Dienstag, 31. Januar 2012

Eine heiße Schokolade bei „Claudio Corallo“


Wer mich kennt, weiß dass ich eigentlich ein passionierter Kaffeetrinker bin.
Seitdem ich aber Probleme mit meinem hohen Blutdruck habe, habe ich meinen Kaffeekonsum total eingeschränkt. Außer einem hellen Milchkaffee ab und dann, habe ich seit nunmehr zehn Monaten keinen Kaffee mehr getrunken.
Stattdessen habe ich mich daran gewöhnt ab und zu eine heiße Schokolade zu trinken.

Während man allerdings hier in Portugal, wo es zweifelsohne eine Kaffeekultur gibt, leicht an einen guten Kaffee rankommt, ist es dagegen ziemlich schwierig an eine gute heiße Schokolade ranzukommen.
Ich habe lange, sehr lange, in Almada und in Lissabon nach einem Ort gesucht, an dem man eine echte heiße Trinkschokolade – kein Kakao!!! – zu sich nehmen kann und diesen Ort endlich letzte Woche gefunden.

Dieser Ort, ist ein Ort, an dem die Schokolade so schmeckt, wie sie schmecken sollte und wie ich sie aus meinen Besuchen in Brasilien kenne.
Dieser Ort liegt im Principe Real, Mitten in Lissabon, in der Rua Cecilio da Sousa n° 85, und heißt „Claudio Corallo“.

Die Einrichtung im „Claudio Corallo“ ist nicht übermäßig reich an Dekor, Verzierungen und Verschnörkelungen.
Vergleicht man dieses Café mit anderen Cafés Lissabons, so ist dieses recht schlicht.
Aber das spielt insofern keine Rolle, als das man hier wirklich nicht wegen der Inneneinrichtung einkehren sollte, sondern um wirklich die beste heiße Schokolade der Stadt zu trinken.

Bei „Claudio Corallo“ wird die Trinkschokolade serviert, wie anderswo eine „Bica“, nämlich in einer Kaffeetasse, die dieselbe Dimension hat wie eine Espressotasse.
Wer noch nie echte Trinkschokolade getrunken hat, dem kann man den Geschmack nur schwer erklären.
Die Azteken nannten ihre Schokolade den „Trank der Götter“, sie nannten sie sogar den „flüssigen Himmel“.
Fakt ist, das echte Trinkschokolade nichts, aber auch rein gar nichts mit den Kakaogetränken zu tun hat, die wir üblicherweise kennen.
Trinkschokolade ist nämlich, im Gegensatz zum Kakao, eigentlich bitter, aber geschmacklich so besonders, dass man diese Bitterkeit regelrecht genießt.

Eine Tasse Trinkschokolade besteht bei „Claudio Corallo“ aus 100 % Natur, nämlich aus 75 % Schokolade, ohne den geringsten Konservierungsstoff oder künstlichem Aroma, und 25 % Rohrzucker vermischt mit Wasser – keinesfalls Milch!
Mehr kann man für 1,00 Euro, so viel kostet nämlich eine Tasse dieser Versuchung, weiß Gott nicht verlangen!

Sonntag, 29. Januar 2012

Die kleinste Buchhandlung der Welt


Von der Rua da Madalena, einer Straße in der Lissabonner Baixa, geht eine Treppe in Richtung der Burg Castelo de São Jorge hinauf.
An dieser Treppe, die den Namen Escadinhas de São Cristóvão trägt, liegt die winzige Livraria do Simão (dt.: Buchandlung des Simão), die von sich behauptet die kleinste Buchhandlung der Welt zu sein.

Ob diese Buchhandlung wirklich die kleinste der Welt ist oder nicht, das sei mal dahin gestellt.
Fakt ist aber, das die Livraria do Simão wirklich nicht gerade durch übermäßige Größe glänzt!
Der Laden ist gerade Mal 1,00 m breit und 3,80 m lang, das sind ganze 3,80 m².
Er ist so klein, das wenn ein Kunde den Laden betritt, der Besitzer meistens raus auf die Strasse muss.

Der Besitzer des Ladens ist der 37jährige Simão Carneiro, der einen Universitätsabschluss in Enologie (dt.: Weinkunde) hat.
Aber nicht Weine und der Weinanbau sind seine Welt.
Nein, den Comics, Kinderbüchern, Poesiebänden, Reiseberichten, Gravuren, Architektur- und Geschichtsbüchern gehört sein ganzes Herz.

Seit nunmehr vier Jahren ist Simão Carneiros Minibuchladen geöffnet.
Und auch wenn er so klein ist, über fehlende Kundschaft kann sich dieser Ein-Mann-Laden wahrlich nicht beschweren.
Da der Laden zwischen dem Castelo de São Jorge und der Baixa liegt, also ziemlich zentral in der Altstadt, schauen außer den portugiesischen Kunden auch viele Touristen vorbei.
So hat Simão Carneiro in seinem Laden außer portugiesischer Literatur auch eine kleine Auswahl an deutschen, spanischen, französischen, englischen und italienischen Büchern.
Das billigste Buch gibt es bei ihm bereits für 5 Euro zu kaufen, das teuerste kostet weit über 1.000 Euro.

Ich habe die Livraria do Simão letzten Herbst, bei einem meiner Spaziergänge durch die Lissabonner Altstadt entdeckt.
Seitdem habe ich sie schon mehrmals besucht, und dort den einen oder anderen literarischen Schatz gefunden, unter anderem eine 1954 erschienene Ausgabe des Buches „Carta de Pêro Vaz de Caminha a El-Rei D. Manuel sobre o achamento do Brasil“ (dt.: „Brief von Pêro Vaz de Caminha an König Manuel I über die Entdeckung Brasiliens“).

Natürlich werde ich in Zukunft auch weiterhin meine Bücher bei der Livraria Bertrand oder bei Fnac kaufen.
Aber immer wenn ich die Gelegenheit haben werde, werde ich bei der Livraria do Simão, dieser kleinen literarischen Schatztruhe Mitten in der Baixa, vorbeischauen.

Wer nun neugierig auf die Livraria do Simão geworden ist, hier die Adresse:

Livraria do Simão
Escadinhas de São Cristóvão n° 18
Baixa
1100-512 Lisboa

Samstag, 28. Januar 2012

Coimbra






Die traditionsreiche portugiesische Universitätsstadt Coimbra, ist Hauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsdistrikts, Sitz eines Bischofs und die Geburtsstadt meines Vaters Antonio.
Coimbra liegt zwischen Lisboa und Porto, in der Hügellandschaft der Beira Litoral am rechten Ufer des Rio Mondego, der hier den kreidigen Bergzug der Serra de Lorvão umfließt.
Die Stadt selber hat in etwa 100.000 Einwohner, von denen ca. 30.000 Studenten sind. Mit Vororten bringt es die Stadt auf etwa 150.000 Einwohner.

Der Besuch der Stadt Coimbra ist wegen ihrer beachtlichen Baudenkmäler, die zu einem Großteil aus der Regierungszeit König Manuels I entstammen, wie auch wegen der Fülle anderer Kunstschätze sehr empfehlenswert.

Die Anfänge der Stadt reichen, wie Funde belegen, bis in die vorchristliche keltische Zeit zurück.
Die Römer gründeten hier eine Stadt, die sie „Aeminium“ nannten.
Ihr heutiger Name geht allerdings auf den römischen Ort „Conimbriga“ zurück, der im Jahre 468 von den Sueben zerstört wurde, und dessen Ruinen heute unmittelbar in der Nähe der Stadt Coimbra liegen.

Nach den Römern und Sueben kamen die Mauren in die Stadt.
Die arabischen Mauren eroberten im Jahre 711 den Ort und nannten ihn Kulumriyya. Sie blieben bis zum Jahre 1064 hier.
In diesem Jahr wurde die Stadt dann von Fernando dem Großen von Kastilien und Leon für „die Christenheit“, wie es damals hieß, erobert.
Im 12. Jahrhundert, von 1139 bis 1256, wurde Coimbra dann zur Hauptstadt des neu gegründeten portugiesischen Königreiches ernannt.

Nach Verlegung der Hauptstadt nach Lissabon erhielt die Stadt als Entschädigung im Jahre 1308 eine Universität, die bis 1911 die einzige in Portugal war (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Die Universität von Coimbra“, vom 18. Januar 2012).
Diese Universität hat das Kultur- und Geistesleben von Coimbra ganz entscheidend geprägt, und prägt dieses heute noch.
Wer es als Jurist, in der Wirtschaft oder Politik zu etwas besonderem bringen will, hat mit einem Abschluss an der traditionsreichsten Hochschule des Landes die besten Chancen.

Außer seiner alten und ehrwürdigen Universität und den dazugehörenden Botanischen Garten hat Coimbra noch zahlreiche andere Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Ich habe hier einmal die für mich schönsten aufgeführt:

• Convento de Santa Cruz (dt.: Heiligkreuzkloster) – Beim Convento de Santa Cruz handelt es sich um einen ehemaligen Augustinerkloster, der an der Ostseite der Praça 8 de Maio, dem Mittelpunkt des städtischen Lebens in Coimbra, liegt. Er wurde im Jahre 1131 gegründet und über die Jahrhunderte hinweg erweitert und verändert. Eine der grundlegendsten Veränderungen fand im 15. und 16. Jahrhundert unter König Manuel I und seinen gefeierten Baumeistern Boytaca und Nicolas de Chanterène statt. Von ihnen stammen z.B. die kostbar ausgestattete Kanzel und die Sakristei der einschiffigen Klosterkirche. Besonders sehenswert ist der Chor der Kirche. Er beherbergt die spätgotischen Grabmäler der ersten beiden portugiesischen Könige, Afonso Henriques und Sancho I. Sie wurden einstmals von König Manuel I in Auftrag gegeben, und dann von Nicolas de Chanterène erschaffen. Im Nordflügel des Klosterkomplexes ist heute das Rathaus von Coimbra (port.: Camara Municipal) untergebracht.

• Sé Velha (dt.: Alte Kathedrale) – Die Sé Velha in der Altstadt von Coimbra, ist ein festungsartiger romanischer Bau, der im 12. Jahrhundert im Auftrag von König Afonso Henriques erbaut wurde. Wie alle Wehrkirchen hat auch diese ein schmuckloses, zinnengekröntes Äußeres. Aber das dreischiffige Innere der Kathedrale, mit den prächtigen Seitenkapellen, ist umso sehenswerter. Vor allem der spätgotische Hochaltar sowie der Renaissancetaufstein sind beachtenswert.

• Sé Nova (dt.: Neue Kathedrale) – Die Neue Kathedrale ist ein ursprünglich für die Jesuiten erbauter Bau. Mit der Errichtung der Kirche begann man im 16. Jahrhundert. Die Bauarbeiten zogen sich aber weit bis ins 17. Jahrhundert hinein. Seit der Verbannung der Jesuiten aus Portugal im Jahre 1772 fungiert dieses Kirchenhaus als die Neue Kathedrale der Stadt.

• Museu Nacional de Machado de Castro (dt.: Nationalmuseum Machado de Castro) – Dieses in der Kirche São João und dem dazugehörenden ehemaligen Bischofspalast untergebrachte Museum ist nach dem in Coimbra geborenen Bildhauer Joaquim Machado de Castro benannt. Zu den Exponaten dieses Museums gehören u. a. römische Ausgrabungsfunde, mittelalterliche Sarkophage, romanische und gotische Skulpturen, Stein- und Holzbildwerke, Goldschmiedearbeiten, Möbel, Gobelins, sakrale Kunst und Gemälde des 16. – 18. Jahrhunderts, darunter auch einige bedeutende Werke flämischer Maler.

• Convento de Santa Clara-a-Velha (dt.: Altes Klarissinnenkloster) – Auf dem linken Ufer des Flusses Mondego liegen die, teilweise im Schwemmland versunkenen, Ruinen des Klosters Santa Clara, das im Jahre 1286 gegründet wurde und dann allmählich durch Überschwemmungen des Flusses zerstört wurde. In diesem Kloster verbrachte Königin Isabel, die Gemahlin von König Dinis, die später von der katholischen Kirche als „Rainha Santa Isabel“ (dt.: „Heilige Königin Isabel“) heilig gesprochen wurde, ihre letzten Jahre als Franziskanerin und hier wurde sie auch begraben. Später, nach der Zerstörung des Klosters Santa Clara-a-Velha wurde die Heilige Königin Isabel im nahe gelegenen und neu gegründeten Kloster Santa Clara-a-Nova umgebettet. Santa Isabel ist heute die Stadtpatronin von Coimbra.

• Convento de Santa Clara-a-Nova (dt.: Neues Klarissinnenkloster) – Durch die ständigen Überschwemmungen wurde das Alte Klarissinnenkloster (port.: Convento de Santa Clara-a-Velha) im 17. Jahrhundert aufgegeben und nur wenige hundert Meter weiter, auf dem Monte da Esperança (dt.: Hügel der Hoffnung), wurde dann ab dem Jahr 1649 mit dem Bau des neuen Klarissinnenklosters Convento de Santa Clara-a-Nova begonnen. Die im Stile der Renaissance erbaute Klosterkirche ist voll und ganz der heiligen Isabel, der Schutzpatronin von Coimbra und Gemahlin König Dinis, gewidmet. Die Kirche und die Räumlichkeiten in denen heute ein kleines Militärmuseum untergebracht ist, können besichtigt werden. Die anderen Gebäudeteile sind allerdings nicht zugänglich, da sie heute als Kaserne dienen.

• Quinta das Lagrimas (dt.: Landgut der Tränen) – Unweit der Klöster Santa Clara-a-Velha und Santa Clara-a-Nova liegt das Landgut Quinta das Lagrimas. Auf diesem Landgut, das heute ein exzellentes Hotel beherbergt, soll Ines de Castro, die Geliebte und spätere heimliche Gemahlin von König Pedro I im Jahre 1355 ermordet worden sein. An die tragische Liebesgeschichte von Pedro und Ines, die selbst den englischen Nationaldichter William Shakespeare zu seinem Werk „Romeo und Julia“ inspiriert haben soll, erinnert heute im Park der Quinta das Lagrimas die Fonte dos Amores (dt.: Quelle der Liebenden).

• Portugal dos Pequenitos (dt.: Portugal der Kleinen) – In diesem im Jahre 1940 angelegten Park für Kinder sind die bedeutendsten Baudenkmäler Portugals im Miniaturformat nachgebaut, ebenso wie die typischen Wohnhäuser und Gebäude der ehemaligen Überseegebiete in Afrika, Brasilien, China und Indien. Die Miniaturbauten sind von schönen Grünanlagen umgeben, so dass der Besuch des Parks nicht nur für Kinder ein Ereignis ist.


Außerhalb von Coimbra liegt eine weitere Sehenswürdigkeit, die ich jedem Besucher der Stadt nur wärmstens empfehlen kann.
Etwa 15 km südlich von Coimbra, an der alten römischen Verbindungsstraße von Lissabon (röm.: Olisipo) nach Braga (röm.: Bracara Augusta), erstreckt sich das ausgedehnte Ruinenfeld von „Conimbriga“.
Dieser zerstörten Ruinenstadt verdankt Coimbra seinen heutigen Namen.
Conimbriga wurde einstmals im 2. Jahrhundert v. Chr. von den Römern gegründet und etwa 600 Jahre später, im Jahre 468 n. Chr. von den Sueben zerstört.
Die zahlreichen Haus- und Thermenruinen sowie die Brunnenanlagen demonstrieren, nicht zuletzt wegen ihrer teilweise gut erhaltenen Mosaiken, den Geschmack und Reichtum der damaligen Bürger dieser Kleinstadt.
Die Ausgrabungsarbeiten dauern noch immer an, doch schon heute ist klar, das Conimbriga der größte Ruinenkomplex aus römischer Zeit in Portugal ist.

Coimbra hat im laufe der Jahrhunderte viele berühmte Persönlichkeiten hervorgebracht, die in dieser Stadt geboren und gestorben sind oder hier einfach nur gewirkt haben.
Die wichtigsten Söhne und Töchter Coimbras sind:

• Afonso I Henriques / erster König von Portugal – Er machte Coimbra zur Hauptstadt des Reiches und hier verstarb er am 06. Dezember 1185
• Afonso II / dritter König von Portugal – Er wurde in Coimbra im Jahre 1185 geboren und verstarb hier im Jahre 1223
• Afonso III / fünfter König von Portugal – Geboren am 05. Mai 1210 in Coimbra
• Afonso IV / siebter König von Portugal – Er wurde am 08. Februar 1291 in Coimbra geboren
• Álvaro Cunhal / Politiker und kommunistischer Führer – Geboren am 10. November 1913 in Coimbra
• Carlos Paredes / Gitarrist – Dieser Virtuose der Portugiesischen Gitarre wurde am 16. Februar 1925 in Coimbra geboren
• Dinis I / König von Portugal – Er ist der Begründer der altehrwürdigen Universität von Coimbra
• Filipe Albuquerque / Rennfahrer – Geboren in Coimbra am 13. Juni 1985
• Isabel / Königin und Heilige – Die Gemahlin von König Dinis I und heutige Stadtpatronin von Coimbra wurde von der katholischen Kirche im Jahre 1625 heilig gesprochen. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie im Klarissinnenkloster Convento de Santa Clara-a-Velha die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbracht
• Ines de Castro / Gemahlin des späteren Königs Pedro I – Sie wurde auf Geheiß von König Afonso IV, dem Vater ihres Ehemannes Pedro, im Jahre 1355 in der Quinta das Lagrimas ermordet
• Joana Ramos / Judoka – 1982 in Coimbra geboren
• Joaquim Machado de Castro / Bildhauer – Er wurde am 19. Juni 1731 in Coimbra geboren. Sein berühmtestes Werk ist das Reiterstandbild von König José I auf der Praça do Comércio in Lissabon. Nach ihm ist das wichtigste Museum der Stadt Coimbra benannt
• José Antonio Carlos de Seixas / Cembalist und Komponist – 1704 in Coimbra geboren
• Schwester Lucia / Nonne – Schwester Lucia (port.: Irmã Lucia) starb am 13. Februar 2005 als Karmeliterin im Kloster Santa Teresa in Coimbra. Sie, ihre Cousine Jacinta und ihr Cousin Francisco waren die „Drei Hirtenkinder von Fatima“ (port.: „Três pastorinhos de Fatima“), denen im Jahre 1917 die Jungfrau Maria erschienen sein soll
• Miguel Veloso / Fußballer – Am 11. Mai 1986 in Coimbra geboren
• Pedro Nunes / Mathematiker – Er verstarb im Jahre 1578 in Coimbra
• Pedro Passos Coelho / Politiker – Der aktuelle Premierminister Portugals wurde am 24. Juli 1964 in Coimbra geboren
• Sancho I / zweiter König von Portugal – Er wurde im Jahre 1154 in Coimbra Geboren und verstarb hier im Jahre 1211
• Sérgio Conceição / Fußballer – Am 14. November 1974 in Coimbra geboren

Coimbra hat 21 Partnerstädte.
Eine von ihnen ist die deutsche Stadt Halle an der Saale, in Sachsen-Anhalt.
Andere Partnerstädte sind z.B. Salvador, Curitiba und Santos in Brasilien, Aix-en-Provence und Poitiers in Frankreich oder Santiago de Compostela und Salamanca in Spanien.

Eine Sehenswürdigkeit, bzw. einen meiner Lieblingspunkte in Coimbra, habe ich mir zum Schluss dieses Blogeintrages aufgehoben.
Sollte es sie einmal nach Coimbra verschlagen, so besuchen sie unbedingt den Penedo da Saudade (port.: Felsen der Sehnsucht), der nordöstlich des Botanischen Gartens liegt.
Von diesem traditionellen Studententreffpunkt hat man eine der schönsten Aussichten über Coimbra.
Sie werden diesen prächtigen Ort lieben!

Freitag, 27. Januar 2012

Eselsohren: „Die Liebenden von San Marco“


„Die Liebenden von San Marco“ ist ein grandioser historischer Roman der deutschen Schriftstellerin Charlotte Thomas, welches im Jahre 2009 im Bastei Lübbe Verlag erschienen ist.
Dieser Roman ist eines von zwei Büchern, die ich letztes Weihnachten von meiner Schwester Carla geschenkt bekommen habe.

Die Geschichte handelt von der jungen Cintia, Tochter eines reichen Seidenwebers aus Venedig, die am Tag ihrer geplanten Verlobung miterleben muss, wie die Pest sich in der Lagunenstadt tödlich ausbreitet.
Auch in ihrem Elternhaus wütet der Tod.

Aber ihr Vater und ihre Mutter sterben nicht an der Pest, sondern sie werden ermordet.
Cintia überlebt diese Nacht nur knapp.
Mit ihrer Cousine Lucietta schlägt sie sich nach dem Tod ihrer Eltern mehr schlecht als recht durch. Als ihr habgieriger Onkel Tommaso ihr das Erbe streitig machen will, geht sie eine Vernunftehe mit dem Schiffsbauer Paolo ein.

Mit der Zeit wird aus dieser Vernunftehe zuerst eine Romanze und dann echte, wahre Liebe.
Diese Liebe gibt Cintia und Paolo die Kraft nach den Mördern ihrer Eltern zu suchen und gemeinsam decken sie eine Intrige auf, die die venezianische Gesellschaft in ihren Grundmauern erschüttert.

Charlotte Thomas erzählt mit „Die Liebenden von San Marco“ eine faszinierende Liebesgeschichte, die in einer faszinierenden Zeit in der faszinierenden Stadt Venedig spielt.
Der „Frankfurter Stadtkurier“ schrieb über dieses Buch:

„Ein mitreißender Roman – unmöglich ihn aus der Hand zu legen!“

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen!

Donnerstag, 26. Januar 2012

Wir Portugiesen – ein Volk von Handysüchtigen


Wir Portugiesen sind ein Volk von Handysüchtigen.
Jeder läuft mit solch einem Ding herum, viele sogar mit zweien, dreien oder mehr von ihnen und jeder will immerzu erreichbar sein, zu jeder Tages- und sogar Nachtszeit.
Sei es in der Schule, bei der Arbeit, beim Einkaufen, in der Kirche, im Museum, im Restaurant, im Fitnessstudio oder im Auto, überall bilden viele sich ein, sie müssten immer erreichbar sein.

Das Handy (port.: telemóvel) begleitet die meisten Portugiesen rund um die Uhr.
Ist das Gerät mal nicht zur Hand, leiden viele unter der Trennung.
Dies zeigt eine gerade veröffentliche Studie, die im Auftrag der britischen Medienaufsichtsbehörde „Ofcom“ (engl.: Office of Communications / dt.: Behörde für Kommunikation) und des portugiesischen „Instituto das Telecomunicações“ (dt.: Institut für Telekommunikationen) durchgeführt wurde.
Trennt man viele Handybesitzer, gerade die Jüngeren, von ihren Mobiltelefonen, weisen diese manchmal sogar regelrechte Entzugserscheinungen auf.

Ich persönlich war noch nie Sklave meines Handys.
Im Gegenteil, ich besitze zwar solch ein Kommunikationsgerät, aber ich benutze es wirklich nur, wenn ich muss.
Und wenn ich es benutze, dann telefoniere ich nur damit.
Ich kenne Leute, für die ist ein Handy nichts wert, wenn sie mit diesem nicht ins Internet kommen, nicht fotografieren oder Musik und Radio hören können.

Zehntausende portugiesische Handybenutzer wurden nun, wie schon erwähnt, in einer Studie von „Ofcom“ und „Instituto das Telecomunicações“ genauestens unter die Lupe genommen und ihr jeweiliges Verhältnis zu ihrem Handy wurde hinterfragt.

Hier nun das – teilweise schockierende, teilweise amüsante – Ergebnis dieser Studie:

• Jeder zweite befragte portugiesische Handybesitzer behauptet von sich, er wäre Handysüchtig
• 83% haben im Bett ihr Handy immer griffbereit
• 40% nehmen ihr Handy mit auf die Toilette
• 63% würden für eine Woche lieber auf Schokolade verzichten als auf ihr Handy
• immerhin 33% würden für eine Woche lieber auf Sex verzichten als auf ihr Handy
• 60% schalten ihr Handy niemals aus, auch nicht
Nachts
• 50% ziehen eine SMS einem persönlichen Gespräch vor
• 26% gaben an, eine SMS blind schreiben zu können
• 15% der befragten Handybenutzer gaben an täglich mehr als 200 SMS zu schreiben, und
• 15% behaupten allen ernstes, schon einmal den Sexualakt unterbrochen zu haben, nur um ihr Handy abzunehmen

Bei solchen Zahlen ist es nicht verwunderlich das die Vertreiber von Handys zu den wenigen krisenfesten und umsatzstarken Unternehmen im heutigen Portugal sind.

Dienstag, 24. Januar 2012

Empfang beim deutschen Botschafter in Lissabon


Heute am späten Nachmittag war ich, Dank meiner Freundin Anke, in der Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland im Lissabonner Stadtteil Restelo zu einem Empfang eingeladen.

Botschafter Helmut Elfenkämper und seine charmante Gattin Ulla wollten mit ihrer Einladung all denen, die sich ehrenamtlich in der deutschen Gemeinde in Portugal engagieren, sei es kirchlich, sozial oder kulturell, ihren Dank zum Ausdruck bringen.

Mit einer kurzen Rede unterstrich Botschafter Elfenkämper die Wichtigkeit der Hilfe und Unterstützung all derer, die mit Herz, Hand und Verstand immer wieder einen sozialen Beitrag leisten und somit einen wesentlichen Anteil an einem menschlichen und wertebewussten Miteinander in der deutschen und auch portugiesischen Gemeinschaft haben.

Zu den geladenen Gästen zählten, u. a. Anke Stalling, Stefan Stieb, Hannelore Correia, Hildegard Jusek, Susanne Burger und meine Wenigkeit.

Es war ein zwangloser und kurzweiliger Nachmittag, mit überaus interessanten Menschen und noch interessanteren Gesprächen, den ich sehr genossen habe!

Montag, 23. Januar 2012

Von so genannten Experten und einer so genannten mittelalterlichen Justiz


Im Mai letzten Jahres hat ein Richter einen 18jährigen Schüler in Untersuchungshaft (port.: prisão preventiva) gesteckt, weil dieser in eine Schlägerei verwickelt war, bei der damals eine 13jährige von einer ihrer Mitschülerinnen brutal zusammengeschlagen wurde.
Der 18jährige war insofern verwickelt, weil er die Schlägerei mit seinem Handy aufgenommen und dann den Film auf Facebook gesetzt hatte.

Damals hatte es noch nicht einmal 24 Stunden gedauert, bis eine Reihe so genannter „Experten“ aus Politik, Gesellschaft und Justiz sich aufgebracht über die Härte der Strafe gegenüber dem 18jährigen Schüler zeigten.
Die meisten dieser „Experten“ meinten der Richter wäre zu streng und unsensibel gegenüber dem 18jährigen gewesen.
Einige sprachen sogar von einem „mittelalterlichen Justizsystem“, in dem es möglich sei, einen 18jährigen in Untersuchungshaft zu stecken, „nur“ weil er gefilmt hatte wie eine 13jährige zusammengeprügelt wurde.

Der 18jährige wurde kurze Zeit später aus der Untersuchungshaft entlassen und dafür in Hausarrest (port.: prisão domiciliária) gesetzt, was auch immer das heißen mag, denn er durfte danach weiterhin die Schule besuchen und sich so gut wie frei bewegen.

Ende letzter Woche nun, hat ein wohl „sensiblerer“ Richter den 18jährigen Schüler dazu verurteilt 40 Sozialstunden in einem Heim für Gewaltopfer abzuleisten, mit dem Kommentar, dies sei Strafe genug!

Die Moral der Geschichte:
Noch nicht einmal 10 Minuten nach seiner Verurteilung hat der 18jährige, beim verlassen des Gerichtssaales, eine Reporterin der Tageszeitung „Correio da Manhã“ tätlich angegriffen, diese geschubst und getreten, und das nur weil diese ihn gefragt hatte, ob er die Strafe des Richters für angemessen halte.
Aber damit noch nicht genug, auch die Mutter des 18jährigen beteiligte sich an diesem Vorfall gegen die Reporterin indem sie diese vor allen Leuten ohrfeigte.

Danach verließen Mutter und Sohn das Gerichtsgebäude, stiegen in ein Auto ein und führen Heim.
Obwohl dutzende Menschen und laufende Kameras diesen Vorfall im Gerichtsgebäude bezeugten, griff die Polizei nicht ein und auch der „sensible“ Richter revidierte nicht augenblicklich sein Urteil gegen den 18jährigen.

Heute nun, hat die Reporterin Strafanzeige gegen den 18jährigen und seine Mutter gestellt.
Wir dürfen jetzt schon darauf gespannt sein, wen der 18jährige als nächstes verprügeln wird und welche Schläger er dann aus seiner Familie rekrutieren wird.

Sonntag, 22. Januar 2012

Inside Out – Die Mauer des Glücks


In einer Zeit strikter Sparmaßnahmen, erhöhter Arbeitslosenzahlen, strenger Zurückhaltung und angeordneter Genügsamkeit beklagen sich die Portugiesen immer öfters – zu Recht!
Man möchte meinen, das Land bräuchte bald eine Klagemauer, so unerträglich wird mit der Zeit, leider, das lamentieren.
Aber statt einer Klagemauer hat die Stadt Lissabon es lieber vorgezogen eine „Mauer des Glücks“ (port.: mural da felicidade), Mitten in der Stadt, zu errichtet.

Seit letzter Woche schmücken nämlich insgesamt 138 riesige Fotografien von lächelnden und lachenden Menschen die Außenmauer des ehemaligen Lissabonner Messegeländes FIL (port.: Feira Internacional de Lisboa), an der Avenida da India, die Stadt.

Die Idee zu dieser „Mauer des Glücks“ geht auf das Projekt „Inside Out“ des französischen Starfotografen und Künstlers „JR“ zurück, der vergleichbare künstlerische Aktionen, mit übergroßen Portraits lachender Menschen, schon in den verschiedensten Städten der Welt durchgeführt hat.

Hier in Lissabon sind drei Frauen für „Inside Out“ verantwortlich.
Es sind dies Joanne Gatesfield, die die Organisation des ganzen Projektes auf sich genommen hat, Alexandra Dias, die alles produziert hat, und Isabel Pinto, die die riesigen Portraitbilder aufgenommen hat.
Die Portraits zeigen zum einen unbekannte Bürger, die unsere Nachbarn, Freunde und Kollegen sein könnten und zum anderen zeigen sie bekannte und berühmte Persönlichkeiten, wie Sportler, Schauspieler und Politiker.
Aber so unterschiedlich die Menschen auf diesen Fotografien auch sein mögen, eines haben die Portraitbilder alle gemeinsam:
auf allen von ihnen wird gelächelt oder gelacht!

Und wer weiß, in Zeiten, in denen wir immer weniger was zu lachen haben, kann solch eine Fotogalerie unter freiem Himmel, früh morgens auf dem Weg zur Arbeit, vielleicht sogar richtig ansteckend sein!

Es wäre wünschenswert!

Samstag, 21. Januar 2012

Der Barbier von Lissabon






Heute Morgen war ich zum Haare schneiden.
Normalerweise gehe ich hierzu in einen kleinen Friseurladen, der bei mir um die Ecke liegt.
Doch immer wenn ich die Gelegenheit habe, lasse ich mir in Lissabon, in der „Barbearia Campos“, die Haare schneiden – so auch heute Morgen.

Eine „barbearia“ ist hier in Portugal eigentlich ein reines Herrenfriseur- und Rasiergeschäft.
Die „Barbearia Campos“, im Lissabonner Stadtteil Chiado gelegen, ist nicht irgendein Friseurladen in Lissabon, sondern man kann durchaus sagen, dass sie, was Tradition angeht, die Perle der Friseurkunst in der Hauptstadt ist.
Wer sich im „Campos“ die Haare schneiden lässt, lässt nicht nur eine Dienstleistung über sich ergehen, nein, er atmet hier auch Geschichte ein, während eine Schere seine Haare kürzt.
Dabei hätte dieses geschichtsträchtige Friseurgeschäft beinahe nach der ersten Generation seine Türen schließen müssen.

Die „Barbearia Campos“ wurde im Jahre 1888, also vor genau 124 Jahren, von dem Friseurmeister José Augusto de Campos, gegründet.
Alle die es sich damals leisten konnten, vom einfachen Handwerker und Beamten bis hin zum reichen Geschäftsmann und Aristokraten, gingen bei José de Campos ein und aus.
Das Geschäft lief von Anfang an recht gut, und schnell wurde Campos zum beliebtesten Barbier der Stadt.

Doch zu seinem Leidwesen hatte José de Campos keinen Sohn, der eines Tages sein Geschäft hätte übernehmen können, sondern seine Frau schenkte ihm „nur“ zwei Töchter.
Das weder die eine noch die andere das Friseurgeschäft jemals hätte beruflich übernehmen können war damals von vornherein klar.
Daher war es eine glückliche Fügung, dass seine Tochter Marta sich in den Friseurmeister Artur Ribeiro dos Santos verliebte und diesen später auch heiratete.

Marta dos Campos und Artur dos Santos, die zweite Generation im Friseurgeschäft, bekamen später selbst nur Töchter.
Und so war es dann auch in der dritten Generation und ist es auch heute in der vierten Generation.
Das Geschäft wird zwar weiterhin von der Familie De Campos geführt, doch die Friseure und Barbiere die dort beschäftigt sind, sind alle angestellt.
Und es sieht so aus, als ob sich auch in der fünften Generation nichts daran ändern würde, denn auch die aktuelle Besitzerin des Geschäfts, Ana Maria Lopes de Campos, hat bis jetzt keine männlichen Nachfolger hervorgebracht.

Betritt man die „Barbearia Campos“, ist man sofort von der antiquarischen Inneneinrichtung und den einzelnen alten Utensilien überwältigt.
Die antiken und handgefertigten Möbel, die fünf verchromten Frisierstühle, die vielen Gläser und Töpfe voller Pomaden, Elixiere und Lotionen, die riesigen Spiegel und der Tresen voller verschiedener Kämme, Bürsten, Scheren, Rasierpinsel und Schaumschüsselchen verleihen der ganzen Barbierstube ein einzigartiges Flair.

Ein Highlight der Inneneinrichtung ist der große, braune Schrank an der hintersten Wand. Er beherbergt mehrere kleine Kästen aus Metal. In ihnen wurden früher die Frisierutensilien der einzelnen Kunden aufbewahrt, so das jeder Kunde seinen eigenen Kamm, Schere oder Rasierpinsel bei jedem Besuch benutzen konnte, ohne das er diese Utensilien aus hygienischen Gründen mit anderen Kunden hätten teilen müssen.
Der einzige Kunde der heute noch seine persönlichen Utensilien hier aufbewahrt, ist Pedro Castro e Silva, der Besitzer der nahe gelegenen berühmten Buchhandlung „Livraria Bertrand“.
Er kommt jede Woche hierher um sich hier die Haare nachzuschneiden.

Oftmals wird die „Barbearia Campos“ von Touristen aufgesucht.
Ich habe es selbst schon zwei Mal miterlebt, wie Touristen den Laden betreten haben und eigentlich nur ein paar Fotos machen wollten.
Da sich aber die meisten Herren dann schämen die Kameras rauszuholen und einfach ein paar Bilder zu schießen, entscheiden sie sich dann spontan zu einem Haarschnitt, während dann ihre Freundinnen oder Ehefrauen den Fotografen spielen.

Frauen spielten überhaupt seit jeher eine wichtige Rolle in diesem Friseurladen, der wie alle „barbearias“, eigentlich eine reine Männerwelt ist.
Abgesehen davon das seit drei Generationen der Laden fest in leitenden Frauenhänden ist und das heute, wie gesagt oftmals die Touristinnen ihren Männern als Fotografinnen dienen, hat die „Barbearia Campos“ auch immer Frauen als Kunden gehabt.

Heute ist es zwar immer noch außergewöhnlich das Frauen, mit Kurzharrfrisuren, sich hier ihre Haare nachschneiden lassen, aber früher war es eigentlich undenkbar das eine Frau oder Dame ein Barbiergeschäft wie das „Campos“ aufsuchte.
Es schickte und ziemte sich einfach nicht.

Nichtsdestotrotz waren hier über die Jahrzehnte hinweg viele Frauen Kunden.
Vor allem die Schauspielerinnen und Sängerinnen des nahen Teatro de São Carlos, der Oper, ließen sich hier früher, versteckt in einem hinteren Raum, welches heute das Büro ist, die Haare frisieren und ihre kunstvollen Perücken, die sie für ihre Auftritte brauchten, richten.

Die „Barbearia Campos“, im Largo do Chiado n° 4, ist zweifelsohne ein Ort mit Flair, voller Geschichte und Geschichten.
Aber vor allem ist es, und das kann ich sehr wohl aus eigener Erfahrung berichten, ein Ort wo man als Mann für 15 Euro einen exzellenten Haarschnitt verpasst bekommt.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Eselsohren: „O Português que nos pariu“


Soeben habe ich das humorvolle Buch „O Português que nos pariu“ (dt.: „Der Portugiese der uns gebar“), der berühmten brasilianischen Buchautorin Angela Dutra de Menezes, zum wiederholten Mal gelesen.

Alle Jahre wieder fällt mir dieses Buch aus meinem Bücherregal in die Hände, und ich lese es dann immer wieder mit großer Freude.
Angela Dutra de Menezes schreibt nämlich die Art von Büchern, die man immer wieder lesen kann.

In „O Português que nos pariu“ versucht die Autorin auf einzigartige Art und Weiße die portugiesische Seele zu entdecken.
Mit den Augen einer „Entdeckten“, die sie als Brasilianerin ist, versucht sie das Denken und Handeln der portugiesischen Entdecker im Laufe der Geschichte zu ergründen und zu erklären.

Von der Geburt der portugiesischen Nation, der Seefahrten der Portugiesen, der Entdeckung Brasiliens durch Pedro Álvares Cabral bis hin zur Ankunft der portugiesischen Königsfamilie in der neuen Welt und die Emigration abertausender portugiesischen Einwanderer nach Brasilien beschreibt Angela Menezes die Portugiesen mit all ihren Eigenarten und ihren Geschichten, so wie sie die Brasilianer sehen.

Angela Dutra de Menezes, die aus Rio de Janeiro stammt und die von Haus aus Journalistin ist – unter anderem schreibt sie für die brasilianische Zeitung „O Globo“ und die Zeitschrift „Veja“ – hat dieses Buch bereits im Jahre 2000 geschrieben und der brasilianische Verlag „Relume Dumará“ hat es verlegt.
In Brasilien war „O Português que nos pariu“ ein Bestseller.
Hier in Portugal erschien das Buch dann im Jahre 2006, und zwar im kleinen portugiesischen Verlag „Civilização Editora“.

Wer einmal mehr über die portugiesische Geschichte erfahren will und dann die Lusos selber mit den Augen eines Nicht-Portugiesen sehen will, der sollte, wenn er denn der portugiesischen Sprache mächtig ist, dieses Buch unbedingt lesen!

Mittwoch, 18. Januar 2012

Die Universität von Coimbra





Auf dem höchsten Punkt der Stadt Coimbra, an der Stelle des früheren Königspalastes, von dem heute nur noch ein historisches mauelinisches Portal erhalten ist, steht die alte ehrwürdige Universität von Coimbra (port.: Universidade de Coimbra / lat.: Universitas Conimbrigensis).
Die Universität von Coimbra ist heute eine öffentliche Universität mit über 22.000 Studenten und 1.500 Dozenten.

Am 01. März des Jahres 1290 unterzeichnete der damalige portugiesische König Dinis in der Stadt Leiria den Gründungsvertrag der Universität, der dann durch die päpstliche Bulle „Scientiae thesaurus mirabilis“ am 09. August 1290 von Papst Nikolaus IV bestätigt wurde.
Auf Anweisungen von König Dinis wurde noch im selben Jahr mit dem Bau der Universität begonnen.
Die Universität von Coimbra ist somit die älteste Bildungsanstalt Portugals und eine der ältesten und renommiertesten der Welt.

Ihren Ursprung hat die Universität aber nicht in Coimbra, sondern in Lissabon.
Hier wurde sie, wie bereits erwähnt, im Jahre 1290, an der Stelle an dem sich heute der Largo do Carmo befindet, gegründet.
Die ersten Fächer die damals an der neu gegründeten Universität gelehrt wurden waren Kunst (port.: artes), Kanonisches Recht (port.: direito canónico, Zivilrecht (port.: direito civil), Medizin (port.: medicina) und Theologie (port.: teologia).

Bereits 18 Jahre nach ihrer Gründung in Lissabon wurde die Universität dann im Jahre 1308 zum ersten Mal nach Coimbra verlegt.
30 Jahre später, im Jahre 1338, kam sie wieder nach Lissabon, wo sie dann für die nächsten 16 Jahre blieb.
Im Jahre 1354 wurde sie erneut nach Coimbra transferiert, wo sie dann auch bis 1377 blieb.
Von 1377 an blieb sie für die nächsten 160 Jahre wieder in Lissabon.
Erst 1537 wurde sie, auf Anweisung von König João III, endgültig nach Coimbra verlegt, wo sie dann bis heute auch geblieben ist.

Ihre ersten Statuten (port.: estatutos universitários) erhielt die Universität unter dem Namen „Charta magna privilegiorum“ im Jahre 1309. In ihnen wurden die Dauer eines Studiums an der Universität, die Prüfungskriterien und die daraus resultierenden akademischen Titel festgelegt.

Die zweiten Statuten wurden dann im Jahre 1431 unter König João I gewährt.
In ihnen wurden die Aufnahme- und Studiengebühren für alle Studenten, unabhängig ihrer sozialen Klasse, festgesetzt, genauso wie das Tragen der schwarzen akademischen Tracht festgelegt, die heute noch von den meisten Studenten voller Stolz, und heute durchaus freiwillig, getragen wird.

Unter König Manuel I erhielt die Universität im Jahre 1503 ihre dritten Statuten. Diesmal wurden die genauen Aufgaben und Pflichten des Rektors und der einzelnen Dozenten schriftlich festgelegt, ebenso ihre Gehälter und die einzelnen akademischen Zeremonien klar definiert.

Im Jahre 1559, jetzt unter König Sebastião I, erhielt die Universität ihre vierten Statuten.
In ihnen wurde vor allem beschlossen, dass der Rektor und die restliche Führung der Universität nicht mehr, wie bisher, vom König ernannt wurden, sondern ab diesem Jahr von einem unabhängigen Gremium, dem „Claustro“, zu wählen waren.

Die fünften Statuten sollten 1580 in Kraft treten.
Aber durch die Einverleibung Portugals an das Königreich Spanien in eben diesem Jahr, traten sie niemals in Kraft.

Die sechsten Statuten kamen dann im Jahre 1591 direkt aus Madrid.
In ihnen wurde festgelegt, dass ab sofort der jeweilige spanische Monarch die Amtsgeschäfte der Universität immer gemeinsam mit zwei Mitgliedern des unabhängigen Gremiums der Universität, des „Claustro“, zu leiten hatte.

Unter dem spanischen König Felipe IV, der als Filipe III auch über Portugal geherrscht hat, wurde die Universität dann ab 1630 teilweise neu gebaut.
Es entstand ein U-förmiges Gebäude mit einem riesigen Innenhof.
Der Eingang zu diesem weiten Innenhof war und ist noch heute die „Porta Férrea“ (dt.: Eisernes Tor) aus dem Jahre 1634.
Im Westen, Norden und Osten wird dieser Hof von Universitätsgebäuden umschlossen. Aber die südliche Hofseite bildet eine Terrasse, von der man eine prachtvolle Aussicht auf die Stadt Coimbra und den Fluss Mondego hat.

Im Jahre 1640 mussten die Spanier dann das Universitätsgelände und ganz Portugal verlassen, denn Portugal hatte seine Unabhängigkeit von Spanien wiedererlangt.
Im Jahr darauf, 1641, wurden dann die siebten Statuten herausgegeben. Sie hoben im Großen und Ganzen die vorhergehenden spanischen Statuten auf.

An der Nordseite des Universitätshofes befindet sich das ursprüngliche Universitätsgebäude, indem heute das Rektorat und die juristische Fakultät untergebracht sind.
Über eine breite Freitreppe betritt man den Säulengang, die „Via Latina“ (dt.: Lateinische Weg).
Hier durften sich die Studenten und Professoren früher nur in der lateinischen Sprache verständigen.

Die Nordseite des Hofes begrenzt die Sternwarte (port.: Observatório) und die Westseite die Universitätskirche (port.: Igreja Univeritária).
Die Kirche wurde zwischen 1517 und 1552 als Schlosskapelle erbaut.
Ihr 33 m hoher Turm wurde zwischen den Jahren 1728 und 1733 von dem deutschstämmigen Architekten João Frederico Ludovice erbaut. Er ist das Wahrzeichen, nicht nur der Universität, sondern der Stadt Coimbra überhaupt.
In ihm befindet sich im Glockengeläut die berühmte „cabra“ (dt.: Ziege), eine Glocke die ehemals in dieser traditionsreichen Universität jeden Tag den Unterrichtsbeginn und Unterrichtsschluss der Studenten läutete.

An der Kirche schließt sich die prunkvoll ausgestattete Alte Biblioteca Joanina (dt.: Johannesbibliothek) an, ebenfalls ein Werk des Architekten Ludovice, die zwischen 1716 und 1723 nach dem Vorbild der Wiener Hofbibliothek geschaffen wurde.
Die Gemahlin von König João V, der der Förderer dieser eindrucksvollen Bibliothek war, stammte nämlich ursprünglich aus Österreich.

Unter König José I und seinem Premierminister, dem Marques de Pombal, wurden dann im Jahre 1772 die achten Statuten eingeführt. Diese Statuten, die auch Pombalinische Statuten (port.: estatutos pombalinos) genannt werden, waren dafür verantwortlich, dass sich die Universität grundlegend veränderte.
Waren bisher die theologischen, juristischen und sprachlichen Fächer im Vordergrund gewesen, standen ab jetzt die naturwissenschaftlichen Fächer, wie Biologie, Chemie, Mathematik und Physik, im Mittelpunkt.
Die Bibliothek wurde aus diesem Grund innerhalb von drei Jahren mit 12.000 neuen wissenschaftlichen Büchern aus aller Welt gefüllt!

Die Bibliothek beherbergt heute über 60.000 seltene Bücher und Handschriften aus allen Teilen der Welt und obendrein das wertvolle Archiv der Universität.
Die Decken- und Wandgemälde dieses wunderschönen Gebäudes sind alle vom portugiesischen Künstler António Simões Ribeiro gemalt worden.
Bis zum Jahre 1910 wurde die Bibliothek von den Studenten benutzt.
Heute kann man die Bibliothek zwar besuchen, allerdings kann man dann nur mit einer Sondergenehmigung Einsicht in die alten Bände nehmen.

Anfang des Jahres 1911 erhält die Universität neue Statuten.
Mit dem Ende der Monarchie und mit dem Beginn der Republik erhielt sie zum ersten Mal eine gewisse Autonomie und eine gerechtere Gebührenpolitik, damit ab nun jeder, aber auch wirklich jeder, unabhängig seiner finanziellen Möglichkeiten, studieren konnte.

Die größte architektonische Veränderung der neusten Zeit erlebte die Universität dann von 1942 bis 1969, als nämlich ein großer Teil der Altstadt von Coimbra, südlich des Largo da Feira, abgerissen wurde und neue Universitätsgebäude mit einer Reihe von Instituten, unter anderem die Faculdade de Medicina (dt.: Medizinische Fakultät), die Faculdade das Letras (dt.: Philosophische Fakultät) und die aktuelle Biblioteca Geral (dt.: Allgemeine Bibliothek), unter der Leitung der Architekten José Ângelo Cottinelli Telmo und Cristino da Silva gebaut wurden.

1974, mit dem Ende der Diktatur, reformierte sich die Universität. Sie erhielt neue Statuten und sie wurde, dem politischen Klima entsprechend, demokratischer und dynamischer.
Mit dem Jahr 1989 traten die aktuellen Statuten in Kraft.

Die Universität von Coimbra besitzt heute acht Fakultäten.
Jeder Fakultät ist eine Farbe zugeordnet, die die einzelnen Studenten identifizieren die sie zumeist als farbige Bänder tragen.
Trägt ein Student z.B. ein rotes Band, so weiß man das dieser Rechtswissenschaften studiert, trägt er ein gelbes Band, weiß man das er Medizin studiert, usw., usw.
Die Universität selber identifiziert sich immer mit der Farbe grün.
Die einzelnen Fakultäten und die entsprechenden Farben die ihnen zugeordnet sind

• die Fakultät für Medizin (port.: Faculdade de Medicina) – gelb
• die Fakultät für Pharmazie (port.: Faculdade de Farmácia) – lila
• die Fakultät für Philosophie (port.: Faculdade de Letras) – blau
• die Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften (port.: Faculdade de Psicologia e Ciências da Educação) – orange
• die Fakultät für Rechtswissenschaften (port.: Faculdade de Direito) – rot
• die Fakultät für Sportwissenschaften (port.: Faculdade de Ciências do Desporto e Educação Física) – braun
• die Fakultät für Technologiewissenschaften (port.: Faculdade de Ciências e Tecnologia) – blau-weiß
• die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (port.: Faculdade de Economia) – rot-weiß

Diese acht Fakultäten bieten heute Studenten, unter anderem, einen Abschluss in Architektur, Medizin, Erziehungs- und Ingenieurswissenschaften, Recht, Mathematik, Naturwissenschaften, Psychologie, Sozialwissenschaft und Sport an.

Ebenfalls zum Universitätsgelände gehört der exotische Botanische Garten (port.: Jardim Botânico), der einstmals auf Veranlassung des Marques de Pombal angelegt wurde.
Leider ist nur ein Teil des Botanischen Gartens öffentlich zugänglich, denn der größte Teil des Gartens ist dem Biologischen Institut der Universität vorbehalten.

Über die Jahrhunderte hinweg hat die Universität viele Studenten und Studentinnen hervorgebracht, die Berühmtheit erlangt haben.
Einige der berühmtesten ehemaligen Studenten und Studentinnen der Universität von Coimbra sind:

• Manuel Alegre – Poet und Politiker
• Manuel de Arriaga – Politiker und ehemaliger Staatspräsident
• Teófilo Braga – Politiker und ehemaliger Staatspräsident
• Luis de Camões – Poet und Schriftsteller
• Sebastião José de Carvalho e Mello, Marques de Pombal – Politiker und Premierminister
• João Baptista de Almeida Garett – Schriftsteller
• Xanana Gusmão – Freiheitskämpfer und Präsident von Ost-Timor
• Ernesto Rodolfo Hintze Ribeiro – deutschstämmiger Politiker und späterer Premierminister
• Alberto Iria – Historiker
• Artur Jorge – Fußballtrainer
• Eduardo Lourenço – Literaturwissenschaftler
• Egas Moniz – Neurologe, Politiker und Nobelpreisträger
• Vital Moreira – Rechtswissenschaftler
• Pedro Nunes – Mathematiker und Astronom
• Sidónio Pais – Politiker und ehemaliger Staatspräsident
• António de Oliveira Salazar – Politiker und späterer Diktator
• Aristides de Sousa Mendes – Politiker und Konsul
• Miguel Torga – Schriftsteller
• José Maria Eça de Queirós – Schriftsteller
• Antero de Quental – Schriftsteller

Mit ihrer über 700jährigen Geschichte gilt die Universität von Coimbra auch heute noch als die beste Universität Portugals, als eine der drei besten Universitäten im portugiesischsprachigen Raum, nach den Universitäten von São Paulo und Rio de Janeiro in Brasilien, und als eine der besten weltweit.

Dienstag, 17. Januar 2012

„Almirante Warington Baden-Powell“


Es ist jetzt genau neun Jahre her, als vor der Azoreninsel Flores ein schwedisches Segelboot (port.: veleiro) von der portugiesischen Marine aufgebracht wurde.
Damals wurde die dreiköpfige Besatzung wegen Drogenbesitzes festgenommen und die Ladung und das Boot beschlagnahmt.

Dieses 16 m lange Segelboot wird nun gerade in eine Art „Schulsegelboot“ umgewandelt.
Ein azoreanisches Gericht hat nämlich den Pfadfindern der Marine, von der Insel São Miguel, das beschlagnahmte Segelboot, das bis dato Eigentum des portugiesischen Staates war, jetzt per Gerichtsbeschluss zugesprochen.

Die Pfadfinder der Marine (port.: escuteiros marítimos) wollen das Segelboot, nach Beendigung der Reparaturarbeiten an Außen- und Innenverkleidung, Rumpf, Motor und nautischen Instrumenten, dazu benutzen um dann, mit jugendlichen Pfadfindern aus aller Welt die Inselwelt der Azoren zu erkunden.

An den Reparaturarbeiten beteiligen sich die Portugiesische Marine (port.: Marinha Portuguesa), die Regionalregierung der Azoren (port.: Governo Regional dos Açores), die Diözese der Stadt Angra do Heroismo (port.: Diocese de Angra do Heroísmo) und die maritimen Pfadfinder selbst.

Das Segelboot, das jetzt nach dem Begründer der Pfadfinderorganisation Warington Baden-Powell auf den Namen „Almirante Warington Baden-Powell“ getauft wurde und das im Juli dieses Jahres fertig repariert sein soll, wurde im Jahre 1980 in Schweden vom Stapel gelassen und wird zukünftig acht jungen Leuten Platz für verschiedene Abenteuerfahrten bieten.

Ihnen allen, Allzeit Gute Fahrt!

Montag, 16. Januar 2012

„Austeridade“ – das portugiesische Wort des Jahres 2011


Zum portugiesischen Wort des Jahres 2011 (port.: Palavra do Ano 2011) wurde letzte Woche das Wort „austeridade“ gewählt (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Wort des Jahres in Portugal“ vom 29. Dezember 2011).

„Austeridade“, das im Deutschen mit „Strenge“, „Sparsamkeit“, „Genügsamkeit“ oder „Zurückhaltung“ zu übersetzen ist, steht hier in Portugal für die harte Sparpolitik mit der wir uns seit nunmehr fast einem Jahr tagtäglich herumschlagen müssen.

Genau 100 Wörter, die zuvor von Sprachanalysten und Sprachgelehrten aus tausenden eingereichten Wörtern ausgesucht worden waren, hatte der berühmte portugiesische Verlag „Porto Editora“ dieses Jahr ins Internet zur freien Wahl gestellt.

Hier nun eine kleine Rangliste der zehn meistvotierten Wörter:

1. Platz – „austeridade“ (dt.: Sparsamkeit, strenge Zurückhaltung)
2. Platz – „esperança“ (dt.: Hoffnung)
3. Platz – „troika“ (dt.: Troika)
4. Platz – „charter“ (dt.: Charter)
5. Platz – „fado“ (dt.: Fado)
6. Platz – „voluntariado“ (dt.: Freiwilligendienst)
7. Platz – „desemprego“ (dt.: Arbeitslosigkeit)
8. Platz – „sushi“ (dt.: Sushi)
9. Platz – „emigração“ (dt.: Auswanderung)
10. Platz – „subsidio“ (dt.: Hilfsgelder, Beihilfe)

Bis auf die zwei Wörter „sushi“ und „charter“ haben alle anderen Wörter dieser Top10-Liste irgendwie mit der aktuellen schweren wirtschaftlichen Lage hier in Portugal zu tun.
Das das Wort „esperança“, also die Hoffnung, gleich nach „austeridade“ den zweiten Platz belegt hat, zeugt dabei zweifelsohne von dem Empfinden den die meisten Portugiesen hier im Augenblick haben.

Sonntag, 15. Januar 2012

Brites, die Bäckerin von Aljubarrota


Brites de Almeida wurde um das Jahr 1350 herum, in der Stadt Faro, an der Algarve, geboren, wo ihr Vater eine kleine Weinwirtschaft (port.: taberna) besaß.

Das ganze Leben dieser Frau, die tatsächlich einmal gelebt hat, basiert auf einer Legende, die heute noch, nach vielen, vielen Jahrhunderten, hier in Portugal gerne erzählt wird.

Der Legende nach war Brites de Almeida nicht gerade mit Schönheit gesegnet. Sie soll dickleibig gewesen sein, krauses Haar und eine Hakennase gehabt haben und außerdem sollen je sechs Finger ihre beiden Hände geziert haben.
Der Geschichte nach, muss Brites wohl ein recht schwieriges Kind gewesen sein, wohl das, was man heute hier in Portugal eine „Mariarapaz“ (dt.: ein Mannsweib) nennt.
Man sagt ihr nach, dass sie ihren Eltern das Leben nicht gerade einfach machte, denn ihre Lieblingsbeschäftigungen waren das Raufen und das Saufen, was für eine junge Frau von damals, und auch heute, nicht gerade eine erbauliche Lebensart war und ist.
Als sie 20 Jahre alt ist stirbt zuerst ihr Vater, und dann ein paar Monate später, auch ihre Mutter.

Nach dem Tod ihrer Eltern lernt sie einen jungen Soldaten kennen, der sie wohl mehr liebte, als sie ihn.
Eines Tages macht er ihr, wohl im betrunkenen Zustand, einen Heiratsantrag und bedrängt sie übermütig. Brites schlägt ihn daraufhin kurz und klein und rammt ihm ein Messer in die Brust.
Ihrer schweren Tat bewusst, verlässt sie sofort Faro auf dem erstbesten Schiff, das zum Auslaufen bereit ist.
Das Schiff ist auf dem Weg ins spanische Kastilien, wird aber nur zwei Tage nach dem Auslaufen in Faro von algerischen Piraten geentert und sie und alle anderen Passagiere werden als Sklaven nach Algier verkauft.
In Algier gelingt ihr die Flucht und sie nimmt wieder ein Schiff, diesmal eines in Richtung Heimat.
In Ericeira, nördlich von Lissabon, geht sie an Land. Da sie immer noch wegen Totschlags gesucht wird, schneidet sie sich die Haare kurz, verkleidet sich als Mann und verdient ihren Lebensunterhalt erst einmal als Eselstreiberin.
Irgendwann ist sie aber das ständige Flüchten leid, lernt einen Bäcker aus Aljubarrota kennen und heiratet diesen.

Als sich am 14. August 1385, auf einem Feld unweit ihrer Bäckerei, die Truppen Kastiliens und die Truppen Portugals, letztere befehligt von König João I und seinem großen Feldherren Nuno Álvares Pereira, sich in der Schlacht von Aljubarrota gegenüber stehen, hält es Brites nicht mehr zuhause aus.

In der Nähe des Feldes, auf dem die Schlacht tobt, hilft sie dem portugiesischen Heer, das in der Unterzahl ist und daher jede Hilfe gebrauchen kann, Gräben auszugraben und mit Fallen für die kastilischen Reiter zu drapieren, so genannten „Krähenfüße“, um die Pferde und die Füße der kastilischen Soldaten zu verletzen.
Die Portugiesen gewinnen, wie wir heute wissen, die Schlacht von Aljubarrota und die Kastilier werden in die Flucht geschlagen.

Als Brites an diesem Tag erschöpft in ihre Bäckerei zurückkehrt, sieht sie dass das Schloss ihrer Backstubentür aufgebrochen ist. Ihr wird klar, dass sich kastilische Feinde auf der Flucht in ihrer Bäckerei versteckt haben. Nach kurzem suchen, findet sie sieben kauernde kastilische Soldaten in ihrem Backofen.
Sofort nimmt sie ihren Brotschieber und machte kurzen Prozess.
Sie erschlägt die sieben Soldaten einen nach dem anderen – sozusagen „Sieben auf einen Streich“!

Bei dieser, von der Phantasie beflügelten Geschichte, handelt es sich fraglos um eine Legende, die als Beiwerk zu dem Wunder der Schlacht von Aljubarrota, in der eine kleine portugiesische Armee eine Übermacht Kastiliens besiegte, alsbald nach der Schlacht überall erzählt wurde.

Aber obwohl nur eine Legende, so hat es Brites de Almeida dennoch zu einer portugiesischen Heldin gebracht, die später in vielen Geschichten und Volksliedern verherrlicht wurde, die heute noch erzählt und gesungen werden.

Samstag, 14. Januar 2012

Kandidatur der Universität Coimbra als Weltkulturerbe


Nach dem Ende letzten Jahres der Fado auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO (port.: Lista do Património Cultural da Humanidade da UNESCO) gesetzt wurde (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag‚ „Weltkulturerbe Fado“ vom 27.11.2011) will sich Portugal nun diesen Monat mit einer weiteren Kandidatur bei der UNESCO um die Aufnahme in die berühmte Liste bemühen.

João Gabriel Silva, der Rektor der altehrwürdigen Universität der Stadt Coimbra (port.: Universidade de Coimbra), die im Jahre 1290 als erste portugiesische Universität gegründet wurde, und eine der ältesten Universitäten der Welt ist, hat nun offiziell bestätigt das er Ende Januar eine formulierte Kandidatur bei der UNESCO in Paris einreichen wird.
Die Kandidatur, mit dessen Ausarbeitung schon bereits im Jahre 2005 universitätsintern begonnen wurde, soll aus über zweitausend Seiten bestehen.

Die Universität von Coimbra kann auf eine 700jährige traditionsreiche Geschichte zurückblicken.
Aber obwohl sie so alt ist, gehört die Universität zu den modernsten Portugals und Europas, mit einem überdurchschnittlichen Anteil an ausländischen Studenten, darunter auch viele Deutsche.

Mit einer Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes würden nicht nur die alten geschichtsträchtigen Fakultätsgebäude (port.. faculdades universitárias / lat.: Alma mater conimbrigensis) und die wunderschöne und wertvolle Johannesbibliothek (port.: Biblioteca Joanina) gewürdigt werden, sondern auch der prächtige Botanische Garten (port.. Jardim Botanico), der zum weitläufigen Universitätsgelände gehört.

Der Titel als Weltkulturerbe (port.: Património Mundial) käme der Universität sehr gelegen, denn in Zeiten knapper Kassen, könnten dann die zu erwarteten finanziellen Mittel, die mit solch einer Aufnahme in die berühmte Liste automatisch fliesen würden, für die Instandhaltung der alten historischen Gebäude sinnvoll verwendet werden.

Mit einer eventuellen positiven Entscheidung durch die UNESCO-Kommission wird dann Ende des Jahres 2013 gerechnet.

Freitag, 13. Januar 2012

Capela dos Ossos


In meinem Eintrag „Évora“, den ich am 11. November 2011 gepostet habe, schreibe ich über die Klosterkirche Igreja de São Francisco in der Stadt Évora, die eines der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des Alentejo ist.

Hauptattraktion dieser Kirche aus dem 15. Jahrhundert ist die weltberühmte „Capela dos Ossos“ (dt.: Knochenkapelle), die selber aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Gleich am Eingang der Kapelle kann man auf einer einfachen Tafel den etwas makaberen und drohenden Spruch
„Nós ossos que aqui estamos, pelos vossos esperamos“
lesen, der ins deutsche Übersetzt so viel heißt wie
„Unsere Gebeine die hier ruhen, warten auf die Euren“.

Betritt man die „Capela dos Ossos“ so wird man regelrecht von ihrem Inneren „erschlagen“.
Sie ist dreischiffig und befinden sich dort, wo sich zu Zeiten der Mönche deren Schlafsaal (port.: dormitorio) befand.
Sie ist 18,70 m lang und 11 m breit.

Die „Capela dos Ossos“, so wie wir sie heute bewundern können, ist einzig und allein das Werk von drei Franziskanermönchen des alten Klosters.
Die drei Mönche João Emanuel, Miguel Trovado und Pedro de Voga brauchten über zehn Jahre um die Kapelle zu errichten.
Alleine haben sie die ganzen Wände und die acht Säulen vom Boden bis zum beginn der Decke über und über mit menschlichen Knochen zuzementiert.
Man schätzt heute, dass sich hier die Gebeine von mehr als 5.000 Toten befinden, die aus den umliegenden Friedhöfen der Stadt kamen.
Die dreischiffige Decke ist mit allegorischen Szenen des Todes ausgemalt.

Gewidmet ist die Kapelle dem „Senhor dos Passos“, der in einem bewundernswerten und ausdrucksstarken Gemälde eines unbekannten Malers, in der Kapelle dargestellt ist.
Das Gemälde zeigt den leidenden Jesus Christus, wie er mit dem Kreuz auf dem Rücken, den Leidensweg geht.

Zu diesem Gemälde fällt mir eine kleine persönliche Geschichte ein, die sich vor gut 30 Jahren in Évora zugetragen hat.

Als meine Schwester Carla und ich noch Kinder waren, besuchten meine Eltern mit uns die Stadt Évora und bei dieser Gelegenheit auch die Klosterkirche Igreja de São Francisco und die dazugehörige „Capela dos Ossos“.

Während ich, so makaber es auch klingen mag, mir jeden einzelnen Knochen bewundernd anschaute und von dieser ganzen Kapelle einfach nur erstaunt war, da ich bis zu diesem Tag noch nie etwas mit dem Tod und echten menschlichen Knochen zu tun hatte, blieb meine kleine Schwester Carla still auf einer der hölzernen Kirchenbänke sitzen.

Sie blieb dort still sitzen, bis zu dem Augenblick an dem sie mit einem ängstlichen und fast schon verzweifelten Unterton, nach unserer Mutter Luisa rief.
Als unser Mutter, die sich ebenfalls daran gemacht hatte die Kapelle zu erkunden, nach nur wenigen Sekunden bei meiner Schwester war und diese fragte was denn geschehen sei, sagte meine kleine Schwester ohne zu zögern:

„Der Herr Jesus hat mir soeben mit dem Auge zugezwinkert...“

Meine kleine Schwester Carla meinte doch tatsächlich, der „Senhor dos Passos“ hätte ihr vom Gemälde herab, zugezwinkert!
Meine Eltern hakten damals das ganze als eine optische Täuschung ab und versuchten meiner kleinen Schwester dieses „Wunder“, so gut es ihnen möglich war, zu erklären.
Ich aber, habe mich über meine kleine Schwester und dieses Geschehnis in Évora, noch sehr lange Zeit lustig gemacht.

Trotz allem, ließ sich meine Schwester Carla damals, genauso wie heute, von ihrer Behauptung nicht abbringen – der Herr Jesus hatte ihr zugezwinkert – Punkt, Aus, Schluss!

Auch wenn ich mich wegen dieses Ereignisses in Évora, viele Jahre hinweg, über meine Schwester lustig gemacht habe, so muss ich doch zugeben das wohl jeder von uns schon das eine oder andere Mal vor solchen „Wundern“ gestanden hat, ohne für diese so recht eine Erklärung zu finden.

Man sagt für gewöhnlich, der Glaube könne Berge versetzen.
Warum soll also meine kleine Schwester damals nicht gesehen haben wie ihr der „Senhor dos Passos“ zugezwinkert hat?

Wie auch immer, die Klosterkirche Igreja de São Francisco in Évora und die dazugehörige „Capela dos Ossos“ sind immer einen Besuch wert.
Nur, sollten sie kleine Kinder haben, dann erklären sie ihnen im Voraus was sie in dieser Kapelle erwartet.
Sonst riskieren auch sie, wie damals meine Eltern, ihrem Kind über Jahre gewisse „Wunder“ erklären zu müssen!

Donnerstag, 12. Januar 2012

Vasco da Gama


Wer jemals in Sines zu Gast war, wird von der Stadt an sich enttäuscht sein.
In einer felsigen und dünenreichen Bucht der südportugiesischen Atlantikküste des Baixo Alentejo gelegen, hat Sines, architektonisch gesehen, nicht viel mehr als eine kleine Fischerkapelle, eine vor Jahren restaurierte alte Burg und eine riesige, stinkende Erdölraffinerie zu bieten.
Aber, auch wenn Sines nicht besonders sehenswert ist, so ist die Stadt in Portugal doch als der Geburtsort eines großen Portugiesen bekannt.

Der berühmte Seefahrer und Entdecker Vasco da Gama ist nämlich ein Sohn dieser Stadt.
Sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt, denn die Angaben in den verschiedenen Dokumenten schwanken zwischen 1460 und 1469.
Überhaupt weiß man heute recht wenig über das Leben des jungen Vasco da Gama.
Er wurde als Sohn von Estêvão da Gama und Isabel Sodré, deren Familie ursprünglich aus England stammte, geboren.
Vasco da Gama hatte mindestens vier Geschwister, darunter auch sein Bruder und Weggefährte Paulo da Gama. Einige Wissenschaftler sprechen gar von fünf oder sechs Brüdern und Schwestern.

Sein Vater Estêvão da Gama gehörte dem niederen Adel und dem Ritterorden von Santiago (port.: Ordem de Santiago) an. Er hatte das Amt eines Gouverneurs (port.: Alcaide-mor) der Städte Sines und Silves inne.
Estêvão da Gama besaß eine kleine Seifenfabrik in Estremoz, mit der er hauptsächlich den Lebensunterhalt seiner Familie bestritt.

Im Jahre 1480 trat auch Vasco da Gama in den Ritterorden von Santiago ein. Der Eintritt in diesen Orden bedeutete nicht automatisch die spätere Weihe zum Priester, sondern sie war lediglich die Voraussetzung dafür, später einmal
Einkünfte aus der Verwaltung und Bewirtschaftung der Güter des Ritterordens beziehen zu können.
Da der Eintritt in den Santiagoorden damals gewöhnlich im Alter von elf oder zwölf Jahren erfolgte, gehen heutige Historiker davon aus, das das Geburtsjahr von Vasco da Gama entweder 1468 oder 1469 war.
Aber wie schon erwähnt – sicher ist man sich nicht.

Sicher ist man sich allerdings darin, dass er im Santiagoroden ein Schüler des Mathematikers und Historikers Augusto Carlos Teixeira de Aragão war. Außerdem kam er durch den Orden zum ersten Mal mit der Seefahrt in Verbindung.
Da er den großen Astronomen Abraão ben Samuel Zacuto persönlich kannte (bitte lesen sie hierzu auch meinen Eintrag „Abraão ben Samuel Zacuto“ vom 07. Januar 2012), vermutet man, dass er von diesem auch in die Astronomie eingewiesen wurde.

Im Jahre 1492 beauftragt ihn König João II mit der Überwachung des Handels in der Hafenstadt Setúbal.
Zu seinen Aufgaben gehörte es, unter anderem, Angriffe französischer Piraten, gegenüber portugiesischen Handelsschiffen vor der Küste Westafrikas, zu unterbinden.
Einen Auftrag den Vasco da Gama, gnadenlos und mit aller Härte, zur vollsten Zufriedenheit des Königs erledigt.
Eine Tatsache die dazu führt, dass seine menschlichen Qualitäten bis heute sehr umstritten sind.
In zeitgenössischen Quellen wird Da Gama oftmals als tapfer, zäh, stolz, mutig und kompromisslos aber auch als jähzornig, hitzig und sogar brutal beschrieben.

Aber vielleicht ist gerade seine Kompromisslosigkeit der Grund, warum König Manuel I ausgerechnet ihn damit beauftragte den Seeweg nach Indien zu finden, obwohl er bis dahin nur geringe Kenntnisse in der Seefahrt hatte.
Zwar hatte er eine gute Beziehung zu Manuel I und genoss das völlige Vertrauen des Königs, aber ausschlaggebend für die Ernennung Vasco da Gamas zum Kommandanten der ersten Entdeckungsfahrt nach Indien, war wohl, das er der größte Verfechter der Suche des Seeweges nach Indien, um den afrikanischen Kontinent herum, gewesen war.

Am 08. Juli 1497 sticht Vasco da Gama vom Hafen des damaligen Lissabonner Vorortes Restelo in See.
Insgesamt vier Segelschiffe bilden die kleine Armada.
Die Nau „São Gabriel“, die eigens für diese Fahrt gebaut wurde, diente Vasco da Gama, mit Pêro de Alenquer als Steuermann, als Flagschiff.
Auf der Nau „São Rafael“, die ebenfalls eigens für diese Reise konstruiert wurde, übernahm sein Bruder Paulo da Gama, mit dem Steuermann João de Coimbra, das Kommando.
Kapitän Nicolau Coelho und Steuermann Pêro Escobar kommandieren die etwas ältere Nau „Bérrio“.
Und auf dem kleinen und alten Transportschiff „São Miguel“ hatte Kapitän Gonçalo Nunes das sagen.

Obwohl er geringe nautische Kenntnisse hatte, standen so Vasco da Gama einige der besten Steuermänner und Kapitäne der damaligen Zeit zur Verfügung.
Die gesamte Besatzung der Armada bestand aus 170 Seeleuten, sieben Priestern und 24 Sträflingen, deren Aufgabe es war, bei besonders riskanten Unternehmungen ihren Kopf hinzuhalten.
Ein Drittel dieser Männer wird die Rückkehr nach Portugal nicht mehr erleben.

Nach einer Woche auf dem Meer, passieren die Schiffe die Kanarischen Inseln und am 04. November erreichen sie die Bucht von Sankt Helena (port.: Baía de Santa Helena) an der südwestafrikanischen Küste.
Am 22. November umrundet die kleine Armada das Kap der Guten Hoffnung (port.: Cabo da Boa Esperança) und drei Tage später werfen sie vor der heutigen Moselbay die Anker.
Am Weihnachtstag des Jahres 1497 segeln sie an der südafrikanischen Küste vorbei, und taufen sie auf den Namen Natal.
Diese Küste ist heute Teil der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal.

Am 02. März 1498 ankert Vasco da Gama, nach Tagen voller schwerer Stürme und mehreren versuchten Meutereien seiner Mannschaft, in einer Bucht, die zum heutigen Moçambique gehört.

Fünf Wochen später, am 07. April 1498, erreichen sie die heutige kenianische Stadt Mombasa (port.: Mombaça), wo sie von den dortigen Bewohnern und arabischen Kauf- und Seeleuten feindlich empfangen werden.
Vasco da Gama segelt bis zur Stadt Malindi (port.: Melinde) weiter, wo sie freundlicher aufgenommen werden. In Malindi wird ihm vom Sultan der ortskundige Steuermann Ahamed ben Madjid zur Verfügung gestellt, der die Armada nach Indien bringen soll.

Dort kommt Vasco da Gama auch, am Morgen des 20. Mai 1498, nach einer zehnmonatigen Überfahrt, an dem Strand von Kappakadavu, nördlich der Stadt Calecut im heutigen indischen Bundesstaat Kerala, an.
Zum ersten Mal in der Geschichte, war es einem Menschen gelungen, den afrikanischen Kontinent zu Umfahren und so den Seeweg nach Indien zu entdecken!

Da Gama schließt mit Samutiri Manavikraman Rajá, dem Zamorin (dt.: Stadthalter) von Calecut einen Friedens- und Handelsvertrag ab, und am 29. August 1498 tritt er, mit damals wertvollen Gewürzen beladen, den Rückweg nach Portugal an.
Er lässt 18 Mann zurück, ausnahmslos Sträflinge, und gibt diesen den Auftrag, sie möchten einen portugiesischen Handelsplatz gründen.

Durch den Monsun kommt die Armada nur langsam voran. Erst am 07. Januar 1499 erreicht Vasco da Gama bei Melinde die afrikanische Küste.
Die weitere Fahrt erweist sich, auf Grund der schlechten Wetterverhältnisse, als ziemlich schwierig und langwierig.

Erst am 10. Juli 1499 erreicht das erste Schiff seiner Armada, die „Bérrio“, unter dem Kommando von Kapitän Nicolau Coelho, Lissabon.
Vasco da Gama selber, der sich wegen seines todkranken Bruders Paulo mehrere Wochen auf der Azoreninsel Terceira aufhält, kommt erst am 09. September 1499 in Lissabon an, wo er triumphal vom König empfangen wird.

König Manuel I belohnt ihn reichlich.
Er spricht ihm eine stattliche Jahresrente von 300.000 Reais zu, macht ihn im Dezember 1499 zum Gouverneur von Sines, ein Amt den zuvor sein Vater Inne hatte, und ernennt ihn zum „Almirante do Mar das Indias“ (dt.: Admiral der indischen Meere“).

Um das Jahr 1500 herum ehelicht Vasco da Gama die Adelige Catarina de Ataíde, eine Tochter des königlichen Stadthalters von Alvor, Afonso de Ataíde, und dessen Ehefrau Maria da Silva.
Mit Catarina de Ataíde hat Vasco da Gama später einmal sechs Söhne und eine Tochter.

Es sind dies:

• Pedro da Silva da Gama, der von 1548 bis 1552 Gouverneur (port.: Capitão-mor) von Malakka war
• Francisco da Gama, zukünftiger Haupterbe seines Vaters und zweiter Graf von Vidigueira
• Paulo da Gama, der zwischen 1533 und 1534 Gouverneur von Malakka war
• Isabel de Ataíde
• Álvaro da Gama
• Estêvão da Gama, der u. a. zwischen 1529-1534 Gouverneur von Elmina, zwischen 1534–1538 Gouverneur von Malakka und zwischen 1540–1542 Gouverneur des portugiesischen-indischen Staates (port.: Estado da Índia) war
• Cristovão da Gama

Am 12. Februar 1502 bricht Vasco da Gama, diesmal mit 21 Schiffen, zu seiner zweiten Fahrt nach Indien auf.
Er wird von mehreren Familienmitgliedern begleitet.
So sind seine Onkel Vicente Sodré und Brás Sodré Kapitäne auf zwei Schiffen der Flotte. Sein Cousin Estêvão da Gama und sein Schwager Lopo Mendes de Vasconcelos haben ebenfalls das Kommando auf zweien der 21 Schiffe.

Die Überfahrt nach Indien verläuft diesmal etwas zügiger. Auf dem Weg nach Calecut sichtet der Seefahrer im Juni 1502 ein paar Inseln, die er auf den Namen „Ilhas do Almirante“ (dt.: Admiralsinseln) tauft.
Diese Inseln kennen wir heute unter dem Namen Seychellen.

Als Da Gama in Calecut ankommt, muss er feststellen, dass die Männer die er bei seiner ersten Reise zurückgelassen hatte, alle auf Befehl des Zamorins ermordet worden waren.
Er rächt sich auf grausame Weise an dem Zamorin von Calecute, in dem er die Stadt bombardiert, sie völlig zerstört und dann ihre Bewohner umbringen lässt.
Seinen Jähzorn lässt Da Gama ungezügelten Lauf, er verfällt nahezu in einen Rausch von Grausamkeiten.

Er segelt nach der Vernichtung von Calecut in Richtung Süden und erreicht bald darauf die indische Stadt Cochim, dessen Stadthalter den Portugiesen sehr gewogen ist.
Im Jahre 1503 lässt er in der Stadt Cochim die erste portugiesische Festung auf indischem Boden errichten, das Fort São Miguel, und stabilisiert mit diesem so die Vormachtstellung Portugals in Indien.
Im September 1503 macht sich Vasco da Gama wieder zurück auf den Weg nach Portugal.

Als Da Gama von seiner zweiten Indienfahrt reich beladen mit Gewürzen, Seide und Gold nach Lissabon zurückkehrt, erhöht der König seine monatliche Jahresrente auf die ungeheuerliche Summe von 400.000 Reais und macht ihn obendrein zum Mitglied seines Hofstaates.

Im Jahre 1507 legt Vasco da Gama, nach jahrelangen Streitigkeiten, alle Ämter im Santiagoorden nieder und tritt aus diesem aus.
Er zieht mit seiner Familie in die Stadt Évora.
Mit Unterstützung von König Manuel I wird er in den Orden der Christusritter (port.. Ordem de Cristo) aufgenommen.
Die nächsten Jahre verbringt Vasco da Gama am Hofe des Königs und ist ihm dort als Ratgeber für die verschiedensten Angelegenheiten der indischen Überseegebiete treu ergeben.
Im Jahre 1519 verleiht ihm der König für seine geleisteten Dienste und Treue den Titel eines Grafen von Vidigueira (port.: Conde de Vidigeura).

Als König Manuel I am 12. Dezember 1521 verstirbt, besteigt sein Sohn als João III den Thron.
Da die indischen Gebiete zusehends in Korruption und Misswirtschaft versinken, beschließt der neue König erneut die reichen militärischen und diplomatischen Dienste und Erfahrungen Da Gamas in Anspruch zu nehmen.
Er ernennt Vasco da Gama zum Vizekönig von Indien (port.: Vice-Rei da India) und stattet diesen mit allerlei Vollmachten aus, bevor er ihn nach Indien schickt.

Am 05. April 1524 verlässt Da Gama zum dritten Mal Lissabon in Richtung Indien.
Begleitet wird er diesmal, unter anderem, von seinen zwei Söhnen Estêvão und Paulo.

Kaum in Calecut und Cochim angekommen beginnt er drastische Reorganisationsmaßnahmen, sowohl in der Zivil- als auch in der Militärverwaltung.
Diese harten Veränderungen sollten später einmal, weit über Da Gamas Tod hinaus, die Verwaltungsstrukturen des portugiesisch-indischen Staates (port.: Estado da India) beherrschen.

Aber Vasco da Gama ist krank, sehr krank sogar.
Kaum vier Monate nach seiner Ankunft in Indien, erkrankt Vasco da Gama, laut einem zeitgenössischen Bericht, plötzlich an einer „Infektion in der Nackengegend“, was auch immer das heißen mag. Fakt ist, das sich an seinem ganzen Nacken eitrige Geschwüre bildeten, die schlussendlich zu seinem Tod führten.
Er verstarb am 24. Dezember 1524 in der südwestindischen Stadt Cochim.

Zuerst wurde er dort, in dem von den portugiesischen Franziskanerpatern gegründeten Kloster São Francisco beigesetzt.
Doch im Jahre 1538 ließ sein Sohn Pedro da Gama seinen Leichnam ins Kloster Nossa Senhora das Relíquias ins heimatliche Vidigueira überführen.
1880 wurden seine sterblichen Überreste, auf Anweisungen König Carlos I, feierlich im Hieronymus-Kloster (port.: Mosteiro dos Jerónimos) von Belém, in Lissabon, beigelegt.

Vasco da Gama ist ohne Zweifel einer der berühmtesten Portugiesen weltweit.
Seine Entdeckungsfahrt nach Indien, seine Taten und seine Abenteuer hat Portugals Nationaldichter Luis Vaz de Camões später mit seinem Hauptwerk „Os Lusiadas“ unsterblich gemacht.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Eselsohren: „Todesfahrt“


Zu Weihnachten habe ich von meiner Schwester Carla den Kriminalroman „Todesfahrt“ des Schriftstellers Michael Kibler geschenkt bekommen.
Michael Kibler, Jahrgang 1963, ist in Heilbronn geboren und ist durch und durch „Wahldarmstädter“.

Die Hauptrollen in diesem fiktiven Krimi spielen die zwei Darmstädter Kriminalkommissare Margot Hesgart und Steffen Horndeich.

In einem Wald bei Darmstadt wird die Leiche des US-Amerikaners Bill Fishkin von zwei Joggern erschlagen aufgefunden.
Bill Fishkin ist ein Privatdetektiv aus der kleinen Stadt Darmstadt im US-Bundesstaat Indiana.
Doch in Darmstadt/Hessen war er vor seiner Ermordung nicht etwa beruflich unterwegs, sondern, so scheint es, rein privat.

Fishkin hatte vor nicht allzu langer Zeit erfahren, das sein Vater Jack Mahone, den er seit seiner Geburt nicht kannte, in Darmstadt/Hessen lebte.
Als er diesen mit der Vaterschaft konfrontiert, erkennt der Bill Fishkin zwar sofort an, aber etwas scheint bei dieser Familienzusammenführung nicht ganz zu stimmen.

Denn zuerst erfahren Hesgart und Horndeich das sich Bill Fishkin vor seinem Tod bei Nick Peckhard, einem amerikanischen Kollegen, nach ungeklärten Todesfällen von vor 40 Jahren erkundigt hatte, und dann stirbt Jack Mahone selbst nur wenige Stunden nach seinem ermordeten Sohn.

Hesgart und Horndeich fangen an auf beiden Seiten des Atlantiks zu ermitteln, und bald kommen sie sowohl in Darmstadt/Indiana als auch in Darmstadt/Hessen einem düsteren Familiengeheimnis auf die Spur.

Mit „Todesfahrt“ hat Michael Kibler einen spannenden und interessanten Krimi geschrieben.
Er erzählt sorgfältig, detailgenau und ausführlich, so das man sofort, wenn man wie ich im hessischen Darmstadt gelebt hat, die einzelnen lokalen Plätze des Geschehens leicht wieder erkennt.
Selbst die Kleinstadt Darmstadt in Indiana kommt einem durch Michael Kiblers detailgenauen Beschreibungen irgendwann bekannt vor.

Erschienen ist dieser spannende Kriminalroman, dem ich jeden nur empfehlen kann, im Dezember 2011 im Münchner Pieper Verlag.

Dienstag, 10. Januar 2012

Königin Maria Sofia de Neuburgo


In der hessischen Stadt Darmstadt, meiner zweiten Heimatstadt, kann man im dortigen Museum des großherzoglichen Schlosses ein Porträt eines Kleinkindes bewundern.
Das Gemälde, aus dem Jahre 1675, zeigt die neunjährige Enkelin des damaligen Landgrafen Georg II von Hessen-Darmstadt.
Kaum einer, der das Museum besucht, weiß dass auf dem Gemälde eine zukünftige portugiesische Königin abgebildet ist.

Bei dem neunjährigen Mädchen, das hier von dem unbekannten Maler mit einem dezenten Lächeln gemalt worden ist, handelt es sich um die kleine Marie Sophie Elisabeth von Neuburg und der Pfalz, die später einmal unter dem Namen Maria Sofia Isabel de Neuburgo e do Palatino do Reno e Bragança den portugiesischen Thron besteigen wird.

Die kleine Marie Sophie war eine Tochter des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz und dessen zweiten Ehefrau Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt.
Sie erblickte am 06. August 1666 auf Schloss Benrath bei Düsseldorf das Licht der Welt.

Wie alle Kinder von Kurfürst Philipp Wilhelm, genoss auch Prinzessin Marie Sophie eine, für die damalige Zeit, äußerst umfangreiche, musikalische, religiöse und wissenschaftlich fundierte Ausbildung.

Marie Sophie wurde in ein kinderreiches Haus hineingeboren. Insgesamt hatte sie 16 Brüder und Schwestern!
Als zukünftige Königin war sie, was ihre Geschwister anging, in allerbester Gesellschaft.
Ihre Brüder Johann Wilhelm und Karl Philipp z.B. folgten ihrem Vater als Kurfürsten von der Pfalz.
Ihre Schwester Eleonore Magdalena wurde an der Seite von Leopold I Kaiserin des römisch-deutschen Kaiserreiches.
Eine andere Schwester von ihr, Maria Anna, wurde als Ehefrau von Carlos II, Königin von Spanien.
Drei ihrer Brüder schlugen eine Kirchenlaufbahn ein.
So wurde ihr Bruder Franz Ludwig Kurerzbischof von Trier, ihr Bruder Ludwig Anton wurde Bischof von Worms und Alexander Sigismund wurde Bischof von Augsburg.

Sie ist 20 Jahre alt, als der portugiesische Sonderbotschafter Manuel Teles da Silva sich am 08. Dezember 1686 auf dem Weg macht, um bei ihrem Vater, im Auftrag von König Pedro II, der seit vier Jahren Witwer ist, um ihre Hand anzuhalten.
Man wird sich schnell über die Einzelheiten einig, und am 22. Mai 1687 wird der Heiratsvertrag in Heidelberg unterschrieben.

11 Tage später, am 02. Juli 1687, heiratet Marie Sophie per procura in der kurfürstlichen Kapelle zu Heidelberg König Pedro II von Portugal und wird dessen zweite Ehefrau.
Ihr Vater, Kurfürst Philipp Wilhelm, hatte sich im Heiratsvertrag verpflichtet, seiner Tochter eine Mitgift von 100.000 Gulden auf dem Weg nach Lissabon mitzugeben.

Aber der Kurfürst konnte diese Vereinbarung nicht einhalten.
Zwar hatten die Stände von Pfalz-Neuburg der Braut, anlässlich ihrer Hochzeit, 20.000 Gulden geschenkt, ihr zukünftiger Schwager Carlos II von Spanien gab ihr weitere 20.000 Gulden mit auf dem Weg und die jülich-bergischen Landstände machten ihr 10.000 Gulden zur Schenkung.
Dennoch blieb Kurfürst Philipp Wilhelm dem portugiesischen Königshaus erst einmal 50.000 Gulden schuldig, die Hälfte der vereinbarten Mitgift.
Er verpflichtete sich, in einem Zusatz des Heiratvertrages, die fehlende Summe innerhalb von 12 Monaten zu begleichen.

Nichtsdestotrotz machte sich Prinzessin Marie Sophie mit Sonderbotschafter Manuel Teles da Silva und ihrem kleinen Gefolge am 01. August auf den Weg nach Portugal.
Sie reiste zuerst auf einem Schiff den Rhein hinauf und wurde in den Städten Worms, Mainz und Köln feierlich empfangen und dann jedes Mal mit Glanz und Pomp verabschiedet.
Dann überschritt die Prinzessin mit ihrem Gefolge die Grenze zu den Niederlanden.
Hier bestieg Marie Sophie in der Kleinstadt Brila ein englisches Schiff, das ihr James II von England zur Verfügung gestellt hatte, und das sie nach Portugal bringen sollte.

Am 12. August, zur Mittagszeit, ankerte das Schiff, welches Prinzessin Marie Sophie nach Portugal gebracht hatte, im Hafen von Lissabon an.
König Pedro II persönlich holte sie vom Schiff ab und gemeinsam begaben sich beide zur Kapelle des, heute leider nicht mehr existierenden, königlichen Palastes Paço da Ribeira, wo sie vom Lissabonner Erzbischof Luis de Sousa in persona verheiratet wurden.
Die umfangreichen Reisekosten Marie Sophies bestritt damals ihr Bruder Johann Wilhelm.

Maria Sofia, wie die portugiesische Form ihres Namens fortan lautete, war die 25. Königin Portugals.
Die zwölf Jahre, in dem sie den Titel einer Königin trug, waren ohne eine einzige Intrige oder einem einzigen negativem Ereignis ihrerseits behaftet.
Dennoch wurde König Pedro II schon kurze Zeit nach der Hochzeit ihrer überdrüssig, wahrscheinlich weil Kurfürst Philipp Wilhelm ihm die restliche Mitgift schuldig blieb.
Das Verhältnis zwischen dem König und der Königin wurde mit den Jahren immer schwieriger und war alsbald auch vor dem Hof nicht mehr zu verbergen.

Maria Sofia war eine sehr gläubige, gutmütige, respektvolle und beim Volk sehr beliebte Königin.
Die Tatsache, dass sie Witwen und Waisen finanziell unterstützte und das sie sogar, zum Leidwesen ihres Ehemanns Pedro II, in einem Teilflügel des Königspalastes Kranke, Behinderte und Bettler zeitweise unterbrachte, brachten ihr die vollste Hochachtung des ganzen Volkes.

Politisch trat sie nur einmal in Erscheinung, nämlich als sie erfolglos gegen einen Beschluss des Königs vorging, der den kategorischen Verbot beinhaltete, ihren Lieblingsbruder Ludwig Anton am Lissabonner Hof zu empfangen.
Ludwig Anton hatte seine Schwester Maria Anna nach Spanien begleitet, als diese Carlos II ehelichte, und Königin von Spanien wurde.
Maria Sofia, seine andere Schwester, die jetzt Königin von Portugal war, schickte ihrem Bruder eine Einladung nach Madrid, damit dieser sie in Lissabon besuchen möge.
In Coimbra erhielt Ludwig Anton die Nachricht, dass er am Lissabonner Hof nicht erwünscht sei, da Pedro II auch nicht zur Hochzeit von Anna Maria und Carlos II an den spanischen Hof eingeladen worden war.
Selbst nach mehrmaligen Bitten Maria Sofias an Pedro II, ihren Bruder in Lissabon empfangen zu dürfen, blieb der König hart.

Bis auf diese und ähnliche unerfreuliche persönliche Begebenheit mit ihrem Mann, verlief das Leben von Maria Sofia am Lissabonner Königshof recht ruhig und unspektakulär.

Spektakulär waren dagegen ihre Schwangerschaften.
In nur zwölf Jahren schenkte sie ihrem Mann sieben Kinder.
Die Tatsache, dass sie so viele Kinder in so kurzer Zeit gebar, obwohl sie und der König sich eigentlich nicht verstanden, lässt nur eine Schlussfolgerung zu, die damals ein offenes Geheimnis am Hofe war und die da lautete:
„der König nahm die Königin, wenn er einen gewissen Drang verspürte“.

Von den sieben Kindern die Maria Sofia auf die Welt brachte, starben zwei im Kindesalter, nämlich ihr Erstgeborener Sohn Infante João Francisco im Jahre 1688 und ihre Tochter, Infantin Teresa Maria, die 1696 geboren wurde und nur fünf Jahren alt wurde.

Das Erwachsenenalter erlangten ihr zweiter Sohn, der ebenfalls auf den Namen João getauft wurde und später seinem Vater als João V auf dem Thron folgte, Infante Francisco Xavier, Infante António Francisco, Infante Manuel José und Infantin Francisca Josefa.

Im Juli 1699 erkrankte Königin Maria Sofia in ihrer Residenz, dem Palácio dos Corte Real, plötzlich an einer schweren Gesichtsgürtelrose (port.: erisipela do rosto), die ihr ganzes Gesicht und ihren Kopf in Mitleidenschaft zog und ihr ungeheuerliche Schmerzen verursacht haben muss.
Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich von Tag zu Tag mehr und der König, obwohl er noch nicht einmal 200 Meter von ihr im angrenzenden Palast Paço da Ribeira lebte, lässt sich nicht ein einziges Mal an ihrem Krankenbett blicken.

Am 04. August 1699, zwei Tage vor ihrem 33. Geburtstag, erliegt Königin Maria Sofia in ihrem Palast an den Folgen ihrer schweren Krankheit.
Der König lässt daraufhin ihren Leichnam in den königlichen Palast Paço da Ribeira bringen und erst jetzt erweist er der Königin die letzte Ehre.

In der Kirche São Vicente de Fora, in der Gruft der Braganças, findet die vom Volk so geliebte und von ihrem Mann so wenig respektierte Königin Maria Sofia de Neuburgo letztendlich ihre letzte Ruhestätte.

Montag, 9. Januar 2012

Alte Gewichtseinheiten und Längenmaße Portugals


In meinem am 19.10.2011 erschienenen Beitrag „Manifestis probatum“ erwähne ich, dass der portugiesische König Afonso Henriques sich dem Papst in Rom gegenüber verpflichtete, ab 1143 eine jährliche Zahlung von fünf Quintais Gold für die Unabhängigkeit des neuen Königreiches Portugal zu bezahlen.

Heute nun, bin ich gefragt worden, was denn „Quintais“ seien.
Nun, ein „Quintal“ ist eine alte portugiesische Gewichtseinheit, die nach heutigem Gewichtwert, genau 58,752 kg beträgt.

Aber der „Quintal“ ist nicht die einzige Gewichtseinheit die es im früheren Portugal gab.
Bis zum 13. Dezember 1852, dem Tag, als in Portugal das noch heute gültige Metrische System (port.: sistema métrico) offiziell eingeführt wurde, waren mehre verschiedene Gewichtseinheiten und Längenmaße in Portugal, Brasilien und den portugiesischen Kolonien gültig. Diese verschiedenen Gewichts- und Längenmaße stammten teilweise noch aus dem Jahre 1495, als König Manuel I sie damals einführte.
Bis dahin hatte nämlich jede Stadt und jede Region im Königreich ihre eigene Mess- und Gewichtseinheit, was zu chaotischen Zuständen im alltäglichen Leben führte.

Das Metrische System setzte sich nach seiner Einführung dann aber nur langsam durch.
Ganze zehn Jahre sollte es dauern bis die alten Maß- und Gewichtseinheiten dann endgültig am 01. Januar 1862 offiziell vom Metrischen System abgelöst wurden.

Ich habe hier einmal die verschiedenen alten Gewichtseinheiten und Längenmaße aufgeführt, die früher in Portugal Gültigkeit hatten:


Die früheren Längenmaßeinheiten (port.: medidas lineares) bis 1852 waren:

• 1 Ponto = heute 0,19 mm
• 12 Pontos = 1 Linha = heute 2,29 mm
• 12 Linas = 1 Polgada = heute 25,5 mm
• 8 Polgadas = 1 Palmo de craveiras = heute 22 cm
• 12 Polgadas = 1 Pé = heute 33 cm
• 5 Palmos de craveiras = 1 Vara = heute 1,10 m
• 2 Varas = 1 Braça = heute 2,20 m
• 841 Braças = 1 Milha = heute 1850 m
• 3 Milhas = 1 Legua = heute 5550 m

Anzumerken sei hier, dass eine Vara früher das Standartmaß war, vergleichbar mit dem heutigen Meter und der früheren deutschen Elle.
Außerdem wurde der portugiesische Pé (dt.: Fuß) vom alten römischen Fuß hergeleitet, und war somit die älteste Maßeinheit Portugals.


Die früheren Gewichtsmaßaßeinheiten (port.: medidas pesonais) bis 1852 waren:

• 1 Grão = heute 0,0498 g
• 24 Grãos = 1 Escrópulo = heute 1,1953 g
• 3 Escrópulos = 1 Oitava = heute 3,5859 g
• 8 Oitavas = 1 Onça = heute 28,6875 g
• 4 Onças = 1 Quarta = heute 0,11475 kg
• 4 Quartas = 1 Arrátel = heute 0,459 kg
• 32 Arráteis = 1 Arroba = heute 14,688 kg
• 4 Arrobas = 1 Quintal = heute 58,752 kg
• 13,5 Quintais = 1 Tonelada = 793,152 kg

Die Standartgewichtseinheit war hier, mit 0,459 kg, der Arrátel.
Er war mit dem englischen Pfund vergleichbar, der genau dasselbe wog, und hier in Portugal auch oft Libra genannt wurde.

Seit der endgültigen Einführung des Metrischen Systems am 01. Januar 1862 sind die alten Messeinheiten Geschichte.
Nur in der Seefahrt wird noch die Seemeile (port.: milha nautica) verwendet und beim wiegen von Edelmetallen, wie Gold und Silber, werden die alten Gewichte, wie Grão und Onça, noch verwendet.