.
Genauso wie sein Geburtsdatum, so ist auch sein genauerer Todestag für immer ein Geheimnis der Geschichte geblieben.

Dienstag, 23. August 2011

A Portuguesa


Am morgen des 05. Oktober 1910 hatten die Revolutionäre, die durch die Avenida da Liberdade in Richtung des Lissabonner Rathauses (port.: Câmara Municipal) marschierten um dort die Republik auszurufen, die Begleitung zweier Musikkapellen die unaufhörlich das Revolutionslied „A Portuguesa“ spielten.

Das Lied „A Portuguesa“ war damals Jahre zuvor von dem deutschstämmigen portugiesischen Komponisten Alfredo Keil komponiert worden (bitte lesen sie hierzu auch meinen gestrigen verfassten Beitrag „Alfredo Keil“).
Alfredo Keil komponierte dieses revolutionäre Lied nachdem England am 11. Januar 1890 Portugal ein Kriegsultimatum gestellt hatte.

Zu diesem Ultimatum kam es weil Portugal sich anschickte, die von England besetzten südafrikanischen kolonialen Gebiete Südafrika und Rhodesien teilweise zu annektieren, um die zwei portugiesischen Kolonien Angola, welches im Osten Afrikas lag und Moçambique, das wiederum im Westen des Kontinents lag, miteinander zu verbinden.
England konnte und wollte solche territorialen Ambitionen seines bis dahin eng befreundeten Allianzpartners Portugal nicht hinnehmen und stellte Portugal am 11. Januar 1890 besagtes Ultimatum.

Portugal musste schließlich nachgeben und sich aus den teilweise schon besetzten britischen Kolonialgebieten wieder zurückziehen. Dieses Nachgeben führte in der portugiesischen Bevölkerung, zumeist der Intellektuellen, zu einem Aufschrei und viele waren so aufgebracht, dass sie dieses Ultimatum sogar als eine offene Demütigung ansahen.

In diesem politisch hoch patriotischen Klima komponierte Alfredo Keil, er selbst ein Patriot durch und durch, damals sein Musikstück, welches er „A Portuguesa“ nannte.
Als er seinen Freund, den Dichter Henrique Lopes de Mendonça, darum bat den Text zu dem von ihm schon komponierten Lied zu schreiben, schrieb dieser ihm in einem Brief:

„Isso é uma tarefa terrível meu amigo. Compor versos para uma música já feita! Chama-se a isso andar o carro adiante dos bois. “

Was so viel heißt wie:

„Dies ist eine schreckliche Aufgabe die du da von mir verlangst mein Freund. Verse schreiben für ein schon geschriebenes Musikstück! Das ist ja so, als ob man den Wagen vor den Ochsen spannen soll.“

Nichtsdestotrotz schreibt Henrique Lopes de Mendonça einen dreistrophigen Text zur Komposition von Alfredo Keil.
Im April 1890 wird das revolutionäre Lied, das ursprünglich ein Lied gegen England ist, bereits in drei Lissabonner Theater gespielt.
Das Lied wurde schnell beliebt, da es den Patriotismus vieler Bürger ansprach.

Der Text der „A Portuguesa“ lautet wie folgt:

Heróis do mar, nobre povo,
Nação valente, imortal,
Levantai hoje de novo
O esplendor de Portugal!
Entre as brumas da memória,
Ó Pátria sente-se a voz
Dos teus egrégios avós,
Que há-de guiar-te à vitória!
Às armas, às armas!
Sobre a terra, sobre o mar,
Às armas, às armas!
Pela Pátria lutar!
Contra os canhões
marchar, marchar!

Desfralda a invicta bandeira
À luz viva do teu céu!
Brade a Europa à terra inteira:
Portugal não pereceu
Beija o solo teu jucundo
O oceano, a rugir d'amor,
E o teu braço vencedor
Deu mundos novos ao Mundo!
Às armas, às armas!
Sobre a terra e sobre o mar,
Às armas, às armas!
Pela Pátria lutar!
Contra os canhões
marchar, marchar!

Saudai o Sol que desponta
Sobre um ridente porvir;
Seja o eco de uma afronta
O sinal do ressurgir.
Raios dessa aurora forte
São como beijos de mãe,
Que nos guardam, nos sustêm,
Contra as injúrias da sorte.
Às armas, às armas!
Sobre a terra e sobre o mar,
Ás armas, às armas!
Pela Pátria lutar!
Contra os canhões
marchar, marchar!

Auf Deutsch lautet der Liedertext wie folgt:

Helden der Meere, edles Volk,
Tapfere, unsterbliche Nation,
Richtet heute wieder auf
die Pracht Portugals!
Aus den Nebeln der Erinnerung,
Oh Vaterland, ertönt die Stimme
Deiner ehrwürdigen Vorväter,
Die Dich zum Siege führen wird!
Zu den Waffen, zu den Waffen!
Über Land und über See,
Zu den Waffen, zu den Waffen!
Für das Vaterland kämpfen,
Gegen die Kanonen marschieren, marschieren!

Hisse die unbesiegte Flagge
Im lebendigen Licht Deines Himmels!
Rufe es Europa und der ganzen Welt zu:
Portugal ist nicht untergegangen!
Küsse den Boden, deinen heiteren.
Der Ozean, tosend von Liebe,
Und Dein siegreicher Arm
Hat neue Welten der Welt geschenkt!
Zu den Waffen, zu den Waffen!
Über Land und über See,
Zu den Waffen, zu den Waffen!
Für das Vaterland kämpfen,
Gegen die Kanonen marschieren, marschieren!

Grüßt die Sonne, die aufgeht
Über einer lachenden Zukunft;
Sei das Echo einer Beleidigung
Das Signal des Neubeginns.
Die Strahlen dieser kraftvollen Dämmerung
Sind wie die Küsse der Mutter,
Die uns schützen, uns stützen,
Gegen die Ungerechtigkeiten des Schicksals.
Zu den Waffen, zu den Waffen!
Über Land und über See,
Zu den Waffen, zu den Waffen!
Für das Vaterland kämpfen,
Gegen die Kanonen marschieren, marschieren!

Es dauerte nicht lange, und die verschiedensten Musikkapellen in Lissabon und in der Provinz fingen an, das Lied bei jeder Gelegenheit zu spielen.
Schnell machte die republikanische Bewegung, die eine starke Anglophobie propagierte, das Musikstück zu ihrem offiziellen Lied, welches sie bei den verschiedensten patriotischen Anlässen spielte und sang.
In der Originalfassung wurde damals, an der Stelle an der heute im Refrain „contra os canhões marchar, marchar“ (dt.: „gegen die Kanonen marschieren, marschieren“) gesungen wird, ursprünglich „contra os bretões marchar, marchar“ (dt.: „gegen die Briten marschieren, marschieren“) gesungen.

Trotz allem haben Alfredo Keil und Henrique Lopes de Mendonça später großen Wert darauf gelegt, dass ihr Werk nicht als Kriegslied dargestellt wird.
Für sie war „A Portuguesa“ lediglich ein patriotisches Lied, und nichts weiter.

Nach der republikanischen Revolution, am 05. Oktober 1910, wurde die erste Strophe der „A Portuguesa“ de facto zur portugiesischen Nationalhymne erklärt.
Noch nicht einmal ein Jahr später, am 19. Juli 1911, wird „A Portuguesa durch das Parlament de jure zur Nationalhymne des Landes erhoben.

Bis 1956 existieren verschiedene Versionen der Hymne, sowohl in Textform als auch in der Musik. Erst nachdem eine parlamentarische Kommission damit beauftragt wurde, die Nationalhymne zu überarbeiten, wurde eine offizielle Version am 16. Juli 1957 bekannt gegeben, die bis heute die Nationalhymne Portugals ist.
In der neuen demokratischen Verfassung von 1976 wurde die Nationalhymne unter dem Artikel 11, § 2 als nationales Symbol, angenommen.

Montag, 22. August 2011

Alfredo Keil


Alfredo Keil ist den meisten Portugiesen vor allem als Komponist der portugiesischen Nationalhymne bekannt.
Doch darüber hinaus war der Portugiese deutscher Herkunft aber auch ein exzellenter Maler, Fotograf, Archäologe, Schriftsteller, Komponist und Sammler.

Geboren wurde er als Alfredo Cristiano Keil am 03. Juli 1850 im Stadtpalast Palácio de Barcelinhos in Lissabon.
Er war der Sohn des aus Hannover stammenden Schneiders Johann Christian Keil und der Elsässerin Maria Josefa Stellpflug.

Sein Vater Johann besaß zwei Schneidereien in der Rua Nova do Almada, im Chiado, die ziemlich gut liefen.
So gut das er alsbald Hoflieferant wurde.
Zu seinen Kunden zählte nicht nur der ebenfalls aus Deutschland stammende Prinzgemahl und König Fernando II und die gesamte Aristokratie Lissabons, sondern alsbald auch das europäische Großbürgertum.
So kam Johann Christian Keil zu einem beträchtlichen Vermögen, der es ihm ermöglichte, seinen Sohn Alfredo eine vorzügliche Erziehung genießen zu lassen und renommierte Schulen zu besuchen.

Die erste Schule die Alfredo Keil besuchte war das Colegio de Santo António in Lissabon. Mit zehn Jahren wechselte er 1860 auf das Englische College „Colégio Britânico“ in der Rua Vale de Pereiro um.
Die Geschäfte des Vaters liefen so gut, das er als Kind sogar vom berühmten ungarischen Pianisten Osca de La Cinna Klavierunterricht erhielt.

Im Jahre 1869, im Alter von 19 Jahren, reiste Alfredo Keil mit seinen Eltern durch Europa.
Er besuchte Madrid, Paris, Genf, Zürich und das Land seines Vaters.
Dort, in Nürnberg (port.: Nuremberga) begann er ein Studium an der Königlichen Akademie der Schönen Künste, wo er unter dem Maler Wilhelm von Kaulbach seine ersten Malversuche startete.
Doch schon im nächsten Jahr, als der Deutsch-Französische Krieg (pt.: Guerra Franco-Prussiana) ausbrach, verließ Alfredo Nürnberg und kehrte in seine Heimatstadt Lissabon zurück.

Hier ging er bei renommierten Lehrern in die Schule.
So erhielt er bei Miguel Luppi Malstunden.
Seine musikalischen Lehrer waren António Soares und Ernesto Vieira.
Bei Joaquim Prieto erlernte er das zeichnen.

Diese Ausbildung zeigte Alsbald Früchte. Schon 1874 wurde Alfredo mit zwei Medaillen der Sociedade Promotora de Belas Artes (dt.: Gesellschaft zur Förderung der Schönen Künste) geehrt. Weitere Auszeichnungen sollten in den nächsten Jahren folgten.
Die größte Anerkennung für ihn als malender Künstler war damals aber der Verkauf seines Bildes „Sesta e Meditação“ (dt.: Mittagsruhe und Meditation), ein Gemälde das von König Luis I erworben wurde.

Mit 26 Jahren, im Jahre 1876, heiratete Alfredo Keil die junge Cleyde Maria Margarida Cinatti, Tochter des berühmten Bildhauers, Architekten und Bühnenbildners Giuseppe Luigi Cinatti.
Mit ihr hatte er vier Kinder, nämlich Joana Maria, die im Kindesalter starb, Paulo Henrique, Luis Cristiano und Guida Maria.

1883 wird seine erste Oper „Susana“ im Teatro da Trindade (dt.: Theater Trindade) Uraufführung.
Im Jahr darauf schreibt Alfredo die Kantate „Pátria“, ein weiteres Jahr später folgt sein symphonisches Gedicht „Uma Caçada na Corte“.
Im März 1888 hat seine zweite Oper „Dona Branca“ Prämiere. Sie wird ein voller Erfolg. Insgesamt 30 Mal wurde das Werk im Teatro São Carlos (dt.: Theater São Carlos) aufgeführt, im Jahr darauf sogar wiederholt.

Am 11. Januar 1890 geschieht ein politisches Ereignis, das in die portugiesischen Geschichtsbücher als „Traição de irmão“ (Bruderverrat) eingeht.
England, das bis dahin als portugiesischer „Bruder“ und Alliierter galt, stellt an diesem Tag dem Königreich Portugal ein Kriegsultimatum.

Portugal, das über Angola im westlichen Südafrika und Moçambique im östlichen Südafrika herrschte, war seit kurzem bestrebt beide Kolonien territorial miteinander zu verbinden.
Da Großbritannien Anspruch auf Südafrika und das nördlich davon liegende Rhodesien stellte, war es mit diesen portugiesischen Ambitionen überhaupt nicht einverstanden.
Beide Seiten pochten auf ihr Recht, was die Situation unweigerlich hochschaukelte.
Sie findet am 11. Januar 1980 ihren Höhepunkt mit dem schon erwähnten englischen Kriegsultimatum an das Königreich Portugal.

Man kann ohne weiteres behaupten, das dieses Ultimatum Portugal wie ein Schlag ins Gesicht traf, da man mit England, seit dem Jahr 1386 mit einer friedlichen Allianz verbunden war.
Wohl oder übel musste Portugal dem Ultimatum der Engländer nachgeben, denn einen Krieg konnte die Nation zu einem politisch sehr schwierigen Zeitpunkt wahrlich nicht gebrauchen.
Dieses Nachgeben führte in der portugiesischen Bevölkerung zu einem Aufschrei, denn man sah sich gedemütigt.
Zwei Regierungen mussten sogar wegen dieses Ultimatums zurücktreten.

Das Thema „Englisches Ultimatum“ hat damals auch viele Komponisten und Maler in ihrem künstlerischen Schaffen beschäftigt.
Einer von ihnen war Alfredo Keil.
Er fühlte sich durch dieses politische Ereignis inspiriert und komponierte ein patriotisches Musikstück, dass Jahre später, mit den Strophen des Dichters Henrique Lopes de Mendonça, mit dem Namen „A Portuguesa“ zur portugiesischen Nationalhymne werden sollte.

1893 bringt Alfredo Keil seine Oper „Irene“ im italienischen Turin heraus und im März 1899 hat seine Oper „Serrana“, die noch heute als beste portugiesische Oper gilt, in Lissabon Weltpremiere.

Aber er schrieb nicht nur Opern, sondern verfasste auch Fados, Polkas, Walzer und Klaviersonaten.
Er malte in seinem Leben mehr als 2.000 Gemälde, wovon die meisten Landschaftsmalereien waren.
Als Schriftsteller schrieb er mehrere Erzählungen und Romane, aber berühmt wurde er als Autor seines Buches „Breve História dos Instrumentos de Música Antigos e Modernos“ (dt.: Kurze Geschichte antiker und moderner Musikinstrumente).
Er sammelte während seines Lebens an die 500 Musikinstrumente, die heute im Musikmuseum (dt.: Museu da Música) von Lissabon ausgestellt werden.

Am 4. Oktober 1907, ironischer Weise genau drei Jahre vor dem Vorabend der republikanischen Revolution die seine „A Portuguesa“ zur portugiesischen Nationalhymne machte, stirbt Alfredo Keil mit 57 Jahren an den Folgen einer misslungenen Nierenoperation, der er sich in Hamburg unterzogen hatte.

Seine letzte Ruhestätte befindet sich heute auf dem Lissabonner Friedhof Cemitério dos Prazeres.

Samstag, 20. August 2011

Die zwölf von England


Die Geschichte, die ich heute hier in meinem Blog erzählen will, soll sich so tatsächlich in den Regierungszeiten von König João I von Portugal und von König Henry IV von England zugetragen haben.

Aber wie bei so vielen Geschichten von früher, ist auch diese wohl eine gelungene Kombination aus Wahrheit und Legende.
Es ist eine Geschichte die im Mittelalter spielt und die von zwölf mutigen Rittern (port.: cavaleiros) und von zwölf edlen Ladies handelt.
Bekannt wurde diese Geschichte hier in Portugal als „Os doze de Inglaterra“ (dt.: „Die zwölf von England“).

Die Geschichte geht in etwa so:

Zwölf junge Ladies, aus bestem englischem Hause, wurden auf das äußerste von zwölf, ebenfalls englischen, Edelmännern beleidigt, die ihre Ehrenwertigkeit anzweifelten und die tatsächlich behaupteten das die Damen den Titel einer Lady nicht verdienten.

Um ihre Ehre zu retten, baten die englischen Ladies ihre Freunde und Verwandte um Hilfe.
Aber alle verwehrten sie den Damen ihre Hilfe.
Da sie nicht mehr wussten, was sie noch tun sollten, um ihre Ehre wiederzuerlangen, beschlossen die zwölf Ladies dem König von England zu schreiben, damit er zwölf englische Ritter finden möge, die dann um die Ehre der Damen öffentlich kämpfen sollten.
Doch im ganzen Königreich meldete sich kein einziger Ritter freiwillig um für die Damen in den Kampf zu ziehen.

Da erinnerte sich König Henry IV von England, dass John of Gaunt, der Herzog von Lencaster (port.: João de Gant, 1.º Duque de Lencastre), Jahre zuvor Seite an Seite mit portugiesischen Rittern, in einem Krieg gegen das Königreich Kastilien gekämpft hatte.
Der Herzog von Lencaster hatte schon oft am Hofe von Henry IV von dem Mut und der Unerschrockenheit der portugiesischen Ritter berichtet und so beschloss der König John of Gaunt zu ersuchen, ob sich den in Portugal keine Ritter finden lassen würden, die bereit waren um die Ehre der englischen Ladies zu kämpfen.

Portugiesische Ritter, die dafür bekannt waren, im Gegenteil zu ihren englischen Brüdern, ein maßvolles und zurückhaltendes Leben zu führen, die Anstand, Würde, Wohlerzogenheit und Treue eindrucksvoll repräsentierten, galten damals als die edelsten in Europa.
Während wo anders in Europa, auch in England, damals Ritter meistens nichts weiter waren als Soldaten ihres Lehnsherren, waren sie Ende des 15. Jahrhunderts, hier am Rande Europas, Männer mit höfischen Umgangsformen und einem gesitteten und musischen Benehmen.

Für einen portugiesischen Ritter im Mittelalter gab es vier wichtige Regeln, die es galt einzuhalten:

• Frauen und Schwache zu beschützen
• für Gerechtigkeit zu sorgen
• das Vaterland zu lieben
• die Kirche zu verteidigen

Nach nur kurzer Zeit wurden im Königreich Portugal zwölf Ritter gefunden, die sich bereit erklärten im fernen England für die besagten Ladies in einem Turnier in Hampstead ihre Tapferkeit zu zeigen.

Diese zwölf Ritter waren:

• Álvaro Vaz de Almada, Graf von Avranches
• Álvaro Gonçalves Coutinho, genannt „O Grão Magriço“
• João Fernandes Pacheco
• Lopo Fernandes Pacheco
• Álvaro Mendes Cerveira
• Rui Mendes Cerveira
• João Pereira Agostim
• Soeiro da Costa
• Luís Gonçalves Malafaia
• Martim Lopes de Azevedo
• Pedro Homem da Costa
• Vasco Anes da Costa, genannt „Corte Real“

Als die zwölf englischen Ladies von dem Herzog von Lencaster erfahren hatten, wer die zwölf portugiesischen Ritter waren, schrieb jede von ihnen an einen der Ritter um diesen für ihren Mut im Voraus zu danken.
Gleichzeitig schrieben sie auch an König João I, um diesen für die Entsendung der edlen Ritter zu bitten.

So kam es, das sich eines Tages elf der Ritter, mit einem Segelschiff von Lissabon aus, auf den Weg nach England machten.
Einer der Ritter aber, Álvaro Gonçalves Coutinho, der den Beinamen „O Grão Magriço“ (dt.: „der lange Lulatsch“) trug, musste sich auf dem Landweg nach England machen, da er extrem Seekrank war.
Er versprach aber am verabredeten Tag des Turniers in Hampstead präsent zu sein.

Als der Tag des Turniers nun kam, stellten die elf anderen Ritter mit Schrecken fest, das ihr Freund und Mitstreiter noch nicht anwesend war.
Über fünf ganze Tage erstreckte sich das Turnier.
Die englischen Ladies und die portugiesischen Ritter sahen ihre Chancen am letzten Tag dahinschwinden, und befürchteten nun das Turnier gegen die Engländer zu verlieren.
Doch in letzter Minute tauchte Álvaro Gonçalves Coutinho auf, und konnte gegen den letzten englischen Edelmann, der für ihn als Gegner bestimmt war, antreten.
Er konnte das Turnier in Hampstead für sich und für seine Freunde entscheiden und somit die Ehre der englischen Ladies retten.

Nach dem gewonnenen Turnier wurden sie von König Henry IV feierlich empfangen, und von diesem mit einem rauschenden Fest belohnt.

Soweit die Geschichte, die sich so oder so ähnlich zugetragen haben soll.
Fakt ist, das die zwölf portugiesischen Ritter alle wirklich gelebt haben und das sie wirklich in England an einem Turnier in Hampstead, einem heutigen Stadtteil von London, gegen englische Edelleute erfolgreich teilgenommen haben.

Ein Fakt ist es allerdings auch, das das portugiesische Rittertum, mit all seiner Würde und Höfischkeit, nicht sehr lange andauerte.
Es wurden zwar später noch viele junge Männer nach festen Regeln und Anstand erzogen, doch die stolze Zeit der Ritter war damals in Portugal unwiederbringlich verloren.

Freitag, 19. August 2011

Serra da Estrela






In meinem vorhergehenden Beitrag „Alter Frauenkopf“ (port.: „Cabeça da Velha“), welches ich am 18.08.2011 veröffentlicht habe, berichte ich von einem der charakteristischen Felsen, den es in der Serra da Estrela (dt.: Sterngebirge) gibt.

Die wegen ihrer landschaftlichen Reize viel besuchte Serra da Estrela ist das portugiesische Hauptscheidegebirge, das höchste Gebirge des portugiesischen Festlandes und gleichzeitig als ehemalige Südgrenze des Königreiches Portugal historisch bedingt Trennlinie zwischen Nord- und des Südteil des Landes.
Sie erstreckt sich als mächtiger Granitrücken von etwa 100 km Länge und 30 km Breite von den Städten Guarda bis südlich von Coimbra.

Im Kerngebiet der Serra da Estrela befindet sich der 1976 gegründete Naturpark „Parque Natural da Serra da Estrela“, der mit einer Fläche von etwa 1.000 qkm nahezu das ganze Bergmassiv umfasst und damit das größte Naturschutzgebiet Portugals bildet.
In ihm kann man am besten die Steineichen, die Pyrenäen-Eichen und die imposanten Waldkiefernwäldern bewundern die für diese Gegend so charakteristisch sind.
Die Fauna hat, im Gegensatz zu einem deutschen Hochgebirge, wenig zu bieten.
Dennoch gibt es in den Tälern der Serra da Estrela eine stolze Population von Wildschweinen, Wildkatzen und Wölfen.

Mit ihren zahlreichen bizarr geformten Felsen, auch die schon erwähnte „Cabeça da Velha“ gehört dazu, mit ihren vieloen Schluchten, Bergbächen und Seen, den schönen Wäldern und den zahlreichen großartigen Ausblicken gehört die Serra da Estrela zu den bemerkenswertesten Naturschönheiten die Portugal zu bieten hat.
In der Serra da Estrela befindet sich die höchste Erhebung Festlandsportugals (port.: Portugal continental), die Torre da Estrela (dt.: Sternenturm), mit einer Höhe von 1.993 m über dem Meeresspiegel.
Andere wichtige Gipfel des Gebirges sind mit 1.928 m der Cantaro Magro und mit 1.916 m der Cantaro Raso.
Im Estrelagebirge entspringen zwei große Flüsse Portugals.
Der längste und wichtigste von ihnen ist der Mondego und der zweitlängste der Zêzere.

Auf den kahlen Höhen wird mit Schafen und Ziegen eine Weidewirtschaft betrieben und in den Tälern widmen sich die Menschen seit altersher der Wollverarbeitung.
Andere Wirtschaftsfaktoren, dieser doch eher kargen Landschaft, sind der wohlschmeckende Honig, die Produktion des berühmten Schafskäses Queijo da Serra da Estrela und natürlich der immer wichtiger werdende Tourismus.
Unweit des Naturparks befindet sich z.B. Portugals einziges Skigebiet.

Die wichtigsten Orte im Einflussbereich der Serra da Estrela sind die Städte Guarda, Manteigas, Gouveia, Covilhã, Seia, Belmonte und Celorico da Beira, alle über 500 m hoch gelegen.
Diese Städte sind, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, sehr sehenswerte Orte, die, wenn man die landschaftliche Schönheit des Gebirges als Rahmen mit einbezieht, einem einen unvergesslichen Besuch in dieser Region ermöglichen.

Donnerstag, 18. August 2011

Alter Frauenkopf


In der Serra da Estrela (dt.: Sterngebierge), dem Hauptbergmassiv des portugiesischen Festlandes, gibt es in der Serra da Peneda, einem Teilstück der Serra da Estrela, einen charakteristischen Felsen, der von den Einheimischen volkstümlich „Cabeça da Velha“ (dt.: „Alter Frauenkopf“) genannt wird.

Der Felsen wird so genannt, weil er wirklich wie der Kopf einer alten Frau aussieht.
Wie er zu seinem Namen kam, besagt eine alte Legende die ich gerne hier einmal erzählen will.

Die Legende besagt das in der Serra da Peneda ein wohlhabendes Fräulein lebte, mit dem Namen Leonor. Sie hatte keine Mutter und Vater mehr und lebte mit ihrem mächtigen und bösen adeligen Onkel Dom Bernardo zusammen.
Leonor war unsterblich in den jungen aber verarmten adeligen Afonso verliebt.
Die Liebe wurde von Leonors alter Amme Marta gedeckt, die die Beiden bei ihrer Romanze unterstützte und die ihnen sogar geschworen hatte sie niemals zu verraten, komme was da wolle. Sie hatte sogar zum jungen Paar gesagt, sie möge sofort zu Stein werden, wenn sie sie verraten sollte.

Eines Tages, kam die Amme Marta von einem Treffen mit Afonso, der ihr einen Liebesbrief für seine Angebetete Leonor mitgegeben hatte, als sie plötzlich von Dom Bernardo überrascht wurde.
Der alte Edelmann, der sehr misstrauisch war und auch schon vermutete das seine Nicht ihm etwas verheimlichte, zwang die arme alte Amme unter Androhung von Gewalt, im zu sagen wann sich Leonor das nächste Mal wieder mit ihrem Liebsten treffen wollte.
Dom Bernardo beschloss das Liebespaar bei ihrem nächsten Treffen zu überraschen und zu bestrafen.

Die Amme Marta begleitete die ahnungslose Leonor am nächsten Tag zu ihrem Liebestreffen mit Afonso.
Das junge Paar traf sich in der Serra da Peneda und die Amme blieb in kurzer Entfernung um Wache zu halten.
Als Leonor und Afonso ihre Liebesschwüre austauschten hörten sie erschrocken plötzlich Männerstimmen.

Sie gingen zu dem Platz an dem die Amme Marta eigentlich wache halten sollte.
Verwundert stellten aber Leonor und Afonso fest das Marta sich in einen riesigen steinigen Felsen verwandelt hatte.
Da begriffen die Beiden, dass sie von ihrer alten Amme verraten worden waren.

Da sie begriffen, dass sie in Gefahr waren, flohen sie in das nahe spanische Galizien und lebten dort glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Bei dieser Geschichte, die ich gerade erzählte habe, handelt es sich, wie schon erwähnt, um eine Legende, die wahre und natürlich unwahre Elemente besitzt.
Aber auch wenn die Legende nur solch eine ist, den charakteristischen Felsen gibt es wirklich!
Wenn sie das nächste Mal in der Serra da Estrela sind, dann überzeugen sie sich doch selbst.

Mittwoch, 17. August 2011

Barock in Lissabon






Das Wetter scheint endlich besser zu werden.
Nach einem mittelmäßigen Frühling und einem zu kalten Frühsommer lädt das Wetter jetzt zum baden am Meer, einem leckeren Eis in der nächsten Diele oder einem langen Spaziergang am Strand ein.
Wer dennoch nicht an den Strand fahren und lieber in der Hauptstadt seine freie Zeit verbringen will, der sollte diese mit etwas Kultur bereichern.

Architekturtechnisch kann man in Lissabon eine Menge entdecken und alle Kunstrichtungen bestaunen.
Der Kunststil der es mir besonders angetan hat, ist der Barock.
Auf dem Gebiet barocker Architektur steht in Portugal an erster Stelle natürlich der gewaltige Baukomplex des Klosterpalastes von Mafra (port.: Palácio e Convento de Mafra) der dem spanischen Vorbild des El Escorial folgend, innerhalb seiner Mauern ein königliches Schloss, eine Kirche und ein Kloster beherbergt.
Aber auch hier in Lissabon ist die barocke Kunst an vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bewundern.

Anbei eine kleine Aufzählung der wichtigsten barocken Monumente der Hauptstadt:

• Basílica da Estrela (dt.: Sternbasilika) – Diese strahlend weiße Kirche hat ihren Ursprung in einem Versprechen den die unglückliche Königin von Portugal, Maria I, die später geistig umnachtet in Rio de Janeiro starb, als junge Frau gab. Sie versprach eine Kirche zu errichten, wenn sie einen männlichen Nachfolger gebären sollte. Der liebe Gott muss ihre Gebete erhört haben, denn die Königin gebar, nach jahrelanger Kinderlosigkeit, im Jahre 1767 mit Infante João einen männlichen Thronfolger, den späteren João VI. Im Jahre 1776 legte man den Grundstein für die Kirche und 1779 begann Mateus Vicente, ein Architekt aus der renommierten Schule von Mafra, mit dem Bau der Basilika, die zwei Kirchtürme besitzt und eine wunderschöne Kuppel die Tageslicht durchfluten lässt. Nach dem Tode von Mateus Vicente, im Jahre 1786, baute seine Freund Reinaldo Manuel an dem Kirchengebäude weiter. 1789 wurde es feierlich eingeweiht. In einem Nebenraum der Basilika, befindet sich einer der größten und schönsten Weihnachtskrippen (port.: Presépio) Portugals. Die Krippe hat über 500 Figuren und wird dem Bildhauer Machado de Castro, der auch die meisten Statuen in der Basilika erschuf, zugeschrieben. Genau neben der Krippe, im rechten Querschiff, steht der schwarze Sarkophag mit den Gebeinen der königlichen Stifterin, die später aus Brasilien in die Kirche überführt wurden.

• Igreja de Santa Engrácia (dt.: Kirche Santa Engrácia) – Diese Kirche kann sich rühmen der erste sakrale Barockbau Portugals zu sein. In der Alfama, auf einem Hügel gelegen, ist sie weit über der Stadt sichtbar. Die Kuppel und das achteckige Innere verleihen dem Raum Großzügigkeit und Weite. Die Kirche ist mit verschiedenfarbigem Marmor ausgekleidet und mit kostbaren Materialien dekoriert. Es war brasilianisches Gold der diese Extravaganz ermöglichte. Heute ist die Kirche das Nationale Pantheon Portugals (port.: Panteão Nacional). Hier sind in großen marmornen Sarkophagen verschiedene portugiesische Persönlichkeiten, wie Humberto Delgado und Amália Rodrigues, beigesetzt.

• Igreja de São Roque (dt.: Sankt Rochuskirche) – Diese einschiffige Jesuitenkirche ist wohl die unscheinbarste und nüchternste der ganzen Stadt, jedenfalls von Außen. Denn von Innen wird man von der barocken verschwenderischen und prunkvollen Pracht mit der sie ausgeschmückt ist, fast erschlagen. Wertvolle Gemälde, verschiedenfarbiger Marmor, bunte Azulejos und vergoldete Holzschnitzereien (port.: telha dourada) machen diese Kirche zu einer der schönsten Portugals. Der Kirche angeschlossen ist das mit vielen Goldschmiedearbeiten, kostbaren Reliquienschreinen und wertvollen Kirchengewändern und Altardecken ausgestattete Museum für Sakrale Kunst (port.: Museu de Arte Sacra).

• Igreja do Menino Deus (dt.: Gotteskind-Kirche) – Diese in der Alfama, an dem Platz gleichen Namens, gelegene Kirche feierte vor einigen Monaten ihren 300sten Geburtstag. Obwohl die mit blau- und rosafarbenem Marmor ausgelegte Kirche, eines der schönsten Exemplare des Barocks in der Hauptstadt ist, ist sie den meisten Lissabonnern unbekannt. Im Jahre 1711 wurde mit ihrem Bau begonnen. Ihre Architekten waren die königlichen Baumeister João Antunes und Frederico Ludovice, der Erbauer des Klosterpalastes von Mafra. Da das Portal der Kirche in der Regel verschlossen ist, sollte man nicht gleich wieder gehen, sondern an die Haustür mit der Nr. 27 klopfen. Eine der dort lebenden 16 Nonnen des Ordens São José de Cluny (dt.: Heiliger Josef von Cluny) wird schon gerne aufschließen.

• Igreja da Madre de Deus (dt.: Kirche der Heiligen Mutter Gottes) – Diese Kirche gehört zum Kloster der Heiligen Mutter Gottes (port.: Convento da Madre de Deus), in dem heute das Nationale Kachelmuseum (port.: Museu Nacional do Azulejo) untergebracht ist. In diesem Museum ist die weltweit größte Kachelsammlung untergebracht. Mit dem Bau der Kirche und des Klosters wurde im Jahre 1509 im Auftrag der Infantin Leonor, einer Schwester von König Manuel I, begonnen. Die Kirche ist völlig mit Azulejos verkleidet und die wertvollen Gemälde sind mit vergoldeten Holzschnitzereien (port.: telha dourada) umrahmt, die fast jedes freie Fleckchen ausfüllen. Ein Besuch dieser Kirche ist nur in Kombination mit einem Besuch im Museum möglich.

Außerhalb von Lissabon kann man natürlich noch weitere barocke Schätze, wie z.B. den schon erwähnten imposanten Klosterpalast in Mafra, die wunderschöne Kirche der Kleriker (port.: Igreja dos Clérigos) in Porto und den königlichen Palast in Queluz (port.: Palacio Real de Queluz), bewundern, um hier nur drei Beispiele zu nennen.

Aber auch andere Kunststile können in Lissabon und dem übrigen Portugal bestaunt werden.
Leider ist aus der römischen und maurischen Zeit architektonisch so gut wie nichts mehr vorhanden.
Aber von der Romantik, über die Gotik, der urportugiesischen Manuelistik, der Renaissance, dem Klassizismus bis hinüber zur Moderne kann man in Portugal vieles einzigartiges entdecken.

Dienstag, 16. August 2011

Gabriel Soares de Sousa


Im Jahre 1544, das genaue Geburtsdatum und der Geburtsort sind leider nicht überliefert, wurde im Ribatejo, einer Region nördlich von Lissabon, der portugiesische Seefahrer, Händler und spätere Forscher Gabriel Soares de Sousa geboren.

1569 reiste er, unter der Leitung des Seefahrers Francisco Barreto, nach Brasilien, in die Gegend des heutigen Salvador da Bahia.
In Bahia ließ er sich nieder und wurde dort mit den Jahren Herr über eine Zuckerrohrplantage (port.: plantação de açucar), die ihn zu einem beachtlichen Wohlstand brachte.

Im Jahre 1584, als Portugal in Personalunion mit Spanien verbunden war, machte er sich auf den Weg nach Madrid um König Filipe von Spanien und Portugal um die Erlaubnis zu bitten die nordbrasilianische Gegend um den Fluss Rio Francisco, in dem mehrere Goldminen vermutet wurden, zu erforschen.
Der König erlaubte ihm die Reise und so durchforschte er von 1584 bis 1587 die Gegend um den Rio Francisco.

Gold fand er dort keines, aber in den drei Jahren in denen er in der brasilianischen Wildnis unterwegs war, schrieb und zeichnete er ein Buch, das heute noch, knapp 500 Jahre später, als Standartwerk und Quellenverzeichnis für jeden Natur- und Brasilienforscher dient.
Dieses Buch schrieb er 1587 und wurde unter dem Namen „Tratado Descritivo do Brasil“ (dt.: Beschreibende Abhandlung von Brasilien) weltberühmt.
Per Zufall wurde das Werk von Gabriel Soares de Sousa im Jahre 1897 von dem Niederländer Franz Adolf van Varnhagen wieder entdeckt und dann von diesem publiziert.

Die „Beschreibende Abhandlung von Brasilien“ ist sicherlich nicht wegen ihres Schreibstils berühmt geworden, sondern mehr wegen ihrer Fülle an wissenschaftlichen Informationen.
In 112 Kapiteln unterteilt, beschrieb dieses Buch damals zum ersten Mal die geographische, botanische, linguistische und ethnologische Vielfalt Brasiliens.
In dem Werk werden ausführlich die Bekleidung und der Schmuck der brasilianischen Ureinwohner, deren Landwirtschaft und Jagdmethoden, sowie die in Brasilien vorhandene Tier- und Pflanzenwelt genaustens beschrieben.

Im Jahre 1592, das genaue Datum ist wie sein Geburtsdatum leider unbekannt, stirbt Gabriel Soares de Sousa in den Weiten des brasilianischen Sertão, am Oberlauf des Flusses Rio Paraguaçu, an den Folgen eines hohen Fiebers, welches er sich bei einer weiteren Expedition zugezogen hat.

Montag, 15. August 2011

Das längste portugiesische Wort


Heute musste ich mal wieder ins Krankenhaus, zum Arzt.
Da ich im April gesundheitlich angeschlagen war, muss ich mich nun immer nachbehandeln lassen.

Als ich im Flur, wo hinter jeder einzelnen Tür ein Arzt seine Patienten empfängt, darauf wartete aufgerufen zu werden, schaute ich zufällig auf das Türschild genau gegenüber von meinem Sitzplatz.

Auf dem Türschild stand der Arztname und unter diesem die Spezialität, die er behandelte.
Dort stand in dicken schwarzen Lettern das Wort

„Otorrinolaringologista“

Dieses Wort mit 22 Buchstaben bedeutet im deutschen, nicht mehr oder weniger, als Hals-Nasen-Ohren-Arzt.
Wer jetzt nun denkt, so wie ich es dachte, dass diese Bezeichnung für einen Facharzt der Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten behandelt, das längste portugiesische Wort ist, der irrt.

Im „Dicionário Completo da Lingua Portuguesa“, mit dem deutschen Duden vergleichbar, habe ich noch neun andere Wörter gefunden, die mehr als 22 zusammengeschriebene Buchstaben haben, und nicht etwa mit einem Bindestrich verbunden geschrieben werden.

Sie lauten:

• „Inconstitucionalissimamente“ – 27 Buchstaben, ist der Adverb des Wortes inconstitucional, was auf portugiesisch so viel heißt wie „verfassungswidrig“

• „Oftalmotorrinolaringologista“ – 28 Buchstaben, ist der Kollege des Hals-Nasen-Ohren-Arztes, und ist ein Facharzt für Augen-, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

• „Anticonstitucionalissimamente“ – 29 Buchstaben, ist das längste offizielle portugiesische Wort welches im „Dicionário Completo da Lingua Portuguesa“ steht, und ist ein Adverb des portugiesischen Wortes inconstitucional und die höchste Form von „verfassungswidrig“

• „Monosialotetraesosilgangliosideo“ – 32 Buchstaben, ist kein offizielles portugiesisches Wort wird aber hier in der Pharmaindustrie benutzt und ist eine chemische Substanz die in Medikamente wie Sinaxial und Sygen vorkommt

• „Dimetilaminofenildimetilpirazolona“ – 34 Buchstaben, ist kein offizielles portugiesisches Wort wird aber hier in der Pharmaindustrie benutzt und ist eine chemische Substanz die in Schmerzmitteln vorkommt

• „Tetrabrometacresolsulfonoftaleína“ – 35 Buchstaben, ist kein offizielles portugiesisches Wort und ist ein spezieller Begriff in der Chemie

• „Piperidinoetoxicarbometoxibenzofenona“ – 37 Buchstaben, ist kein offizielles portugiesisches Wort wird aber hier in der Pharmaindustrie benutzt und ist eine chemische Substanz die in Medikamente wie Baralgin vorkommt

• „Paraclorobenzilpirrolidinonetilbenzimidazol“ – 43 Buchstaben, ist kein offizielles portugiesisches Wort wird aber hier in der Pharmaindustrie benutzt und ist eine chemische Substanz die in Medikamente wie Ultraproct vorkommt

• „Pneumoultramicroscopicossilicovulcanoconiótico“ 46 Buchstaben, ist kein offizielles portugiesisches Wort und bezeichnet eine Lungenkrankheit die durch einatmen von Vulkanasche verursacht wird

In Deutschland gibt es ähnlich lange Worte.
Es gibt sogar wesentlich längere, denn die Deutschen, und nicht nur die, haben die Unart, ellenlange Wörter zu kreieren, die aus vielen Hauptwörtern aneinandergesetzt werden.
Ich kann mich noch genau erinnern, das vor allem die deutsche Gesetzgebung und auch die Wirtschaft immer wieder nette Beispiele gaben, bei denen man nur den Kopf schütteln kann, wie z.B. „Lohnsteuerjahresausgleich“, „Nahrungsergänzungspräparate“, und „Betäubungsmittelverschreibungsverordnung“.

Das längste deutsche Wort, das ich bei Google gefunden habe ist die Bezeichnung für eine Unterorganisation der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft in Wien vor dem Ersten Weltkrieg, und lautet „Donaudampfschifffahrtselektrizitätenhauptbetriebswerkbauunterbeamtengesellschaft“.

In Deutschland mag es zwar längere Worte geben als bei uns hier in Portugal.
Wir hier können aber sehr wohl behaupten wesentlich kürzere Worte zu haben als die Deutschen.
Die kürzesten portugiesischen Worte bestehen aus einem einzigen Buchstabe. Es sind die Wörter „a“ (dt.: die), „e“ (dt.: und) und „o“(dt.: der).

Sonntag, 14. August 2011

Pack die Badehose ein an der Algarve






In meinem Beitrag „Pack die Badehose ein“, vom 07. August 2011, berichte ich über die Lissabonner Hausstrände und Liste dort auch die Strände auf, die zu meinen persönlichen Highlights gehören.

Viele fanden den Beitrag lesenswert und meine liebe Freundin Melanie, die nächste Woche an die Algarve fährt um dort ein paar Urlaubstage mit ihrer Familie zu verbringen, fragte mich, ob ich nicht solch eine ähnliche Auflistung meiner liebsten Strände an der Algarve erstellen könnte.

Diesem Wunsch komme ich nun hiermit gerne nach, stelle aber auch gleich fest, das ich nicht sehr oft an der Algarve Urlaub gemacht habe, und ich somit, was die Quantität und Qualität der Strände dort angeht, etwas limitiert bin.
Nichtsdestotrotz habe ich mich mal an meine schönsten Urlaubstage an der Algarve erinnert, und an die Strände die ich dort aufgesucht habe.

Hier nun meine persönlichen Top10 der Strände an der Algarve:

• Praia de Vale Fiqueiras (Aljezur)
• Praia da Bordeira (Carrapateira)
• Praia do Camilo (Lagos)
• Praia da Marinha (Lagoa)
• Praia da Rocha (Portimão)
• Praia da Galé (Albufeira)
• Praia de São Rafael (Albufeira)
• Praia da Ilha Deserta (Faro)
• Praia da Cacela Velha (Ria Formosa bei Olhão)
• Praia do Barril (Tavira)

Außer diesen von mir ausgewählten zehn Stränden, besitzt die Algarve natürlich noch viele, viele mehr.
Nicht umsonst ist die Algarve das beliebteste Urlausgebiet vieler Portugiesen und vieler Nichtportugiesen schlecht hin.

Die Algarve ist bei ihnen allen im Allgemeinen wegen ihres außerordentlichen Klimas, der mancherorts von wildzerklüfteten Felswänden umrahmten schönen feinen Sandstrände und den angenehmen Wassertemperaturen beliebt.
Aber dadurch, dass die meisten Strände sehr malerisch sind, werden sie auch dementsprechend sehr stark frequentiert.

Nichtsdestotrotz wünsche nun Melanie und allen anderen Lesern meines Blogs schöne Urlaubstage, sei es an der Algarve oder wo auch immer sie die schönsten Tage des Jahres verbringen werden.

Samstag, 13. August 2011

Die portugiesische Justiz ist tief gesunken


Die portugiesische Justiz ist tief gesunken.
Gerichte und die dort tätigen Richter fällen immer mehr Urteile, die kein normaler Bürger versteht.
Immer mehr fragwürdige Entscheidungen werden von dieser gut bezahlten Berufsklasse gefällt, die bei uns, die wir keine Juristen sind, nur Kopfschütteln und Unmissverständnis hervorruft.

Einer dieser skandalösen richterlichen Entscheidungen hat sich nun gestern wieder hier in Lissabon zugetragen.
Vor genau einer Woche wurde eine 25jährige, aus Italien stammende Touristin, an der U-Bahnstation Arroios von einem 42jährigen Mann angesprochen, der ihr anbot, den Weg ins Hotel zu zeigen.
Da sie sich in Lissabon nicht auskannte, nahm sie seine Hilfe dankend an.
Doch der Mann brachte sie nicht etwa in ihr Hotel, sondern in die Pension in der er selber abgestiegen war.
Dort wurde die Italienerin drei Tage lang von dem Mann gefesselt, geknebelt und mit Gewalt festgehalten und mehrere Male brutal vergewaltigt.
Erst am Sonntag konnte sie, in einem Moment der Unaufmerksamkeit ihres Peinigers, dem Terror entfliehen und um Hilfe rufen.

Die Kriminalpolizei (port.: Polícia Judiciária) hat, basierend auf den Untersuchungsergebnissen der Gerichtsmedizin (port.: Instituto de Medicina Legal), genug Beweise um das Gewaltverbrechen an der jungen Frau zu beweisen.
Der Mann wurde nun gestern einem Richter (port.: juiz) vorgeführt und, man höre und staune, wieder auf freien Fu0 gesetzt!
Er muss sich lediglich, bis zur Gerichtsverhandlung, alle 14 Tage bei der Polizeidienststelle seines Wohnortes melden.
Das ist alles!

Als ich heute Morgen diese Entscheidung des Haftrichters las, der einen mehrfachen gewalttätigen Vergewaltiger auf freien Fuß setzt, war ich zu erst fassungslos, dann wütend und letztlich habe ich mich ehrlich gesagt dafür geschämt in solch einem Möchtegernrechtsstaat wie diesen zu leben.

Gerne würde ich diesem brillanten und ehrenwerten Herrn in schwarzer Robe zwei Fragen stellen:

1. Was würde er empfinden, wenn an Stelle der jungen italienischen Touristin seine eigene Tochter oder Ehefrau drei Tage lang, in einer schäbigen Pension, auf das brutalste und schändlichste missbraucht worden wäre, und dann einer seiner Amtskollegen genau dieselbe Entscheidung treffen würde, wie er sie jetzt getroffen hat?

und

2. Was würde er empfinden, wenn er einen Tag nach seiner eigenen Entscheidung den Vergewaltiger auf freien Fuß zu setzen, er dem Mann der drei Tage lang seine eigene Tochter, Frau, Freundin oder Kollegin auf das schändlichste missbraucht hat, an der Supermarktkasse antreffen würde?

Diese von einem studierten Haftrichter getroffene Entscheidung ist für mich völlig unverständlich und in keinster Weise akzeptabel.
Da es sich hierbei wohl offensichtlich nur um einen Justizirrtum handeln kann, hoffe ich sehr, dass sich bald Einer dieser falsch getroffenen Entscheidung annimmt und dass das richtige Recht daraufhin gesprochen werden kann.

Manchmal schäme ich mich wirklich in diesem Land zu leben!

Freitag, 12. August 2011

Historische Dörfer






Überall in Portugal gibt es alte historische Dörfer (port.: „aldeias históricas“), die eine Menge Geschichten und Traditionen zwischen ihren Mauern aus Granit und Schiefer hüten.
Die meisten von ihnen sind schon von weitem an den hohen Türmen ihrer mittelalterlichen Burgen und Kirchen zu erkennen.

Innerhalb ihrer Mauern geht es heute zumeist ruhig und friedlich zu.
Aber es war nicht immer so!
Nicht umsonst wurden diese historischen Dörfer früher auf Anhöhen und strategisch wichtigen Punkten entlang der Grenze zu Spanien errichtet.
Nur so war das umliegende Land leichter zu überwachen.

Könige und Landesherren fühlten sich in diesen wehrhaften, landschaftlich herrlich gelegenen Ortschaften, meistens sicher.
Doch zuweilen irrten sie sich.
Araber und Christen, Spanier und Portugiesen, alle versuchten sie nämlich die Dörfer und die Burgen die die anderen bewachten, in ihren Besitz zu bringen.
Und so hat jedes dieser Orte seine eigene uralte Geschichte.

Selbst in verhältnismäßig jüngerer Zeit strotzten die Festungen vehement dem Eroberungsdrang der ausländischen Feinde.
Noch im 19. Jahrhundert hielten z.B. die Burgmauern von dem Ort Almeida einem heldenhaften, siebzehn Tage währenden Widerstand gegen die französisch-napoleonischen Truppen unter General Massena.
Erst am achtzehnten Tag musste der Ort kapitulieren.

Wie Almeida, so gibt es zahllose Orte in Portugal, die ein wichtiger Bestandteil der portugiesischen Geschichte und Kultur sind.
Ich habe hier einmal die historischen Dörfer aufgezählt, die ich persönlich am schönsten und sehenswertesten finde.

• Marialva: Aufgrund seiner herrlichen Lage war Marialva im Mittelalter ein wichtiges Militärlager, dank dem schwer zugänglichen Berg auf dem es liegt. Der Ort besitzt sehr alte Wurzeln. Bereits im 6. Jahrhundert war er besiedelt vom Stamm der Aravos. Römer, Sueben und Araber besetzten ihn dann in Folge. Von der Burg von Marialva hat man einen herrlichen Panoramablick.
Angeblich geht der Name des Ortes auf König Afonso II zurück, der Marialva 1217 einer seiner Geliebten, einer gewissen Dona Maria Alva, geschenkt hat. Ob dem wirklich so ist, bleibt ein Geheimnis der Geschichte.

• Almeida: Almeida, im Distrikt Guarda gelegen, hat knapp 1.400 Einwohner. Gegründet wurde der Ort von den arabischen Mauren. Sie gaben ihm auch seinen Namen. „Al-meída“ heißt im arabischen nämlich so viel wie „ebenes Land“. Das hat auch seinen Sinn, denn Almeida liegt, nicht wie die meisten anderen historischen Dörfern auf einem Berg oder Hügel, sondern auf einer Ebene. Im Jahre 1296 erhielt der Ort von König Dinis I die Stadtrechte.

• Castelo Novo: Eingebettet in die herrliche Berglandschaft der Serra da Gardunha, überrascht Castelo Novo durch die prächtigen Herrenhäuser der vielen Adelsfamilien der Region. Seiner Burg aus dem 12. Jahrhundert gab man den Namen „novo“ (dt.: neu), da in der Umgebung bereits eine andere bestanden hatte, die jedoch aufgrund ihrer unzureichenden Verteidigungskapazität mit der Zeit aufgeben worden war. So kommt es, dass das Dorf den Namen Castelo Novo erhielt.
Am Hauptplatz des Ortes, dem Largo da Bica, steht das mittelalterliche Rathaus, dahinter der ehemalige Bergfried der Burg. Seiner kriegerischen Aufgaben entledigt, zeigt er heute der Bevölkerung des Dorfes nur noch die Zeit an.
Vom ehemaligen Gemeindeleben, das die Zeit auslöschte, ist nur doch die Gemeindekelterei erhalten, eine riesige in den Stein gehauene Kelteranlage, in der, während vieler Jahrhundert der Wein von den Dorfbewohnern mit den eigenen Füßen gepresst wurde.

• Castelo Mendo: Castelo Mendo ist ein historisches Dorf, mit mittelalterlichen Mauern, das auf dem Gipfel eines Berges errichtet worden ist. Im Jahre 1281 gewährte König Dinis I dem Ort das Recht einen Markt abzuhalten und bestimmte, dass dieser dreimal pro Jahr zu veranstalten sei. Somit war der erste Markt geboren, der regelmäßig im Königreich Portugal abgehalten wurde.
Der Name der Ortschaft geht auf den ersten Gouverneur Mendo Mendes zurück, der von König Dinis I im 13. Jahrhundert eingesetzt worden war.
Das sehr authentische Dorf, eingebettet in einer Landschaft mit tiefen Tälern, bewahrt noch heute seine schlichten Steinhäuser und engen Gassen. Die Ruhe, die hier herrscht ist so groß, dass man sich nur schlecht vorstellen kann, dass Burg und mittelalterliche Mauern einst Schauplätze vieler kriegerischer Auseinandersetzungen waren.

• Belmonte: In diesem wunderschönen Ort, überragt vom massiven Granit seiner alten Burg, wurde der Seefahrer Pedro Álvares Cabral, der im Jahre 1500 Brasilien entdeckte, geboren. Die Straßen dieses alten Ortes, dem zum ersten Mal 1199 von König Sancho I eigene Rechte verliehen wurden, führen zur Spitze des Berges, auf dem sich die alte Burg befindet, die früher im Familienbesitz der Cabrals war.
Gleich neben der Burg befindet sich eine kleine gotisch-romanische Kirche, die dem Heiligen Jakobus geweiht ist. Belmonte ist berühmt wegen seiner alten, und noch heute intakten jüdischen Gemeinde, die sich hier im 15. Jahrhundert niederließ, auf der Flucht vor den vom Königreich Kastilien organisierten Verfolgungen. Ihre Mitglieder wohnten in Häusern außerhalb der Stadtmauern im Viertel Bairro de Marrocos, in dem man noch heute die Symbole der von Mitgliedern der Gemeinde ausgeübten Berufe sehen kann, wie etwa die Schere, die auf den Schneider hinweist, und in die Läden vor der Tür eingraviert ist. Noch heute bewahrt Belmonte sein mittelalterliches Ambiente, das so einzigartig ist, zumal die Jüdischen Bewohner im Geheimen ihre Gebete, Traditionen und Gebräuche Jahrhunderte lang ausübten und bis in unsere heutige tolerantere Zeit retten konnten. Die Eröffnung der neuen Synagoge Bet Eliahu vor einigen Jahren ist der beste Beweis dieser lebendigen jüdischen Gemeinde in Belmonte.

• Sortelha: Überragt von der Burg, die auf einer mächtigen Felsengruppe errichtet wurde, bewahrt Sortelha noch heute, dank der Architektur seiner Granithäuser, das mittelalterliche Erbe.
Der Zauber dieses Dorfes liegt in seiner einzigartigen Atmosphäre, dank der vollständig aus Granit errichteten normalerweise einstöckigen Häuser, die direkt auf den Felsen errichtet wurden und die Beschaffenheit des Geländes begleiten.

• Piodão: Wie ein Amphitheater umschließen die Hänge die harmonisch in die Landschaft eingefügten Häuser dieses Dorfes, die an eine kleine Weihnachtskrippe am Fuße eines Berges erinnern.
Die Häuser und Straßen aus Schiefergestein bilden ein hübsches, einfarbiges Bild, aus dem das kräftige Blau der Fenster und Türen einiger Häuser hervorsticht. Piodão liegt sehr abgeschieden, und dies ist auch der Grund, weshalb diese uralte Siedlung sich ihr ursprüngliches Aussehen bewahrt hat. Aus den eng zusammenstehenden, zweistöckigen Häuschen ragt die hübsche, weiß gekalkte Pfarrkirche mit ihren einzigartigen, zylindrischen Strebepfeilern hervor. Sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Geld und Gold der Dorfbevölkerung erbaut.

• Castelo Rodrigo: In Castelo Rodrigo, wo der Blick über Spanien und das Douro-Tal schweift, verlief die portugiesisch-spanische Geschichte nicht immer friedfertig. Der Ort, der von Afonso IX. von Leon gegründet wurde und der ihn später dem Graf Rodrigo Gonzalez de Girón zur Schenkung machte, behielt den Namen seines ersten Herren. Mit dem Vertrag von Alcanices, der von König Dinis I im Jahre 1297 unterzeichnet wurde, ging Castelo Rodrigo in die Hand der Portugiesischen Krone über.
In dem Ort, der noch heute Zwischenstation der Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela ist, soll der Überlieferung nach, der Heilige Franziskus von Assisi, auf seiner Pilgerreise zum Grabmal des Heiligen, übernachtet haben.

• Trancoso: Der Ort Trancoso, dessen Vergangenheit eng mit der Geschichte Portugals verknüpft ist, hat sich innerhalb seiner Stadtmauern das mittelalterliche Aussehen bewahrt. Beim Betreten des Ortes ist man beeindruckt von den mächtigen Stadtmauern, in die das alte Stadttor Porta d’El Rei eingelassen ist. Im Inneren dominiert das Grau des Steines, aus dem die Altstadt und die Hauptsehenswürdigkeiten von Trancoso, wie der Pranger, die Burg und die Kirche São Pedro, erbaut wurden. Das mittelalterliche Kirchtor huldigt König Dinis I, der im Jahre 1282 hier in Trancoso, Isabel von Aragon ehelichte. Er schenkte der Königin den Ort zur Hochzeit und führte einen freien Markt ein, aus dem sich der große Markt entwickelt hat, der heute noch alljährlich Mitte August stattfindet.

Die als historische Dörfer geltenden Ortschaften befinden sich alle ausnahmslos in den Regionen der Beiras und im Gebirge Serra da Estrela.
Einen Besuch dieser landschaftlich und kulturell sehr reichen Gegend, vielleicht schon in diesen Sommerferien, kann ich nur jedem wärmstens empfehlen!

Donnerstag, 11. August 2011

Eselsohren: „Die Sprache der Schatten“


Diesen Urlaub habe ich von meiner kleinen Nichte Lorena ein Buch, mit dem Titel „Die Sprache der Schatten“, geschenkt bekommen.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die ersten Seiten des Buches mit einer gewissen Langeweile gelesen habe.
Ab einer bestimmten Stelle aber, es muss so um die Seite 25 gewesen sein, habe ich angefangen mit mehr Aufmerksamkeit zu lesen.

Das Buch erzählt die Geschichte der jungen Frederike, Rika genannt, die erst Mitte zwanzig ist, als ihr wesentlich älterer Ehemann, ein bekannten Berliner Industrieller, im Jahr 1874 stirbt.
Die junge Witwe muss sich fortan nicht nur um ihre unwesentlich jüngeren Stiefkinder kümmern, sondern teilweise auch um die Belange der Firma.
Sie findet als Ausgleich Gefallen an der Kunst und erwirbt selbst gelegentlich das eine oder andere Gemälde.

Als sie von ihrem Stiefsohn Alexander das Bild eines unbekannten Malers geschenkt bekommt, ist sie fasziniert. Da der Name des Künstlers nicht klar ersichtlich ist, versucht sie auf eigene Faust, den geheimnisvollen Mann zu finden. Doch die Suche ist nicht ganz einfach für eine Dame aus besserem Hause, denn die Spur führt sie in das Herz von Berlin, wo in den verruchten Gassen damals allerlei zwielichtige Gestalten zuhause sind.
Eine spannende Suche nach dem Maler und Außenseiter Anthonis beginnt.
Im Laufe der Geschichte verliebt sie sich in den Künstler und am Schluss gibt es so etwas wie ein Happy End.

Anthonis leidet an der seltenen Krankheit Prosopagnosie (port.: Prosopagonia), die im Volksmund auch „Gesichtsblindheit“ genannt wird.
Da ich noch nie in meinem Leben von dieser Krankheit gehört hatte, habe ich mit Spannung das Buch weiter gelesen und mich mit der Zeit sogar über Prosopagnosie informiert.

So habe ich erfahren, dass Prosopagnosie die Unfähigkeit ist, Menschen die man eigentlich kennt, anhand ihres Gesichts zu erkennen.
Für Menschen die an dieser Krankheit leiden, hat das Gesicht einer bekannten Person genauso viel Identitätswert, wie für gewöhnliche Menschen der Arm, das Bein oder der Rücken eines geliebten Menschen. Viele können in den Gesichtern anderer noch nicht einmal das Geschlecht oder Emotionen erschließen. Sie besitzen einfach nicht die Fähigkeit sich an Gesichter zu erinnern und zuzuordnen – und das jeden Tag aufs Neue!

Da der Held dieses historischen Romans ein Portraitmaler ist, kann man sich vorstellen, in welche kniffeligen Situationen er während der ganzen Geschichte gerät.

Was ich auch nicht wusste ist, dass schätzungsweise 2 % der portugiesischen Bevölkerung an dieser Krankheit leidet.
Bei einigen ist Prosopagnosie durch einen Unfall oder Schlaganfall zustande gekommen, aber viele haben auch Prosopagnosie von Geburt an. Und weil viele Prosopagnosie seit ihrer frühesten Kindheit haben, wissen viele gar nicht, dass sie an dieser seltsamen Behinderung leiden.
Den Namen Prosopagnosie hat sich übrigens im Jahre 1947 der deutsche Neurologe Joachim Bodamer ausgedacht.

Aber die Krankheit Prosopagnosie ist nicht das einzige heikle Thema welches die Autorin in ihrem Werk behandelt.
Auch die Homosexualität und die Judenfeindlichkeiten der damaligen Zeit sind in diesem Buch unter anderem ein Thema.

Die Autorin Susanne Goga wirft mit ihrem Roman einen authentischen Blick auf das Berlin des späten 19. Jahrhunderts, in jene Zeit, als die Hauptstadt des jungen deutschen Reichs förmlich explodierte, Kunst und Kultur in Blüte standen und auch Frauen ganz allmählich begannen, sich aus ihrem engen gesellschaftlichen Korsett zu befreien und zu emanzipieren und ihr Terrain in Beruf, Literatur oder Malerei zu erobern.

Sie hat mit diesem historischen Roman eine faszinierende, spannende und gefühlsvolle Geschichte geschrieben, die voller Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Opulenz aber auch Eifersucht, Hass, Gier und Neid ist.

Susanne Goga, die 1967 in Mönchengladbach geboren wurde, ist von Hause aus eine renommierte Literaturübersetzerin.
Sie schrieb zwei historische Kriminalromane, bevor sie sich mit „Das Leonardo-Papier“ und jetzt „Die Sprache der Schatten“, beide im Diana Verlag erschienen, dem klassischen historischen Roman zuwandte.
Susanne Goga lebt mit ihrer Familie in Mönchengladbach.